2003 - PILGERN AUF DEM CAMINHO PORTUGUES    


 

Unsere Etappen: Lissabon - Parque das Nacoes - Vila Franca de Xira - Azambuja - Santarem - Saramago -
                           Fatima - Leiria - Pombal - Condeixa a Nova - Coimbra - Porto - Braga - Valença do Minho -
                           Tui, Spanien - O Porriño - Playa de Cesantes - Pontevedra - Caldas de Reis - Padr
ón -
                           Santiago de Compostela


Aufbruch
  
Am Festtag unseres Pilgerpatrons sind wir 2003 aufgebrochen. Unseren Caminho Portugues wollten wir in Lissabon beginnen. Wir wussten, diesen Caminho findet man in alten Aufzeichnungen, aber nicht mehr im modernen Straßensystem von Portugal.
Wir waren also auf eine Straßenpilgerung eingestellt. Die meisten Planungshilfen und Dokumentationen zum Caminho Portugues sind für den Pilgerweg in Galicien vorhanden. Wegweiser für Fatimapilger
   In Portugal gibt es den gekennzeichneten Caminho de Fatima. Die Dokumentation zu diesem Weg ist
leider nur in portugiesischer Sprache vorhanden. Wir sind dem Caminho de Fatima mit dem Finger auf der Landkarte gefolgt. Dabei stellten wir fest, dass wir Zwei an diesem Pilgerweg schwerlich Unterkunft finden würden. Wie wir später im Gespräch mit Fatimapilgern herausgefunden haben, sind die Gruppen in den jeweiligen Übernachtungsorten vorangemeldet. Meist wird in provisorischen Unterkünften geschlafen. Bei den Bombeiros (Feuerwehr) zum Beispiel, oder in Schulen.

Anreise
  
Schon im zeitigen Frühjahr hatten wir für den 25 Juli Flugtickets im Internet gebucht. Das war gut so, denn die An- und Abreise konnten wir in diesem Jahr bequem und billig absolvieren. Drei Stunden braucht ein moderner Jakobspilger um von Köln nach Lissabon zu gelangen. Im Flugzeug sollte er nicht vergessen seine Uhr umzustellen, da er sonst mit falschen Zeitangaben durch die Welt stolpert. Nun, wir haben umgestellt und uns darauf eingestellt, wochenlang mehr oder weniger mit Augen- und Gebärdensprache zurecht kommen zu müssen. Für die allernotwendigsten Alltagssituationen lernten wir einige portugiesische Wörter auswendig. Sicherheitshalber hatten wir diese Wörter auch noch auf einen Spickzettel geschrieben, den wir in der Hosentasche mit uns herumtrugen. Gelegentlich kramten wir ihn hervor. Meist kamen wir ohne seine Hilfe zurecht. Nicht weil wir besondere Sprachgenies sind, sondern weil wir durchweg freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet sind.

Lissabon
    
Jetzt waren wir als Jakobspilger in Lisboa. Eigentlich stimmt das nicht ganz, denn in Lissabon wollten wir uns wie ganz normale Touristen auf Sightseeingtour begeben. Aus diesem Grund verplemperten wir keine kostbare Zeit mit der Zimmersuche. Am Schalter des Touristenoffice im Flughafengebäude haben wir uns ein Zimmer vermitteln lassen. Mit dem Flughafenbus näherten
Blick vom Figueira Platz auf den Burgbergwir uns dem Zentrum. Der Busfahrer machte uns beim Einsteigen die Zusage, uns zur rechten Zeit und am rechten Ort aus seinem Gefährt zu entlassen. So konnten wir stressfrei die Busfahrt als erste Erkundungsfahrt nutzen. Beim Anflug auf Lissabon hatten wir unsere Augen schon aufgesperrt, was wir jetzt fortsetzten. Lisboa ist auf Hügeln erbaut. Angesichts dieser Tatsache war uns klar, dass wir zum Stadtrundgang auf jeden Fall unsere dicken Wanderschuhe Sé (Kathedrale) anziehen würden. Das haben wir dann auch flugs getan. Gleich am ersten Tag haben wir etliche Kilometer und Höhenmeter in Lissabon zurückgelegt. Unser Hotel lag auf einem Hügel, der Altstadtkern unten am Tejo, die Burg wieder hoch oben auf einem Berg, die Sé (Kathedrale) auf halber Höhe und so weiter. Leider sind in Stadtplänen keine Höhenlinien verzeichnet. Von daher haben wir gelegentlich unsere vorher festgelegte Route in Natura etwas abgewandelt. Und, was wir uns ganz schnell beigebracht haben, das Busfahren. Busfahren ist richtig billig in Portugal. Man kann das Ticket im Bus kaufen. Billiger sind Mehrfahrkarten, die an autorisierten Kiosken, meist in der Nähe des Busbahnhofes zu haben sind.
Mosteiro dos Jeronimos, Kreuzgang     Trotz der großen Kunst öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können, haben wir in Lissabon im wahrsten Sinne des Wortes das Pflaster platt getreten. Pflaster in allen Variationen. Mal hatten wir holprige Katzenköpfe unter den Füßen, mal hochglänzende, mit Mustern und Ornamenten versehene Pflasterung. Wir mussten uns entscheiden: Wollen wir das Pflaster bewundern, oder die Fassaden der Häuser. Meist sind wir wie alle Touristen mit hochgereckten Nasen einhergegangen und haben vieles von dem gesehen, was in einschlägiger Reiseliteratur nachzulesen ist. Schön war’s und anstrengend. Anstrengend auch deshalb, weil sich die Mittagstemperaturen schon beängstigend der 40° Marke näherten. Eine Siesta zur Mittagszeit war dementsprechend unumgänglich und für unsere anstehende Pilgerung stand Frühaufstehen auf dem Stundenplan.

Aufbruch in LisboaTorre Vasco da Gama im  Parque das Nacoes
    
Losgepilgert sind wir am 27. Juli 2003 in Lissabon. Über die Berge von Lisboa sind wir gegangen. Der malerischen Altstadt kehrten wir den Rücken zu und näherten uns bald futuristischen Hochhaussiedlungen, die dann nahtlos in den Parque das Nacoes (Expo-Gelände von 1998) übergingen. Auch hier verweilten wir zwecks touristischer Unternehmungen. Am nächsten Tag erst hieß es für uns wirklich ULTREIA!
     Jeder von uns hatte, wie schon 1999, einen Golf-Caddie als Rucksacktransporter dabei. Die Caddies haben uns gute Dienste geleistet. An manchen Tagen schafften sie uns 100%  Erleichterung. Es gab natürlich auch Tage, an denen wir den Vorteil des Rucksacks auf zwei Rädern nur zu zweidrittel genießen konnten.

Am Rio Tejo
    
Die ersten Etappen verliefen im Tal des Rio Tejo. Die Straße (N 3) hatte einen breiten Seitenstreifen. Sorglos schritten wir einher und genossen die Natur. Erst kurz vor Santarem wurde es für uns Vasco da Gama Brücke spannt sich über den Rio Tejoungemütlich. Der Seitenstreifen verschwand und wir befanden uns mitten im Fernverkehr. Ein paar heikle Situationen hatten wir zu meistern. Als dann rechter Hand auch noch ein Mäuerchen unsere Bewegungsfreiheit einschränkte, da waren wir schlichtweg als totales Verkehrshindernis unterwegs. Die Portugiesen nahmen es ganz gelassen. Wir hingegen waren froh, als endlich die Mauer endete. Im großen Ganzen können wir sagen, dass wir als vollwertige Verkehrsteilnehmer akzeptiert wurden. Mag sein, dass uns die Caddies hier ein wenig aufgewertet haben. Wir sind in der Regel am rechten Straßenrand gegangen. Die zwei Räder hinter jedem von uns verschafften uns den nötigen Sicherheitsabstand. Diesen Sicherheitsabstand wussten wir auch bei Hundebegegnungen zu schätzen. Ganz wütende Kläffer haben wir gelegentlich durch kurze,Golf-Caddies als Rucksacktransporter schnelle Richtungswechsel der Caddieräder in die Flucht treiben können.
     Im Dunstkreis von Lisboa hatte jeder Ort seinen eigenen großen Konsumtempel. Hier traf sich die Jugend des Ortes, hier wurde Kleidung aller führenden Markenhersteller angeboten. Manche dieser großen Ladenpassagen waren architektonisch sehr aufwendig gestaltet. Daneben gab es natürlich auch kleine und ganz kleine Ladenlokale. Darunter waren auffallend viele Stoffgeschäfte, was den Rückschluss zulässt, dass viele Portugiesinnen ihr schickes Outfit selber schneidern. Des Weiteren hatte fast jeder Ort im Einzugsbereich von Lissabon seine eigene Stierkampfarena. Anhand der Plakatwerbung konnten wir erkennen, dass diese Arenen regelmäßig genutzt werden.

Pilgerbegegnung
    
Gleich am zweiten echten Pilgertag hatten wir frühmorgens eine Pilgerbegegnung. Eine 10köpfige Fatimapilgergruppe verließ ihr Quartier bei den Bombeiros. Große, schwere Rucksäcke lasteten auf ihren Schultern. Wir mit unseren Rucksacktransportern brachten die meisten der Gruppe zum Grinsen. Wir haben uns gegrüßt, dann ist jeder seiner Wege gegangen. Dreimal insgesamt haben wir diese Gruppe getroffen und jedes Mal haben wir uns über die Begegnung gefreut. Nur in Fatima, da haben wir uns dann leider nicht mehr gesehen.
Olivenhain     Ländlicher wurde es schon am ersten Tag. Trotzdem hatten wir ununterbrochen Lastwagen mit uns auf dem Weg. Anfänglich konnten wir den Grund dafür nicht ausmachen. Reisfelder lagen am Straßenrand. In den Orten sahen wir kleine, helle Wohnhäuser mit roten Dächern. Es waren auch Industrieanlagen zu sehen, aber mehr und mehr Palmen, Pinien, Eukalyptus- und Olivenbäume. An Bauernhäusern, einer Straußenfarm und an einem Gestüt kamen wir vorbei. Dann war plötzlich wieder Schluß mit ländlicher Idylle. Stundenlang sind wir an Logistikunternehmen vorbeigewandert. Jetzt hatten wir die Erklärung für das hohe Lastwagenaufkommen.
 

Santarem
    
Der erste größere Übernachtungsort auf unserer diesjährigen Pilgerung war Santarem. Tagsüber hatten wir nur kleine Hügel zu meistern. Den krönenden Abschluss fand unsere Tagesetappe mit einem Steilanstieg bei einer Mittagstemperatur von 40°. Uns wollte der Mut schwinden. Wir mussten alle Kraftreserven mobilisieren. Oben angekommen haben wir uns einfachCabacas Tower in Santarem hingehockt. Quartier zu machen, dazu fehlte uns die Kraft. Dann, nach etlichen Schlucken aus der Wasserflasche, schauten wir uns um und entdeckten Hinweistafeln. Tafeln, die auf einen historischen Stadtkern verwiesen und Schilder, die von Hostals und Residencials kündeten. Wir quartierten uns im nächstgelegenen Hostal ein mit dem Gedanken: Ruhe, schlafen, Siesta. Daraus wurde nichts. Der junge Mann an der Rezeption erklärte uns nämlich, dass in Santarem am Abend kaum urbanes Leben stattfindet. Wenn wir eine warme Mahlzeit einnehmen wollten, dann jetzt, zur Mittagszeit.
     Also, wieder hinaus in die pralle Sonne. Im Lokal um die Ecke kehrten wir ein. Dort gab es nur deftige Hausmannskost. Trotzdem gaben wir eine Bestellung auf. Die portugiesische Bezeichnung für das Gericht haben wir nicht recht verstanden. In Deutschland ist die Speise als Schlachtplatte bekannt. Ein ziemlich deftiges Essen bei 40°. Am Abend haben wir trotz Warnhinweis einen Stadtrundgang unternommen. Einsam und allein sind wir ein wenig durch die Altstadtgassen geschlendert. Das war ziemlich trist. Ohne lebhaft schwatzende Stadtbewohner haben die schönsten Plätze und Gebäude eben keine Wirkung.

Baustelle am Pilgerweg
    
Unsere Pilgerstraße, die N 3, präsentierte sich am nächsten Tag mit ganz neuem Gesicht. Eine Riesenbaustelle war sie. Als Fußgänger konnten wir von begradigten Kurven, die zu dem damaligen Zeitpunkt überwiegend noch aus festgewalztem Lehm bestanden, profitieren. Gut ließ es sich darauf gehen. Die 10 Fatimapilger, die haben wir auch getroffen, so etwa bei Tageskilometer 6. Bei Tageskilometer 10 sind wir dann so richtig in den Baustellenbetrieb geraten. Rangierende Walzen, Kettenfahrzeuge, Bagger und Kipper war um uns herum. Zwecks Beratung suchten wir ein Cafe am Straßenrand auf. Dort falteten wir unsere Straßenkarte auf. Wir entdeckten eine kleine Nebenstraße, die parallel zur Nationalstraße eingezeichnet war.
Kaum befahrene Landstraße     Das Abenteuer begann. Kaum befahren war die Landstraße. Sie führte über Hügel und durch Täler, vorbei an Olivenhainen und Maisfeldern, vorbei an abgeernteten Kornfelder und an vereinzelten Häuser mit gepflegten Gärten samt Pool. Dummerweise kamen wir an keinem einzigen Hinweisschild vorbei. Wir sahen kein Richtungsschild, kein Ortseingangs- oder Ortsausgangsschild. Wir sahen nur viel schöne Landschaft mit einzelnen schönen Häusern drin. Im Verlauf des Tages stellten wir fest, dass unsere Straßenkarte keineswegs mit den Örtlichkeiten übereinstimmte. Die Anwohner der idyllischen Landstraße bestätigten dies. Unsere Müdigkeit, später auch unsere Verzweiflung, war uns scheinst ins Gesicht geschrieben. In einem einsam gelegenen Cafe, welches Treffpunkt der Landbevölkerung war, wurde ein Ehepaar für uns aktiv. Kurz und bündig bugsierten sie uns mitsamt Gepäck in den vorm Cafe geparkten Geländewagen. Durch allerschönstes Hügelland wurden wir chauffiert und dann vor einem einsam gelegenen Hostal abgesetzt. Die resolute Portugiesin erklärte uns noch, dass wir in der Hotelbar einchecken müssten, eine Rezeption gäbe es nicht. Das hat uns wenig gestört. Wir waren weg von der Landstraße, hatten ein Nachtlager und Essen gab es auch. Das Hostal war nämlich Anlaufstelle für Fernfahrer, obwohl es ohne direkten Autobahnanschluss war. 

Fatima
Auf dem Weg nach Fatima    
Das Abenteuer „Pilgern auf Nebenstraßen“ hat uns insgesamt schneller voran gebracht als wir geplant hatten. Fatima wollten wir laut Vorplanung erst am 3. August erreichen. Beim Kartenstudium am Abend wurde uns klar, dass wir Fatima schon am 1. August erreichen könnten. Guten Mutes machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg. Wir näherten uns einem Naturschutzgebiet. Die Landstraße war streckenweise offizieller Caminho de Fatima.
     Fatima, dieser Marienwallfahrtsort liegt in den Bergen. Die ersten Steigungen haben wir noch bravourös gemeistert. Die ersten Gipfel haben wir noch bestaunt. Im Verlauf des Tages wurden unsere Schritte langsamer und unser Pausenbedürfnis größer. Die Tagestemperatur stieg und stieg, genau so stetig wie der Weg. Reizvoll ist die Landschaft dort um Fatima herum. So richtig würdigen konnten wir diese Tatsache nicht. Wir waren Abendliche Lichterprozessionzwischendrin einfach zu viel mit uns selbst beschäftigt. Wir mussten uns immer wieder zum Weitergehen motivieren und sei es nur bis hin zum nächsten Baumschatten, denn die Temperaturen hatten die 40° schon längst überschritten. In Fatima angekommen war die Tagesmühe bald vergessen.Fatima, Erscheinungskapelle
     Fatima, das ist ein Ort der Stille und der Umkehr. Ein Ort des Gebetes. Als besonders gemeinschaftsbildend empfanden wir das Rosenkranzgebet in den Abendstunden. Ein Priester eröffnete das jeweilige Gesetz des Rosenkranzes mit einer Betrachtung in seiner Landessprache. Danach wurde in der gleichen Sprache vorgebetet. Die Antwortgebete erklangen vielstimmig und vielsprachig. Bei jedem Gesetz wechselte die Vorbetersprache. Zum Abschluss des Gebetstages fand eine Lichterprozession statt, in die Fatima-Madonna mitgeführt wurde.  

Waldbrand und PilgerbegegnungenRauch verdunkelt die Sonne
    
Als wir von Fatima aus weiterpilgerten bestimmten Brandgeruch und große Hitze unseren Pilgeralltag. Heiß – heißer – am heißesten, daran hatten wir uns schon gewöhnt. Jetzt waren noch Rauch und Schwefel in der Luft, sowie ein anhaltender Aschenregen. An vielen Steigungen machte uns das zu Schaffen. Die IC 2 war ab Fatima unser Pilgerweg. Gleichzeitig auch der Weg der Fatimapilger, die aus dem Norden kommend unterwegs waren. Die überwiegend dreispurige Straße ist eine Berg- und Talbahn. Je weiter wir uns von Fatima entfernten, umso mehr Pilgerbegegnungen hatten wir. (Wallfahrten des 12. und 13. von Mai bis Oktober.) Fatimapilger an der IC 2Schlecht ausgerüstet waren die meisten Pilger. Kaum jemand hatte eine Wasserflasche dabei und die Meisten hatten nur leichtes Schuhwerk an. Die Schlappen der Frauen waren größtenteils aus Frotteestoff. Viele gingen mit leidenden Mienen ihren Weg. Anfangs dachten wir, dass falsche Mundpropaganda Ursache für das langstreckenungeeignete Schuhwerk sein könnte. Später kam uns der Gedanke, dass die mangelhafte Fußbekleidung auch eine Frage des Geldbeutels sein könnte.
     Es kamen uns aber auch fröhliche Pilger entgegen. Junge Paare, die ganz unbekümmert nebeneinander gingen. Sie beachteten weder den Verkehrslärm noch die vielen rollenden Räder. Eine alte Frau ist uns besonders im Gedächtnis haften geblieben. Sie war klein und hatte eine Kittelschürze an. Mit strahlendem Gesicht kam sie auf uns zu und sie ging mit festen, entschlossenen Schritten. Sie schien regelrecht beflügelt. Viele Fatimapilger sind Nachts unterwegs. Die Leuchtwestenpilgergruppen trafen wir in den frühen Morgenstunden. 

Coimbra
    
In Coimbra musste Alois längere Zeit im Hospital zubringen. Die Ärzte der Uni-Klinik konnten für Alois keine genaue Diagnose erstellen. Hohes Fieber (40°) und Schüttelfrost plagten ihn. Symptome, die Besorgniserregend waren. Am siebenten Tag nach seiner Einlieferung wurde er entlassen, versehen mit Medikamenten für weitere sieben Tage. Bei der Entlassung gab der Professor uns den Rat, sehr vorsichtig zu sein, denn mit der Luftverschmutzung, bedingt durch Rauch, Asche und den giftigen Substanzen in der Luft sollte man vorsichtig sein. Die Symptome beim Alois seien nämlich die Gleichen wie bei den Feuerwehrleuten, die der Auslöser für seine Fieberattacke gewesen war. Feuerwehrleute und Zivilisten in großer Zahl wurden ebenfalls Mitte August 2003 mit ähnlichen Symptomen (Fieber etc.) in Krankenhäusern der Umgebung eingeliefert. MancheZwiebelfest auf dem Praca do Comercio haben die Krankenhäuser nicht lebend verlassen.
     Bedingt durch den Zwangsaufenthalt konnten wir Coimbra besonders gründlich erkunden. Coimbra liegt am Ufer des Rio Mondego und zieht sich terrassenförmig einen steilen Hügel hoch. Für Stadtrundgänge sind feste Wanderschuhe sehr empfehlenswert. Einmal wegen der Steilanstiege, zum Anderen wegen der rauen, historischen Pflasterung. Im unteren Stadtteil Coimbra - Santiago Kirchebefindet sich die Einkaufszone. Hier drängen sich in einem verwirrenden Geflecht von sehr schmalen Gassen Geschäft an Geschäft. Besonders zuvorkommend werden Kunden in den kleinen Lebensmittelgeschäften bedient. Viele Gassen münden in den Praca do Comercio. Die Santiagokirche, ein romanischer Bau, befindet sich an einem Ende des Platzes. Dort, mit Blick auf das wunderschöne Portal, haben wir uns verständlicherweise besonders wohl gefühlt. Auf dem Praca do Comercio konnten wir am Abend vor unserer Abreise bergeweise Zwiebelzöpfe bewundern. Die jährlich stattfindende Zwiebelfestwoche wurde mit Reden und folkloristischen Beiträgen eröffnet.
     Der obere Stadtteil, gekrönt von den Universitätsgebäuden, ist ein ruhiges Wohnviertel mit steilen Gassen und Treppen. Die Stadt wartet mit einer Fülle von Sehenswürdigkeiten auf. Da gibt es die Sé Velha (alte Kathedrale), ein wuchtiger, romanischer Kirchenbau, die Sé Nova (neue Kathedrale) und viele andere interessante Kirchen- und Klostergebäude. Sie alle laden zum Besuch ein. Nicht nur zum Besuch aus kunsthistorischen Gründen, sie laden auch zur Mitfeier der heiligen Messe ein. Neben den Kirchengebäuden wirdCoimbra, Altstadthügel die Stadt von vielen schönen profanen Gebäuden geschmückt. Hier sind die Universitätsgebäude auf der Spitze des Stadtberges, ehemals ein Schloss, besonders hervorzuheben. Im Universitätsbereich sind die alte Bibliothek, die Michaelskapelle, der Uhrenturm und das eiserne Tor, die Orte, die jedem Besucher anempfohlen werden. Empfehlenswert ist auch der Besuch des historischen Cafes neben der Santa Cruz Kirche.
     Schon am dritten Coimbratag haben wir beraten, wie wir unseren Weg, unseren Camino fortsetzen könnten. Bald wurde uns klar, dass wir zumindest bis an die portugiesische Grenze mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren sollten. Dort angekommen, so unser Plan, wollten wir den Weg zu Fuß fortsetzen.

Porto
Porto, gelegen am Rio Douro    
Auf der ersten Bahnfahrkarte stand: Coimbra – Porto. Schon bei der Anfahrt auf Porto sahen wir den Fluss Douro und die ihn überspannende Eiffelbrücke. Im Bahnhof Campanha, ca 4 km außerhalb des Zentrums, endete unser Bahnreise. Wir hätten umsteigen können, um den Bahnhof San Bento im Zentrum anzufahren, doch für unsere Weiterreise war erstgenannterGelbe Santiago-Pfeile in Porto Bahnhof günstiger. So schauten wir uns weit außerhalb des Zentrums nach einer Bleibe um. Der erste Rundblick sagte uns: Hier sind wir wieder in eine Großbaustelle gelandet (Bau einer Metro). Diese Metro-Arbeiten verdeckten während unserer Anwesenheit in Porto oftmals den Blick auf die schönen Seiten der Stadt. In Porto empfiehlt es sich, möglichst schnell den Busfahrplan zu studieren. Zu Fuß lässt sich der Ort wegen seiner Größe und Hügeligkeit nur mit großem Kraftaufwand erkunden.
     Für uns als Jakobuspilger war es von allergrößter Bedeutung, in Porto erstmals die gelben Santiago-Porto, AltstadthäuserPfeile zu sichten. An der Sé (Kathedrale) haben wir sie entdeckt und weil wir den Pfeilen streckenweise gefolgt sind, auch noch im weiteren Stadtgebiet wie zum Beispiel in der Nähe der Igreja do Carmo.
     Insgesamt ist Porto einen Besuch wert. Hier natürlich wieder besonders der Besuch der Altstadt. Die mittelalterlichen Altstadthäuser stützen sich gegenseitig und viele steile Gassen und Treppen führen hinunter in das Douro-Tal. Den Fluss überspannt nahe der Altstadt eine imposante, zweistöckige Eisenbrücke. Auf der anderen Flussseite liegt der Ort Vila Nova de Gaia. Dort wird in Lagerhallen und Kellern der bekannte Portwein gemischt und gelagert. Im Fluss ankern die alten Segelkähne, mit denen früher der Most herangeschafft wurde. Die Weinberge liegen nämlich 100 km stromaufwärts. Natürlich empfiehlt es sich, einen Schluck Portwein zu verkosten und das möglichst auf einem der großen Plätze der Innenstadt, die von schmucken Häusern mit ganz besonders prächtigen Fassaden gesäumt sind.

BragaBraga, Sé (Kathedrale)
    
Ultreia, unser nächstes Etappenziel: Braga. Die Fahrt dorthin gestaltete sich recht umständlich. Grund dafür waren die Bahn- und Straßenbauarbeiten, die in Portugal mit Blick auf die Fußballeuropameisterschaft 2004 durchgeführt werden. Eine einzige Riesenbaustelle von Porto bis Braga. Einen Großteil der Reise legten wir aus diesem Grund statt auf Schienenwegen auf schmalsten Nebenstraßen in einem Überlandbus zurück. Beim Blick nach draußen waren wir mächtig froh, gefahren zu werden. Es gruselte uns bei dem Gedanken in der Riesenbaustelle als Fußpilger unterwegs sein zu müssen.
Braga, Jardim St. Barbara     Von all dem Baulärm und Baudreck war in Braga nichts zu spüren. Blitzsauber und gepflegt ist das Städtchen. Viele kleine und größere Ladenlokale laden zum Bummel durch die Einkaufsstraßen ein. In den zahlreichen Kirchen versammeln sich die Menschen zum Gebet. Auf Plätzen sowie in Parkanlagen laden Blumenbeete, Baumreihen und Wasserspiele zum Verweilen ein. Besonders schön ist der Jardim St. Barbara. Die Pracht der überquellenden Blumenbeete wird durch die Mauer der angrenzenden alten Bibliothek noch verstärkt. Die Abende verbrachten wir auf dem Praca da Republica, dem großzügig gestalteten Mittelpunkt der Stadt. Dort wurde unser Blick von einer großen Brunnenanlage angezogen. Die Braga, Praca da RepublicaFontänen spritzten das Wasser in ständig wechselndem Spiel in die Luft. So entstanden prächtige Gebilde aus Wassertropfen und Gischt und in den Ohren klang das Rauschen und Plätschern des Brunnens wie Musik.
     Etwa 5 km südlich von Braga befindet sich der Wallfahrtsberg Bom Braga, Bom JesusJesus. Am Fuße des Berges beginnt ein Kreuzweg, der über unzählige Treppenstufen durch Mischwald führt. Weiter oben gelangt der Pilger an im Zickzack verlaufende Treppenpaare die mit Wandbrunnen geschmückt sind. Hoch droben, über der scheinbar senkrecht aufsteigenden Treppe, ragt die barocke Wallfahrtskirche auf.
     Für uns war Bom Jesus die erste Etappe auf der Pilgerregenerationsbergtour. Noch einmal 200 m höher liegt nämlich eine weitere Wallfahrtsbasilika. Wir erreichten das Marienheiligtum Nossa Senhora do Sameiro über einen leicht ansteigenden, etwa 3 km langen Weg. Oben standen wir wieder vor einer Treppe. Die Stufen schienen bis zum Himmel zu reichen. Eine monumentale Treppenanlage, für große Pilgerströme erbaut. Nossa Senhora do Sameiro ist nach Fatima der wichtigste Pilgerort in Portugal. Beeindruckt von allem Gesehenen machten wir uns an den Abstieg. Am Fuß des Wallfahrtsberges angekommen schauten wir zurück auf einen „Treppenpilgertag“.

Valença do Minho
Valença, mittelalterliches Bollwek     
Am folgenden Tag bewegten wir uns wieder mittels öffentlicher Verkehrsmittel durch das Land. Für 5,85 € konnten wir 45 Minuten Überlandbusfahrt und 150 Minuten Bahnfahrt genießen. Der Bummelzug fuhr direkt am Atlantik entlang. Linker Hand sahen wir das Meer und rechter Hand Berge. In Valença stiegen wir aus. Valença machte auf uns zunächst einen tristen Eindruck. Der Ort schien nur aus einem Bahnhof, ein paar Mietshäusern, einem Kreisverkehr und einem Springbrunnen zu bestehen. Wahrlich kein verlockender Anblick bei rasch steigender Mittagshitze. Am liebsten hätten wir sogleich die vom Ingenieur Eiffel im 19. Jahrhundert erbaute Ponte genutzt um den Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien zu überschreiten. Uns hielt nur die in Coimbra gemachte Vorplanung zurück. Gott sei Dank, wie sich am Spätnachmittag herausstellte.
Valença, Blick auf Tui/Spanien     Den Stadtnamen „Valença do Minho“ trägt nämlich von alters her eine Festungsstadt hoch über dem Grenzfluss. Über Jahrhunderte hinweg war sie ein Bollwerk am Rio Minho. In alten Zeiten wurden die Spanier mittels des Bollwerkes am Eindringen ins Land gehindert. Heute wird die wuchtige Festungsanlage regelrecht von Spaniern überrannt. Die Tagestouristen reisen scheinbar ausschließlich zur Schnäppchenjagd an. Die engen Gassen der Festungsstadt sind an beiden Seiten voll gestopft mit Haushaltswaren und Souvenirartikeln. An manchen Stellen ist ein Durchkommen kaum möglich. Besonders begehrte Artikel: Bett- und Tischwäsche. Wir wendeten uns bald von der Einkaufshetze ab und umrundeten den Ort. Vom Bollwerk der Stadt über dem Minho hatten wir einen schönen Blick auf den Nachbarort Tui in Spanien.

Tui - Spanien
Tui, Cathedral de Santa Maria    
Tui, PilgerwegGelbe Pfeile wiesen uns am nächsten Tag den Weg nach Spanien. Über den Grenzfluss Minho spannt sich eine doppelstöckige Stahlkonstruktionsbrücke. Oben verläuft der Schienenverkehr und unten der Straßenverkehr. Für Fußgänger gibt’s rechts und links einen Fußweg, der wohl zu einem späteren Zeitpunkt angebaut wurde. An beiden Flussufern sind noch die alten Grenz- und Zollstationen zu sehen. So wie die portugiesische Festungsstadt über dem Minho aufragt, so thront auch Tui auf einem Berg. Gekrönt wird der Stadtberg von der Kathedrale des Ortes.
     Endlich wieder als Fußpilger unterwegs zu sein, darüber waren wir sehr froh. Bei einem ausgedehnten Rundgang durch Tui haben wir dieses Glück gefeiert. Besonders wohl haben wir uns im Garten der Kathedrale gefühlt. Unter Palmen sitzend konnten wir den Blick in Richtung Portugal genießen. Später haben wir die mittelalterliche und die aktuelle Pilgerunterkunft der Stadt besichtigt. So wuchsen wir nach und nach wieder in den Pilgeralltag hinein.

Kurzetappe
Capela do Cristo    
Rückblickend können wir sagen, dass der Caminho Portugues gradlinig und zielstrebig durch Galicien geführt wird. Die meisten Wege verlaufen abseits des Straßenlärms. Pilgerkreuz am WegÜberwiegend sind die Wege naturbelassen. Einige dieser Wege sind für Radpilger ungeeignet.
     Im spanischen Pilgerführer wird vorgeschlagen, von Tui aus direkt bis Redondela zu pilgern. Wir haben es vorgezogen, die etwa 37 km lange Etappe zu halbieren und in Porriño zu übernachten. Das war gut so, denn am Camino gibt es etliche Plätze die zum Verweilen einladen. Da sind zu erwähnen: Die Ponte das Febres, die steinernen Wegekreuze, die Kornspeicher und die Kapellen in Porriño, die alle geöffnet waren. Zur Info: In Porriño gibt es eine Pilgerherberge. Die Herberge befindet sich am Rande der Stadt, etwas abseits vom Pilgerweg. Es handelt sich um eine ganz neu errichtete Pilgerunterkunft und wie wir anhand des Gästebuches feststellen konnten, war sie bisher noch wenig frequentiert.

RedondelaRedondela, Pilgerherberge im Caca de Torre, 16. Jh.Pilgerrastplatz
Höhenweg vor Redondela    
Die dritte Etappe im Land der gelben Pfeile und der Strahlenmuschel führte über einen etwa 700 m hohen Bergrücken. Die ersten Stunden des Tages stiegen wir ununterbrochen an. Sehnsüchtig schauten wir gelegentlich hinunter ins Tal. Dort verlief die N 550. Ohne Anstrengung hätten wir am Rand dieser Straße nach Redondela gelangen können. Nun denn, der Weg über den Bergrücken hat sich gelohnt, wenn auch der Abstieg mächtig in die Beine gegangen ist.
     Ursprünglich wollten wir in Redondela übernachten, fanden aber kein Nachtlager. Die Pilgerunterkunft konnten wir mangels mitgeführter Schlafsäcke nicht nutzen und andere Gästebetten gibt’s in Redondela nicht. Also Ultreia, weiter auf dem Camino in Richtung  Pontevedra.  

Playa de Cesantes
Playa de Cesantes    
Nach weiteren fünf Tageskilometern hatten wir endlich eine Bleibe für die Nacht gefunden. Wir wohnten in einem Strandhotel an der Playa de Cesantes. Unter Palmen, mit Blick auf die Illa de San Simon und eine Atlantikbucht, da haben wir es uns gut gehen lassen.
     Am nächsten Morgen nieselte es. Am Strand begegneten uns Frauen, eingehüllt in wetterfeste Kleidung. Als wir den Steilanstieg zurStele in Ponte Sampaio N 550 überwunden hatten, konnten wir hinunterblickend die Frauen bei der Arbeit beobachten. Sie standen bis zur Hüfte im Wasser der Bucht, und wir vermuten, dass sie nach Stabmuscheln gegraben haben. Oben auf der Höhe pilgerten wir eine Weile an der Nationalstraße entlang, Atlantikblick eingeschlossen. Nach Ponte Sampaioetwa 2 Kilometern als Roadrunner stießen wir wieder auf die gelben Pfeile, ganz ohne lange Sucherei. Der Camino schlenkert in diesem Teilabschnitt nämlich mal rechts, mal links neben der Nationalstraße. Jedes Mal tauchten wir wieder ein in den hier teils naturbelassen dichten Wald. Oftmals mussten wir mit den Händen den Weg freimachen. Gelegentlich verläuft er auch auf der N 550. An der romanischen Brücke, der Ponte Sampaio, trennt sich der Camino von der Nationalstraße. Ponte Sampaio selbst ist ein caminobegeisterter Ort. Dreieckige Stelen mit jakobäischen Zeichen stehen in großer Zahl am Pilgerweg, und schmücken den Ort.

Wetterumschwung
"Dynamischer Pilgerweg"    
Am Ortsrand von Sampaio haben wir für längere Zeit gänzlich die Zivilisation verlassen. Der Pilgerweg verläuft quer durch die Botanik, meist ansteigend, über einen sehr, sehr alten Verbindungsweg. Leider hatte es in der Nacht zuvor geregnet. Wasserfallpassagen hatten wir zu meistern und manchmal sackten wir bis an die Knöchel ein. Dieses Teilstück des Caminho Portugues ist fantastisch schön. UnsAlte Pilgerbrücke als Caddiepilgern zwang der malerische Weg allerdings eine langsame Gangart auf. Wir erreichten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 2 km á Stunde.
     Bergab, auf Pontevedra zu, ging es stetig über Wald-, Felsen- und Wurzelwege. Wir verliehen dem Abstieg den Titel „dynamischer Camino“. Unsere Caddies hüpften und sprangen hinter uns her. Sie suchten und fanden ihren eigenen Weg. Wir mussten ihnen keine übergroße Aufmerksamkeit widmen. Wir konnten uns am Weg erfreuen.

Virgen PeregrinaPontevedra, Santuario de la Peregrina
Virgen Peregrina    
In Pontevedra gibt es viele Pilgerzeichen. Selbst die Altstadtgassen mit ihren Arkaden erinnern schon an Santiago. Ein ganz besonderer Anziehungspunkt für Santiagopilger ist das Santuario der Virgen Peregrina. In der Iglesia de la Virgen del Camino sind Muscheln, Kalebassen und Pilgerstäbe überall als Schmuckelemente verwendet worden.
     Auf dem zentralen Platz vor der Kuppelkirche der Peregrina ging es bin in die Nacht hinein lebhaft zu. Groß und Klein, Alt und Jung, alle erquickten sich dort am lauen Sommerabend. Möglicherweise waren auch Santiagopilger in der wuselnden Menge. Auf dem Camino selbst hatten wir bis dato niemanden gesehen, weder vor, hinter oder neben uns.

 

Strahlenmuschel, gelber Pfeil und GranitNaturbelassene WegeGotisches Wegekreuz
Wegzeichen    
Von Pontevedra aus sind wir bis Caldas de Reis gegangen. Strahlenmuscheln und gelbe Pfeile wiesen uns hervorragend den Weg. Die Strahlenmuschelkachel ist am Caminho Portugues (im Gegensatz zum Camino Frances) nirgends beschädigt. An jedem Abzweig und Wegeknick ist sie zu sehen, fest verbunden mit dem jeweiligen Untergrund wie Stele, Felsen oder Hauswand.
     Ein weiterer ständiger Begleiter auf dem Pilgerweg durch Galicien ist das Granitgestein. Granit, wohin der Blick sich wendet. Granit als Baumaterial für Häuser, Mauern und Hangbefestigungen. Granitbrocken am Wegesrand, in Vorgärten und auf vorbeifahrenden Transportern. Nicht zu vergessen die vielen granitgrauen Wegekreuze sowie die unzähligen Kornspeicher. Sogar die Stützen in den Weinlauben sind aus Granit.

Caldas de Reis
Caldas de Reis, Ponte Bermaña    
Caldas de Reis ist ein netter kleiner Ort mit einer alten, romanischen Brücke. Wir hatten das Glück, ein Zimmer mit Blick auf die Ponte Bermaña mieten zu können. So konnten wir beobachten, dass die historische Brücke fest in den Tagesablauf einzelner Bewohner des Ortes integriert ist. Ein älteres Paar saß zum Beispiel lange Zeit auf der Brücke. Alte Steinbänke, die in das Brückengeländer eingefügt sind, machen dies möglich. Jüngere Ortsbewohner flanierten über die Brücke, die für den Autoverkehr gesperrt ist. Andere wiederum setzten sich in eines der Straßencafes nahe der Brücke. Wir selbst haben diese schöne alte Brücke natürlich auch in Augenschein genommen. Das Granitgestein ist ineinander verzahnt und speichert die Tageswärme, wie uns der Tastsinn mitteilte. Kein Wunder also, dass das ältere Paar so lange auf der harten, von weitem auch kalt scheinenden Steinbank sitzen konnte.

Begegnung mit Jakobspilgern
Waldweg    
Am nächsten Morgen pladderte der Regen so heftig vom Himmel, dass wir uns zunächst noch einmal im Bett umdrehten. Erst zur späten Stunde (8:30 Uhr) machten wir uns auf den Weg. Jetzt kam die Frage auf: Folgen wir den gelben Pfeilen oder gehen wir besser am Rand der Nationalstraße entlang. Nun, die gelben Pfeile haben uns weg von der N 550 gelockt und hätten wir uns nicht locken lassen, es wäre überaus schade gewesen. Der Camino war/ist einfach nur schön. Erst führte er durch ein Wiesenthal. Nach einem Anstieg gelangten wir in ein weiteres Tal mit Wegen, die für Pilgerfüße schöner nicht sein können. Klar, dass die Steigungen heftige und weniger heftige Schnaufer verursachten. Die Landschaft, die Wege, sie lohnen die Mühe. Zudem trafen wir endlich (und einzig) auf Jakobspilger. Nach einem längeren Anstieg legten wir eine Stehpause ein. In diesem Moment stürmten drei junge Männer mit kräftigen Schritten bergwärts. Sie hätten nicht verschnaufen müssen. Trotzdem blieben sie stehen um mit uns ein kurzes Gespräch zu führen. Vor Allem wollten die Jungs klären, ob ihre Mutmaßungen in Bezug auf unsere Nationalität zuträfe (Schweizer). Das Woher und Wohin war bald geklärt. In Porto waren die drei Spanier aufgebrochen und sie äußerten ihre Freude unterwegs zu sein. Dann eilten sie vondannen.

PadrónPadrón, Monte Santiaguiño
Padrón, Steinplatte unter dem Altar in der Santiago Kirche    
In Padr
ón ist laut Legende der Leichnam des Heiligen Jakobus angelandet. Unter dem Altar der Jakobuskirche wird eine Steinplatte aufbewahrt, die nach der Überlieferung eng mit dem Leben des Heiligen in Verbindung steht. Eine Version besagt, dass Jakobus, als er nach Spanien kam um zu predigen, sich auf einen von der Küste Palästinas mitgebrachten Stein setzte. Eine andere Deutung behauptet, an diesem Stein wäre das Boot, welches den Leichnam des Apostels nach Galicien brachte, fest getaut worden.
     Oberhalb Padr
óns befindet sich der Monte Santiaguiño. Über Stufen führt der Weg hinauf. Es gibt auch einen bequemen Fahrweg. Oben befindet sich eine Santiagokapelle und eine Felsengruppe mit der Statue des Heiligen Jakobus. Der Legende nach soll Jakobus d.Ä. während seines Aufenthaltes in Spanien diese Felsengruppe als Predigtkanzel genutzt haben. Vom Berg oben ließen wir den Blick schweifen. Wir dachten, möglicherweise schon bis Santiago schauen zu können. Nein, dies gelang nicht. Selbst den aus der Jakobuslegende bekannten Ort Iria Flavia konnten wir von oben nicht ganz sicher ausmachen. Macht nichts, die gelben Pfeile führen zum Colegiata de Santa Maria de Iria Flavia.

Auf Santiago zu
Weinlauben überdachen den Pilgerweg    
Trotz Regen im ganzen Land sind wir frühmorgens in Padr
ón aufgebrochen. Zwei ganz besonders dicke Regenschauer haben wir in Bars ausgesessen. Ansonsten sind wir mal mit, mal ohne Regenschirmdach durchs Land gepilgert. Der Pilgerweg wird abseits der N 550 durch kleine, sehr kleine galizische Orte geführt. Bei all der Nässe sahen die Orte grau in grau aus. Trotzdem, diesen Tag möchten wir nicht missen. Es hat schon etwas Besonderes, unter Weinlauben durch dämmerig, graue, kleine galizische Orte zu pilgern. In Santiago angekommen, da konnten wir mit Fug und Recht endlich einmal die wohl allen Santiagopilgern bekannte Regenpostkarte kaufen und verschicken.
     Etwas fremd und ungewohnt war es, aus südlicher Richtung kommend in Santiago einzutreffen. Leider haben wir dann auch prompt kurz vor Santiago die gelben Pfeile verloren und wir mussten uns an Hinweisschilder für motorisierte Verkehrsteilnehmer halten. Um die Mittagszeit sind wir angekommen. Zum dritten Mal konnten wir sagen: Hola Santiago, da sind wir wieder.

Portico

Unser Pilgerweg vom 25.Juli bis 5. September 2003  -  Thekla & Aloys

 

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Updated: 20. November 2016  -  13:15 Uhr

 

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