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Aufbruch
Am Festtag unseres Pilgerpatrons sind wir 2003 aufgebrochen.
Unseren Caminho Portugues wollten wir in Lissabon beginnen. Wir wussten,
diesen Caminho findet man in alten Aufzeichnungen, aber nicht mehr im
modernen Straßensystem von Portugal. Wir
waren also auf eine Straßenpilgerung eingestellt. Die meisten Planungshilfen
und Dokumentationen zum Caminho Portugues sind für den Pilgerweg in Galicien
vorhanden.

In Portugal gibt es den gekennzeichneten Caminho de Fatima. Die
Dokumentation zu diesem Weg ist leider
nur in portugiesischer Sprache vorhanden.
Wir sind dem Caminho de Fatima mit dem Finger auf der Landkarte gefolgt.
Dabei stellten wir fest, dass wir Zwei an diesem Pilgerweg schwerlich
Unterkunft finden würden. Wie wir später im Gespräch mit Fatimapilgern
herausgefunden haben, sind die Gruppen in den jeweiligen Übernachtungsorten
vorangemeldet. Meist wird in provisorischen Unterkünften geschlafen. Bei den
Bombeiros (Feuerwehr) zum Beispiel, oder in Schulen.
Anreise
Schon im zeitigen Frühjahr hatten wir für den 25 Juli
Flugtickets im Internet gebucht. Das war gut so, denn die An- und Abreise
konnten wir in diesem Jahr bequem und billig absolvieren. Drei Stunden
braucht ein moderner Jakobspilger um von Köln nach Lissabon zu gelangen. Im
Flugzeug sollte er nicht vergessen seine Uhr umzustellen, da er sonst mit
falschen Zeitangaben durch die Welt stolpert. Nun, wir haben umgestellt und
uns darauf eingestellt, wochenlang mehr oder weniger mit Augen- und
Gebärdensprache zurecht kommen zu müssen. Für die allernotwendigsten
Alltagssituationen lernten wir einige portugiesische Wörter auswendig.
Sicherheitshalber hatten wir diese Wörter auch noch auf einen Spickzettel
geschrieben, den wir in der Hosentasche mit uns herumtrugen. Gelegentlich
kramten wir ihn hervor. Meist kamen wir ohne seine Hilfe zurecht. Nicht weil
wir besondere Sprachgenies sind, sondern weil wir durchweg freundlichen und
hilfsbereiten Menschen begegnet sind.
Lissabon
Jetzt waren wir als Jakobspilger in Lisboa.
Eigentlich stimmt das nicht ganz, denn in Lissabon wollten wir uns wie ganz
normale Touristen auf Sightseeingtour begeben. Aus diesem Grund
verplemperten wir keine kostbare Zeit mit der Zimmersuche. Am Schalter des
Touristenoffice im Flughafengebäude haben wir uns ein Zimmer vermitteln
lassen. Mit dem Flughafenbus näherten
wir
uns dem Zentrum. Der Busfahrer machte uns beim Einsteigen die Zusage, uns
zur rechten Zeit und am rechten Ort aus seinem Gefährt zu entlassen. So
konnten wir stressfrei die Busfahrt als erste Erkundungsfahrt nutzen. Beim
Anflug auf Lissabon hatten wir unsere Augen schon aufgesperrt, was wir jetzt
fortsetzten. Lisboa ist auf Hügeln erbaut. Angesichts dieser Tatsache war
uns klar, dass wir zum Stadtrundgang auf jeden Fall unsere dicken
Wanderschuhe
anziehen würden. Das haben wir dann auch flugs getan. Gleich am
ersten Tag haben wir etliche Kilometer und Höhenmeter in Lissabon
zurückgelegt. Unser Hotel lag auf einem Hügel, der Altstadtkern unten am
Tejo, die Burg wieder hoch oben auf einem Berg, die Sé (Kathedrale) auf
halber Höhe und so weiter. Leider sind in Stadtplänen keine Höhenlinien
verzeichnet. Von daher haben wir gelegentlich unsere vorher festgelegte
Route in Natura etwas abgewandelt. Und, was wir uns ganz schnell beigebracht
haben, das Busfahren. Busfahren ist richtig billig in Portugal. Man kann das
Ticket im Bus kaufen. Billiger sind Mehrfahrkarten, die an autorisierten
Kiosken, meist in der Nähe des Busbahnhofes zu haben sind.
Trotz der großen Kunst öffentliche Verkehrsmittel
nutzen zu können, haben wir in Lissabon im wahrsten Sinne des Wortes das
Pflaster platt getreten. Pflaster in allen Variationen. Mal hatten wir
holprige Katzenköpfe unter den Füßen, mal hochglänzende, mit Mustern und
Ornamenten versehene Pflasterung. Wir mussten uns entscheiden: Wollen wir
das Pflaster bewundern, oder die Fassaden der Häuser. Meist sind wir wie
alle Touristen mit hochgereckten Nasen einhergegangen und haben vieles von
dem gesehen, was in einschlägiger Reiseliteratur nachzulesen ist. Schön
war’s und anstrengend. Anstrengend auch deshalb, weil sich die
Mittagstemperaturen schon beängstigend der 40° Marke näherten. Eine Siesta
zur Mittagszeit war dementsprechend unumgänglich und für unsere anstehende
Pilgerung stand Frühaufstehen auf dem Stundenplan.
Aufbruch in
Lisboa
Losgepilgert sind wir am 27. Juli 2003 in Lissabon.
Über die Berge von Lisboa sind wir gegangen. Der malerischen Altstadt
kehrten wir den Rücken zu und näherten uns bald futuristischen
Hochhaussiedlungen, die dann nahtlos in den Parque das Nacoes (Expo-Gelände
von 1998) übergingen. Auch hier verweilten wir zwecks touristischer
Unternehmungen. Am nächsten Tag erst hieß es für uns wirklich ULTREIA!
Jeder von uns hatte, wie schon 1999, einen Golf-Caddie
als Rucksacktransporter dabei. Die Caddies haben uns gute Dienste geleistet.
An manchen Tagen schafften sie uns 100% Erleichterung. Es gab natürlich
auch Tage, an denen wir den Vorteil des Rucksacks auf zwei Rädern nur zu
zweidrittel genießen konnten.
Am Rio Tejo
Die ersten Etappen verliefen im Tal des Rio Tejo.
Die Straße (N 3) hatte einen breiten Seitenstreifen. Sorglos schritten wir
einher und genossen die Natur. Erst kurz vor Santarem wurde es für uns
ungemütlich. Der Seitenstreifen verschwand und wir befanden uns mitten im
Fernverkehr. Ein paar heikle Situationen hatten wir zu meistern. Als dann
rechter Hand auch noch ein Mäuerchen unsere Bewegungsfreiheit einschränkte,
da waren wir schlichtweg als totales Verkehrshindernis unterwegs. Die
Portugiesen nahmen es ganz gelassen. Wir hingegen waren froh, als endlich
die Mauer endete. Im großen Ganzen können wir sagen, dass wir als
vollwertige Verkehrsteilnehmer akzeptiert wurden. Mag sein, dass uns die
Caddies hier ein wenig aufgewertet haben. Wir sind in der Regel am rechten
Straßenrand gegangen. Die zwei Räder hinter jedem von uns verschafften uns
den nötigen Sicherheitsabstand. Diesen Sicherheitsabstand wussten wir auch
bei Hundebegegnungen zu schätzen. Ganz wütende Kläffer haben wir
gelegentlich durch kurze, schnelle Richtungswechsel der Caddieräder in die
Flucht treiben können.
Im Dunstkreis von Lisboa hatte jeder Ort seinen eigenen
großen Konsumtempel. Hier traf sich die Jugend des Ortes, hier wurde
Kleidung aller führenden Markenhersteller angeboten. Manche dieser großen
Ladenpassagen waren architektonisch sehr aufwendig gestaltet. Daneben gab es
natürlich auch kleine und ganz kleine Ladenlokale. Darunter waren auffallend
viele Stoffgeschäfte, was den Rückschluss zulässt, dass viele Portugiesinnen
ihr schickes Outfit selber schneidern. Des Weiteren hatte fast jeder Ort im
Einzugsbereich von Lissabon seine eigene Stierkampfarena. Anhand der
Plakatwerbung konnten wir erkennen, dass diese Arenen regelmäßig genutzt
werden.
Pilgerbegegnung
Gleich am zweiten echten Pilgertag hatten wir
frühmorgens eine Pilgerbegegnung. Eine 10köpfige Fatimapilgergruppe verließ
ihr Quartier bei den Bombeiros. Große, schwere Rucksäcke lasteten auf ihren
Schultern. Wir mit unseren Rucksacktransportern brachten die meisten der
Gruppe zum Grinsen. Wir haben uns gegrüßt, dann ist jeder seiner Wege
gegangen. Dreimal insgesamt haben wir diese Gruppe getroffen und jedes Mal
haben wir uns über die Begegnung gefreut. Nur in Fatima, da haben wir uns
dann leider nicht mehr gesehen.
Ländlicher wurde es schon am ersten Tag. Trotzdem
hatten wir ununterbrochen Lastwagen mit uns auf dem Weg. Anfänglich konnten
wir den Grund dafür nicht ausmachen. Reisfelder lagen am Straßenrand. In den
Orten sahen wir kleine, helle Wohnhäuser mit roten Dächern. Es waren auch
Industrieanlagen zu sehen, aber mehr und mehr Palmen, Pinien, Eukalyptus-
und Olivenbäume. An Bauernhäusern, einer Straußenfarm und an einem Gestüt
kamen wir vorbei. Dann war plötzlich wieder Schluß mit ländlicher Idylle.
Stundenlang sind wir an Logistikunternehmen vorbeigewandert. Jetzt hatten
wir die Erklärung für das hohe Lastwagenaufkommen.
Santarem
Der erste größere Übernachtungsort auf unserer
diesjährigen Pilgerung war Santarem. Tagsüber hatten wir nur kleine Hügel zu
meistern. Den krönenden Abschluss fand unsere Tagesetappe mit einem
Steilanstieg bei einer Mittagstemperatur von 40°. Uns wollte der Mut
schwinden. Wir mussten alle Kraftreserven mobilisieren. Oben angekommen
haben wir uns einfach hingehockt. Quartier zu machen, dazu fehlte uns die
Kraft. Dann, nach etlichen Schlucken aus der Wasserflasche, schauten wir uns
um und entdeckten Hinweistafeln. Tafeln, die auf einen historischen
Stadtkern verwiesen und Schilder, die von Hostals und Residencials kündeten.
Wir quartierten uns im nächstgelegenen Hostal ein mit dem Gedanken: Ruhe,
schlafen, Siesta. Daraus wurde nichts. Der junge Mann an der Rezeption
erklärte uns nämlich, dass in Santarem am Abend kaum urbanes Leben
stattfindet. Wenn wir eine warme Mahlzeit einnehmen wollten, dann jetzt, zur
Mittagszeit.
Also, wieder hinaus in die pralle Sonne. Im Lokal um
die Ecke kehrten wir ein. Dort gab es nur deftige Hausmannskost. Trotzdem
gaben wir eine Bestellung auf. Die portugiesische Bezeichnung für das
Gericht haben wir nicht recht verstanden. In Deutschland ist die Speise als
Schlachtplatte bekannt. Ein ziemlich deftiges Essen bei 40°. Am Abend haben
wir trotz Warnhinweis einen Stadtrundgang unternommen. Einsam und allein
sind wir ein wenig durch die Altstadtgassen geschlendert. Das war ziemlich
trist. Ohne lebhaft schwatzende Stadtbewohner haben die schönsten Plätze und
Gebäude eben keine Wirkung.
Baustelle
am Pilgerweg
Unsere Pilgerstraße, die N 3, präsentierte sich am
nächsten Tag mit ganz neuem Gesicht. Eine Riesenbaustelle war sie. Als
Fußgänger konnten wir von begradigten Kurven, die zu dem damaligen Zeitpunkt
überwiegend noch aus festgewalztem Lehm bestanden, profitieren. Gut ließ es
sich darauf gehen. Die 10 Fatimapilger, die haben wir auch getroffen, so
etwa bei Tageskilometer 6. Bei Tageskilometer 10 sind wir dann so richtig in
den Baustellenbetrieb geraten. Rangierende Walzen, Kettenfahrzeuge, Bagger
und Kipper war um uns herum. Zwecks Beratung suchten wir ein Cafe am
Straßenrand auf. Dort falteten wir unsere Straßenkarte auf. Wir entdeckten
eine kleine Nebenstraße, die parallel zur Nationalstraße eingezeichnet war.
Das Abenteuer begann. Kaum befahren war die Landstraße.
Sie führte über Hügel und durch Täler, vorbei an Olivenhainen und
Maisfeldern, vorbei an abgeernteten Kornfelder und an vereinzelten Häuser
mit gepflegten Gärten samt Pool. Dummerweise kamen wir an keinem einzigen
Hinweisschild vorbei. Wir sahen kein Richtungsschild, kein Ortseingangs-
oder Ortsausgangsschild. Wir sahen nur viel schöne Landschaft mit einzelnen
schönen Häusern drin. Im Verlauf des Tages stellten wir fest, dass unsere
Straßenkarte keineswegs mit den Örtlichkeiten übereinstimmte. Die Anwohner
der idyllischen Landstraße bestätigten dies. Unsere Müdigkeit, später auch
unsere Verzweiflung, war uns scheinst ins Gesicht geschrieben. In einem
einsam gelegenen Cafe, welches Treffpunkt der Landbevölkerung war, wurde ein
Ehepaar für uns aktiv. Kurz und bündig bugsierten sie uns mitsamt Gepäck in
den vorm Cafe geparkten Geländewagen. Durch allerschönstes Hügelland wurden
wir chauffiert und dann vor einem einsam gelegenen Hostal abgesetzt. Die
resolute Portugiesin erklärte uns noch, dass wir in der Hotelbar einchecken
müssten, eine Rezeption gäbe es nicht. Das hat uns wenig gestört. Wir waren
weg von der Landstraße, hatten ein Nachtlager und Essen gab es auch. Das
Hostal war nämlich Anlaufstelle für Fernfahrer, obwohl es ohne direkten
Autobahnanschluss war.
Fatima
Das Abenteuer „Pilgern auf Nebenstraßen“ hat uns
insgesamt schneller voran gebracht als wir geplant hatten. Fatima wollten
wir laut Vorplanung erst am 3. August erreichen. Beim Kartenstudium am Abend
wurde uns klar, dass wir Fatima schon am 1. August erreichen könnten. Guten
Mutes machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg. Wir näherten uns einem
Naturschutzgebiet. Die Landstraße war streckenweise offizieller Caminho de
Fatima.
Fatima, dieser Marienwallfahrtsort liegt in den Bergen.
Die ersten Steigungen haben wir noch bravourös gemeistert. Die ersten Gipfel
haben wir noch bestaunt. Im Verlauf des Tages wurden unsere Schritte
langsamer und unser Pausenbedürfnis größer. Die Tagestemperatur stieg und
stieg, genau so stetig wie der Weg. Reizvoll ist die Landschaft dort um
Fatima herum. So richtig würdigen konnten wir diese Tatsache nicht. Wir
waren
zwischendrin einfach zu viel mit uns selbst beschäftigt. Wir mussten
uns immer wieder zum Weitergehen motivieren und sei es nur bis hin zum
nächsten Baumschatten,
denn die Temperaturen hatten die 40° schon längst überschritten. In Fatima angekommen war die Tagesmühe bald
vergessen.
Fatima, das ist ein Ort der Stille und der Umkehr. Ein
Ort des Gebetes. Als besonders gemeinschaftsbildend empfanden wir das
Rosenkranzgebet in den Abendstunden. Ein Priester eröffnete das jeweilige
Gesetz des Rosenkranzes mit einer Betrachtung in seiner Landessprache.
Danach wurde in der gleichen Sprache vorgebetet. Die Antwortgebete erklangen
vielstimmig und vielsprachig. Bei jedem Gesetz wechselte die
Vorbetersprache. Zum Abschluss des Gebetstages fand eine Lichterprozession
statt, in die Fatima-Madonna mitgeführt wurde.
Waldbrand
und Pilgerbegegnungen
Als wir von Fatima aus weiterpilgerten bestimmten
Brandgeruch und große Hitze unseren Pilgeralltag. Heiß – heißer – am
heißesten, daran hatten wir uns schon gewöhnt. Jetzt waren noch Rauch und
Schwefel in der Luft, sowie ein anhaltender Aschenregen. An vielen Steigungen machte uns das zu Schaffen. Die
IC 2 war ab Fatima unser Pilgerweg. Gleichzeitig auch der Weg der
Fatimapilger, die aus dem Norden kommend unterwegs waren. Die überwiegend
dreispurige Straße ist eine Berg- und Talbahn. Je weiter wir uns von Fatima
entfernten, umso mehr Pilgerbegegnungen hatten wir. (Wallfahrten des 12. und
13. von Mai bis Oktober.)
Schlecht ausgerüstet waren die meisten Pilger.
Kaum jemand hatte eine Wasserflasche dabei und die Meisten hatten nur
leichtes Schuhwerk an. Die Schlappen der Frauen waren größtenteils aus
Frotteestoff. Viele gingen mit leidenden Mienen ihren Weg. Anfangs dachten
wir, dass falsche Mundpropaganda Ursache für das langstreckenungeeignete
Schuhwerk sein könnte. Später kam uns der Gedanke, dass die mangelhafte
Fußbekleidung auch eine Frage des Geldbeutels sein könnte.
Es kamen uns aber auch fröhliche Pilger entgegen. Junge
Paare, die ganz unbekümmert nebeneinander gingen. Sie beachteten weder den
Verkehrslärm noch die vielen rollenden Räder. Eine alte Frau ist uns
besonders im Gedächtnis haften geblieben. Sie war klein und hatte eine
Kittelschürze an. Mit strahlendem Gesicht kam sie auf uns zu und sie ging
mit festen, entschlossenen Schritten. Sie schien regelrecht beflügelt. Viele
Fatimapilger sind Nachts unterwegs. Die Leuchtwestenpilgergruppen trafen wir
in den frühen Morgenstunden.
Coimbra
In Coimbra musste Alois längere Zeit im Hospital
zubringen. Die Ärzte der Uni-Klinik konnten für Alois keine genaue Diagnose
erstellen. Hohes Fieber (40°) und Schüttelfrost plagten ihn. Symptome, die
Besorgniserregend waren. Am siebenten Tag nach seiner Einlieferung wurde er
entlassen, versehen mit Medikamenten für weitere sieben Tage. Bei der Entlassung
gab der Professor uns den Rat, sehr vorsichtig zu sein, denn mit der
Luftverschmutzung, bedingt durch Rauch, Asche und den giftigen Substanzen in
der Luft sollte man vorsichtig sein. Die Symptome beim Alois seien nämlich
die Gleichen wie bei den Feuerwehrleuten, die der Auslöser für seine
Fieberattacke gewesen war. Feuerwehrleute und Zivilisten in großer
Zahl wurden ebenfalls Mitte August 2003 mit ähnlichen Symptomen (Fieber etc.) in
Krankenhäusern der Umgebung eingeliefert. Manche haben die Krankenhäuser
nicht lebend verlassen.
Bedingt durch den Zwangsaufenthalt konnten wir Coimbra
besonders gründlich erkunden. Coimbra liegt am Ufer des Rio Mondego und
zieht sich terrassenförmig einen steilen Hügel hoch. Für Stadtrundgänge sind
feste Wanderschuhe sehr empfehlenswert. Einmal wegen der Steilanstiege, zum
Anderen wegen der rauen, historischen Pflasterung. Im unteren Stadtteil
befindet sich die Einkaufszone. Hier drängen sich in einem verwirrenden
Geflecht von sehr schmalen Gassen Geschäft an Geschäft. Besonders
zuvorkommend werden Kunden in den kleinen Lebensmittelgeschäften bedient.
Viele Gassen münden in den Praca do Comercio. Die Santiagokirche, ein
romanischer Bau, befindet sich an einem Ende des Platzes. Dort, mit Blick
auf das wunderschöne Portal, haben wir uns verständlicherweise besonders
wohl gefühlt. Auf dem Praca do Comercio konnten wir am Abend vor unserer
Abreise bergeweise Zwiebelzöpfe bewundern. Die jährlich stattfindende
Zwiebelfestwoche wurde mit Reden und folkloristischen Beiträgen eröffnet.
Der obere Stadtteil, gekrönt von den
Universitätsgebäuden, ist ein ruhiges Wohnviertel mit steilen Gassen und
Treppen. Die Stadt wartet mit einer Fülle von Sehenswürdigkeiten auf. Da
gibt es die Sé Velha (alte Kathedrale), ein wuchtiger, romanischer
Kirchenbau, die Sé Nova (neue Kathedrale) und viele andere interessante
Kirchen- und Klostergebäude. Sie alle laden zum Besuch ein. Nicht nur zum
Besuch aus kunsthistorischen Gründen, sie laden auch zur Mitfeier der
heiligen Messe ein. Neben den Kirchengebäuden wird die Stadt von vielen
schönen profanen Gebäuden geschmückt. Hier sind die Universitätsgebäude auf
der Spitze des Stadtberges, ehemals ein Schloss, besonders hervorzuheben. Im
Universitätsbereich sind die alte Bibliothek, die Michaelskapelle, der
Uhrenturm und das eiserne Tor, die Orte, die jedem Besucher anempfohlen
werden. Empfehlenswert ist auch der Besuch des historischen Cafes neben der
Santa Cruz Kirche.
Schon am dritten Coimbratag haben wir beraten, wie wir
unseren Weg, unseren Camino fortsetzen könnten. Bald wurde uns klar, dass
wir zumindest bis an die portugiesische Grenze mit öffentlichen
Verkehrsmitteln fahren sollten. Dort angekommen, so unser Plan, wollten wir
den Weg zu Fuß fortsetzen.
Porto
Auf der ersten Bahnfahrkarte stand: Coimbra –
Porto. Schon bei der Anfahrt auf Porto sahen wir den Fluss Douro und die ihn
überspannende Eiffelbrücke. Im Bahnhof Campanha, ca 4 km außerhalb des
Zentrums, endete unser Bahnreise. Wir hätten umsteigen können, um den
Bahnhof San Bento im Zentrum anzufahren, doch für unsere Weiterreise war
erstgenannter Bahnhof günstiger. So schauten wir uns weit außerhalb des
Zentrums nach einer Bleibe um. Der erste Rundblick sagte uns: Hier sind wir
wieder in eine Großbaustelle gelandet (Bau einer Metro). Diese Metro-Arbeiten
verdeckten während unserer Anwesenheit in Porto oftmals den Blick auf die
schönen Seiten der Stadt. In Porto empfiehlt es sich, möglichst schnell den
Busfahrplan zu studieren. Zu Fuß lässt sich der Ort wegen seiner Größe und
Hügeligkeit nur mit großem Kraftaufwand erkunden.
Für uns als Jakobuspilger war es von allergrößter
Bedeutung, in Porto erstmals die gelben Santiago- Pfeile zu sichten. An der
Sé (Kathedrale) haben wir sie entdeckt und weil wir den Pfeilen
streckenweise gefolgt sind, auch noch im weiteren Stadtgebiet wie zum
Beispiel in der Nähe der Igreja do Carmo.
Insgesamt ist Porto einen Besuch wert. Hier natürlich
wieder besonders der Besuch der Altstadt. Die mittelalterlichen
Altstadthäuser stützen sich gegenseitig und viele steile Gassen und Treppen
führen hinunter in das Douro-Tal. Den Fluss überspannt nahe der Altstadt
eine imposante, zweistöckige Eisenbrücke. Auf der anderen Flussseite liegt
der Ort Vila Nova de Gaia. Dort wird in Lagerhallen und Kellern der bekannte
Portwein gemischt und gelagert. Im Fluss ankern die alten Segelkähne, mit
denen früher der Most herangeschafft wurde. Die Weinberge liegen nämlich 100
km stromaufwärts. Natürlich empfiehlt es sich, einen Schluck Portwein zu
verkosten und das möglichst auf einem der großen Plätze der Innenstadt, die
von schmucken Häusern mit ganz besonders prächtigen Fassaden gesäumt sind.
Braga
Ultreia, unser nächstes Etappenziel: Braga. Die
Fahrt dorthin gestaltete sich recht umständlich. Grund dafür waren die Bahn-
und Straßenbauarbeiten, die in Portugal mit Blick auf die
Fußballeuropameisterschaft 2004 durchgeführt werden. Eine einzige
Riesenbaustelle von Porto bis Braga. Einen Großteil der Reise legten wir aus
diesem Grund statt auf Schienenwegen auf schmalsten Nebenstraßen in einem
Überlandbus zurück. Beim Blick nach draußen waren wir mächtig froh, gefahren
zu werden. Es gruselte uns bei dem Gedanken in der Riesenbaustelle als
Fußpilger unterwegs sein zu müssen.
Von all dem Baulärm und Baudreck war in Braga nichts zu
spüren. Blitzsauber und gepflegt ist das Städtchen. Viele kleine und größere
Ladenlokale laden zum Bummel durch die Einkaufsstraßen ein. In den
zahlreichen Kirchen versammeln sich die Menschen zum Gebet. Auf Plätzen
sowie in Parkanlagen laden Blumenbeete, Baumreihen und Wasserspiele zum
Verweilen ein. Besonders schön ist der Jardim St. Barbara. Die Pracht der
überquellenden Blumenbeete wird durch die Mauer der angrenzenden alten
Bibliothek noch verstärkt. Die Abende verbrachten wir auf dem Praca da
Republica, dem großzügig gestalteten Mittelpunkt der Stadt. Dort wurde unser
Blick von einer großen Brunnenanlage angezogen. Die
Fontänen spritzten das
Wasser in ständig wechselndem Spiel in die Luft. So entstanden prächtige
Gebilde aus Wassertropfen und Gischt und in den Ohren klang das Rauschen und
Plätschern des Brunnens wie Musik.
Etwa 5 km südlich von Braga befindet sich der
Wallfahrtsberg Bom
Jesus. Am Fuße des Berges beginnt ein Kreuzweg, der über
unzählige Treppenstufen durch Mischwald führt. Weiter oben gelangt der
Pilger an im Zickzack verlaufende Treppenpaare die mit Wandbrunnen
geschmückt sind. Hoch droben, über der scheinbar senkrecht aufsteigenden
Treppe, ragt die barocke Wallfahrtskirche auf.
Für uns war Bom Jesus die erste Etappe auf der
Pilgerregenerationsbergtour. Noch einmal 200 m höher liegt nämlich eine
weitere Wallfahrtsbasilika. Wir erreichten das Marienheiligtum Nossa Senhora
do Sameiro über einen leicht ansteigenden, etwa 3 km langen Weg. Oben
standen wir wieder vor einer Treppe. Die Stufen schienen bis zum Himmel zu
reichen. Eine monumentale Treppenanlage, für große Pilgerströme erbaut.
Nossa Senhora do Sameiro ist nach Fatima der wichtigste Pilgerort in
Portugal. Beeindruckt von allem Gesehenen machten wir uns an den Abstieg. Am
Fuß des Wallfahrtsberges angekommen schauten wir zurück auf einen
„Treppenpilgertag“.
Valença do Minho
Am folgenden Tag bewegten wir uns wieder mittels
öffentlicher Verkehrsmittel durch das Land. Für 5,85 € konnten wir 45
Minuten Überlandbusfahrt und 150 Minuten Bahnfahrt genießen. Der Bummelzug
fuhr direkt am Atlantik entlang. Linker Hand sahen wir das Meer und rechter
Hand Berge. In Valença stiegen wir aus. Valença machte auf uns zunächst
einen tristen Eindruck. Der Ort schien nur aus einem Bahnhof, ein paar
Mietshäusern, einem Kreisverkehr und einem Springbrunnen zu bestehen.
Wahrlich kein verlockender Anblick bei rasch steigender Mittagshitze. Am
liebsten hätten wir sogleich die vom Ingenieur Eiffel im 19. Jahrhundert
erbaute Ponte genutzt um den Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien zu
überschreiten. Uns hielt nur die in Coimbra gemachte Vorplanung zurück. Gott
sei Dank, wie sich am Spätnachmittag herausstellte.
Den Stadtnamen „Valença do Minho“ trägt nämlich von
alters her eine Festungsstadt hoch über dem Grenzfluss. Über Jahrhunderte
hinweg war sie ein Bollwerk am Rio Minho. In alten Zeiten wurden die Spanier
mittels des Bollwerkes am Eindringen ins Land gehindert. Heute wird die
wuchtige Festungsanlage regelrecht von Spaniern überrannt. Die
Tagestouristen reisen scheinbar ausschließlich zur Schnäppchenjagd an. Die
engen Gassen der Festungsstadt sind an beiden Seiten voll gestopft mit
Haushaltswaren und Souvenirartikeln. An manchen Stellen ist ein Durchkommen
kaum möglich. Besonders begehrte Artikel: Bett- und Tischwäsche. Wir
wendeten uns bald von der Einkaufshetze ab und umrundeten den Ort. Vom
Bollwerk der Stadt über dem Minho hatten wir einen schönen Blick auf den
Nachbarort Tui in Spanien.
Tui -
Spanien
Gelbe Pfeile wiesen uns am nächsten Tag den Weg
nach Spanien. Über den Grenzfluss Minho spannt sich eine doppelstöckige
Stahlkonstruktionsbrücke. Oben verläuft der Schienenverkehr und unten der
Straßenverkehr. Für Fußgänger gibt’s rechts und links einen Fußweg, der wohl
zu einem späteren Zeitpunkt angebaut wurde. An beiden Flussufern sind noch
die alten Grenz- und Zollstationen zu sehen. So wie die portugiesische
Festungsstadt über dem Minho aufragt, so thront auch Tui auf einem Berg.
Gekrönt wird der Stadtberg von der Kathedrale des Ortes.
Endlich wieder als Fußpilger unterwegs zu sein, darüber
waren wir sehr froh. Bei einem ausgedehnten Rundgang durch Tui haben wir
dieses Glück gefeiert. Besonders wohl haben wir uns im Garten der Kathedrale
gefühlt. Unter Palmen sitzend konnten wir den Blick in Richtung Portugal
genießen. Später haben wir die mittelalterliche und die aktuelle
Pilgerunterkunft der Stadt besichtigt. So wuchsen wir nach und nach wieder
in den Pilgeralltag hinein.
Kurzetappe
Rückblickend können wir sagen, dass der Caminho
Portugues gradlinig und zielstrebig durch Galicien geführt wird. Die meisten
Wege verlaufen abseits des Straßenlärms.
Überwiegend sind die Wege
naturbelassen. Einige dieser Wege sind für Radpilger ungeeignet.
Im spanischen Pilgerführer wird vorgeschlagen, von Tui
aus direkt bis Redondela zu pilgern. Wir haben es vorgezogen, die etwa 37 km
lange Etappe zu halbieren und in Porriño zu übernachten. Das war gut so,
denn am Camino gibt es etliche Plätze die zum Verweilen einladen. Da sind zu
erwähnen: Die Ponte das Febres, die steinernen Wegekreuze, die Kornspeicher
und die Kapellen in Porriño, die alle geöffnet waren. Zur Info: In Porriño
gibt es eine Pilgerherberge. Die Herberge befindet sich am Rande der Stadt,
etwas abseits vom Pilgerweg. Es handelt sich um eine ganz neu errichtete
Pilgerunterkunft und wie wir anhand des Gästebuches feststellen konnten, war
sie bisher noch wenig frequentiert.
Redondela 
Die dritte Etappe im Land der gelben Pfeile und der
Strahlenmuschel führte über einen etwa 700 m hohen Bergrücken. Die ersten
Stunden des Tages stiegen wir ununterbrochen an. Sehnsüchtig schauten wir
gelegentlich hinunter ins Tal. Dort verlief die N 550. Ohne Anstrengung
hätten wir am Rand dieser Straße nach Redondela gelangen können. Nun denn,
der Weg über den Bergrücken hat sich gelohnt, wenn auch der Abstieg mächtig
in die Beine gegangen ist.
Ursprünglich wollten wir in Redondela übernachten,
fanden aber kein Nachtlager. Die Pilgerunterkunft konnten wir mangels
mitgeführter Schlafsäcke nicht nutzen und andere Gästebetten gibt’s in
Redondela nicht. Also Ultreia, weiter auf dem Camino in Richtung
Pontevedra.
Playa de
Cesantes
Nach weiteren fünf Tageskilometern hatten wir
endlich eine Bleibe für die Nacht gefunden. Wir wohnten in einem Strandhotel
an der Playa de Cesantes. Unter Palmen, mit Blick auf die Illa de San Simon
und eine Atlantikbucht, da haben wir es uns gut gehen lassen.
Am nächsten Morgen nieselte es. Am Strand begegneten
uns Frauen, eingehüllt in wetterfeste Kleidung. Als wir den Steilanstieg zur
N 550 überwunden hatten, konnten wir hinunterblickend die Frauen bei der
Arbeit beobachten. Sie standen bis zur Hüfte im Wasser der Bucht, und wir
vermuten, dass sie nach Stabmuscheln gegraben haben. Oben auf der Höhe
pilgerten wir eine Weile an der Nationalstraße entlang, Atlantikblick
eingeschlossen. Nach
etwa
2 Kilometern als Roadrunner stießen wir wieder auf die gelben Pfeile, ganz
ohne lange Sucherei. Der Camino schlenkert in diesem Teilabschnitt nämlich
mal rechts, mal links neben der Nationalstraße. Jedes Mal tauchten wir
wieder ein in den hier teils naturbelassen dichten Wald. Oftmals mussten wir
mit den Händen den Weg freimachen. Gelegentlich verläuft er auch auf der N
550. An der romanischen Brücke, der Ponte Sampaio, trennt sich der Camino
von der Nationalstraße. Ponte Sampaio selbst ist ein caminobegeisterter Ort.
Dreieckige Stelen mit jakobäischen Zeichen stehen in großer Zahl am
Pilgerweg, und schmücken den Ort.
Wetterumschwung
Am Ortsrand von Sampaio haben wir für längere Zeit
gänzlich die Zivilisation verlassen. Der Pilgerweg verläuft quer durch die
Botanik, meist ansteigend, über einen sehr, sehr alten Verbindungsweg.
Leider hatte es in der Nacht zuvor geregnet. Wasserfallpassagen hatten wir
zu meistern und manchmal sackten wir bis an die Knöchel ein. Dieses
Teilstück des Caminho Portugues ist fantastisch schön. Uns als Caddiepilgern
zwang der malerische Weg allerdings eine langsame Gangart auf. Wir
erreichten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 2 km á Stunde.
Bergab, auf Pontevedra zu, ging es stetig über Wald-,
Felsen- und Wurzelwege. Wir verliehen dem Abstieg den Titel „dynamischer
Camino“. Unsere Caddies hüpften und sprangen hinter uns her. Sie suchten und
fanden ihren eigenen Weg. Wir mussten ihnen keine übergroße Aufmerksamkeit
widmen. Wir konnten uns am Weg erfreuen.
Virgen
Peregrina
In Pontevedra gibt es viele Pilgerzeichen. Selbst
die Altstadtgassen mit ihren Arkaden erinnern schon an Santiago. Ein ganz
besonderer Anziehungspunkt für Santiagopilger ist das Santuario der Virgen
Peregrina. In der Iglesia de la Virgen del Camino sind Muscheln, Kalebassen
und Pilgerstäbe überall als Schmuckelemente verwendet worden.
Auf dem zentralen Platz vor der Kuppelkirche der
Peregrina ging es bin in die Nacht hinein lebhaft zu. Groß und Klein, Alt
und Jung, alle erquickten sich dort am lauen Sommerabend. Möglicherweise
waren auch Santiagopilger in der wuselnden Menge. Auf dem Camino selbst
hatten wir bis dato niemanden gesehen, weder vor, hinter oder neben uns.
Strahlenmuschel, gelber Pfeil und Granit 
Von Pontevedra aus sind wir bis Caldas de Reis
gegangen. Strahlenmuscheln und gelbe Pfeile wiesen uns hervorragend den Weg.
Die Strahlenmuschelkachel ist am Caminho Portugues (im Gegensatz zum Camino
Frances) nirgends beschädigt. An jedem Abzweig und Wegeknick ist sie zu
sehen, fest verbunden mit dem jeweiligen Untergrund wie Stele, Felsen oder
Hauswand.
Ein weiterer ständiger Begleiter auf dem Pilgerweg
durch Galicien ist das Granitgestein. Granit, wohin der Blick sich wendet.
Granit als Baumaterial für Häuser, Mauern und Hangbefestigungen.
Granitbrocken am Wegesrand, in Vorgärten und auf vorbeifahrenden
Transportern. Nicht zu vergessen die vielen granitgrauen Wegekreuze sowie
die unzähligen Kornspeicher. Sogar die Stützen in den Weinlauben sind aus
Granit.
Caldas de
Reis
Caldas de Reis ist ein netter kleiner Ort mit einer
alten, romanischen Brücke. Wir hatten das Glück, ein Zimmer mit Blick auf
die Ponte Bermaña mieten zu können. So konnten wir beobachten, dass die
historische Brücke fest in den Tagesablauf einzelner Bewohner des Ortes
integriert ist. Ein älteres Paar saß zum Beispiel lange Zeit auf der Brücke.
Alte Steinbänke, die in das Brückengeländer eingefügt sind, machen dies
möglich. Jüngere Ortsbewohner flanierten über die Brücke, die für den
Autoverkehr gesperrt ist. Andere wiederum setzten sich in eines der
Straßencafes nahe der Brücke. Wir selbst haben diese schöne alte Brücke
natürlich auch in Augenschein genommen. Das Granitgestein ist ineinander
verzahnt und speichert die Tageswärme, wie uns der Tastsinn mitteilte. Kein
Wunder also, dass das ältere Paar so lange auf der harten, von weitem auch
kalt scheinenden Steinbank sitzen konnte.
Begegnung
mit Jakobspilgern
Am nächsten Morgen pladderte der Regen so heftig
vom Himmel, dass wir uns zunächst noch einmal im Bett umdrehten. Erst zur
späten Stunde (8:30 Uhr) machten wir uns auf den Weg. Jetzt kam die Frage
auf: Folgen wir den gelben Pfeilen oder gehen wir besser am Rand der
Nationalstraße entlang. Nun, die gelben Pfeile haben uns weg von der N 550
gelockt und hätten wir uns nicht locken lassen, es wäre überaus schade
gewesen. Der Camino war/ist einfach nur schön. Erst führte er durch ein
Wiesenthal. Nach einem Anstieg gelangten wir in ein weiteres Tal mit Wegen,
die für Pilgerfüße schöner nicht sein können. Klar, dass die Steigungen
heftige und weniger heftige Schnaufer verursachten. Die Landschaft, die
Wege, sie lohnen die Mühe. Zudem trafen wir endlich (und einzig) auf
Jakobspilger. Nach einem längeren Anstieg legten wir eine Stehpause ein. In
diesem Moment stürmten drei junge Männer mit kräftigen Schritten bergwärts.
Sie hätten nicht verschnaufen müssen. Trotzdem blieben sie stehen um mit uns
ein kurzes Gespräch zu führen. Vor Allem wollten die Jungs klären, ob ihre
Mutmaßungen in Bezug auf unsere Nationalität zuträfe (Schweizer). Das Woher
und Wohin war bald geklärt. In Porto waren die drei Spanier aufgebrochen und
sie äußerten ihre Freude unterwegs zu sein. Dann eilten sie vondannen.
Padrón
In Padrón
ist laut Legende der Leichnam des Heiligen Jakobus angelandet. Unter dem
Altar der Jakobuskirche wird eine Steinplatte aufbewahrt, die nach der
Überlieferung eng mit dem Leben des Heiligen in Verbindung steht. Eine
Version besagt, dass Jakobus, als er nach Spanien kam um zu predigen, sich
auf einen von der Küste Palästinas mitgebrachten Stein setzte. Eine andere
Deutung behauptet, an diesem Stein wäre das Boot, welches den Leichnam des
Apostels nach Galicien brachte, fest getaut worden.
Oberhalb Padróns
befindet sich der Monte Santiaguiño. Über Stufen führt der Weg hinauf. Es
gibt auch einen bequemen Fahrweg. Oben befindet sich eine Santiagokapelle
und eine Felsengruppe mit der Statue des Heiligen Jakobus. Der Legende nach
soll Jakobus d.Ä. während seines Aufenthaltes in Spanien diese Felsengruppe
als Predigtkanzel genutzt haben. Vom Berg oben ließen wir den Blick
schweifen. Wir dachten, möglicherweise schon bis Santiago schauen zu können.
Nein, dies gelang nicht. Selbst den aus der Jakobuslegende bekannten Ort
Iria Flavia konnten wir von oben nicht ganz sicher ausmachen. Macht nichts,
die gelben Pfeile führen zum Colegiata de Santa Maria de Iria Flavia.
Auf
Santiago zu
Trotz Regen im ganzen Land sind wir frühmorgens in
Padrón
aufgebrochen. Zwei ganz besonders dicke Regenschauer haben wir in Bars
ausgesessen. Ansonsten sind wir mal mit, mal ohne Regenschirmdach durchs
Land gepilgert. Der Pilgerweg wird abseits der N 550 durch kleine, sehr
kleine galizische Orte geführt. Bei all der Nässe sahen die Orte grau in
grau aus. Trotzdem, diesen Tag möchten wir nicht missen. Es hat schon etwas
Besonderes, unter Weinlauben durch dämmerig, graue, kleine galizische Orte
zu pilgern. In Santiago angekommen, da konnten wir mit Fug und Recht endlich
einmal die wohl allen Santiagopilgern bekannte Regenpostkarte kaufen und
verschicken.
Etwas fremd und ungewohnt war es, aus südlicher
Richtung kommend in Santiago einzutreffen. Leider haben wir dann auch prompt
kurz vor Santiago die gelben Pfeile verloren und wir mussten uns an
Hinweisschilder für motorisierte Verkehrsteilnehmer halten. Um die
Mittagszeit sind wir angekommen. Zum dritten Mal konnten wir sagen: Hola
Santiago, da sind wir wieder.


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Unser Pilgerweg vom
25.Juli
bis 5. September 2003 - Thekla & Aloys |
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