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  Neues vom Camino
  Unser Pilgerweg
  Mathhiaspilger nach Trier

Bilder vom Camino
 

 

 


 
 


 
 


 


 

 

 


 


 


 


 

 

 


 


 


 


 

 

 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

 
Jakobsweg - "Der Weg ist das Ziel"  
 ........ Jakobspilgerweg mit dem Fahrrad  


Fahrradreise von Buchenbach bei Freiburg im Breisgau nach Santiago de Compostela/Nordwestspanien
In 26 Tagen über 2280 Km mit insgesamt 22 700 Höhenmetern

Kurzbeschreibung:
Vor ungefähr 7 Jahren, als im Freundeskreis große gesundheitliche Probleme auftraten, versprach ich, bei gutem Ausgang eine Pilgerreise mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela zu unternehmen. Nachdem in den nachfolgenden Jahren noch große gesundheitliche Sorgen in meiner eigenen Familie dazukamen, die jedoch alle gut ausgingen, hatten sich im Verlaufe der Zeit genügend Gründe für eine solche Pilgerreise angesammelt.
So beschloss ich im Frühjahr dieses Jahres, am 15. August 2003, ohne großes vorhergehendes Training das Wagnis auf mich zu nehmen und zu versuchen in 30 Tagen die Strecke von geschätzten 2400 Km nach Santiago de Compostela zu bewältigen.
Ausrüstung:
Da ich die gesamte Tour mit einem Tourenfahrrad und etwa 30 Kg Gepäck machen wollte und damit auf asphaltierte Straßen angewiesen war, waren diese Radführer eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Reise.
Zusätzlich besorgte ich mir noch Michelin Karten im Maßstab 1 : 200 000, damit war ich sehr gut ausgerüstet.


15.08.03 an der Jakobus Kapelle in Himmelreich
Meine Strecke über 2280 Km

Streckenverlauf:
Die vorgesehene Strecke ging von der Jakobuskapelle in Buchenbach – Himmelreich, über Colmar – und den Vogesenhauptkamm über den Col de la Schlucht – Remiremont – Darney - Bourbon le Bains – Langres – Auberive - Es sur Tillé – Marsannay la Cote - Nolay – Buxy - Cluny – Echarmeaux - Roanne - St.Etienne – Firminy - Uniseu - Le Puy en Velay – Saugues - Aumont Aubrac – Nasbinals - Col de Brac – Espailon -Estaing –Figeac – Cahors – Moissac – Agen – Condom – Eauze - Aire sur Adour – Arthez de Bearn - Orthez – St. Palais - St.Jean Pied de Port - über den Ibaneta Pass durch die Pyrenäen -Roncevalles – Pamplona – Puente la Reina - Logrono – Navarette - Najera – Sto.
Domingo de la Calzada - Castildelgado - Burgos -Carrion de las Condes –Sahagun – Mansilla de las Mulas - León – Hospital de Orbigo - Astorga - Rabanal del Camino - Cruz de Hierro (Ferro) – Ponferrada - Villafranco del Bierzo - Passo O Cebreiro - Porto de Pieo – Triacastella – Samos - Sarria – Portomarin – Melide – Arzua - Santiago de Compostela.
Mit dieser Strecke über Le Puy en Velay folgte ich der "Via Podiensis". Ab Puente la Reina fuhr ich auf dem Camino Frances, soweit es mit dem Tourenfahrrad möglich war.
Am ersten Tag meiner Reise kam ich überraschend weit, hatte ich doch 112 Km auf dem Tachometer und war unbeschadet aber total durchnässt über den 1139 m hohen Vogesenpass „ Col de la Schlucht „ gekommen. Leider fand ich kein Quartier, da durch den Feiertag „Maria Himmelfahrt „ in Frankreich ein verlängertes Wochenende war. Ich musste deshalb zum ersten Mal mein Notzelt aufschlagen. Hier fand ich überraschend eine Jakobsmuschel, die ich säuberte und mitnahm.
In den folgenden Tagen radelte ich frohgemut im Durchschnitt ca. 80 Km und kam am 5. Tag nach Es-sur Tillé, wo ich eine Schlauchpanne hatte. Übrigens die erste und die letzte Fahrradpanne (aber leider auch die teuerste). Ich fand auch eine Werkstatt, die die Reparatur vornehmen konnte, aber in der Hektik und der Freude darüber, kam meine Weste mit Geld und Papieren abhanden.
Nun war guter Rat teuer, abbrechen und abholen lassen ? Nach nur 5 Tagen ! Das kam nicht infrage.
Also fuhr meine telefonisch alarmierte Frau mit einem guten Freund von mir, am selben Abend noch 330 Km nach Es sur Tillé und brachte mir Geld, Papier und EC Karten und fuhr sofort wieder 330 Km zurück. Eine Super Leistung !
Am nächsten Tag fuhr ich weiter, nicht ohne zuvor noch Gendarmerie und Mairie von meinem Missgeschick verständigt zu haben.
Am Tag meiner Ankunft in Santiago de Compostela, kam über E-Mail die Nachricht, dass meine Weste mit sämtlichen Papieren in der Mairie abgegeben worden war. Das Geld allerdings fehlte.
Leider kam am 6. Tag meiner Reise, am 21.8., die traurige Nachricht, dass es zu einem Trauerfall in meiner Familie gekommen war. Ich ließ mein Fahrrad mit dem Gepäck an der Cote d’or, südlich von Dijon stehen und fuhr mit dem Zug für 6 Tage nach Hause und setzte am 27.8. morgens meine Reise fort.
Die nächsten Tage verliefen ohne große Probleme, manchmal war es sehr heiß und schwül, dann wieder kamen kräftiger Regen, Hagel und Gewitter.
Kühle Morgen mit kaltem Wind, vor allem in den Bergen der Auvergne, machten mir ebenfalls zu schaffen. Ich kam trotzdem sehr gut voran und hatte bereits am 11. Fahrtag rund ein Drittel meiner Reise, den ersten großen Ort, Le Puy en Velay erreicht. Eine beeindruckende Stadt mit vielen Wahrzeichen. Kathedrale, Marienstatue, die Kirche hoch auf dem Felsen und das herrliche Schloss.


Im Tal des Lot
 

Die nächsten Tage ging es ebenfalls zügig weiter und am 18. Fahrtag, nach 1458 Km erreichte ich St.Jean Pied de Port am Fuß der Pyrenäen.Nun galt es !  Der nächste Morgen mit Regen, Nebel und kaltem Wind waren keine guten Voraussetzungen, doch nach 88 Km und nach 3 Pässen war Pamplona erreicht.Die nun folgenden Etappen waren gekennzeichnet durch viele Erlebnisse mit anderen Pilgern. Herrliche Kathedralen in Burgos, Leon und Astorga waren anzusehen und zu besuchen.
Aber es gab auch einsame Strecken durch die nordspanische Meseta, bei denen ich in glühendheißer Hitze einmal sogar 148 km zurückgelegt habe.
Durch diese doch überraschenden Leistungssteigerungen wurden offensichtlich noch weitere verborgene Kräfte in mir geweckt. In den nächsten Tagen kam ich so zügig voran, dass ich bereits nach wenigen Tagen meine sogenannte „Königsetappe“ über 3 Pässe der cantabrischen Berge in Angriff nehmen konnte. Mit Sonnenaufgang ging es los. Nach 2 Stunden hatte ich die erste Passhöhe erreicht.
Vor mir lag auf 1504 m Höhe stand das Cruz de Ferro, das Eisenkreuz, umgeben von einem Hügel von Millionen von Steinen. Diese hatten Tausende und Abertausende von Pilgern in den vergangenen Jahrhunderten hier am Fuß des schlichten Kreuzes abgelegt.
Dieser Brauch, einen Stein als Symbol für die Lasten des Lebens von zu Hause mitzunehmen und hier abzulegen gilt, seit die Pilgertradition vor über 1000 Jahren begonnen hat.
Manche Steine sind beschriftet, andere bemalt. Manche sind groß und bis zu   3 Kg schwer, andere klein, fast wie Kieselsteine. Manche werden von den Pilgern vorsichtig abgelegt. Andere werden wie eine schwere Last auf den Hügel geworfen.
Auf jeden Fall war dies auch für mich einer der emotionalen Höhepunkte dieser Reise.
Meinen Pilgerstein hatte ich an der Jakobuskapelle in Buchenbach-Himmelreich gefunden, beschriftet und über eine Strecke von genau 2033 Km in meiner Tasche getragen. Nun konnte ich ihn am Stamm des Kreuzes ablegen und meiner Familie, meinen Verwandten, Freunden und Bekannten widmen.
Eine schnelle, 20 Km lange Abfahrt nach Ponferrada und der Wiederanstieg über 25 Km nach Villafranco del Bierzo folgte.
Von nun an ging es nur noch steil bergauf mit wieder extremen Steigungen, bis zum Pass  O’Cebreiro auf 1300 m Höhe. Hier steht die kleine Kirche „Santa Maria la Real “ wo sich der Legende nach das   „O’Cebreiro“ Wunder zugetragen hat.

Ich war total geschafft, aber es ging noch einmal 400 m hinunter und noch einmal stieg es auf die Porto de Poio mit 1335 m an. Ich war körperlich restlos fertig und nur noch froh, dass es 15 Km bergab nach Triacastella ging, wo ich in dem „Meson Villas Ante“ übernachtete.
Nach dieser „Königsetappe“ war ich jedoch emotional und auch körperlich ungleich stärker und konnte die letzen 2 Etappen nach Santiago de Compostela problemlos bewältigen und traf am Montag den 15. September mittags um 12,30 Uhr in Santiago de Compostela auf der Praza de Obradeiro ein. Meine Ankunft an der Kathedrale von Santiago de Compostela war der emotionale und beeindruckende Höhepunkt in einer langen Reihe von  tiefgreifenden Erlebnissen, entlang der 2280 km langen Strecke vom Schwarzwald nach Nordwestspanien.
Nachdem ich mein Fahrrad an der Ostseite abgestellt hatte, betrat ich mit freudigem Erwarten dieses monumentale Bauwerk. Der Besuch des Apostelgrabes des heiligen Jakobus ist in seinen emotionalen und tiefgreifenden Empfindungen kaum zu beschreiben. Zuerst sieht man den Hochaltar mit der vergoldeten Schnitzfigur des hl. Jakobus, die mit Ihrem Blick eine himmlische Ruhe ausstrahlt. Die Umarmung des Apostelbildnisses, das Hinabsteigen in die Apostelgruft  und der Blick auf das Apostelgrab waren in Ihrer gefühlten Intensität der Höhepunkt und die Krönung der ganzen Pilgerreise. Da alle Pilger diesen Höhepunkt erleben wollen, dauert der Ablauf mindestens ein bis zwei Stunden.
Wenn man von der Westseite die Kathedrale betritt, kommt man durch das unvergleichliche  „Pórtico de la Gloria“. Hier empfängt das Bildnis des heiligen Jakobus, im Mittelpunkt himmlischer Heerscharen, die Pilger.   Auch hier stauen sich die Menschen und legen ergriffen die Finger der rechten Hand in die Vertiefungen am  „ Arbol de Jesé“ dem Lebensbaum Jesu Christi und der gesamten Menschheit. Die Pilger machen dies seit Jahrhunderten um den Apostel zu ehren und ihm zu danken. Über die Jahrhunderte hinweg haben ihre Hände glatte Vertiefungen in den Stein gegraben. Während der Pilgermesse wird das monumentale Weihrauchfass, der „botafumeiro“ von 8 Männern in ausladende Schwingungen gebracht und schwingt quer durch das Kirchenschiff bis fast an die Decke.

           
Ankunft in Santiago de Compostela  -  Am Eisenkreuz auf 1504 m    
„ Arbol de Jesé“ Der Lebensbaum

         
Der Pilgerstein                                       Das Apostelgrab       
Das Apostelbildnis am Hochaltar

Genau 26 Fahrtage nach meiner Abfahrt und nach einer Strecke von 2280 Km und 15 000 Höhenmetern, was einem Durchschnitt von genau 88 Km und 600 Höhenmetern pro Tag entspricht, hatte ich das Ziel meiner Reise erreicht.
Als Fazit kann ich sagen, dass diese Reise ein einmaliges Erlebnis war. Sie hat viel Schweiß und Kraft gekostet und manchmal bin ich bis an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gegangen.
Und trotzdem gab es so viele schöne Erlebnisse, Begegnungen, Bekanntschaften mit vielen Menschen aus aller Herren Länder, so dass bereits Überlegungen vorhanden sind, in den nächsten Jahren, auf einem anderen der vielen Wege noch einmal nach Santiago de Compostela zu fahren.
Statistik:
Gesamtstrecke  2280  Km, das sind bei 26 Tagen durchschnittlich  88 km pro Tag. Höhenmeter:   22 700 m,  das sind cirka 800 Höhenmeter pro Tag.
Wer sein Buch lesen möchte über die interessante Pilgerreise findet weitere Informationen unter:
www.mäder-jakobsweg.de

Rudolf Mäder
sandte uns seinen Pilgerbericht im April 2008

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Camino del Norte  
Ein Traumpfad zwischen Meer und Gebirge  


Begonnen hatte ich in Bilbao bei Kilometer 700 bis Santiago. Doch für mich verringerten sich die  Kilometer, weil ich einiges mit Bus und Bahn gefahren bin. Als Jahrgang 39 kam ich manchmal an meine Grenzen. Es ist ein schmaler und fruchtbarer Landstrich - das grüne Spanien. Da wo viele Menschen leben, gibt es Dörfer, Städte, Industrie  und Straßen und manchmal wenig Platz für den alten Jakobsweg. Früher sah das anders aus.
Auf dem Camino waren nicht viele Pilger unterwegs, denn er ist mit 9000 Hm recht anspruchsvoll. Tagelang lief ich ganz alleine, weit und breit kein Mensch, nur abends in den Herbergen kamen etwa 20 Pilger zusammen. Das Pilgerleben gestaltet sich preiswert. Herberge: 5 €, Frühstück in einer Bar: 3 €, tagsüber: Brot, Käse, Wurst und Wasser: ~ 5 €. Abendessen: Menú del Dia: 8 – 10 €,
Pilgerspruch: „Erdverbunden leben, himmelwärts schauen, festverwurzelt und offen für Neues!“ Da steckt alles drin.
Wir Pilger sind offene Menschen mit dem gleichen Ziel und schließen schnell Freundschaften. Wie z.B. meine vier Amigos aus Madrid. Einer davon, Juan mit 77 Jahren, musste ab und zu die Etappen mit Bus oder Taxi verkürzen. Er bekam von mir den Namen: Don Juan el Grande. Er konterte mit: Arno el Magnifico (der Prächtige). Ab der 3. Woche machte ich mit den Pilgern abends Qi Gong, was großen Anklang fand. Bedingt durch die Etappen fand sich jeden Abend die gleiche Pilgergruppe aus Jung und Alt wieder. „Willy us Kölle“, eine rheinische Frohnatur, sorgte für Unterhaltung und ich brachte mit dem täglichen Qi Gong viel Spaß in die Gruppe aller Nationalitäten. Meine Etappen lagen bei 20 – 25 Kilometern. Meistens übernachtete ich in den Herbergen, nur manchmal bevorzugte ich Pensionen, wenn sie günstiger am Weg lagen. Bis auf wenige Regenstunden herrschte über die ganze Zeit schönes Wetter. Der Camino del Norte ist gut beschildert. Bei Lücken half der Wanderführer vom Rother-Verlag weiter. Viele junge Menschen wanderten auf dem Camino. Die günstigen Preise und die fantastische Landschaft hatten sich herumgesprochen.
Tag für Tag das gleiche Spiel: Morgens eine Handvoll Wasser ins Gesicht, Rucksack packen, in der nächsten Bar ein kleines Frühstück und schon ging es auf die Strecke. Proviant wurde immer am Vortag gekauft. Vorbereitung war alles. Dazu gehörte die Lektüre im Wanderführer. Somit herrschte über Länge, Höhe und kulturelle Ereignisse Klarheit. Abends wurde beim Duschen gleich die Wäsche mitgewaschen. Trocknete sie über Nacht nicht, wurde sie auf dem Rucksack geschnürt. In den vier Wochen habe ich so viel erlebt, wo fange ich da an zu erzählen?
Wie gesagt, in Bilbao begann am 19. August 2011 mein Camino. Dort besuchte ich das berühmte Guggenheim-Museum. Supermodern und doch durch die eleganten Formen der Natur angepasst. Ich war begeistert. Der Küstenweg führte auf der Höhe mit freier Sicht über das weite Meer. Von unten spielte die Brandung eine gleichbleibende Melodie. Ein frischer Wind ließ die Biskaya spüren. Dann ging es über einen Berg durch einen Eukalyptuswald hinunter nach Castro-Urdiales und ich konnte am Strand eine Abkühlung nehmen. Den Hafen überragt eine alte, wuchtige  Kirche aus dem 13. Jh. Doch leider sind viele Kirchen in Spanien nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Weil die Herberge voll belegt war, wurden hinter dem Haus Zelte angeboten und ich habe darin sehr gut geschlafen.
Der nächste Tage führte anfangs wieder an die Küste mit dem gleichen faszinierenden Schauspiel wie am Vortag. Ein Schlenker über die Berge bei schwüler Hitze brachte mich ins Schwitzen. Hier fehlte der Biskayawind. Endlich senkte sich der Jakobsweg nach Hazas hinunter. Im Schulhaus, wo eine Herberge eingerichtet war, trafen sich alle Pilger. Im einzigen Restaurant nahmen wir dann gemeinsam das Abendessen ein.
„Es ist erstaunlich, wie dieser Weg so viele unbekannte Menschen auf sonderbare Weise verbindet“ (Pilgerspruch).
Nachdem ich in Laredo den vier Kilometer langen Strand entlanggewandert war, folgten nach der Überfahrt mit einer Fähre nach Santona noch zwei Traumstrände. Bis jetzt würde ich Camino del Playa sagen. Auch heute war wieder Baden angesagt. Damit die Verführung zum Baden nicht zu groß wurde, ging es ins Hinterland. Eine abgelegene, romanische Kirche aus dem 13. Jh. lud zu einer Pause ein. Wiesen und Wälder wechselten sich ab – Ruhe lag über dem Land, Zeit zum Nachdenken.
„Der Weg nach Santiago ist lang, aber der längste Weg ist der nach innen“ (Pilgerspruch).
Die Herberge in Güemes liegt zwar einsam, ist aber sehr gemütlich. Übernachtung und Essen gab es auf Spendenbasis. Wieder folgte ein beeindruckender Tag auf dem Küstenweg bis Somo und mit der Fähre nach Santander. Dort steht noch das Stammhaus der Santander Bank. Die gotische Kathedrale mit dem Kreuzgang und die Unterkirche mit den Reliquien der Heiligen Emeterio und Celedonio sind sehenswert. Mit einem Bummel über die Hafenpromenade klang der Tag aus.
Von Santander kam ich nach Santillana del Mar zu den Höhlenzeichnungen. Diese naturgetreuen Tierbilder wurden vor 14 000 Jahren von den Homo Sapiens gemalt. Jetzt sind sie in einer „Neocueva“ , in einer nachgebauten Höhle zu sehen. Der mittelalterliche Ort Santillana del Mar zieht viel Besucher an und es herrschte ein reges Treiben vor der Stiftskirche (12. Jh.) mit Klosteranlage. Danach pilgerte ich bis San Vicente und sah schon im Süden die hohen Gipfel der Picos de Europa. Hoch über der Stadt ragt die Kirche Santa Maria de los Angeles in den Himmel. In der Kirche befindet sich als Grabmal eine anmutende, liegende Marmorskulptur – das schönste Grabmal Spaniens!
Tags darauf fuhr ich mit dem Bus in die Berge zu den Picos de Europa nach Potes, ein beliebter Urlaubsort. Alt, romantisch und voller Leben liegt er mitten in den Bergen. Die Altstadt hat mit seinen Gassen das volkstümliche Flair erhalten. In der Nähe besichtigte ich das berühmte Franziskanerkloster Santo Toribio mit dem Reliquienkreuz. Die Reliquie soll der Heilige Toribius im 5.Jh. aus Jerusalem mitgebracht haben. Im 8. Jahrhundert schrieb der Mönch Beatus von Liébana seine Erläuterungen zu der Apokalypse und illustrierte seine Werke. Nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela liegt dieses Kloster an 4. Stelle der Wallfahrtsorte.
Am nächsten Tag unternahm ich eine kleine Wanderung zum Picos de Europa. Die vielen Wegmarkierungen lassen auf ein umfangreiches Wandergebiet schließen. Bis 2600 m erheben sich diese Gipfel.
Wieder auf dem Jakobsweg landete ich im Fürstentum Asturien am Meer. Es folgte Strand auf Strand – Camino del Playa! Lag die Herberge im Strandnähe, habe ich natürlich gebadet. Dann gelangte ich nach Gijon, einer Großstadt mit 300 000 Einwohnern. In der Altstadt wurde das Sidra-Fest (Äpelwoi) gefeiert. Dabei wird der Wein in hohem Bogen in das Glas gegossen. Durch die Sauerstoffaufnahme schmeckt er spritziger. Um dem Industriegebiet und der dichten Bebauung auszuweichen, fuhr ich mit der Bahn ein Stück und wanderte nach Tapia, mit einem alten Fischerhafen. Das Leben in Spanien beginnt erst abends. Deshalb trafen sich nach Sonnenuntergang so viele Leute am Hafen. Der kommende Tag brachte mich nach Galicien. Hier war wohl der Schelm Asterix am Werk, denn die Muschel zeigte jetzt mit den Strahlen nach Santiago. Der Jakobsweg verließ die Küste und schwenkte nach Süden in hügeliges Land. Die künftigen Tage verlangten je 800 Höhenmeter im Aufstieg auf schattigen Waldwegen.
„Unser Leben gleicht einem Wanderweg, der über Höhen und durch Tiefen führt. Anders ist das Ziel nicht zu erreichen“ (Albert Bartsch).
In der Bischofstadt Mondo
ñedo, steht die Kathedrale Santa Maria mit prächtigen Malereien aus dem 13.Jh. Weiter ging es nach Baamonde. Es ist zwar ein verschlafener Ort, doch die kleine Kirche Santiago de Baamonde mit den drei Kreuzen aus Granit und der im Baum geschnitzten Maria sind sehenswert. Mittlerweile war es Mitte September und wurde erst 7:30 Uhr hell. Solange konnte ich es nicht im Bett aushalten und lief mit Taschenlampe los - ein ungewohntes  Abenteuer.
In Sobrado besichtigte ich die große Klosteranlage und nahm an der Messe mit Chorgesang teil. Als wir im Klosterhof danach unsere Qi Gong-Übungen absolvierten, gesellte sich ein Mönch zu uns und machte mit. In Arzua stieß der Camino del Norte auf den normalen Jakobsweg und die Pilgerschar vergrößerte sich, dennoch trafen wir deutsche Pilger uns fast jeden Abend wieder.
Der letzte Tag vor Santiago de Compostela war angebrochen. Um 5 Uhr wachte ich auf, weil schon einige den Rucksack schnürten. Mich hielt es auch nicht mehr im Bett. In einer Bar ein schnelles Frühstück und ab ging es. Zum Glück verlief der Camino auf einem breiten Weg durch den dunklen Wald, was mit Taschenlampe keine Probleme bereitete. Ein Spanier, der keine Lampe hatte, folgte mir auf den Fersen. Endlich wurde es hell, aber es fing an zu regnen. Da musste man durch! Kalt war es nicht – ich war innen und außen nass. Über dem Monte do Gozo verlief der Jakobsweg hinunter nach Santiago.
Ehrlich gesagt: Ein beglückendes Gefühl – endlich geschafft!!!
„Wir sind niemals am Ziel, sondern immer auf dem Weg“ (Pilgerspruch).
Bis 12 Uhr hatte ich 20 km abgespult und es reichte noch zur Messe in der Kathedrale. Wer die Kathedrale durch das Südportal verlässt, sieht  links das
W und rechts das α. Wir Pilger können ab hier einen neuen Lebensweg beginnen.
Um 19 Uhr wurde eine Besichtigung in deutsch angeboten. Über die prachtvolle Kathedrale könnte man viel berichten, doch hier nur ein Satz. Der Haupteingang, der Portico de la Gloria, mit der Jakobssäule, der „Umarmungsjakob“ auf dem Hochaltar, der Sarkophag des Heiligen Jakobus in der Krypta und natürlich die Messe bilden für den Pilger einen krönenden Abschluss für all die Mühe und Schmerzen auf dem langen Jakobsweg.
Tags darauf fuhr ich nach Finisterre, ans „Ende der Welt“ und sammelte am Strand Jakobsmuscheln. Es wundert mich schon nicht mehr, dass wir Deutsche uns mit einer Flasche Rotwein beim Sonnenuntergang in Finisterre wieder trafen. Ach, was gäbe es alle zu erzählen! Landschaften, Menschen und Geschichten. Leider mussten einige Pilger auf dem Jakobsweg wegen Fußproblemen aufgeben.
„Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat“ (Goethe). Ich weiß es jetzt.
Glücklich saß ich im Flugzeug.
„Ich habe den Weg gemacht, doch der Weg hat mich gemacht“ (Pilgerspruch). Der Jakobsweg erschließt sich erst während des Laufens durch die andere Art des Lebens.
Buen Camino, Pilger Arno el Magnifico

 Arno Ritter
....... ein Pilgerbericht von Arno Ritter vom Camino del Norte - Okt. 2011
 

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Via Podiensis - Ein französischer Pilgerweg  
 
Erst die Via Jacobi (Schweiz) nun auf der Via Podiensis  


Via Podiensis

Vergangenes Jahr bin ich die Via Jacobi (Schweiz) vom Bodensee zum Genfer See gepilgert. Mit 12 000 Hm bei 460 km ist sie sehr anspruchsvoll. Trotzdem hatte mich die Landschaft, der Weg mit oft traumhaftem Bergpanorama begeistert. Interessant  waren die Begegnungen mit anderen Menschen und auch die Übernachtungen beim Bauern im Stroh. Mein Bericht steht mit Fotos im Internet: www.wanderland.ch / Reiseberichte / Via Jacobi / Teil 1-3.
Wir, meine Tochter und ich, fuhren nach Le Puy-en-Velay. Leider hatte meine Tochter nur zwei Wochen Zeit. Ich wollte gerne, wenn es gelingt, bis zu den Pyrenäen gehen.
Nach der Pilgermesse in die Kathedrale machte sich eine große Pilgerschar wie schon seit Jahrhunderten auf den langen Marsch nach Santiago de Compostela.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebr. 13,14).
Wir wanderten auf der Hochebene des Zentral-Massivs gen Süden. Alte romanischen Kapellen und Kirchen lagen am Jakobsweg. In den Herbergen reservierten wir gleich für den nächsten Tag mit Halbpension, das war bequem, preiswert und man nahm gemeinsam mit anderen Pilgern das Essen ein. Die Sonne heizte uns im August ganz schön ein. Ich hätte nie gedacht, dass das Wort Wasser einmal bei mir so einen hohen Stellenwert bekommen würde.
Endlich war die Passhöhe (1300m) erreicht und wir strebten abwärts der Herberge, dieses Mal ein nobles Gasthaus mit Schlafsaal, entgegen. Das Abendessen mit vier Gängen dauerte zwei volle Stunden. Wir speisten „wie Gott in Frankreich“, hatten früher die Pilger auch so gegessen? Jeden Morgen kauften wir frisches Baguette, Käse und Wurst reichte mehrere Tage.
Faszinierend und menschleer ist die Landschaft des Aubrac. Von Hügel zu Hügel das gleiche Bild, endlose Wiesen mit Steinmauern durchsetzt. Hier kann es auf 1000 m auch sehr rau sein, denn oft bläst ein Wind über die baumlose Weidelandschaft, der uns heute eine angenehme Kühlung verschaffte. In einer hübschen Auberge in Montgros gab es ein köstliche Abendessen und versetzte uns wieder in eine andere Welt. Mit „uns“ meine ich die ganze Pilgerschar, die immer gemeinsam zum Essen versammelt war.
Wie zum Ausgleich der sonnigen Tage zogen heute dunkle Wolken auf und luden ihre Last ab; wir konnten das „raue Aubrac“ in echt erleben. Trotz Regenkleidung kroch die Feuchtigkeit bis auf die Haut. Auf der Passhöhe (1307 m) hat das Hospiz und die Kirche Notre-Dame-des-Pauvres eine lange Geschichte aus der frühen Pilgerzeit um das 11. Jahrhundert. Gerade durch ihre Schlichtheit und dicken Mauern beeindruckt die Kirche auch heute noch den Besucher.
Jede Landschaft hat ihre eigene besondere Seele, wie ein Mensch, dem du gegenüber lebst (Christian Morgenstern).
Das Wetter besserte sich und ließ uns trocken die 500 Meter nach St-Chély-d´Aubrac absteigen, was trotz Stöcken gewaltig in die Beine stauchte. Die Ortschaft St-Côme-d´Olt führt den Namen Lot in okzitantischer Sprache. Das mittelalterliche Städtchen betraten wir durch ein Stadttor und kamen durch enge Gassen zur Kirche mit einer gedrehten Turmspitze. Ebenso verließen wir die Altstadt durch ein weiteres Tor, um über eine Brücke am anderen Lotufer weiterzugehen. Die Eglise de Perse (11. Jh.) vor Espalion ist ein großartiges Zeugnis früher Baukunst! Ob beim Relief des Tympanons (das Jüngste Gericht) oder den Innenraum mit wunderschönen verzierten Kapitellen, man kam aus dem Staunen nicht heraus.
Im Lottal zog der Pilgerpfad über Estaing in die Höhe und ließ uns bei großer Hitze kräftig schwitzen. Die Tagesverpflegung bestand täglich aus Brot, Käse und Wurst. Zur Abwechslung wurde die Reihenfolge geändert. Da weiß man um so mehr ein gutes Essen zu schätzen. 
9.Tag:
In stetem Auf und Ab gelangten wir an einen Höhepunkt der Via Podiensis nach Conques in ein abgelegenes Tal zu einer Abtei. Die Klosteranlage (8. Jh.) war schon immer eine wichtige Etappe der Wallfahrer auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Die heutige Kathedrale aus dem 11. Jh. ist eine riesige Emporenhallenkirche und kann eine große Schar von Pilgern und Mönche aufnehmen. Das Tympanon (Jüngstes Gericht) zählt wegen seiner Originalität und Größe zu den Meisterwerken romanischer Bildhauerkunst. Nachdem wir uns im Schlafsaal im Kloster eingerichtet hatten, besichtigten wir die Klosteranlage. Nach dem Essen im Speisesaal mit über 100 Pilgern erläuterte einer der Mönche die Bildersprache des Tympanons. Anschließend nahmen wir an der Vesper in der Kathedrale teil und folgten der Einladung zum Orgelkonzert, bei dem die Eindrücke des Tages nachklangen. In Figeac hatte Monsieur Champollion den Stein von Rosette entziffert. Über Griechisch und Demotisch verstand er die ägyptischen Hieroglyphen. Auch die romantische Altstadt ist sehenswert.
Unser Privatquartier bei Faycelles entpuppte sich als Villa mit Schwimmbad, was wir auch benutzten. Abends saßen wir auf der Terrasse und konnten einen sagenhaften klaren Sternenhimmel mit der Milchstraße bewundern. Aus Zeitgründen gab es heute einen „Bussprung“ von Cajarc bis Cahors. Hier besichtigten wir die mächtige Kathedrale St-Étienne, die wahrscheinlich nach dem Vorbild der großen Kuppelkirchen von Byzanz gebaut wurde. Der kleine Seiteneingang zeigt orientalische Bögen, doch das Nordportal schmückt das kunstvolle Tympanon mit Jesu Himmelfahrt. Wir spazierten durch die Altstadt zur Lotbrücke, wo seit dem 15. Jh. die Pilger die Stadt verließen. Nun trennten sich unsere Wege. Meine Tochter blieb in Cahors, um am nächsten Tag die Heimreise anzutreten und ich wanderte zur Landstraße, um per „Autostopp“ nach Montcuq zu kommen. In einer Herberge fand ich Unterschlupf und saß mit vielen Pilgern wieder gemeinsam am Tisch. Über sanft geschwungene Hügel pilgerte ich durch Obstplantagen und Gemüsefelder. Zu meinen Pausen gehörte auch eine spezielle Übung, nämlich zehn Minuten die Beine wie beim Joga hochlegen. Danach marschierte ich wieder gut ausgeruht weiter und genoss die Stille.
Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden (Friedrich Nietzsche).
Schließlich betrat ich in St-Martin-de-Durfort eine Herberge und konnte nach dem Abendessen einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben. Mit Qigong entspannte ich mich und fand einen erquickenden Schlaf.
15.Tag:
Heute stand der zweite Höhepunkt an, die Abteikirche St-Pierre (11. Jh.) und der romanische Kreuzgang in Moissac. Beeindruckt stand ich vor dem Tympanon (Offenbarung) am Südportal. Der Kreuzgang mit seinen 44 Meter langen Trakten, 116 Säulen und Kapitellen ist aufgrund seiner Vollständigkeit ein einmaliges Zeugnis romanischer Baukunst. Über zwei Stunden bestaunte ich die Anlage und ließ sie auf mich einwirken. Zufällig landete ich heute in einem kleinen „Paradies“, im Landhaus Chambres et Table d´Hôtes in Boudou. Nicht nur das Haus, das Schwimmbad oder das hervorragende Essen, nein, so fürsorgliche Leute hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Man fühlte sich wie in einer großen Familie. Wir saßen in froher Runde zusammen und später konnte ich alle Gäste zum Qigong überreden. Qigong ist eine leichte, sanfte Gymnastik für Körper und Seele. Wir Europäer sind „kopfgesteuert“ und blockieren somit oft den eigenen Energiefluss im Körper.
Mit der kurzen Etappe und dem reservierten Quartier ließ ich mir Zeit und übte mich in der Kunst der Langsamkeit:
Die Natur hat uns im Alter in die Langsamkeit gebracht, wir müssen sie nur annehmen. Sie hat darin einen Sinn verankert und bietet uns neue Chancen. Im Alter lässt die Leistung nach, dass weiß ja jeder, aber auf den Nullpunkt reduziert sie sich nicht. Aus der sogenannten Schwäche kann sich Stärke entwickeln. Schon als Marathonläufer hatte ich mich immer im „grünem Bereich“ bewegt. Mir war ein gutes Gefühl wichtiger als eine schnelle Zeit. Das heißt, man muss die Idealgeschwindigkeit anstreben, gleiches gilt beim Wandern oder Pilgern. Warum Verlangsamung keine Zeit raubt, sondern Zeit schenkt? Man muss dafür nur in der Zeit sein. Aber es verschafft auch das Gefühl, dass genügend Zeit da ist. Oft merkt man, je mehr man tut, desto schneller rauscht das Leben vorbei.
17.Tag:
Die hügelige Gascogne, von hier stammt der berühmte Armagnac, ist sehr fruchtbar. Sonnenblumen, Mais und Getreide wechselten sich ab. So gefährlich wie bei den „Drei Musketieren“ ist es wohl jetzt nicht mehr, denn der Musketier d´Artagnan stammte von hier. Über mehrere Jahrhunderte wurde an der Kathedrale von Lectoure um- und angebaut. Gleich nebenan fand ich im Gemeindehaus eine freundliche Unterkunft. Da die Schwestern zum Gemeindefest eingeladen waren, durften wir Pilger gleich mitkommen. Diesmal wurde keine Übernachtungsgebühr erhoben, sondern es lief über Spendenbasis. Der „Chemin de St-Jacques“ zog durch menschenleeres Gebiet – Hügel, Felder und Wälder wechselte sich ab. Einsamkeit und Ruhe sind dem Pilger nicht unwillkommen.
Zeiten des bewussten Schweigens und Innehaltens werden sich, wenn nicht gleich, so doch im Rückblick als die fruchtbarsten Zeiten in unserem Leben erweisen (Benedikt Ambacher).
Die Weintrauben des bekannten Armagnac-Gebietes lockten zur Kostprobe. Waren sonst meine Wasserflaschen immer gefüllt, hatte ich doch heute die letzte Wasserstelle übersehen und musste es mit trockener Kehle bis Condom aushalten. Mit „La Maison du Pèlerin“, die ein Deutscher betreibt, hatte ich eine richtige Wahl getroffen. Viele wertvolle Tipps erfuhr ich für meinen weiteren Weg, denn ich plante eine Überschreitung der Pyrenäen.
19.Tag:
Es folgte ein „Bussprung“ in das französische Baskenland nach Navarrenx. Durch Wiesen und Wälder ging es den Bergen entgegen. Da es auf dieser abgelegenen Strecke keinen Bäcker gab, musste ich zu meiner Notration greifen. Für so einen Fall hatte ich nun drei Wochen lang Knäckebrot mitgeschleppt. Käse und Wurst hatte ich noch vom Vortag. Sehr einsam war es heute wieder auf dem Jakobsweg - Zeit zum Nachdenken!
Die Erkenntnis, dass man mit wenigen Dingen auszukommen vermag, macht nicht nur zufrieden, sondern auch glücklich (Walter Reisberger).
Am Ziel in Ostabat gab es auch keine Einkaufsmöglichkeit, um so mehr freute ich mich aufs Pilgermenü im Gasthaus mit anderen Pilgern. Als der Wirt fragte, ob jemand Pasta möchte, war ich der einzigste Gast. Die Franzosen hatten noch nicht diese „Energiequelle“ entdeckt.
22.Tag:
Heute ging es auf die letzte Etappe des Chemin de St-Jacques bis St-Jean-Pied-de-Port. Noch zeigten sich die Pyrenäen als sanfte Hügellkette. Was würde mich noch erwarten? Endlich betrat ich St-Jean, wie alle diesen Namen liebevoll abkürzten. Mit der Ruhe war es jetzt vorbei. Hier sammelten sich wie eh und je die Pilgerscharen. Die eine Gruppe hatte die Via Podiensis beendet und die Anderen wollten auf dem Camino Francés nach Santiago de Compostela starten. Mir war der Trubel in den engen Gassen zu arg und so wie ich die Stadt an der Nordseite durch  das Portal St-Jacques betreten hatte, zog ich durch die Stadtmauer an der Südseite wieder hinaus. Mein Ziel lag auf 500 Hm in einer Auberge und hatte somit dem nächsten Tag etwas Höhe abgenommen. Wie immer frühstückte ich zeitig, denn die Königsetappe über die Pyrenäen forderte 1000 Höhenmeter. Für mich nichts besonderes, hatte ich doch vor Jahren eine Alpenüberquerung (E5) bewältigt, die fast jeden Tag diese Leistung abverlangte. Einen schöneren Tag wie heute konnte es nicht geben. Weit reichte die Sicht über die umliegenden Berge.
Bald wechselte die rot-weiße Farbmarkierung der Via Podiensis zum gelben Pfeil des Camino Francés in Spanien. Noch wenige Meter stieg der Pfad zum Cisa-Pass an, um danach sehr steil abzufallen. Jetzt waren die Wanderstöcke Gold wert. Von der Puerto de
Ibaneta erblickte ich bald die Abtei Roncesvalles, ein Kloster aus dem 12. Jh. Hier nächtigten die meisten Pilger, doch nach einem Schlafsaal mit 100 Betten verlangte es mich nicht. Nur eine halbe Stunde später fand ich in Burguete ein ruhiges Nachtlager. Anfangs verlief der Jakobsweg auf bequemen Wegen durch Dörfer, Wiesen und Wäldern, bis er den Metzkiritz-Pass (850 Hm) und den Alto Erro erreichte. Der zuerst so gemächliche Abstieg wurde immer steiler und steiler nach Zubiri hinunter. Zum Schluss forderte eine steinige Rinne, fast wie ein Bachbett, volle Aufmerksamkeit. An einer mittelalterlichen Brücke war am Wasser des Rio Arga erst einmal eine Pause angesagt. Schuhe aus und Beine hoch – was für eine Wohltat! Man sollte öfters Rast einlegen, damit die Seele folgen kann! In einer Albergo bezog ich Quartier und im Speisesaal fand sich eine internationale Schar zum Essen ein. Allein an meinem Tisch saßen Pilger aus Australien, Korea, Ungarn, Schweiz, Frankreich und ich.
25.Tag:
Der Camino folgte weiter dem Rio Arga flussabwärts. Über eine mittelalterliche Brücke gelangte ich nach Pamplona und betrat in der Innenstadt bald die Herberge. Es blieb noch reichlich Zeit für einen Bummel durch die Stadt, zu den Parks und Plätzen und zur Kathedrale. Durch die engen Gassen trieben mich keine Stiere, sonder Menschenmassen. Es war Sonntag und in der Altstadt fand ein Kunstmarkt statt. Mit dem Bus fuhr ich am nächsten Tag nach Karlsruhe und hoffe, den Camino de Santiago in Spanien bald fortsetzen zukönnen. Der Jakobsweg – ein Lebensweg!
Dankbar blicke ich auf vier wunderschöne, ereignisreiche und sonnige Wochen zurück. Erst recht, wenn man noch mit 71 Jahren so viel Schönes genießen kann. Gute Wegmarkierungen und ein dichtes Netz von Herbergen haben dazu beigetragen. Der übersichtliche  Wanderführer vom Bergverlag Rother leistete mir unterwegs mit Informationen über Wege, Herbergen und Kultur große Hilfe. Meine Strategie der Langsamkeit hat sich bewährt. Mit etwa 25 km pro Tag kam ich ohne Beschwerden ans Ziel, fühlte mich nie überfordert und brauchte auch keinen Ruhetag. Besichtigungen und Fotografieren waren mir wichtig. Da ich immer im voraus reservierte, konnte ich meine Gehzeit strecken, denn auf dieser fantastischen Via Podiensis wollte ich nichts versäumen. Pilger sind Suchende!
Wo Neugier und Offenheit sind, werden wir manches finden, was wir gar nicht gesucht haben (Benedikt Ambacher):
Der Weg nach innen ist mühsamer als über einen Berg. Aber die Mühe lohnt sich!
Buen Camino, Pilger Arno Ritter aus Karlsruhe

 Arno Ritter
....... ein Pilgerbericht von Arno Ritter von der Via Podiensis - 2010
 

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Auf dem Eifeler Jakobsweg  
 
Eine Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte - von Hubert von Venn  


Am 28.08.2008 hat
Hubert vom Venn eine kleine Reportage über den Eifeler Jaobsweg bis Schengen geschrieben - und diese ist erschienen im "Grenz-Echo", eine Tageszeitung in Belgien - http://www.grenzecho.net

Tagebuch einer Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte
Auf dem Eifeler Jakobsweg - von Hubert vom Venn
Ich kam mir spanisch vor: Vor Jahren entdeckte ich, nicht unbedingt mit dem Ruf eines treuen Kirchgängers behaftet, in einer dieser Zeitungen, die im Flugzeug direkt neben dem Göbelbeutel stecken, einen Bericht über den spanischen Jakobsweg - Camino de Santiago.
Warum auch immer, ich fand die Idee einer solchen (Pilger)-Wanderung faszinierend. Zu dieser Zeit hatte Hape Kerkeling wahrscheinlich noch niemals Blasen an den Füßen gehabt. Immer wieder nahm ich mir in der Folgezeit eine Wanderung durch Spaniens Norden nach Santiago de Compostela vor, sehr zum Unmut meines alten Körpers, der mir »Warum laufen? Du hast doch ein Auto!« zuraunte.
So pilgerte ich zunächst gemütlich unter der Leselampe sitzend durch diverse Bücher und Fotobände, bis mir die bestsellerlistige Abwesenheitsentschuldigung »Ich bin dann mal weg« des Kabarettisten Kerkeling einen Tritt in Richtung »Jetzt beweg dich auch mal« verpasste.
Getreten, getan: Im Internet erfuhr ich, dass man aus Herbergs- und Souvenirgründen für diese Wanderung einen Pilgerpass benötige, den es bei der »Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft« - oh Zufall - in Aachen gebe. Die freundliche Dame dort hatte nur ein Lächeln für mich übrig: »Seit dem Kerkeling-Buch ist da Kirmes: Überfüllte Schlafsäle mit 40 Mann/Frau, kaum Hotelzimmer, Schlafen in Zelten oder unter freiem Himmel.« - »Siehst du!«, spottete mein alter Körper, »aber auf mich hört ja keiner! Ich lege mich auf jeden Fall in keine Schweißmaukenbude.« Die Dame hatte aber noch einen Tipp: »Den Jakobsweg gibt es aber auch schon durch die Eifel.«
Eifel? Bei mir läuteten sämtliche Glocken der diversen Jakobuskapellen. Pilgerweg und Eifel, das war für mich überzeugtem Urlaubsfeind, der jede Eifeltalsperre einem Karibikstand vorziehen würde, wie Weihnachten und Kirmes an einem Tage. Apropos Tage: Zwei, drei Tage im Jahr sollten in Zukunft dem Jakobsweg gehören, also musste die Sache auf mehrere Jahre angelegt werden.
Die Wandergruppe war schnell gefunden: Stamos Papas, Kurt Schreiber und Hermann Mertens, der sich kurz vor der zweiten Wanderung verletzte und passen musste. Dafür stieß aus Berlin Jürgen Barz, Ex-Mitglied von »Insterburg & Co.«, zu uns.
Wie bei jeder gefährlichen Expedition, das wissen wir aus TV-Berichten vom Nanga Parbat, steht am Anfang die Planung der Basislager: Wir legten dabei Wert auf Einzelzimmer mit ansprechender Gastronomie oder angeschlossenem Brauhaus - Askese muss eben sein.
Und wenn schon, denn schon: Jakobsweg-Pins und große Muschelanhänger (das Symbol der Pilger) fand ich unter www.pilgerandenken.de. - einen eigenen Pilgerpass für die Eifel gibt es unter www.jakobsbruderschaft.de in Solingen.
Bei den winzigen, silbernen Muschelanhängern habe ich allerdings etwas gepfuscht und diese bei ebay im Shop »suratano« bestellt. Diese Muscheln kamen aus einem tibetanischen Kloster - na ja, einer wie Jakobus hat bestimmt nichts gegen den Dalai Lama einzuwenden.
Das erste Jahr
Und dann ging es los. Wir entschieden uns für die westliche Route, die ab Blankenheim über Kronenburg, Prüm, Waxweiler, Neuerburg, Echternach, Trier nach Schengen in Luxemburg führt. Unser Startpunkt sollte Waxweiler sein, da keiner große Lust auf die optische Dauerbegleitung zurückgelassener amerikanischer Militärpräsenz in der Schnee-Eifel beim »Schwarzen Mann« verspürte.
Ein Tipp: Am ersten Wandertag sollte man unbedingt vor der Prümer Basilika einen Stopp einlegen. Dort steht eine lebensgroße Jakobsstatue, und wenn man einen so charmanten Griechen wie Stamos Papas dabei hat, digitalisiert bestimmt eine vom Einkauf kommende Eiflerin ein Erinnerungsfoto. Im nahen Pfarrhaus gibt es dazu einen prächtigen Stempel in den Pilgerpass. Der Pfarrer führt übrigens akribisch Buch über die Pilger, die in der Eifel unterwegs sind.
Etappe eins :
Also Waxweiler als Start, auch wenn der Spanier da anderer Meinung ist »El camino comienza en su casa« (»Der Weg beginnt in Ihrem Haus«). Unser Haus war das Fremdenverkehrsbüro Waxweiler, den Stempel der Pfarre gab´s als Aufkleber. Es goss in Strömen, und gleich zu Beginn mussten wir nach Krautscheid von 340 auf 520 Höhenmeter stapfen. Der alte Körper kommentierte das mit »Ich kenne sonnige Gegenden im Flachland voller Liegestühle«. Nach 16 Kilometern über herrliche Höhenzüge erreichten wir pitschnass Neuerburg. Geduscht und abgerubbelt legten wir noch eine Stadtbesichtigung drauf. Nicht nur Burg und Kirche lohnen sich, auch die Lage der kleinen Stadt ist wunderbar. Fazit des ersten Tages: Der Jakobsweg ist sehr gut ausgeschildert (gelbe Muschel, die die Richtung anzeigt, auf blauem Grund), man berührt kernige Eifeldörfer, die man auf einer rasanten Autofahrt durch die Eifel nie gesehen hätte. Unsere erste »Pilgerherberge« - ja, ja, ich weiß auch, dass dieses Wort so nicht ganz zutrifft - war »Zur Stadt Neuerburg«. Der rührige Gastwirt Peter Welter hatte gerade eine riesige Hochzeit gestemmt und zauberte uns aus Übriggebliebenem ein wahres Festessen.
Etappe zwei:
Am nächsten Tag regnete es, und wir verließen über die Enz und den mörderisch steilen Kreuzweg die Stadt. Auf der Höhe tauchten wir in eine schöne landwirtschaftliche Eifelflora ein, die uns abwechslungsreich über zehn Kilometer nach Mettendorf führte. Hier übersprangen wir ein kleines Stück per Auto, um gegenüber der »Echternacher Schweiz« in eine wunderbare, fast unheimliche Felsenlandschaft einzutauchen, die früher den Menschen sogar als Fluchtburg vor allerlei Gestrolche gedient hatte - »Mystisches haftet diesen Felsen an« heißt es dazu in einer Veröffentlichung. Als wir die Felsenlandschaft verließen, bildete die römische »Villa rustica« in Bollendorf einen schönen Tagesabschluss - im strömenden Regen natürlich. Das müde Pilgerhaupt fand im Gasthaus »Unter der Burg« Ruhe - der Ausblick von den Zimmern auf die Sauer könnte nicht schöner sein. Regionale Gerichte, die Namen in Eifeler Platt (»Fleesch op Hövvelscher«) haben, verdrückten wir in der oberhalb gelegenen »Burg Bollendorf«, und Hermann Mertens rief bei so manchem Glas Wein »Meine Herren, wir sind nicht zum Vergnügen hier« aus.
Etappe drei:
Am nächsten Tag - oh Wunder, es regnete nicht - erreichten wir entlang der Sauer Luxemburgs älteste Stadt Echternach, wo wir am Grabe des heiligen Willibrord - Pilger sind ehrlich: Es war bei einem Trappistenbier neben dem Rathaus - für ein Jahr Abschied vom Eifeler Jakobsweg nahmen. »Frënn vum Campino de Santiago de Compostela« stempelte man uns neben der viertürmigen Basilika und Barockabtei in den Pilgerpass, während es draußen wieder regnete: »So schlimm war es nun auch wieder nicht«, murrte der alte Körper.
Das zweite Jahr
Ein Jahr später - der Körper meldete sich schon wieder: »Und was ist mit dem Jakobsweg, hä?« Keine Frage, in diesem Jahr sollte das weitaus längere Stück von Echternach über Trier und Konz nach Schengen anstehen. Vorweg: In diesem Jahr schien die Sonne unentwegt.
Etappe vier:
Nach einem kurzen Besuch beim heiligen Willibrord - das Trappistenbier war diesmal vorher - ging es über die Sauerbrücke auf die deutsche Seite, wo sich der Weg sehr bald auf die Höhe keuchte - mein Jakobus, hatte Jürgen Barz einen Schritt drauf, während Kurt Schreiber, wohl einer der erfahrensten Eifelwanderer, mit irgend einem Satelliten in Verbindung stand und uns über jede Weggabelung und jeden Höhenmeter auf dem Laufenden hielt. Über die Mündung der Prüm in die Sauer in Minden (nein, nein, nicht in Westfalen) erstiegen wir das »Bitburger Gutland« mit herrlichem Fernblick und schwarzen, unheimlichen amerikanischen Bombern am Himmel. Nach 13 Kilometern war Welschbillig erreicht, wo die erste »Herberge« im »Haus Jubelius« eine angeschlossene Metzgerei hat. Sehenswert ist in diesem Ort mit Sicherheit der Dorfplatz, auf dem zahlreiche Nachbildungen römischer Skulpturen zu sehen sind, die einst in einem Dorftümpel gefunden wurden und deren Originale aus der Eifel ins Museum nach Trier verschleppt wurden.
So sind sie nun mal, die raubenden Städter...
Etappe fünf:
Rund 20 Kilometer standen am nächsten Tag über Möhn, Kimmlingen, Butzweiler, Lorich gen Trier an, wo man wegen der schroffen Felsen erst beim Stadtteil Biewer den Abstieg von der Eifel ins Moseltal schaffen kann. Der rund fünf Kilometer lange Weg zwischen Schnellstraßen, Eisenbahnlinien, Schutzwänden und hin-und-wieder-Mosel bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke ist wohl das unschönste Stück des Eifeler Jakobsweges. Dafür erwartete uns in Trier tatsächlich eine echte Pilgerherberge - wenn auch eine von der luxuriösen Art.
Wir fanden ein Nachtlager im Gästehaus der »Barmherzigen Brüder« neben dem Krankenhaus. Der überaus freundliche Bruder Clemens-Maria, der wegen seines Bartschnitts auch »Bruder Kuranyi« (»Ich hatte so einen Bart aber früher«) genannt wird, wies uns durch klösterliche Gänge, vorbei an Heiligenstatuen und Türen, hinter denen man Mönchsgesänge hörte, den Weg zu unseren Zimmern. Von dort blickte man in einen Klosterpark. Der Abend gehörte einer Weinschenke, direkt gegenüber dem Dom.
Etappe sechs:
Mit jeder Menge Trier - vom Dom über die Porta Nigra, diverse Kirchen, Paläste, Parks und Thermen (das Karl-Marx-Haus kannten wir aus längst vergangenen, bewegten Tagen) - verließen wir nach einem Besuch der Abtei St. Matthias mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen die Moselmetropole. Bis Konz ging es - diesmal mit schönstem Flussblick, auch wenn hier Auto und Zug nicht weit waren - immer an der Mosel entlang, um schließlich nach Überquerung der Saar-Mündung wieder einsame Wald- und Feldwege zu erreichen. Höhepunkt - »wie wahr, wie wahr«, stöhnte der alte Körper, »was für eine Höhe dieser Punkt!« - war bei Tawern die Rekonstruktion eines römischen Tempelbezirks mit weitem Blick über die Mosel bis nach Trier. Nach 24 Kilometern war an diesem Tag eine echte Belohnung in Mannebach im »Brauhaus« von Hans-Günter Felten angesagt. Der Besitzer ist eine echte Type, von der man leider nicht mehr so viele findet. Er hat über ewige Zeiten von Älteren, Kirchenbänken, Tischen, Stühlen bis zu Betten und Schränken den Flohmarkt in Tongern leer gekauft und damit sein Brau- und Gasthaus ausgestattet. Jedes Zimmer ist anders und trägt den Namen einer Nachbargemeinde. Von Dorffeindschaft also keine Spur - Kalterherberger und Mürringer würden sich freuen. Doch damit nicht genug: Der Mann braut noch Bier selbst und destilliert seinen eigenen Whisky. Dazu gibt es richtig uriges Essen und - ich konnte es kaum fassen, fasste dann aber gewaltig zu - dicke Bohnen als Beilage. »Der Abend war ein langer, und alle wurden schwanger« hatten Jürgens Insterburger vor Urzeiten mal getextet: Schwanger wurde an diesem Abend keiner, aber…. auch dafür dürfte der heilige Jakobus Verständnis haben, denn immerhin ist bei jeder Darstellung des Apostels auch eine Trinkflasche abgebildet.
Etappe sieben:
Am nächsten Tag verließen wir den Jakobsweg, um über den Berg und einen Philosophenpfad - oder hieß es Vielgesoffen-Pfad? - nach Saarburg zu wandern. Immerhin erweckt eine Stadt, in deren Mitte sich ein hoher Wasserfall befindet, doch ein wenig die Neugierde. Zurück in Mannebach - Du sollst nicht lügen: Das war mit einem Taxi - fuhren wir dann den restlichen Jakobsweg bis Schengen mit dem Auto ab - stellenweise mit einer grandiosen Aussicht auf die Flusstäler von Mosel und Saar, hinüber in unsere Eifel, gen Hunsrück, nach Luxemburg und Frankreich. Von dort grüßte ein Kernkraftwerk…
Nach einer höchst privaten Besichtigung der römischen »Villa Borg« im Archäologiepark Perl-Borg - montags geschlossen, wir waren einfach durch ein offenes Tor geschlüpft - erhielten wir direkt neben dem durch Vertragsunterschriften berühmt gewordenen Schengener Schloss in Luxemburg den letzten Jakobsweg-Stempel in den Pilgerpass.
»Und wohin geht es nun im nächsten Jahr?«, fragte der alte Körper.
Das kam mir dann doch recht spanisch vor….

                                                      von Hubert vom Venn

....... eingesandt per eMail vom 30. August  2008

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Warum in die Ferne pilgern, wenn die deutschen Jakobswege liegen so nah?  
 
Fränkischer Jakobusweg  

Die Faszination Pilgerweg hat mich ergriffen! Durch die Schweiz, Frankreich und Spanien bin ich bis nach Santiago de Compostela gelaufen. Doch es gibt auch interessante Jakobswege in Deutschland.
Am 23. April 2012 begann ich in Würzburg. Aus Zeitgründen kamen in Würzburg nur wenige Sehenswürdigkeiten in Betracht. An der Marienkapelle mit den Skulpturen der Apostel zog Jakobus mit der Muschel besonders meine Blicke an. In der Kapelle befinden sich noch zwei von Tilman Riemenschneider geschaffene Grabmäler: Ritter Konrad v. Schaumberg und Martin v. Seinsheim. Weiter bummelte ich durch die Altstadt zum Main zur Alten Mainbrücke. Oben auf den Bergen thront die Festung Marienberg, doch mich lockte der Jakobusweg Main aufwärts. Endlich konnte ich wieder einen Pilgerweg begehen. Frohgemut ging es nach Süden der Muschel folgend zu neuen Abenteuern, obwohl das Wort „Abenteuer“ in Deutschland etwas übertrieben ist.

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muss rosten;
den allersonnigsten Sonnenschein, lässt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid der fahrenden Scholaren,
ich will zur guten Sommerzeit ins Land der Franken fahren!
So beginnt das Frankenlied.

Für den ersten Tag hatte ich mir wegen der Anreise nur eine kurze Strecke vorgenommen. Von Würzburg ging es weiter durch die Stadtmauer von Heidingsfeld am Main entlang. Bei den Weinbergen dachte ich gleich an „Bocksbeutel“. Dafür ist der Frankenwein ja bekannt. In Eibelstadt angekommen, spazierte ich durch den kleinen Ort mit den alten Fachwerkhäusern, der Stadtmauer und den Wehrtürmen. Nach einem Glas Frankenwein schlief ich zufrieden ein.
            2.Tag: Ab Eibelstadt wählte ich die schönere Variante durch die Weinberge nach Sommerhausen. Auch dieser Ort hat schmucke Fachwerkhäuser zu bieten. Von hier an wanderte ich am Main auf dem Jakobsweg nach Ochsenfurt. Es war ein ruhiger Morgen, nur Vogelgezwitscher war zu hören. In Ochsenfurt überquerte ich den Main und gelangte in das historische Stadtzentrum.
Nach einer Kaffeepause verließ ich das Maintal und pilgerte auf der alten Trasse der Gaubahn durch den Wald bis Tückelhausen. Das ehemalige Kartäuserkloster (12.Jh.) in Tückelhausen liegt direkt am Weg. Leider war Ende April das Museum geschlossen. Die barocke Klosterkirche konnte ich besichtigen.
Jetzt war die Pilgerherberge in Gaukönigshofen nicht mehr weit. In der sauberen Herberge hatte ich als einziger Gast viel Platz. Am Nachmittag bestaunte ich noch den „Dom vom Gau“. So wird die prachtvolle, barocke Schutzengelkirche auch genannt. In der lichtdurchfluteten eleganten Kirche steht strahlend der vergoldete Schutzengel im Mittelpunkt. Weitere zahlreiche Heiligendarstellungen schmücken den Innenraum. Den erlebnisreichen Tag beschloss ich in der Herberge mit Lektüre über den Jakobsweg.
„Die Erkenntnis, dass man mit wenigen Dingen auskommt, macht nicht nur zufrieden, sondern auch glücklich“ (Pilgerspruch).
               3.Tag: Wie vergangenes Jahr im April auf dem Kinzigtäler Jakobusweg hatte ich auch hier sonniges Wetter. Nun öffnete sich die Landschaft und zeigte riesige Felder der Hohenloher Ebene. Alle halbe Stunde ein Dorf, sonst umgab mich endlose Weite. Hier fühlte man sich frei – Zeit zum Nachdenken! Was ist der Unterschied zwischen Wandern und Pilgern? Pilger sehen nicht nur die Landschaft, sondern suchen auch den Weg nach innen und hinterfragen Lebensgewohnheiten. In Pfahlenheim entspringt die Quelle der Hl. Ottilie, sie hilft bei Augenleiden. Als älterer Jahrgang haben es die Augen nötig. Nach dem Trinken und der Gesichtswaschung fühlte ich mich gleich viel besser.

Ein altes Pilgerlied beginnt so:
Wer das elent bawen (kennen lernen) wel,
der heb sich auf und sei mein gesel
wohl auf sant Jacob straßen.
Zwei par schuch der darf er wel
ein schüßel bei der flaschen.

 So vergingen die Stunden bis Uffenheim. Durch das Würzburger Tor (1583) gelangte ich in die Altstadt und fand im Hotel Lichterhof ( www.Lichterhof.com ) ein günstiges Quartier. Nach einem warmen Tag ist alkoholfreies Weizenbier ein Segen für durstige Pilger.
             4.Tag: Heute verliefen die 27 km meistens durch schattige Mischwälder mit saftigem Grün. Vogelgesang begleitete mich in der einsamen Landschaft. Weit und breit war keine Menschenseele unterwegs. An der kleinen Jakobuskirche in Custenlohr ging es vorbei und dann zog sich Weg stundenlang ohne einen Ort dahin. Mit Spannung erklomm ich den Hügel nach Rothenburg ob der Tauber. Kaum in der Altstadt angekommen, steuerte ich gleich zur St.-Jakobs-Kirche. Sie ist als gotische Basilika im 14. Jh. erbaut worden. Die große Kirche bezeugt die Gottesverehrung und den Reichtum der Stadt im Mittelalter. Der Hochaltar im Chor zeigt wunderschöne, farbige Bildschnitzereien. Das Kruzifix ist mit vier Engeln umgeben: Glaube, Gebet, Unglaube und Zweifel. Darunter stehen sechs Figuren: Elisabeth, Jakobus, Maria, Johannes, Leonhard und Antonius, der Eremit. Auf der Westempore steht der „Heilig-Blut-Altar“ von Tilman Riemenschneider (15.Jh.). Die geschnitzte Abendmahlszene wirkt auch heute noch sehr lebendig und fesselt nach 500 Jahren immer noch die Besucher. Das Gegenlicht am späten Nachmittag war zwar zum Fotografieren ungünstig, aber es bewirkte eine außergewöhnliche Tiefenwirkung. Lange bewunderte ich das faszinierende Schnitzwerk.
Später bummelte ich durch die schmalen Gassen der historischen Altstadt mit den stattlichen Häusern aus dem Mittelalter und streifte auf der Stadtmauer entlang. In meinem Quartier „Das Lädle“ wurde ich sehr liebevoll aufgenommen, der Vermieter hatte ein Herz für Pilger, ist er doch auch in Santiago de Compostela gewesen.
„Man muss das Glück unterwegs suchen, nicht im Ziel, da ist die Reise zu Ende“  (Pilgerspruch).
Um 21:30 Uhr schloss ich mich einer Führung eines Nachtwächters an. Er erzählte bei seinem Rundgang durch die Altstadt in humorvoller Weise die Stadtgeschichte. Was 970 begann, führte im 14. Jh. zur Blüte der Stadt, doch gingen später die vielen Kriege auch hier nicht spurlos vorüber.
              5.Tag: Durch das Spitaltor verließ ich die Altstadt. Ein kurzer Blick zurück: „Pax intrantibus Salus exeuntibus“ (Frieden den Eintretenden, Heil den Fortgehenden). Somit fing für mich der neue Tag gut an. Ein Pfad führte steil hinunter ins Taubertal und auf idyllischem Weg der Schandtauber aufwärts. Freie Flächen und Wälder wechselten sich ab. Das Pilgern eröffnet einen anderen Blick auf unser Leben. Der alltägliche Zeitdruck ist weg und meine Füße geben das Tempo vor. Inzwischen hatte ich Baden-Württemberg erreicht, doch an der Landschaft änderte sich nichts. Wieder berührte ich stundenlang keinen Ort, nur Stille herrschte ringsumher. Ab und zu zog singend eine Lerche über die Felder. Meine regelmäßigen Pausen kamen nicht zu kurz, damit die Seele nachfolgen konnte. Von der Höhe hatte man einen schöne Fernsicht nach Westen.
Nach 25 km kam ich in Schainbach mit der kleinen Jakobuskirche an. Zur Besichtigung musste ich mir den Schlüssel holen und konnte den spätgotischen Altar von 1707 betrachten. Dabei kam ich mit einem Kirchendiener ins Gespräch, der mir einiges über die Kirche erzählte. Heute hatte ich ein Privatquartier und durfte mit der Familie und noch zwei Pilgern gemeinsam zu Abend essen. Wir wurden verwöhnt wie bei Muttern zu Hause! Siehe Pilgerspruch von gestern.
             6.Tag: Mit einem reichhaltigen Frühstück machte ich mich auf den Weg. Nach dem kleinen Städtchen Wallhausen steht eine Besonderheit mitten auf dem Feld: ein Stück Mauer. Diese „Anhäuser“ Mauer ist 20 m hoch und 10 m breit, ein Restteil eines Klosters von 1403. An der Außenwand sind fünf Grabdenkmäler angebracht. Bald ging es auf schmalem Pfad im Jagsttal weiter. Der glitzernde Fluss strahlte große Ruhe aus – herrlich! Wieder auf der Hochfläche bekam ich die heutige Sommerhitze, fast 30°C, voll zu spüren. Mit einem erneuten Abstieg zur Jagst und an der „Teufelsklinge“ wieder aufwärts summierten sich die Höhenmeter. Weil meine beiden Wasserflaschen sich geleert hatten, konnte ich es bis Crailsheim kaum erwarten. Keine Wasserstelle weit und breit. Aber man muss der Sonne auch dankbar sein, ist sie doch für jedes Leben notwendig!
Wie heißt es im „Sonnengesang“ des Franz von Assisi:
Gepriesen seist du, o Herr, mit allen deinen Geschöpfen, vornehmlich mit unserem Bruder, dem Sonnengestirn, welches den Tag schafft und uns erleuchtet durch ihn. Es ist schön und strahlend mit großem Glanz, ein Gleichnis deiner, o Höchster.
Endlich in Crailsheim angekommen, zischten zwei Weizenbiere (alkoholfrei) nur so die Gurgel hinunter. Jetzt hatte ich die Muse für die mächtige, mehrmals umgebaute Johanneskirche. Komme ich in eine alte Kirche, lege ich gerne meine Hände an die Säulen und fühle die Spuren der Vergangenheit. Nun lagen nur noch zwei Kilometer nach Rossfeld zum Hotel Krone vor mir. Hier im Schwabenland habe ich natürlich Linsen mit Spätzle (eine schwäbische Spezialität) gegessen. Bis ich dann ins Bett kam, hatte ich noch drei alkoholfreie Bier getrunken. Wo ging das alles hin? Ich kam mir wie ein ausgetrockneter Schwamm vor.
             7.Tag: „Am Sonntag 7 Uhr Frühstück, unmöglich!“ sagte der Wirt. Ich wollte doch am Nachmittag schon in Rosenberg im Museum sein. Mein Vorschlag, das Frühstück mit auf das Zimmer zu nehmen, wurde akzeptiert. Um 6 Uhr klingelte der Wecker und bald wanderte ich los. Jetzt lag ich mit 25 km gut im Zeitplan. Doch dann geschah es, ich hatte mich im Wald verlaufen. Mit Kompass und Karte fand ich wieder den Jakobusweg.
„Um ein Ziel zu erreichen, braucht man keine Schnelligkeit, aber ein Gefühl für die richtige Richtung“ (R. Hull).
Viele Waldwege spendeten heute angenehmen Schatten, denn es war wieder warm geworden. Gegen 16 Uhr erreichte ich die Pfarrkirche in Rosenberg. Das Altarbild mit den doppelten Flügeln von Sieger Köder ist ergreifend. Gerade seine kräftige Malerei kann so viel ausdrücken und jedes Bild erzählt eine Geschichte.
Wie z.B. das Weihnachtsbild: Maria drückt liebevoll ihr Kind, ein Hirtenmädchen faltet die Hände und es strahlt der Stern von Bethlehem. Doch die Idylle trügt. König David hält die Krippe mit der Aufschrift: I N R I. Josef schaut in den Himmel und denkt: Was wird alles kommen?
Auch die Bilder im Kreuzweg sind voll Inhalt. Die Beschreibungen darüber hatte ich schon zu Hause gelesen. Im Museum ( www.siegerköder.de ) wird das Lebenswerk vom Sieger Köder zu den einzelnen Themen gezeigt und füllte meine Zeit bis zur Schließung um 18 Uhr voll aus. Hier sollte unbedingt jeder Pilger die nötige Zeit mitbringen. Im Gasthaus nebenan fand ich ein Quartier und konnte noch weitere Lektüre von Sieger Köder mit auf das Zimmer nehmen.
            8.Tag: Nach 2 km folgte der nächste Höhepunkt in der Jakobuskirche auf dem Hohenberg. Die mehrfach umgebaute Kirche zeigt beeindruckende Glasfenster vom Alten und Neuen Testament von Sieger Köder. Eine ausliegende Beschreibung hilft den Inhalt zu verstehen. Wenn man vom Eingang rechts hoch schaut, stechen die in rot gehaltenen Glasfenster  über Weihnachten, Karfreitag und Ostern sofort ins Auge. Z.B. das Glasfenster „Ostern“: Zwei Jünger sind unterwegs nach Emmaus und drei Stücke Brot liegen auf dem Tisch. Gerade hatte ein Dritter das Brot gebrochen und ist den Blicken entschwunden. Verstehen ohne zu sehen ist auch das Problem unserer Zeit! Stundenlang könnte man hier verweilen, aber die Skulptur der Pilger vor der Kirche mahnte zum Weiterlaufen. Die angrenzende Pilgerherberge passte leider nicht in meine Etappen. Dabei wäre es besonders reizvoll gewesen, denn die Statuten der Hohenberger Jakobusbruderschaft von 1526 berichtete: „von vielen, die hierher kommen und weiterwandern zu Sankt Jakob dem Ältern“. Die bemalte Herberge zeigt Szenen der Jakobuslegende, wie die Landung mit dem Boot und den Bau der Kathedrale in Santiago de Compostela.
Im Osten lag Ellwangen im Dunst, mein Jakobsweg zog nach Süden durch schattige Wälder der Ellwangerer Berge, sehr angenehm bei der Sommerhitze. In dieser einsamen Gegend traf ich wieder den ganzen Tag keine Menschen. Im Hüttenhof legte ich noch eine Pause ein, bevor ich die Variante nach Pommertsweiler wählte. Hier fand ich im Landgasthof eine gute Unterkunft.
             9.Tag: Diese Variante führte mich hinunter zur Kocher direkt zur Jakobuskapelle in Wöllstein, die von Sieger Köder mit dem „Hühnerwunder“ bemalt wurde. Alle Pilger, die auf dem Camino in Spanien waren, kennen diese Legende. Hier eine Kurzfassung:
1.Bild: Vater, Mutter und Sohn kehren als Pilger im Gasthaus ein.
2.Bild: Weil der Sohn die Liebe der Wirtstochter nicht erfüllt, steckt der Wirt als Rache einen Becher in dessen Rucksack.
3.Bild: Der Sohn muss als Dieb an den Galgen.
4:Bild: „Mein Sohn ist unschuldig“, beteuert der Vater. „Wenn das stimmt, sollen die Brathühner vom Spies des Wirtes fliegen“, sagt der Richter und die Brathühner fliegen davon.
5.Bild: Der Sohn kommt vom Galgen und lebt. Wie das? Der Hl. Jakobus stand unter dem Sohn. Nun pilgert die Familie weiter nach Santiago.
Der Maler S. Köder sagte: „Es ist sehr schwer einen unsichtbaren Heiligen zu malen, nur fromme Christen können den Hl. Jakobus erkennen“.
Danach erklomm ich die Höhe nach Hohenstadt zur Wallfahrtskirche. Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter auf dem Jakobsweg. Nach den Klotzhöfen lud eine „Besinnungsstätte“ die Pilger zum Verweilen ein. In einem Pavillon zeigten Steine und Bilder den Weg nach Santiago de Compostela auf. 2013 entsteht hier ein Jakobshof zum Übernachten (Tel. 0172 9025 664). Das Gelände öffnete sich und gab den Blick zum steilen Albtrauf frei. Pilgerstelen säumten den Jakobsweg. In Heuchlingen forderte ein Meditationsweg abermals zum Nachdenken auf. Ein modernes Pilgerdenkmal aus Eisen zeigt den Weiterweg. Der Grenzwall des Limes folgt parallel mit dem Jakobsweg hinunter nach Böbingen an der Rems. Die Herberge „Schlössle“ , ein katholische Einrichtung, bot Pilgern Übernachtungen an. Für mich wurde der Schlüssel hinterlegt, so konnte ich als einzigster Pilger die Ruhe genießen und wie so oft den Tag mit Qi Gong beenden.
            10.Tag: Aus Zeitgründen musste ich leider einen Sprung mit der Bahn nach Ulm machen. Hier endet der Fränkische Jakobusweg. Ein Bummel durch die Altstadt führte mich zum Münster und auf den Turm mit 768 Stufen auf 160 Meter Höhe. Weit reichte der Blick über die Stadt und auf das Umland. Von hier führt der Schwäbische Jakobusweg zum Bodensee, mein nächstes Ziel. Am Nachmittag fuhr ich nach Hause. Wunderschöne Tage durfte ich auf dem Fränkischen Jakobusweg erleben. Deutschland hat auch viele Kunstschätze und interessante Landschaften. Besonders die unendliche  Weite auf der Hohenloher Ebene hatte mich stark beeindruckt. Wo gibt es so viel Raum zum Luftholen? Natürlich hatte ich mir als Einzelpilger, Jahrgang 39, schon Gedanken gemacht. Geht mein Gottvertrauen zu weit?
Pilger sind Suchende: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir“ (Bibel, Hebr. 13,14).
Der Weg nach Santiago ist lang, von Würzburg 2727 km, aber der längste Weg ist der nach innen.
Der Pilgerweg bietet eine unvergleichliche Reise durch die Geschichte und Gegenwart. Der Wanderführer vom Bergverlag Rother leistete mir dabei eine große Hilfe.
Buen Camino, Arno Ritter aus Karlsruhe

 von Arno Ritter aus Karlsruhe
....... eingesandt per eMail vom 4. Juli  2012
 

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 „Ultreïa 2013“ – Sehnsucht nach Weg:  
 
2.700 km zu Fuß auf dem Jakobsweg mit Wanda und MS  
„Ultreïa 2013“ – Sehnsucht nach Weg:
2.700 km zu Fuß auf dem Jakobsweg mit Wanda und MS
Meine Pilgerreisen
"Die Sehnsucht ist immer unterwegs. Ihre Heimat ist die ständige Reise ins Unbekannte." (Hans Kruppa)
Mein Name ist Urte. Ich bin 42 Jahre alt und lebe in Hamburg. Das Pilgern habe ich 2007 nach meiner ersten kleinen Pilgerreise in Frankreich entdeckt. Schnell hatte mich das wohl vielen Pilgern bekannte „Camino-Virus“ erfasst: Bis 2012 war ich schon siebenmal hauptsächlich in Frankreich und ein klein wenig in Spanien unterwegs, davon fünfmal allein. Nein, nicht ganz: Meine kleine Camino-Schildkröte Wanda ist auf meinem Rucksack seit 2009 immer dabei.
„Ultreïa 2013“ – Mein Weg zu Fuß von Deutschland nach Spanien (2.700 km) „Nur indem man das Unerreichbare anstrebt, gelingt das Erreichbare. Nur mit dem Unmöglichen als Ziel, gelingt das Mögliche.“ (Miguel de Unamuno)
2013 habe ich mir mit einem über Jahre hinweg angesparten Sabbatjahr meinen Traum erfüllt: Ende Mai bin ich unter gesundheitlich ungünstigen Bedingungen in Ulm gestartet: Kurz vor Beginn hatte ich einen MS-Schub, der meine bleierne Müdigkeit der MS (Fatigue) noch verschlimmerte. Außerdem kamen unerwartet Knie- und Rückenprobleme hinzu. Ursprünglich hatte ich Würzburg als Start geplant, da ich nicht weit davon entfernt als Kind getauft worden bin. Aufgrund meiner Wehwehchen habe ich meine Abreise immer wieder um einige Wochen verschieben müssen und so begann ich meine große Pilgerrerise schließlich in Ulm.

Über die Schweiz durch Frankreich nach Spanien – alles zu Fuß
Mein Weg führte auf dem Oberschwäbischen Jakobsweg nach Konstanz, durch die Schweiz und das Berner Oberland bis Genf, in Frankreich auf der Via Gebennensis bis Le Puy-en-Velay und danach auf der Via Podiensis bis Saint-Jean-Pied-de-Port. Mit Karte und einer Wegbeschreibung ausgerüstet lief ich weiter durch das französische Baskenland nach Irun in Nordspanien und daraufhin auf dem spanischen Küstenweg (Camino del Norte) bis Arzúa. Ab dort ging es auf dem bekannten Jakobsweg, dem Camino Francés, noch zwei Etappen bis Santiago de Compostela. Am Ende lief ich noch bis ans Ende der Welt nach Finisterre und Muxía. Das waren insgesamt mehr als 2.700 km zu Fuß an 131 Wandertagen mit Rucksack und meiner kleinen Wanda.
Barfuß auf überschwemmten Wegen
Am Ende des ersten Tages dachte ich, dass ich es dieses Mal körperlich nie schaffen würde, obwohl ich seit 2007 bereits 2.700 km Pilgererfahrung hatte. Ich fühlte mich wie ein Wrack und hatte starke Zweifel. In der Nacht zum zweiten Tag fing es an wie aus Kübeln zu schütten und hörte erst am vierten Tag wieder auf. Wege waren überschwemmt, vor Brochenzell lief ich deshalb – mittlerweile im Sonnenschein – sogar barfuß weiter und sparte mir so einen großen Umweg. Nach Tagen kam die Sonne wieder heraus und es wurde heiß. Am dritten Tag verfolgte mich vor Biberach/Riß ein seltsamer Mann. Es war sehr unheimlich, doch ich habe Dank meiner netten Gastgeber eine Lösung gefunden, obwohl ich danach wochenlang traumatisiert war.

Unterkunft in fremden Familien und in Herbergen
Die Unterkünfte in Deutschland, der Schweiz und bis Le Puy-en-Velay waren im Vergleich zu den Herbergen in Frankreich und Spanien eher luxuriös, obwohl ich immer die günstigste Variante gewählt habe. Bis Le Puy nehmen oft Familien die Pilger bei sich zu Hause auf, was ich interkulturell sehr interessant finde. Ab kurz vor Le Puy-en-Velay in Frankreich gab es fast immer Gîtes, also Herbergen, die aber in Frankreich auch noch super komfortabel und gemütlich sind. Auf dem Camino del Norte in Spanien wurden die wenigen Pilgerherbergen im Vergleich zu Frankreich etwas größer und oft ungemütlicher. In Avilés waren die Bettwanzen los. Was ich dort in der Nacht auf meinem Bett sah, will niemand wirklich wissen. Ab Arzúa auf dem überlaufenen Camino Francés standen plötzlich viele und besser organisierte – jedoch sehr volle – Herbergen zur Auswahl.
Einfaches Leben
Mein Essen habe ich – außer in den Unterkünften in den Familien zwischen Genf und Le-Puy-en-Velay (Frankreich), wo mit den Gastgebern gegessen wird – selbst zubereitet. Ich habe fünfeinhalb Monate lang recht spartanisch gelebt, aber das mag ich.

Traumhafte Landschaften
Die Schweiz war landschaftlich ein einziger Traum: Der Weg führte an vielen schönen Seen entlang (Zürichsee, Obersee, Vierwaldstätter See, Urnersee, Sarner See, Lungerersee, Brienzersee, Thunersee, Genfer See) und ich genoss den Ausblick auf die schneebedeckten Viertausender im Berner Oberland: Eiger, Mönch, Jungfrau und andere. Weniger traumhaft war alles, was ich dort mit Geld bezahlen musste. Der Weg in Frankreich führte durch viele typisch französische Dörfer und kleinere Städte. Das französische Baskenland von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Irun zu durchwandern war kulturell ein besonders spannendes Geschenk und der Weg an der spanischen Küste zog mich mit einer atemberaubenden Schönheit in seinen Bann. Es war trotz einiger hässlicher Industriegebiete die beste Wahl. Gigantische Küstenblicke waren meine Belohnung.
Einsamkeit und überfüllte Wege
Während der ersten 915 km von Ulm bis Le Puy-en-Velay habe ich – außer den netten Gastgebern – nur vereinzelt Kurzzeitpilger getroffen. Das war auch manchmal unheimlich, aber ich kam gut damit klar. Einen Tag vor meinem Geburtstag (Tag 42) traf ich einen anderen Pilger und am 44. Tag – als nachträgliches Geburtstagsgeschenk – meinen ersten richtigen Weggefährten Michael. Nach vier gemeinsamen Wandertagen und drei Tagen in Le Puy-en-Velay war seine Reise leider vorbei und ich ging „allein“ weiter. Auf die Einsamkeit folgte ab Le Puy-en-Velay auf der landschaftlich sehr schönen Via Podiensis das Gegenteil: Ein überfüllter Weg – in Frankreich waren Sommerferien. Ein Vorgeschmack auf den spanischen Weg?

Ein Schub auf dem Weg
Seit Mitte Juli hatte ich drei Monate lang neue Kribbelgefühle am ganzen Körper und dazu machte mir eine nochmals verstärkte Müdigkeit sehr zu schaffen, was bei mir im Schub immer so ist. Ein Schub !? – Wie ungünstig...! Aufgeben – möglichst nicht – Ultreïa! Ende August, angekommen in dem berühmten Ort Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen kurz vor der französischspanischen Grenze, überlegte ich, ob ich überhaupt weitergehen könne. Wieder einmal merkte ich, dass ich leider nicht so funktioniere, wie ich gern würde. In meinem Körper schien Blei zu sein. Ich fühlte mich schrecklich. Aber ich wäre enttäuscht gewesen, nach fast 1.700 km meinen Weg abzubrechen. Es war so schön, einmal diese Freiheit zu genießen. Wer weiß, ob ich diese Möglichkeit noch einmal haben würde. Daher habe ich mich nach sechs Tagen Pause in Saint-Jean-Pied-de-Port für den weniger überlaufenen spanischen Küstenweg (Camino del Norte) entschlossen. Er hat sicher nicht den gleichen Spirit wie der Camino Francés mit dem „gewissen Jakobsweg-Etwas“. Aber ich wollte einen Weg finden, weiterzugehen.

Ankunft in Santiago de Compostela, Finisterre und Muxía
Am 21. Oktober 2013 bin ich nach 125 Lauftagen im strömenden Regen recht unfeierlich in Santiago de Compostela angekommen. Am nächsten Tag waren wir in der Pilgermesse. Dieser feierliche Moment machte mir meine Ankunft in Santiago deutlich. Am Ende der Messe fing dann tatsächlich der riesige Botafumeiro (Weihrauchfass) an zu schwingen, was nur zu hohen Feiertagen oder auf Bestellung geschieht. Am nächsten Tag brach ich bei typisch galizischem Wetter zu Fuß weiter Richtung Finisterre auf – dem „Ende der Welt“. Nach 130/131 Lauftagen und mehr als 2.700 km zu Fuß erreichte ich erst Finisterre und am Ende Muxía!
Langsam in einer viel zu schnellen Welt
Was den Charme des Pilgerns für mich ausmacht: Die Einfachheit des Pilgerlebens. Die Ruhe, die Natur, die Geschichten der anderen Pilger. Die guten Fügungen auf dem Weg. Das Gehen als ursprünglichste Art der Fortbewegung des Menschen, die Tiefe der Gedanken. Die Spiritualität und Nähe zu Gott. Das Eins-Sein mit der Natur, sich selbst und den anderen. Die Langsamkeit des Gehens in einer mittlerweile viel zu schnellen Welt. Die Demut in einigen Begegnungen immer wieder lernen und akzeptieren zu können. Lernen zu bitten und Hilfe anzunehmen. Zu geben, was ich von mir geben kann. Alle Pilger sind gleich – es gibt keinen Status wie sonst in der Gesellschaft. Mein Leben wird durch all dies relativiert und neu geordnet. Ich spüre, was ich und mein Körper aus eigener Kraft leisten können. Das ist faszinierend und gibt Vertrauen in die eigene vorhandene Kraft. Seit 1997 lebe ich mit Multipler Sklerose. Typische Symptome und eine extreme Fatigue, die meinen Alltag oft zur Qual macht, habe ich seit 1997. Die Diagnose wurde erst im Sommer 2010 und endgültig im Januar 2013 gestellt. Bis dahin war alles "nur Einbildung oder psychisch". Daher ist diese Erkenntnis und auch der Kampf in jeder Pilgerreise eine große Kraftquelle für mich. Das war es auch, als ich die Krankheit jahrelang nur spürte, ohne zu wissen, was es war. Sicher war es gut, dass ich so lange Zeit nichts davon wusste, sonst hätte ich Vieles vielleicht gar nicht gewagt.
Kraft für den Alltag
Ich bin sicher, dass das Pilgern das Vertrauen in mich immer wieder gesteigert hat. Es nimmt und gibt Kraft zugleich und ist für mich ein regelrechtes Ziel im Jahr, aus dem ich meine Energie für die nächsten Monate schöpfe. Kaum bin ich zu Hause, juckt es mich wieder in den Füßen.

Der Weg war das Ziel
„Ganz gleich wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.“ (buddhistische Weisheit)
Der Weg war das Ziel. Es war die genialste Zeit meines Lebens, ich bereue keinen einzigen Schritt. Ich habe wunderschöne Landschaften gesehen, tolle Menschen getroffen und besonders zu Beginn (fast zu) viel Ruhe gehabt. Ich habe mich und auch die MS gespürt und ich weiß, was ich schon vorher wusste: Auch mit dieser Erkrankung kann ich mich meist doch irgendwie auf mich verlassen. Es war ein Kampf, so wie ich auch mit meinem Alltag immer wieder kämpfe. Es war nicht alles immer nur toll, meine Fatigue hat mich sehr geärgert und zum Glück hatte ich danach noch weitere sechs Monate frei und blieb zu Hause. Aber ich würde eine solche Reise, so lange es geht, immer wieder machen – trotz aller Schwierigkeiten und Risiken. Das MRT im Januar 2014 ergab zwei neue Läsionen, trotzdem war ich seitdem schon wieder zweimal unterwegs. Im Juni 2010 nach meinem schlimmen Schub mit erstmaligem Verdacht auf MS nach fast 13 Jahren unklarer Beschwerden dachte ich, dass es mit dem Pilgern für immer vorbei ist. Und dass dieser lange erträumte Weg noch vor mir liegen würde, hätte ich damals nie gedacht!
Also: 
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. Oft denke ich an diese schöne Zeit. Das Gute bleibt und der Rest verblasst. Eventuell wird später noch eine lustige Geschichte daraus!

Anbei noch ein Videolink zu meiner Reise: Hier

Urte H.
42 Jahre,

 
eingesandt
im März 2015 von Urte Hermann   

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Kinzigtäler Jakobusweg  
 

Warum in die Ferne pilgern, wenn der schöne Kinzigtäler Jakobusweg liegt so nah!  von Arno Ritter

 

Mein Pilgerweg begann in Loßburg (bei Freudenstadt im Schwarzwald) am Jakobusstein in der Nähe der Jakobuskirche  im April 2011.
Der Jakobusweg führte zur Kinzing hinunter. Ein Pilger weiß, dass der Muschelkopf nach Santiago de Compostela zeigt und somit kommt vorher noch Offenburg, wo ich hinwollte. Über einen schmalen Pfad wanderte ich talwärts. Mit Vogelgezwitscher, Sonnenschein und frischem Grün zeigte sich der Frühling von seiner besten Seite. An alten Bauernhöfen führte der Pilgerweg im Tal entlang.
Bald erreichte ich Alpirsbach
und nahm an einer Klosterführung teil. Das über 900 Jahre alte ehemalige Benediktinerkloster beeindruckt mit dem roten Sandstein auch noch heute die Besucher. Wir gingen durch die dreischiffige Säulenbasilika in romanischer Bauweise mit noch gut sichtbaren Fresken in den halbrunden Nischen im Hauptchor. Über eine Treppe gelangten wir in die Schlaf- und Aufenthaltsräume der Mönche und weiter in den gotische Kreuzgang aus dem 15. Jh.
In den Obergeschossen besichtigten wir die Wohn- und Diensträume des Abtes. Das Kloster wird noch heute von der evangelischen und der katholischen Gemeinde benutzt.
       Glauben heißt: Ein Leben lang unterwegs sein zu Gott (Peter Friebe).
Die Mönche hatten das schon lange entdeckt. Zurück in der sonnigen Gegenwart ließ ich bei einer Tasse Kaffe die Eindrücke nachwirken. Stadtauswärts führte der Weg wieder durch Wald und Feld auf die Höhe hinauf, um dann die Sicht auf Schenkenzell
und die Barockkirche St. Ulrich freizugeben. In der Pension Müller fand ich in Schenkenzell direkt am Jakobusweg eine günstige Übernachtung.
2. Tag: Am Morgen holte ich mir einen Stempel für meinen Pilgerpass in der Touristeninformation ab. Das freundliche Personal gab mir noch nützliche Informationen mit auf den Weg. Es war zwar sehr frisch, aber die Sonne schien vom blauem Himmel. Ideal für einen Aufstieg auf 815 m. Teilweise war der berühmte Hansjakobweg identisch mit dem Jakobusweg. Hansjakob hat hier im Kinzigtal als herausragende Persönlichkeit seine Spuren hinterlassen.
Nun stand ich vor dem ehemaligen Klarissenkloster in Wittichen. Die Klosterkirche ist wegen der seligen Luitgard (Gründerin des Klosters 1324) zur Wallfahrtskirche geworden. Der „Langbau“ steht quer im engen Tal und muss für den Bach, die Straße und für den Fußweg Durchgänge lassen.
Ich verließ das Tal der Kleinen Kinzig und strebte aufwärts. Nach einer Rast an der „Salzlecke“ folgte bald St. Roman mit der Wallfahrtskirche (15.Jh.). Die Wallfahrt zum hl. Romanus ist sehr alt. Im
Gasthaus Adler legte ich, nicht nur weil hier auch Hansjakob eingekehrt war, eine Kaffeepause ein. Jetzt ging es nur noch bergab an Bauernhäusern vorbei bis ins Kinzigtal.
Wer alleine unterwegs ist, hat Zeit zum Nachdenken. „Mensch erkenne dich selbst“ heißt es schon bei den Alten Griechen. Doch das ist schwer. Besonders die negativen Seiten will man nicht wahr haben. Eine Hilfe könnte das Enneagramm sein (siehe www.enneagramm.de). Die Menschen lassen sich grob in neun Gruppen einteilen, wobei keine Gruppe schlechter oder besser ist, nur anders. Die eigene Gruppe zu finden ist nicht so leicht, doch dann kann es hilfreich sein, seine Lebensbahn zu verbessern. Die Einteilung ist nicht auf immer festzementiert, die Grenzen lassen sich verschieben. Meditation auf dem Pilgerweg bietet sich dazu an.
Das leichte Gehen an der Kinzig hatte bald übers „Vogtsbächleein Ende, weil die Wallfahrtskirche St. Jakob wieder oben lag. Danach erblickte ich bald Wolfach im Tal und die letzten Kräfte wurden mobilisiert, es ging ja abwärts. Drei Wallfahrtskirchen an einem Tag, das war ja eine reine Wallfahrt. Mehr Wallfahrtskirchen pro Tag gibt es auf dem Jakobsweg in Spanien auch nicht.
Im Kurgarten-Hotel www.kurgarten-hotel.de wurde ich als Pilger sehr freundlich zu einem angemessenen Preis aufgenommen. Wolfach ist als beliebte Urlaubsgegend nicht gerade billig. Ein letzter Bummel durch die Altstadt und ich fand in einem Restaurant meine Lieblingsspeise „Teigwaren“, denn die sorgen als Kohlehydratspender für Kraft beim Wandern. Mit 22 Kilometer und fast 600 Hm durfte man schon etwas müde sein, schließlich bin ich Jahrgang 39.
  
Alt sein können hält jung, jung sein wollen, macht alt (unbekannter Autor).
3.Tag: Im Kurgarten-Hotel gab es Frühstücksbüfett – was will ein Pilger mehr! Gut gestärkt zog ich bei sonnigem Wetter durchs Städtle bis zum Rathaus, um dann über die Kinzig bergauf das Tal zu verlassen. Dabei heißt der Weg: Kinzigtäler, obwohl es immer wieder in die Berge ging. Doch in der Höhe boten sich schöne Ausblicke auf das Kinzigtal mit den umliegenden Bergen. Vogelgesang, frisches Grün und Blumen auf den Wiesen zauberten eine Frühlingsstimmung herbei.
      
Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille (Friedrich Nietzsche).
Der Wald öffnete sich und unter mir lag das Gasthaus Käppelehof mit der Wendelinus-Kapelle. Auf bequemem Weg ging es weiter abwärts mit schöner Aussicht nach Hausach.
Durch das Zentrum kam ich an den Ortsrand zur Dorfkirche (11.Jh.) mit St. Rochus. Besonders interessant ist das romanische Tympanon mit dem „Segenstürlein“. Im 16. Jh. wurde die Kirche im gotischen Stil umgebaut.
Heute folgte ein zweiter Aufstieg am
aussichtsreichen Hangweg bis zum Bannstein um wiederum 300 Hm. Der alte Bannstein gab den einheimischen Bewohnern ein Nutzungsrecht für das Gelände.
Auf der Höhe kam wieder ein Abgang nach Mühlenbach hinunter. Bequem gelangte ich talwärts auf dem Jakobusweg nach Haslach. Vom Reichtum (Silbererz) ist heute nur noch eine romantische Altstadt mit Fachwerkhäusern übriggeblieben.
Wie heißt es doch in der Badischen Volkshymne:
      In Haslach gräbt man Silbererz,
      Bei Freiburg wächst der Wein,
      Im Schwarzwald schöne Mädele,
      Ein Badner möcht´ ich sein!

Im urigen Gasthaus „Rebstock“ fand ich eine gute und preiswerte Unterkunft. Vom feinen Essen und köstlichen Wein dürfte ich als Pilger gar nichts erzählen. Ich sah es aber als Lohn für meine Mühe an. Wer weiß, was mich morgen im Kapuziner-Kloster in Zell am Hammersbach zur Fasten-Zeit erwarten würde?
4.Tag: Als Pilger durfte ich zeitig am Frühstücksbüfett Platz nehmen. Mit Sonnenschein zeigte sich der Morgen wieder von seiner besten Seite. Vom Haslacher Rathaus  führte die Beschilderung zur Kinzig und dort flussabwärts. Bald wanderte ich über eine steile Forststraße bis auf 600 m bergauf. Eine unsagbare Stille und Ruhe lag über dem Land, als wäre die Natur morgens noch verschlafen. Die Sonne ließ das Grün der Laubbäume in verschiedenen Nuancen schimmern und gelber Löwenzahn brachte Farbtupfer in die Wiesen. An der  Oberentersbacher Hütte vorbei führte der Weg bis zum Kohlplatz  mit herrlicher  Aussicht. So weit das Auge reichte, reihten sich Schwarzwaldhöhen aneinander. Was für ein friedvolles Bild!
       Das höchste Gut ist die Harmonie der Seele mit sich selbst (Seneca).
Nun ging es unaufhörlich bergab ins Tal nach Zell am Hammersbach hinunter. Zuerst lief ich ins Zentrum und besichtigte das Heimatmuseum im Storchenturm (14.Jh.). Hier gab es altes Brauchtum aus dem Schwarzwald zu sehen. Dann ging es zur Wallfahrtskirche - Maria zu den Ketten.
Die Menschen beteten früher in der Wallfahrtskirche zur „Maria zur Rose“. Sogar aus weiter Ferne betete ein gefangener Schmiedegeselle zu ihr um Hilfe und wurde gerettet. Seine Gefangenenketten brachte er zur „Maria zur Rose“ und sollte Hufeisen schmieden, doch es gelang nicht. So wandelte sich der Name „Maria zur Rose“ in „Maria zu den Ketten“. Seither kommen immer mehr Pilger zu dieser Kultstätte. Seit 1920 leben Kapuziner-Mönche in einem Kloster neben der Wallfahrtskirche und betreuen sie.
An der Klosterpforte bekam ich einen Stempel für meinen Pilgerpass und konnte mich im Gästehaus für eine Übernachtung einrichten. Die Aufnahme war überaus  herzlich. Im Zimmer lag ein interessantes Buch über die Geschichte der Kapuziner aus. Sehr still war es im Haus, als Stadtmensch war es etwas ungewohnt, aber angenehm. Sogar die Kirchenglocken schwiegen bis morgens 6 Uhr und bescherten mir eine himmlische Nachtruhe.
5.Tag:
Das zeitige Frühstück erlaubte einen Besuch zum 8 Uhr-Gottesdienst. Der Palmsonntag wurde würdig begangen, denn viele Kirchgänger waren extra dafür angereist. Vom Kloster bekam ich zum Abschied noch als Wegzehrung ein Stück „Hefezopf“ mit. Gestärkt an Leib und Seele machte ich mich auf. Sonnenschein und Sonntagsruhe begleiteten mich ins Nordrachtal.
Über eine letzte große Steigung erreichte ich im Wald die Höhe (600 m). Auf schattigem Weg pilgerte ich bis zum Gengenbacher „Bergle“ mit der Jakobuskapelle. Schon erblickte ich unten Gegenbach und bummelte bald durch die malerischen Gassen zum Rathaus. Mit Mühe bekam ich noch einen freien Platz im Café. Denn heute hatte der wunderschöne Ort bei diesem herrlichen Wetter viele Besucher angelockt. Eine Stärkung war für mich notwendig, wollte ich doch nach den gegangenen 15 km noch 10 km bis Offenburg bewältigen.
Auf dem Kinzigdamm wanderte ich immer geradeaus nach Westen. Doch bis ich das Zentrum und den Bahnhof in Offenburg erreichte, verging noch einige Zeit. In Gedanken konnte ich noch einmal die herrlichen Tage Revue passieren lassen.
Keine Zukunft vermag gutzumachen, was man in der Gegenwart versäumt (Albert Schweitzer).
Es war nicht mein erster Pilgerweg und wird hoffentlich nicht der Letzte sein!
Buen Camino, Arno Ritter aus Karlsruhe

 von Arno Ritter aus Karlsruhe
....... eingesandt per eMail vom 26. April  2011,
 

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