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Jakobsweg
- "Der Weg ist das Ziel" |
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Jakobspilgerweg mit dem Fahrrad |
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Fahrradreise von Buchenbach bei Freiburg im Breisgau nach Santiago de
Compostela/Nordwestspanien
In 26
Tagen über 2280 Km mit insgesamt 22 700 Höhenmetern
Kurzbeschreibung:
Vor ungefähr 7 Jahren, als im Freundeskreis große gesundheitliche
Probleme auftraten, versprach ich, bei gutem Ausgang eine Pilgerreise
mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela zu unternehmen. Nachdem in
den nachfolgenden Jahren noch große gesundheitliche Sorgen in meiner
eigenen Familie dazukamen, die jedoch alle gut ausgingen, hatten sich im
Verlaufe der Zeit genügend Gründe für eine solche Pilgerreise
angesammelt.
So beschloss ich im Frühjahr dieses Jahres, am 15. August 2003, ohne
großes vorhergehendes Training das Wagnis auf mich zu nehmen und zu
versuchen in 30 Tagen die Strecke von geschätzten 2400 Km nach Santiago
de Compostela zu bewältigen.
Ausrüstung:
Da ich die gesamte Tour mit einem
Tourenfahrrad und etwa 30 Kg Gepäck machen wollte und damit auf
asphaltierte Straßen angewiesen war, waren diese Radführer eine wichtige
Voraussetzung für das Gelingen der Reise.
Zusätzlich besorgte ich mir noch Michelin Karten im Maßstab 1 : 200 000,
damit war ich sehr gut ausgerüstet.

15.08.03 an der Jakobus Kapelle in Himmelreich

Meine Strecke über 2280 Km
Streckenverlauf:
Die vorgesehene Strecke ging von der Jakobuskapelle in Buchenbach –
Himmelreich, über Colmar – und den Vogesenhauptkamm über den Col de la
Schlucht – Remiremont – Darney - Bourbon le Bains – Langres – Auberive -
Es sur Tillé – Marsannay la Cote - Nolay – Buxy - Cluny – Echarmeaux -
Roanne - St.Etienne – Firminy - Uniseu - Le Puy en Velay – Saugues -
Aumont Aubrac – Nasbinals - Col de Brac – Espailon -Estaing –Figeac –
Cahors – Moissac – Agen – Condom – Eauze - Aire sur Adour – Arthez de
Bearn - Orthez – St. Palais - St.Jean Pied de Port - über den Ibaneta
Pass durch die Pyrenäen -Roncevalles – Pamplona – Puente la Reina -
Logrono – Navarette - Najera – Sto.
Domingo de la Calzada - Castildelgado - Burgos -Carrion
de las Condes –Sahagun – Mansilla de las Mulas - León – Hospital de
Orbigo - Astorga - Rabanal del Camino - Cruz de Hierro (Ferro) –
Ponferrada - Villafranco del Bierzo - Passo O Cebreiro - Porto de Pieo –
Triacastella – Samos - Sarria – Portomarin – Melide – Arzua - Santiago
de Compostela.
Mit dieser Strecke über
Le Puy en Velay folgte ich der "Via Podiensis". Ab Puente la Reina fuhr
ich auf dem Camino Frances, soweit es mit dem Tourenfahrrad möglich war.
Am ersten Tag meiner Reise kam ich überraschend weit, hatte ich doch 112
Km auf dem Tachometer und war unbeschadet aber total durchnässt über den
1139 m hohen Vogesenpass „ Col de la Schlucht „ gekommen. Leider fand
ich kein Quartier, da durch den Feiertag „Maria Himmelfahrt „ in
Frankreich ein verlängertes Wochenende war. Ich musste deshalb zum
ersten Mal mein Notzelt aufschlagen. Hier fand ich überraschend eine
Jakobsmuschel, die ich säuberte und mitnahm.
In den folgenden Tagen radelte ich frohgemut im Durchschnitt ca. 80 Km
und kam am 5. Tag nach Es-sur Tillé, wo ich eine Schlauchpanne hatte.
Übrigens die erste und die letzte Fahrradpanne (aber leider auch die
teuerste). Ich fand auch eine Werkstatt, die die Reparatur vornehmen
konnte, aber in der Hektik und der Freude darüber, kam meine Weste mit
Geld und Papieren abhanden.
Nun war guter Rat teuer, abbrechen und abholen lassen ? Nach nur 5 Tagen
! Das kam nicht infrage.
Also fuhr meine telefonisch alarmierte Frau mit einem guten Freund von
mir, am selben Abend noch 330 Km nach Es sur Tillé und brachte mir Geld,
Papier und EC Karten und fuhr sofort wieder 330 Km zurück. Eine Super
Leistung !
Am nächsten Tag fuhr ich weiter, nicht ohne zuvor noch Gendarmerie und
Mairie von meinem Missgeschick verständigt zu haben.
Am Tag meiner Ankunft in Santiago de Compostela, kam über E-Mail die
Nachricht, dass meine Weste mit sämtlichen Papieren in der Mairie
abgegeben worden war. Das Geld allerdings fehlte.
Leider kam am 6. Tag meiner Reise, am 21.8., die traurige Nachricht,
dass es zu einem Trauerfall in meiner Familie gekommen war. Ich ließ
mein Fahrrad mit dem Gepäck an der Cote d’or, südlich von Dijon stehen
und fuhr mit dem Zug für 6 Tage nach Hause und setzte am 27.8. morgens
meine Reise fort.
Die nächsten Tage verliefen ohne große Probleme, manchmal war es sehr
heiß und schwül, dann wieder kamen kräftiger Regen, Hagel und Gewitter.
Kühle Morgen mit kaltem Wind, vor allem in den Bergen der Auvergne,
machten mir ebenfalls zu schaffen. Ich kam trotzdem sehr gut voran und
hatte bereits am 11. Fahrtag rund ein Drittel meiner Reise, den ersten
großen Ort, Le Puy en Velay erreicht. Eine beeindruckende Stadt mit
vielen Wahrzeichen. Kathedrale, Marienstatue, die Kirche hoch auf dem
Felsen und das herrliche Schloss.

Im Tal des Lot

Die nächsten Tage ging es ebenfalls zügig
weiter und am 18. Fahrtag, nach 1458 Km erreichte ich St.Jean Pied de
Port am Fuß der Pyrenäen.Nun galt es ! Der nächste Morgen mit Regen,
Nebel und kaltem Wind waren keine guten Voraussetzungen, doch nach 88 Km
und nach 3 Pässen war Pamplona erreicht.Die nun folgenden Etappen waren
gekennzeichnet durch viele Erlebnisse mit anderen Pilgern. Herrliche
Kathedralen in Burgos, Leon und Astorga waren anzusehen und zu besuchen.
Aber es gab auch einsame Strecken durch die nordspanische Meseta, bei
denen ich in glühendheißer Hitze einmal sogar 148 km zurückgelegt habe.
Durch diese doch überraschenden Leistungssteigerungen wurden
offensichtlich noch weitere verborgene Kräfte in mir geweckt. In den
nächsten Tagen kam ich so zügig voran, dass ich bereits nach wenigen
Tagen meine sogenannte „Königsetappe“ über 3 Pässe der cantabrischen
Berge in Angriff nehmen konnte. Mit Sonnenaufgang ging es los. Nach 2
Stunden hatte ich die erste Passhöhe erreicht.
Vor mir lag auf 1504 m Höhe stand das Cruz de Ferro, das Eisenkreuz,
umgeben von einem Hügel von Millionen von Steinen. Diese hatten Tausende
und Abertausende von Pilgern in den vergangenen Jahrhunderten hier am
Fuß des schlichten Kreuzes abgelegt.
Dieser Brauch,
einen Stein als Symbol für die Lasten des Lebens von zu Hause
mitzunehmen und hier abzulegen gilt, seit die Pilgertradition vor über
1000 Jahren begonnen hat.
Manche Steine sind beschriftet, andere bemalt. Manche sind groß und bis
zu 3 Kg schwer, andere klein, fast wie Kieselsteine. Manche werden von
den Pilgern vorsichtig abgelegt. Andere werden wie eine schwere Last auf
den Hügel geworfen.
Auf jeden Fall war dies auch für mich einer der emotionalen Höhepunkte
dieser Reise.
Meinen Pilgerstein hatte ich
an der Jakobuskapelle in Buchenbach-Himmelreich gefunden, beschriftet
und über eine Strecke von genau 2033 Km in meiner Tasche getragen. Nun
konnte ich ihn am Stamm des Kreuzes ablegen und meiner Familie, meinen
Verwandten, Freunden und Bekannten widmen.
Eine schnelle, 20
Km lange Abfahrt nach Ponferrada und der Wiederanstieg über 25 Km nach
Villafranco del Bierzo folgte.
Von nun an ging es nur noch steil bergauf mit wieder extremen
Steigungen, bis zum Pass O’Cebreiro auf 1300 m Höhe. Hier steht die
kleine Kirche „Santa Maria la Real “ wo sich der Legende nach das „O’Cebreiro“
Wunder zugetragen hat.

Ich
war total geschafft, aber es ging noch einmal 400 m hinunter und noch
einmal stieg es auf die Porto de Poio mit 1335 m an. Ich war körperlich
restlos fertig und nur noch froh, dass es 15 Km bergab nach Triacastella
ging, wo ich in dem „Meson Villas Ante“ übernachtete.
Nach dieser „Königsetappe“ war
ich jedoch emotional und auch körperlich ungleich stärker und konnte die
letzen 2 Etappen nach Santiago de Compostela problemlos bewältigen und
traf am Montag den 15. September mittags um 12,30 Uhr in Santiago de
Compostela auf der Praza de Obradeiro ein.
Meine Ankunft an der
Kathedrale von Santiago de Compostela war der emotionale und
beeindruckende Höhepunkt in einer langen Reihe von tiefgreifenden
Erlebnissen, entlang der 2280 km langen Strecke vom Schwarzwald nach
Nordwestspanien.
Nachdem ich mein Fahrrad an der Ostseite abgestellt hatte, betrat ich
mit freudigem Erwarten dieses monumentale Bauwerk. Der Besuch des
Apostelgrabes des heiligen Jakobus ist in seinen emotionalen und
tiefgreifenden Empfindungen kaum zu beschreiben. Zuerst sieht man den
Hochaltar mit der vergoldeten Schnitzfigur des hl. Jakobus, die mit
Ihrem Blick eine himmlische Ruhe ausstrahlt. Die Umarmung des
Apostelbildnisses, das Hinabsteigen in die Apostelgruft und der Blick
auf das Apostelgrab waren in Ihrer gefühlten Intensität der Höhepunkt
und die Krönung der ganzen Pilgerreise. Da alle Pilger diesen Höhepunkt
erleben wollen, dauert der Ablauf mindestens ein bis zwei Stunden.
Wenn man von der Westseite die Kathedrale betritt, kommt man durch das
unvergleichliche „Pórtico de la Gloria“. Hier empfängt das Bildnis des
heiligen Jakobus, im Mittelpunkt himmlischer Heerscharen, die Pilger.
Auch hier stauen sich die Menschen und legen ergriffen die Finger der
rechten Hand in die Vertiefungen am „ Arbol de Jesé“ dem Lebensbaum
Jesu Christi und der gesamten Menschheit. Die Pilger machen dies seit
Jahrhunderten um den Apostel zu ehren und ihm zu danken. Über die
Jahrhunderte hinweg haben ihre Hände glatte Vertiefungen in den Stein
gegraben. Während der Pilgermesse wird das monumentale Weihrauchfass,
der „botafumeiro“ von 8 Männern in ausladende Schwingungen gebracht und
schwingt quer durch das Kirchenschiff bis fast an die Decke.

Ankunft in Santiago de Compostela - Am Eisenkreuz auf 1504
m 
„ Arbol de Jesé“ Der Lebensbaum

Der Pilgerstein Das Apostelgrab 
Das Apostelbildnis am Hochaltar
Genau 26 Fahrtage nach meiner Abfahrt und
nach einer Strecke von 2280 Km und 15 000 Höhenmetern, was einem
Durchschnitt von genau 88 Km und 600 Höhenmetern pro Tag entspricht,
hatte ich das Ziel meiner Reise erreicht.
Als Fazit kann ich sagen, dass diese Reise ein einmaliges Erlebnis war.
Sie hat viel Schweiß und Kraft gekostet und manchmal bin ich bis an die
Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gegangen.
Und trotzdem gab es so viele schöne Erlebnisse, Begegnungen,
Bekanntschaften mit vielen Menschen aus aller Herren Länder, so dass
bereits Überlegungen vorhanden sind, in den nächsten Jahren, auf einem
anderen der vielen Wege noch einmal nach Santiago de Compostela zu
fahren.
Statistik:
Gesamtstrecke 2280 Km, das sind bei 26 Tagen durchschnittlich 88 km
pro Tag. Höhenmeter: 22 700 m, das sind cirka 800 Höhenmeter pro Tag.
Wer sein Buch lesen möchte über die interessante Pilgerreise findet
weitere Informationen unter:
www.mäder-jakobsweg.de
Rudolf Mäder
sandte uns seinen Pilgerbericht im April 2008

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Camino del Norte |
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Ein Traumpfad zwischen Meer und Gebirge |
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Begonnen hatte ich in
Bilbao bei Kilometer 700 bis Santiago. Doch für mich verringerten sich
die Kilometer, weil ich einiges mit Bus und Bahn gefahren bin. Als
Jahrgang 39 kam ich manchmal an meine Grenzen. Es ist ein schmaler und
fruchtbarer Landstrich - das grüne Spanien. Da wo viele Menschen leben,
gibt es Dörfer, Städte, Industrie und Straßen und manchmal wenig Platz
für den alten Jakobsweg. Früher sah das anders aus.
Auf dem Camino waren nicht viele Pilger unterwegs, denn er ist mit 9000
Hm recht anspruchsvoll. Tagelang lief ich ganz alleine, weit und breit
kein Mensch, nur abends in den Herbergen kamen etwa 20 Pilger zusammen.
Das Pilgerleben gestaltet sich preiswert. Herberge: 5 €, Frühstück in
einer Bar: 3 €, tagsüber: Brot, Käse, Wurst und Wasser: ~ 5 €.
Abendessen: Menú del Dia: 8 – 10 €,
Pilgerspruch: „Erdverbunden leben, himmelwärts
schauen, festverwurzelt und offen für Neues!“ Da steckt alles drin.
Wir Pilger sind offene Menschen mit dem gleichen Ziel und
schließen schnell Freundschaften. Wie z.B. meine vier Amigos aus Madrid.
Einer davon, Juan mit 77
Jahren,
musste ab und zu die Etappen mit Bus oder Taxi verkürzen. Er bekam von
mir den Namen: Don Juan el Grande. Er konterte mit: Arno el Magnifico
(der Prächtige). Ab der 3. Woche machte ich mit den Pilgern abends Qi
Gong, was großen Anklang fand. Bedingt durch die Etappen fand sich jeden
Abend die gleiche Pilgergruppe aus Jung und Alt wieder. „Willy us Kölle“,
eine rheinische Frohnatur, sorgte für Unterhaltung und ich brachte mit
dem täglichen Qi Gong viel Spaß in die Gruppe aller Nationalitäten.
Meine Etappen lagen bei 20 – 25 Kilometern. Meistens übernachtete ich in
den Herbergen, nur manchmal bevorzugte ich Pensionen, wenn sie günstiger
am Weg lagen. Bis auf wenige Regenstunden herrschte über die ganze Zeit
schönes Wetter. Der Camino del Norte ist gut beschildert. Bei Lücken
half der Wanderführer vom Rother-Verlag weiter. Viele junge Menschen
wanderten auf dem Camino. Die günstigen Preise und die fantastische
Landschaft
hatten sich herumgesprochen.
Tag für Tag das gleiche Spiel: Morgens eine Handvoll Wasser ins Gesicht,
Rucksack packen, in der nächsten Bar ein kleines Frühstück und schon
ging es auf die Strecke. Proviant wurde immer am Vortag gekauft.
Vorbereitung war alles. Dazu gehörte die Lektüre im Wanderführer. Somit
herrschte über Länge, Höhe und kulturelle Ereignisse Klarheit. Abends
wurde beim Duschen gleich die Wäsche mitgewaschen. Trocknete sie
über Nacht nicht, wurde sie auf dem Rucksack geschnürt. In den vier
Wochen habe ich so viel erlebt, wo fange ich da an zu erzählen?
Wie gesagt, in Bilbao begann am 19. August 2011 mein Camino. Dort
besuchte ich das berühmte Guggenheim-Museum. Supermodern und doch durch
die eleganten Formen der Natur angepasst. Ich war begeistert. Der
Küstenweg führte auf der Höhe mit freier
Sicht über das weite Meer. Von
unten
spielte die Brandung eine gleichbleibende Melodie. Ein frischer
Wind ließ die Biskaya
spüren.
Dann ging es über einen Berg durch einen Eukalyptuswald hinunter nach
Castro-Urdiales und ich konnte am Strand eine Abkühlung nehmen. Den
Hafen überragt eine alte, wuchtige Kirche aus dem 13. Jh. Doch leider
sind viele Kirchen in Spanien nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Weil
die Herberge
voll belegt war, wurden hinter
dem Haus Zelte angeboten und ich habe
darin sehr gut geschlafen.
Der nächste Tage führte anfangs wieder an die Küste mit dem gleichen
faszinierenden Schauspiel wie am Vortag. Ein Schlenker
über die Berge bei schwüler Hitze brachte mich ins Schwitzen. Hier
fehlte der Biskayawind. Endlich senkte sich der Jakobsweg nach Hazas
hinunter. Im Schulhaus, wo eine Herberge eingerichtet war, trafen sich
alle Pilger. Im einzigen Restaurant nahmen wir dann gemeinsam das
Abendessen ein.
„Es ist erstaunlich, wie dieser Weg so viele
unbekannte Menschen auf sonderbare Weise verbindet“
(Pilgerspruch).
Nachdem ich in Laredo den vier Kilometer langen Strand entlanggewandert
war, folgten nach der Überfahrt mit einer Fähre nach Santona noch zwei
Traumstrände. Bis jetzt würde ich Camino del Playa sagen. Auch
heute war wieder Baden angesagt. Damit die Verführung zum Baden nicht zu
groß wurde, ging es ins Hinterland. Eine abgelegene, romanische Kirche
aus dem 13. Jh. lud zu einer Pause ein. Wiesen und Wälder wechselten
sich ab – Ruhe lag über dem Land, Zeit zum Nachdenken.
„Der Weg nach Santiago ist lang, aber der längste
Weg ist der nach innen“ (Pilgerspruch).
Die Herberge in Güemes liegt zwar einsam, ist aber sehr
gemütlich. Übernachtung und Essen gab es auf Spendenbasis. Wieder folgte
ein beeindruckender Tag auf dem Küstenweg bis Somo und mit der Fähre
nach Santander. Dort steht noch das Stammhaus der Santander Bank. Die
gotische Kathedrale mit dem Kreuzgang und die Unterkirche mit den
Reliquien der Heiligen Emeterio und Celedonio sind sehenswert. Mit
einem
Bummel über die Hafenpromenade klang der Tag aus.
Von Santander kam ich nach Santillana del Mar zu den Höhlenzeichnungen.
Diese naturgetreuen Tierbilder wurden vor 14 000 Jahren von den Homo
Sapiens gemalt. Jetzt sind sie in einer „Neocueva“ , in einer
nachgebauten Höhle zu sehen. Der mittelalterliche Ort Santillana del Mar
zieht viel Besucher an und es herrschte ein reges Treiben vor der
Stiftskirche (12. Jh.) mit Klosteranlage. Danach pilgerte ich bis San
Vicente und sah schon im Süden die hohen Gipfel der Picos de
Europa. Hoch über der Stadt ragt die Kirche Santa Maria de los Angeles
in den Himmel. In der Kirche befindet sich als Grabmal eine anmutende,
liegende Marmorskulptur – das schönste Grabmal Spaniens!
Tags darauf fuhr ich mit dem Bus in die Berge zu den Picos de Europa
nach Potes, ein beliebter Urlaubsort. Alt, romantisch und voller Leben
liegt er mitten in den Bergen. Die Altstadt hat mit seinen Gassen
das volkstümliche Flair erhalten. In
der Nähe besichtigte ich das berühmte Franziskanerkloster Santo Toribio
mit dem Reliquienkreuz. Die Reliquie soll der Heilige Toribius im 5.Jh.
aus Jerusalem mitgebracht haben. Im 8. Jahrhundert schrieb der
Mönch
Beatus von Liébana seine Erläuterungen zu der
Apokalypse und illustrierte seine Werke. Nach Jerusalem, Rom und
Santiago de Compostela liegt dieses Kloster an 4. Stelle der
Wallfahrtsorte.
Am nächsten Tag unternahm ich eine kleine Wanderung zum Picos de Europa.
Die vielen Wegmarkierungen lassen auf ein umfangreiches Wandergebiet
schließen. Bis 2600 m erheben sich diese Gipfel.
Wieder auf dem Jakobsweg landete ich im Fürstentum Asturien am Meer. Es
folgte Strand auf Strand – Camino del Playa! Lag die Herberge im
Strandnähe, habe ich natürlich gebadet. Dann gelangte ich nach Gijon,
einer Großstadt mit 300 000 Einwohnern. In der Altstadt wurde das
Sidra-Fest (Äpelwoi) gefeiert. Dabei wird der Wein in hohem Bogen in das
Glas gegossen. Durch die Sauerstoffaufnahme schmeckt er spritziger. Um
dem Industriegebiet und der dichten Bebauung auszuweichen, fuhr ich mit
der Bahn ein Stück und wanderte nach Tapia, mit einem alten
Fischerhafen. Das Leben in Spanien beginnt erst abends. Deshalb trafen
sich nach Sonnenuntergang so viele Leute am Hafen. Der kommende Tag
brachte mich nach Galicien. Hier war wohl der Schelm Asterix am Werk,
denn
die Muschel zeigte jetzt mit den Strahlen nach Santiago. Der Jakobsweg
verließ die Küste und schwenkte nach Süden in hügeliges Land. Die
künftigen
Tage verlangten je 800 Höhenmeter im Aufstieg auf schattigen Waldwegen.
„Unser Leben gleicht einem Wanderweg, der über
Höhen und durch Tiefen führt. Anders ist das Ziel nicht zu erreichen“
(Albert Bartsch).
In der Bischofstadt Mondoñedo,
steht die Kathedrale Santa Maria mit prächtigen Malereien aus dem 13.Jh.
Weiter ging es nach Baamonde. Es ist zwar ein verschlafener Ort,
doch die kleine Kirche Santiago de Baamonde mit den drei Kreuzen aus
Granit und der im Baum geschnitzten Maria sind sehenswert. Mittlerweile
war es Mitte September und wurde erst 7:30 Uhr hell. Solange konnte ich
es nicht im Bett aushalten und lief mit Taschenlampe los - ein
ungewohntes Abenteuer.
In Sobrado besichtigte ich die große Klosteranlage und nahm an der Messe
mit Chorgesang teil. Als wir im Klosterhof danach unsere Qi Gong-Übungen
absolvierten, gesellte sich ein Mönch zu uns und machte mit. In Arzua
stieß der Camino del Norte auf den normalen Jakobsweg und die
Pilgerschar vergrößerte sich, dennoch trafen wir deutsche Pilger uns
fast jeden Abend wieder.
Der letzte Tag vor Santiago de Compostela war angebrochen. Um 5 Uhr
wachte ich auf, weil schon einige den Rucksack schnürten. Mich hielt es
auch nicht mehr im Bett. In einer Bar ein schnelles Frühstück und ab
ging es. Zum Glück verlief der Camino auf einem breiten Weg durch den
dunklen Wald, was mit Taschenlampe keine Probleme bereitete. Ein
Spanier, der keine Lampe hatte, folgte mir auf den Fersen. Endlich wurde
es hell, aber es fing an zu regnen. Da musste man durch! Kalt war es
nicht – ich war innen und außen nass. Über dem Monte do Gozo verlief der
Jakobsweg hinunter nach Santiago.
Ehrlich gesagt: Ein beglückendes Gefühl – endlich geschafft!!!
„Wir sind niemals am Ziel, sondern immer auf dem
Weg“ (Pilgerspruch).
Bis 12 Uhr hatte ich 20 km abgespult und es reichte noch zur Messe in
der Kathedrale. Wer die Kathedrale durch das Südportal verlässt, sieht
links das W
und rechts das α. Wir Pilger können ab hier einen neuen Lebensweg
beginnen.
Um 19 Uhr wurde eine Besichtigung in deutsch angeboten. Über die
prachtvolle Kathedrale könnte man viel berichten, doch hier nur
ein Satz. Der Haupteingang, der Portico de
la Gloria, mit der Jakobssäule, der „Umarmungsjakob“ auf dem Hochaltar,
der Sarkophag des Heiligen Jakobus in der Krypta und natürlich die Messe
bilden für den Pilger einen krönenden Abschluss für all die Mühe und
Schmerzen auf dem langen Jakobsweg.
Tags darauf fuhr ich nach Finisterre, ans „Ende der Welt“ und sammelte
am Strand Jakobsmuscheln. Es wundert mich schon nicht mehr, dass wir
Deutsche uns mit einer Flasche Rotwein beim Sonnenuntergang in
Finisterre wieder trafen. Ach, was gäbe es alle zu erzählen!
Landschaften, Menschen und Geschichten. Leider mussten einige Pilger auf
dem Jakobsweg wegen
Fußproblemen aufgeben.
„Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er
sie versucht hat“ (Goethe). Ich weiß es jetzt.
Glücklich saß ich im Flugzeug.
„Ich habe den Weg gemacht, doch der Weg hat mich
gemacht“ (Pilgerspruch). Der Jakobsweg erschließt sich erst
während des Laufens durch die andere Art des Lebens.
Buen Camino, Pilger Arno el Magnifico
Arno Ritter
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ein Pilgerbericht von
Arno Ritter
vom Camino del Norte - Okt. 2011

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Via Podiensis - Ein französischer Pilgerweg |
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Erst die Via Jacobi (Schweiz) nun auf der Via Podiensis |
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Via Podiensis
Vergangenes Jahr bin ich die Via Jacobi (Schweiz) vom Bodensee zum
Genfer See gepilgert. Mit 12 000 Hm bei 460 km ist sie sehr
anspruchsvoll. Trotzdem hatte mich die Landschaft, der Weg mit oft
traumhaftem Bergpanorama begeistert. Interessant waren die
Begegnungen mit anderen Menschen und auch die Übernachtungen beim
Bauern im Stroh. Mein Bericht steht mit Fotos im Internet:
www.wanderland.ch / Reiseberichte / Via Jacobi / Teil 1-3.
Wir, meine Tochter und ich, fuhren nach Le Puy-en-Velay. Leider hatte
meine Tochter nur zwei Wochen Zeit. Ich wollte gerne, wenn es gelingt,
bis zu den Pyrenäen gehen.
Nach der Pilgermesse in die Kathedrale machte sich eine große
Pilgerschar wie schon seit Jahrhunderten auf den langen Marsch nach
Santiago de Compostela.
Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige
suchen wir (Hebr. 13,14).
Wir
wanderten auf der Hochebene des Zentral-Massivs gen Süden. Alte
romanischen Kapellen und Kirchen lagen am Jakobsweg. In den Herbergen
reservierten wir gleich für den nächsten Tag mit Halbpension, das war
bequem, preiswert und man nahm gemeinsam mit anderen Pilgern das Essen
ein. Die Sonne heizte uns im August ganz schön ein. Ich hätte nie
gedacht, dass das Wort Wasser einmal bei mir so einen hohen
Stellenwert bekommen würde.
Endlich war die Passhöhe (1300m) erreicht und wir strebten abwärts der
Herberge, dieses Mal ein nobles Gasthaus mit Schlafsaal, entgegen. Das
Abendessen mit vier Gängen dauerte zwei volle Stunden. Wir speisten
„wie Gott in Frankreich“, hatten früher die Pilger auch so gegessen?
Jeden Morgen kauften wir frisches Baguette, Käse und Wurst reichte
mehrere Tage.
Faszinierend und menschleer ist die Landschaft des Aubrac. Von Hügel
zu Hügel das gleiche Bild, endlose Wiesen mit Steinmauern durchsetzt.
Hier kann es auf 1000 m auch sehr rau sein, denn oft bläst ein Wind
über die baumlose Weidelandschaft, der uns heute eine angenehme
Kühlung verschaffte. In einer hübschen Auberge in Montgros gab es ein
köstliche Abendessen und versetzte uns wieder in eine andere Welt. Mit
„uns“ meine ich die ganze Pilgerschar, die immer gemeinsam zum Essen
versammelt war.
Wie zum Ausgleich der sonnigen Tage zogen heute dunkle Wolken auf und
luden ihre Last ab; wir konnten das „raue Aubrac“ in echt erleben.
Trotz Regenkleidung kroch die Feuchtigkeit bis auf die Haut. Auf der
Passhöhe (1307 m) hat das Hospiz und die Kirche Notre-Dame-des-Pauvres
eine lange Geschichte aus der frühen Pilgerzeit um das 11.
Jahrhundert. Gerade durch ihre Schlichtheit und dicken Mauern
beeindruckt die Kirche auch heute noch den Besucher.
Jede Landschaft hat ihre eigene besondere Seele, wie ein
Mensch, dem du gegenüber lebst (Christian Morgenstern).
Das
Wetter besserte sich und ließ uns trocken die 500 Meter nach
St-Chély-d´Aubrac absteigen, was trotz Stöcken gewaltig in die Beine
stauchte. Die Ortschaft St-Côme-d´Olt führt den Namen Lot in
okzitantischer Sprache. Das mittelalterliche Städtchen betraten wir
durch ein Stadttor und kamen durch enge Gassen zur Kirche mit einer
gedrehten Turmspitze. Ebenso verließen wir die Altstadt durch ein
weiteres Tor, um über eine Brücke am anderen Lotufer weiterzugehen.
Die Eglise de Perse (11. Jh.) vor Espalion ist ein großartiges Zeugnis
früher Baukunst! Ob beim Relief des Tympanons (das Jüngste Gericht)
oder den Innenraum mit wunderschönen verzierten Kapitellen, man kam
aus dem Staunen nicht heraus.
Im Lottal zog der Pilgerpfad über Estaing in die Höhe und ließ uns bei
großer Hitze kräftig schwitzen. Die Tagesverpflegung bestand täglich
aus Brot, Käse und Wurst. Zur Abwechslung wurde die Reihenfolge
geändert. Da weiß man um so mehr ein gutes Essen zu schätzen.
9.Tag: In stetem Auf und Ab gelangten wir an einen Höhepunkt der
Via Podiensis nach Conques in ein abgelegenes Tal zu einer Abtei. Die
Klosteranlage (8. Jh.) war schon immer eine wichtige Etappe der
Wallfahrer auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Die heutige
Kathedrale aus dem 11. Jh. ist eine riesige Emporenhallenkirche und
kann eine große Schar von Pilgern und Mönche aufnehmen. Das Tympanon
(Jüngstes Gericht) zählt wegen seiner Originalität und Größe zu den
Meisterwerken romanischer Bildhauerkunst. Nachdem wir uns im
Schlafsaal im Kloster eingerichtet hatten, besichtigten wir die
Klosteranlage. Nach dem Essen im Speisesaal mit über 100 Pilgern
erläuterte einer der Mönche die Bildersprache des Tympanons.
Anschließend nahmen wir an der Vesper in der Kathedrale teil und
folgten der Einladung zum Orgelkonzert, bei dem die Eindrücke des
Tages nachklangen. In Figeac hatte Monsieur Champollion den Stein von
Rosette entziffert. Über Griechisch und Demotisch verstand er die
ägyptischen Hieroglyphen. Auch die romantische Altstadt ist
sehenswert.
Unser Privatquartier bei Faycelles entpuppte sich als Villa mit
Schwimmbad, was wir auch benutzten. Abends saßen wir auf der Terrasse
und konnten einen sagenhaften klaren Sternenhimmel mit der Milchstraße
bewundern. Aus Zeitgründen gab es heute einen „Bussprung“ von Cajarc
bis Cahors. Hier besichtigten wir die mächtige Kathedrale St-Étienne,
die wahrscheinlich nach dem Vorbild der großen Kuppelkirchen von
Byzanz gebaut wurde. Der kleine Seiteneingang zeigt orientalische
Bögen, doch das Nordportal schmückt das kunstvolle Tympanon mit Jesu
Himmelfahrt. Wir spazierten durch die Altstadt zur Lotbrücke, wo seit
dem 15. Jh. die Pilger die Stadt verließen. Nun trennten sich unsere
Wege. Meine Tochter blieb in Cahors, um am nächsten Tag die Heimreise
anzutreten und ich wanderte zur Landstraße, um per „Autostopp“ nach
Montcuq zu kommen. In einer Herberge fand ich Unterschlupf und saß mit
vielen Pilgern wieder gemeinsam am Tisch. Über sanft geschwungene
Hügel pilgerte ich durch Obstplantagen und Gemüsefelder. Zu meinen
Pausen gehörte auch eine spezielle Übung, nämlich zehn Minuten die
Beine wie beim Joga hochlegen. Danach marschierte ich wieder gut
ausgeruht weiter und genoss die Stille.
Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten,
sondern unsere stillsten Stunden (Friedrich Nietzsche).
Schließlich betrat ich in St-Martin-de-Durfort eine Herberge und
konnte nach dem Abendessen einen wunderschönen Sonnenuntergang
erleben. Mit Qigong entspannte ich mich und fand einen erquickenden
Schlaf.
15.Tag: Heute stand der zweite Höhepunkt an, die Abteikirche
St-Pierre (11. Jh.) und der romanische Kreuzgang in Moissac.
Beeindruckt stand ich vor dem Tympanon (Offenbarung) am Südportal. Der
Kreuzgang mit seinen 44 Meter langen Trakten, 116 Säulen und
Kapitellen ist aufgrund seiner Vollständigkeit ein einmaliges Zeugnis
romanischer Baukunst. Über zwei Stunden bestaunte ich die Anlage und
ließ sie auf mich einwirken. Zufällig landete ich heute in einem
kleinen „Paradies“, im Landhaus Chambres et Table d´Hôtes in Boudou.
Nicht nur das Haus, das Schwimmbad oder das hervorragende Essen, nein,
so fürsorgliche Leute hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Man
fühlte sich wie in einer großen Familie. Wir saßen in froher Runde
zusammen und später konnte ich alle Gäste zum Qigong überreden. Qigong
ist eine leichte, sanfte Gymnastik für Körper und Seele. Wir Europäer
sind „kopfgesteuert“ und blockieren somit oft den eigenen Energiefluss
im Körper.
Mit der kurzen Etappe und dem reservierten Quartier ließ ich mir Zeit
und übte mich in der Kunst der Langsamkeit:
Die Natur hat uns im Alter in die Langsamkeit gebracht, wir
müssen sie nur annehmen. Sie hat darin einen Sinn verankert und bietet
uns neue Chancen. Im Alter lässt die Leistung nach, dass weiß ja
jeder, aber auf den Nullpunkt reduziert sie sich nicht. Aus der
sogenannten Schwäche kann sich Stärke entwickeln.
Schon als
Marathonläufer hatte ich mich immer im „grünem Bereich“ bewegt. Mir
war ein gutes Gefühl wichtiger als eine schnelle Zeit. Das heißt, man
muss die Idealgeschwindigkeit anstreben, gleiches gilt beim Wandern
oder Pilgern. Warum Verlangsamung keine Zeit raubt, sondern Zeit
schenkt? Man muss dafür nur in der Zeit sein. Aber es verschafft auch
das Gefühl, dass genügend Zeit da ist. Oft merkt man, je mehr man tut,
desto schneller rauscht das Leben vorbei.
17.Tag: Die hügelige Gascogne, von hier stammt der berühmte
Armagnac, ist sehr fruchtbar. Sonnenblumen, Mais und Getreide
wechselten sich ab. So gefährlich wie bei den „Drei Musketieren“ ist
es wohl jetzt nicht mehr, denn der Musketier d´Artagnan stammte von
hier. Über mehrere Jahrhunderte wurde an der Kathedrale von Lectoure
um- und angebaut. Gleich nebenan fand ich im Gemeindehaus eine
freundliche Unterkunft. Da die Schwestern zum Gemeindefest eingeladen
waren, durften wir Pilger gleich mitkommen. Diesmal wurde keine
Übernachtungsgebühr erhoben, sondern es lief über Spendenbasis. Der „Chemin
de St-Jacques“ zog durch menschenleeres Gebiet – Hügel, Felder und
Wälder wechselte sich ab. Einsamkeit und Ruhe sind dem Pilger nicht
unwillkommen.
Zeiten des bewussten Schweigens und Innehaltens werden sich,
wenn nicht gleich, so doch im Rückblick als die fruchtbarsten Zeiten
in unserem Leben erweisen (Benedikt Ambacher).
Die
Weintrauben des bekannten Armagnac-Gebietes lockten zur Kostprobe.
Waren sonst meine Wasserflaschen immer gefüllt, hatte ich doch heute
die letzte Wasserstelle übersehen und musste es mit trockener Kehle
bis Condom aushalten. Mit „La Maison du Pèlerin“, die ein Deutscher
betreibt, hatte ich eine richtige Wahl getroffen. Viele wertvolle
Tipps erfuhr ich für meinen weiteren Weg, denn ich plante eine
Überschreitung der Pyrenäen.
19.Tag: Es folgte ein „Bussprung“ in das französische Baskenland
nach Navarrenx. Durch Wiesen und Wälder ging es den Bergen entgegen.
Da es auf dieser abgelegenen Strecke keinen Bäcker gab, musste ich zu
meiner Notration greifen. Für so einen Fall hatte ich nun drei Wochen
lang Knäckebrot mitgeschleppt. Käse und Wurst hatte ich noch vom
Vortag. Sehr einsam war es heute wieder auf dem Jakobsweg - Zeit zum
Nachdenken!
Die Erkenntnis, dass man mit wenigen Dingen auszukommen
vermag, macht nicht nur zufrieden, sondern auch glücklich (Walter
Reisberger).
Am Ziel
in Ostabat gab es auch keine Einkaufsmöglichkeit, um so mehr freute
ich mich aufs Pilgermenü im Gasthaus mit anderen Pilgern. Als der Wirt
fragte, ob jemand Pasta möchte, war ich der einzigste Gast. Die
Franzosen hatten noch nicht diese „Energiequelle“ entdeckt.
22.Tag: Heute ging es auf die letzte Etappe des Chemin de
St-Jacques bis St-Jean-Pied-de-Port. Noch zeigten sich die Pyrenäen
als sanfte Hügellkette. Was würde mich noch erwarten? Endlich betrat
ich St-Jean, wie alle diesen Namen liebevoll abkürzten. Mit der Ruhe
war es jetzt vorbei. Hier sammelten sich wie eh und je die
Pilgerscharen. Die eine Gruppe hatte die Via Podiensis beendet und die
Anderen wollten auf dem Camino Francés nach Santiago de Compostela
starten. Mir war der Trubel in den engen Gassen zu arg und so wie ich
die Stadt an der Nordseite durch das Portal St-Jacques betreten
hatte, zog ich durch die Stadtmauer an der Südseite wieder hinaus.
Mein Ziel lag auf 500 Hm in einer Auberge und hatte somit dem nächsten
Tag etwas Höhe abgenommen. Wie immer frühstückte ich zeitig, denn die
Königsetappe über die Pyrenäen forderte 1000 Höhenmeter. Für mich
nichts besonderes, hatte ich doch vor Jahren eine Alpenüberquerung
(E5) bewältigt, die fast jeden Tag diese Leistung abverlangte. Einen
schöneren Tag wie heute konnte es nicht geben. Weit reichte die Sicht
über die umliegenden Berge.
Bald wechselte die rot-weiße Farbmarkierung der Via Podiensis zum
gelben Pfeil des Camino Francés in Spanien. Noch wenige Meter stieg
der Pfad zum Cisa-Pass an, um danach sehr steil abzufallen. Jetzt
waren die Wanderstöcke Gold wert. Von der Puerto de
Ibaneta
erblickte ich bald die Abtei Roncesvalles, ein Kloster aus dem 12. Jh.
Hier
nächtigten die meisten Pilger, doch nach einem Schlafsaal mit 100
Betten verlangte es mich nicht. Nur eine halbe Stunde später fand ich
in Burguete ein ruhiges Nachtlager. Anfangs verlief der Jakobsweg auf
bequemen Wegen durch Dörfer, Wiesen und Wäldern, bis er den
Metzkiritz-Pass (850 Hm) und den Alto Erro erreichte. Der zuerst so
gemächliche Abstieg wurde immer steiler und steiler nach Zubiri
hinunter. Zum Schluss forderte eine steinige Rinne, fast wie ein
Bachbett, volle Aufmerksamkeit. An einer mittelalterlichen Brücke war
am Wasser des Rio Arga erst einmal eine Pause angesagt. Schuhe aus und
Beine hoch – was für eine Wohltat! Man sollte öfters Rast einlegen,
damit die Seele folgen kann! In einer
Albergo
bezog ich Quartier und im Speisesaal fand sich eine internationale
Schar zum Essen ein. Allein an meinem Tisch saßen Pilger aus
Australien, Korea, Ungarn, Schweiz, Frankreich und ich.
25.Tag: Der Camino folgte weiter dem Rio Arga flussabwärts. Über
eine mittelalterliche Brücke gelangte ich nach Pamplona und betrat in
der Innenstadt bald die Herberge. Es blieb noch reichlich Zeit für
einen Bummel durch die Stadt, zu den Parks und Plätzen und zur
Kathedrale. Durch die engen Gassen trieben mich keine Stiere, sonder
Menschenmassen. Es war Sonntag und in der Altstadt fand ein Kunstmarkt
statt. Mit dem Bus fuhr ich am nächsten Tag nach Karlsruhe und hoffe,
den Camino de Santiago in Spanien bald fortsetzen zukönnen. Der
Jakobsweg – ein Lebensweg!
Dankbar blicke ich auf vier wunderschöne, ereignisreiche und sonnige
Wochen zurück. Erst recht, wenn man noch mit 71 Jahren so viel Schönes
genießen kann. Gute Wegmarkierungen und ein dichtes Netz von Herbergen
haben dazu beigetragen. Der übersichtliche Wanderführer vom
Bergverlag Rother leistete mir unterwegs mit Informationen über Wege,
Herbergen und Kultur große Hilfe. Meine Strategie der Langsamkeit hat
sich bewährt. Mit etwa 25 km pro Tag kam ich ohne Beschwerden ans
Ziel, fühlte mich nie überfordert und brauchte auch keinen Ruhetag.
Besichtigungen und Fotografieren waren mir wichtig. Da ich immer im
voraus reservierte, konnte ich meine Gehzeit strecken, denn auf dieser
fantastischen Via Podiensis wollte ich nichts versäumen. Pilger sind
Suchende!
Wo Neugier und Offenheit sind, werden
wir manches finden, was wir gar nicht gesucht haben (Benedikt Ambacher):
Der Weg
nach innen ist mühsamer als über einen Berg. Aber die Mühe lohnt sich!
Buen Camino, Pilger Arno Ritter aus Karlsruhe
Arno Ritter
.......
ein Pilgerbericht von
Arno Ritter
von der Via Podiensis - 2010

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Auf dem Eifeler Jakobsweg |
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Eine
Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte
-
von
Hubert von Venn |
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Am 28.08.2008 hat Hubert vom Venn eine kleine
Reportage über den Eifeler Jaobsweg bis Schengen geschrieben - und diese
ist erschienen im "Grenz-Echo", eine Tageszeitung in Belgien -
http://www.grenzecho.net
Tagebuch einer
Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte
Auf dem Eifeler Jakobsweg - von Hubert vom Venn
Ich kam mir spanisch vor: Vor Jahren entdeckte ich, nicht unbedingt mit
dem Ruf eines treuen Kirchgängers behaftet, in einer dieser Zeitungen,
die im Flugzeug direkt neben dem Göbelbeutel stecken, einen Bericht über
den spanischen Jakobsweg - Camino de Santiago.
Warum auch immer, ich fand die Idee einer solchen (Pilger)-Wanderung
faszinierend. Zu dieser Zeit hatte Hape Kerkeling wahrscheinlich noch
niemals Blasen an den Füßen gehabt. Immer wieder nahm ich mir in der
Folgezeit eine Wanderung durch Spaniens Norden nach Santiago de
Compostela vor, sehr zum Unmut meines alten Körpers, der mir »Warum
laufen? Du hast doch ein Auto!« zuraunte.
So pilgerte ich zunächst gemütlich unter der Leselampe sitzend durch
diverse Bücher und Fotobände, bis mir die bestsellerlistige
Abwesenheitsentschuldigung »Ich bin dann mal weg« des Kabarettisten
Kerkeling einen Tritt in Richtung »Jetzt beweg dich auch mal« verpasste.
Getreten, getan: Im Internet erfuhr ich, dass man aus Herbergs- und
Souvenirgründen für diese Wanderung einen Pilgerpass benötige, den es
bei der »Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft« - oh Zufall - in Aachen
gebe. Die freundliche Dame dort hatte nur ein Lächeln für mich übrig:
»Seit dem Kerkeling-Buch ist da Kirmes: Überfüllte Schlafsäle mit 40
Mann/Frau, kaum Hotelzimmer, Schlafen in Zelten oder unter freiem
Himmel.« - »Siehst du!«, spottete mein alter Körper, »aber auf mich hört
ja keiner! Ich lege mich auf jeden Fall in keine Schweißmaukenbude.« Die
Dame hatte aber noch einen Tipp: »Den Jakobsweg gibt es aber auch schon
durch die Eifel.«
Eifel? Bei mir läuteten sämtliche Glocken der diversen Jakobuskapellen.
Pilgerweg und Eifel, das war für mich überzeugtem Urlaubsfeind, der jede
Eifeltalsperre einem Karibikstand vorziehen würde, wie Weihnachten und
Kirmes an einem Tage. Apropos Tage: Zwei, drei Tage im Jahr sollten in
Zukunft dem Jakobsweg gehören, also musste die Sache auf mehrere Jahre
angelegt werden.
Die Wandergruppe war schnell gefunden: Stamos Papas, Kurt Schreiber und
Hermann Mertens, der sich kurz vor der zweiten Wanderung verletzte und
passen musste. Dafür stieß aus Berlin Jürgen Barz, Ex-Mitglied von »Insterburg
& Co.«, zu uns.
Wie bei jeder gefährlichen Expedition, das wissen wir aus TV-Berichten
vom Nanga Parbat, steht am Anfang die Planung der Basislager: Wir legten
dabei Wert auf Einzelzimmer mit ansprechender Gastronomie oder
angeschlossenem Brauhaus - Askese muss eben sein.
Und wenn schon, denn schon: Jakobsweg-Pins und große Muschelanhänger
(das Symbol der Pilger) fand ich unter www.pilgerandenken.de. - einen
eigenen Pilgerpass für die Eifel gibt es unter www.jakobsbruderschaft.de
in Solingen.
Bei den winzigen, silbernen Muschelanhängern habe ich allerdings etwas
gepfuscht und diese bei ebay im Shop »suratano« bestellt. Diese Muscheln
kamen aus einem tibetanischen Kloster - na ja, einer wie Jakobus hat
bestimmt nichts gegen den Dalai Lama einzuwenden.
Das erste Jahr
Und dann ging es los. Wir entschieden uns für die westliche Route, die
ab Blankenheim über Kronenburg, Prüm, Waxweiler, Neuerburg, Echternach,
Trier nach Schengen in Luxemburg führt. Unser Startpunkt sollte
Waxweiler sein, da keiner große Lust auf die optische Dauerbegleitung
zurückgelassener amerikanischer Militärpräsenz in der Schnee-Eifel beim
»Schwarzen Mann« verspürte.
Ein Tipp: Am ersten Wandertag sollte man unbedingt vor der Prümer
Basilika einen Stopp einlegen. Dort steht eine lebensgroße Jakobsstatue,
und wenn man einen so charmanten Griechen wie Stamos Papas dabei hat,
digitalisiert bestimmt eine vom Einkauf kommende Eiflerin ein
Erinnerungsfoto. Im nahen Pfarrhaus gibt es dazu einen prächtigen
Stempel in den Pilgerpass. Der Pfarrer führt übrigens akribisch Buch
über die Pilger, die in der Eifel unterwegs sind.
Etappe eins
:
Also Waxweiler als Start, auch wenn der Spanier da anderer Meinung ist
»El camino comienza en su casa« (»Der Weg beginnt in Ihrem Haus«). Unser
Haus war das Fremdenverkehrsbüro Waxweiler, den Stempel der Pfarre gab´s
als Aufkleber. Es goss in Strömen, und gleich zu Beginn mussten wir nach
Krautscheid
von 340 auf 520 Höhenmeter stapfen. Der alte Körper kommentierte das mit
»Ich kenne sonnige Gegenden im Flachland voller Liegestühle«. Nach 16
Kilometern über herrliche Höhenzüge erreichten wir pitschnass Neuerburg.
Geduscht und abgerubbelt legten wir noch eine Stadtbesichtigung drauf.
Nicht nur Burg und Kirche lohnen sich, auch die Lage der kleinen Stadt
ist wunderbar. Fazit des ersten Tages: Der Jakobsweg ist sehr gut
ausgeschildert (gelbe Muschel, die die Richtung anzeigt, auf blauem
Grund), man berührt kernige Eifeldörfer, die man auf einer rasanten
Autofahrt durch die Eifel nie gesehen hätte. Unsere erste
»Pilgerherberge« - ja, ja, ich weiß auch, dass dieses Wort so nicht ganz
zutrifft - war »Zur Stadt Neuerburg«. Der rührige Gastwirt Peter Welter
hatte gerade eine riesige Hochzeit gestemmt und zauberte uns aus
Übriggebliebenem ein wahres Festessen.
Etappe zwei:
Am
nächsten Tag regnete es, und wir verließen über die Enz und den
mörderisch steilen Kreuzweg die Stadt. Auf der Höhe tauchten wir in eine
schöne landwirtschaftliche Eifelflora ein, die uns abwechslungsreich
über zehn Kilometer nach Mettendorf führte. Hier übersprangen wir ein
kleines Stück per Auto, um gegenüber der »Echternacher Schweiz« in eine
wunderbare, fast unheimliche Felsenlandschaft einzutauchen, die früher
den Menschen sogar als Fluchtburg vor allerlei Gestrolche gedient hatte
- »Mystisches haftet diesen Felsen an« heißt es dazu in einer
Veröffentlichung. Als wir die Felsenlandschaft verließen, bildete die
römische »Villa rustica« in Bollendorf einen schönen Tagesabschluss - im
strömenden Regen natürlich. Das müde Pilgerhaupt fand im Gasthaus »Unter
der Burg« Ruhe - der Ausblick von den Zimmern auf die Sauer könnte nicht
schöner sein. Regionale Gerichte, die Namen in Eifeler Platt (»Fleesch
op Hövvelscher«) haben, verdrückten wir in der oberhalb gelegenen »Burg
Bollendorf«, und Hermann Mertens rief bei so manchem Glas Wein »Meine
Herren, wir sind nicht zum Vergnügen hier« aus.
Etappe drei:
Am
nächsten Tag - oh Wunder, es regnete nicht - erreichten wir entlang der
Sauer Luxemburgs älteste Stadt Echternach, wo wir am Grabe des heiligen
Willibrord - Pilger sind ehrlich: Es war bei einem Trappistenbier neben
dem Rathaus - für ein Jahr Abschied vom Eifeler Jakobsweg nahmen. »Frënn
vum Campino de Santiago de Compostela« stempelte man uns neben der
viertürmigen Basilika und Barockabtei in den Pilgerpass, während es
draußen wieder regnete: »So schlimm war es nun auch wieder nicht«,
murrte der alte Körper.
Das zweite Jahr
Ein Jahr später - der Körper meldete sich schon wieder: »Und was ist mit
dem Jakobsweg, hä?« Keine Frage, in diesem Jahr sollte das weitaus
längere Stück von Echternach über Trier und Konz nach Schengen anstehen.
Vorweg: In diesem Jahr schien die Sonne unentwegt.
Etappe vier:
Nach
einem kurzen Besuch beim heiligen Willibrord - das Trappistenbier war
diesmal vorher - ging es über die Sauerbrücke auf die deutsche Seite, wo
sich der Weg sehr bald auf die Höhe keuchte - mein Jakobus, hatte Jürgen
Barz einen Schritt drauf, während Kurt Schreiber, wohl einer der
erfahrensten Eifelwanderer, mit irgend einem Satelliten in Verbindung
stand und uns über jede Weggabelung und jeden Höhenmeter auf dem
Laufenden hielt. Über die Mündung der Prüm in die Sauer in Minden (nein,
nein, nicht in Westfalen) erstiegen wir das »Bitburger Gutland« mit
herrlichem Fernblick und schwarzen, unheimlichen amerikanischen Bombern
am Himmel. Nach 13 Kilometern war Welschbillig erreicht, wo die erste
»Herberge« im »Haus Jubelius« eine angeschlossene Metzgerei hat.
Sehenswert ist in diesem Ort mit Sicherheit der Dorfplatz, auf dem
zahlreiche Nachbildungen römischer Skulpturen zu sehen sind, die einst
in einem Dorftümpel gefunden wurden und deren Originale aus der Eifel
ins Museum nach Trier verschleppt wurden.
So sind sie nun mal, die raubenden Städter...
Etappe fünf:
Rund 20
Kilometer standen am nächsten Tag über Möhn, Kimmlingen, Butzweiler,
Lorich gen Trier an, wo man wegen der schroffen Felsen erst beim
Stadtteil Biewer den Abstieg von der Eifel ins Moseltal schaffen kann.
Der rund fünf Kilometer lange Weg zwischen Schnellstraßen,
Eisenbahnlinien, Schutzwänden und hin-und-wieder-Mosel bis zur
Kaiser-Wilhelm-Brücke ist wohl das unschönste Stück des Eifeler
Jakobsweges. Dafür erwartete uns in Trier tatsächlich eine echte
Pilgerherberge - wenn auch eine von der luxuriösen Art.
Wir fanden ein Nachtlager im Gästehaus der »Barmherzigen Brüder« neben
dem Krankenhaus. Der überaus freundliche Bruder Clemens-Maria, der wegen
seines Bartschnitts auch »Bruder Kuranyi« (»Ich hatte so einen Bart aber
früher«) genannt wird, wies uns durch klösterliche Gänge, vorbei an
Heiligenstatuen und Türen, hinter denen man Mönchsgesänge hörte, den Weg
zu unseren Zimmern. Von dort blickte man in einen Klosterpark. Der Abend
gehörte einer Weinschenke, direkt gegenüber dem Dom.
Etappe sechs:
Mit
jeder Menge Trier - vom Dom über die Porta Nigra, diverse Kirchen,
Paläste, Parks und Thermen (das Karl-Marx-Haus kannten wir aus längst
vergangenen, bewegten Tagen) - verließen wir nach einem Besuch der Abtei
St. Matthias mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen die
Moselmetropole. Bis Konz ging es - diesmal mit schönstem Flussblick,
auch wenn hier Auto und Zug nicht weit waren - immer an der Mosel
entlang, um schließlich nach Überquerung der Saar-Mündung wieder einsame
Wald- und Feldwege zu erreichen. Höhepunkt - »wie wahr, wie wahr«,
stöhnte der alte Körper, »was für eine Höhe dieser Punkt!« - war bei
Tawern die Rekonstruktion eines römischen Tempelbezirks mit weitem Blick
über die Mosel bis nach Trier. Nach 24 Kilometern war an diesem Tag eine
echte Belohnung in Mannebach im »Brauhaus« von Hans-Günter Felten
angesagt. Der Besitzer ist eine echte Type, von der man leider nicht
mehr so viele findet. Er hat über ewige Zeiten von Älteren,
Kirchenbänken, Tischen, Stühlen bis zu Betten und Schränken den
Flohmarkt in Tongern leer gekauft und damit sein Brau- und Gasthaus
ausgestattet. Jedes Zimmer ist anders und trägt den Namen einer
Nachbargemeinde. Von Dorffeindschaft also keine Spur - Kalterherberger
und Mürringer würden sich freuen. Doch damit nicht genug: Der Mann braut
noch Bier selbst und destilliert seinen eigenen Whisky. Dazu gibt es
richtig uriges Essen und - ich konnte es kaum fassen, fasste dann aber
gewaltig zu - dicke Bohnen als Beilage. »Der Abend war ein langer, und
alle wurden schwanger« hatten Jürgens Insterburger vor Urzeiten mal
getextet: Schwanger wurde an diesem Abend keiner, aber…. auch dafür
dürfte der heilige Jakobus Verständnis haben, denn immerhin ist bei
jeder Darstellung des Apostels auch eine Trinkflasche abgebildet.
Etappe sieben:
Am
nächsten Tag verließen wir den Jakobsweg, um über den Berg und einen
Philosophenpfad - oder hieß es Vielgesoffen-Pfad? - nach Saarburg zu
wandern. Immerhin erweckt eine Stadt, in deren Mitte sich ein hoher
Wasserfall befindet, doch ein wenig die Neugierde. Zurück in Mannebach -
Du sollst nicht lügen: Das war mit einem Taxi - fuhren wir dann den
restlichen Jakobsweg bis Schengen mit dem Auto ab - stellenweise mit
einer grandiosen Aussicht auf die Flusstäler von Mosel und Saar, hinüber
in unsere Eifel, gen Hunsrück, nach Luxemburg und Frankreich. Von dort
grüßte ein Kernkraftwerk…
Nach einer höchst privaten Besichtigung der römischen »Villa Borg« im
Archäologiepark Perl-Borg - montags geschlossen, wir waren einfach durch
ein offenes Tor geschlüpft - erhielten wir direkt neben dem durch
Vertragsunterschriften berühmt gewordenen Schengener Schloss in
Luxemburg den letzten Jakobsweg-Stempel in den Pilgerpass.
»Und wohin geht es nun im nächsten Jahr?«, fragte der alte Körper.
Das kam mir dann doch recht spanisch vor….
von
Hubert vom Venn
....... eingesandt per eMail vom 30. August 2008

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"Der
Weg, auf dem so viele Türen offen stehen"
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Der
Jakobsweg |
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Nüchtern betrachtet
ist der durch Nordspanien führende Jakobsweg ein eher zweitklassiger
Wanderweg, sagt Daniel Herbst, der ihn im September/Oktober 2006
pilgerte. Doch wer ihn wirklich läuft, wird als ein anderer ankommen als
da startete, denn dieser Weg »löst« – und hier kann man sich finden.
Du brichst
morgens auf. Bei jedem Wetter. Du läufst, so weit dich deine Füße
tragen. Im Verlauf des Tages erreichst du einen dir unbekannten Ort. Da
steht dein Bett für die nächste Nacht. So geht das jetzt Tag für Tag. Du
wirst auf einem Weg unterwegs sein, den schon Millionen Menschen vor dir
gelaufen sind – seit dem frühen Mittelalter. Einen Weg, der manches Mal
fast in Vergessenheit geraten ist. Er lebt, solange es Menschen gibt,
die einen Sinn darin sehen, auf ihm zu pilgern. Es ist ein Pilgerweg.
Der Camino de Santiago – der Jakobsweg.
Dieser Weg beginnt direkt vor deiner Tür. Von überallher kommend, laufen
die Wege zusammen. Wenn du spanischen Boden unter den Füßen hast,
befindest du dich entweder auf dem Navarrischen (klassischer Start in
St. Jean-Pied-de-Port bzw. in Roncesvalles) oder dem Aragonesischen Weg
(klassischer Start am Somportpass bzw. in Jaca). 150 oder 200 Kilometer
später, in Puenta la Reina, vereinigen sich diese beiden aus Frankreich
kommenden Wege zu einem – zu dem Weg. Von dort sind es noch 650
Kilometer bis nach Santiago de Compostela. 650 Kilometer Zeit für dich.
In der Kathedrale von Santiago sollen die Gebeine des heiligen St.
Jakobus in der Gruft unter dem Hochaltar ruhen. Wie seine sterblichen
Überreste dort hingekommen sind, und ob er tatsächlich einer der
leibhaften Jünger von Jesus war, darum ranken sich die Legenden wie
einst die Dornenhecken um Dornröschchens Schloss. Ich habe jedenfalls
niemanden getroffen, für den das ein entscheidendes Kriterium gewesen
wäre, um sich auf den Weg zu machen. Der Jakobsweg hat viel mehr
Potential: Er ist durch die vielen Sucher, die auf ihm gelaufen sind,
etwas Besonderes. Jedem, der sich mit Leib und Seele auf ihn begibt,
bietet er die Möglichkeit, den Zusammenhang zwischen der inneren und der
äußeren Welt für sich selbst zu entdecken. Damit ist der Jakobsweg in
erster Linie ein kontemplativer Weg und erst in zweiter Linie ein
Wanderweg.
Zeitsparwahn
Was zählt, ist, sich auf den Camino (spanisch für »Weg«) und all seine
Unwägbarkeiten einzulassen. Wer von einem mittelalterlichen Weg und
einer Atmosphäre wie in »Im Namen der Rose« träumt, wird schwer
enttäuscht. Nein, gut die Hälfte des Weges ist landschaftlich völlig
uninteressant, und immer wieder geht es für etliche Kilometer an mehr
oder weniger befahrenen Straßen entlang.
Der Weg verläuft nicht durch – und führt auch nicht zurück in – eine
»Heile Welt«. In der Nähe von Logroño wird er sogar zwischen der
Autobahn und der Landstraße eingeklemmt. Dann zischen bunt lackierte
stählerne Pfeile auf brettgeraden Pisten an den Pilgern vorbei. Hier
wird überdeutlich, wie sehr es in unserer »zivilisierten Gesellschaft«
darum geht, Zeit zu »gewinnen«. Die Zeit erscheint uns als so kostbar
wie nie zuvor. Paradoxerweise befinden wir uns deshalb immer seltener in
der Gegenwart.
Obwohl der Zeitsparwahn den Camino mancherorts in die Enge getrieben
hat, verläuft er außerhalb der Zeit. Gerade wenn uns die Hektik von
jenseits des Weges befallen und mit sich reißen will, können wir den
Boden unter den Füßen spüren. Statt auf dem Zeitstrahl ins Nirgendwo zu
schießen, lädt uns der Jakobsweg ein, das falsch verstandene Zeitgefüge
für diesen Augenblick zu vergessen. Dann können sich die Eindrücke
vertiefen. Dann wird das, was gerade ist, zum Wichtigsten im Leben.
Freude wird wieder möglich, und das Glück stellt sich ganz von alleine
ein…
Gehen, um sich zu
klären und zu (er)lösen
Die meisten, die heute den Jakobsweg gehen, sind im althergebrachten
Sinne kein Pilger mehr. Der moderne Pilger sieht sich nicht mehr einer
strafenden und alles beherrschenden Kirche gegenüber. Es geht nicht mehr
darum, sich durch Bußübungen einen Ablass von den Sündenstrafen zu
verschaffen. Es geht nicht mehr darum, dem Fegefeuer zu entkommen und
sich rein zu waschen. Und das Begehen des Jakobsweges ist auch kein
lebensgefährliches Unterfangen mehr. Nein, wer auf den Jakobsweg geht,
tut das aus freien Stücken – und das ist wunderbar! Schließlich lässt
Gott sich nur in aller Freiwilligkeit entdecken. Vielen Laufenden geht
es »einfach nur« darum, das eigene Leben zu klären, und zur Klärung des
eigenen Lebens ist Gott nur dann notwendig, wenn es sich so zeigt. Der
Camino ist also zuallererst ein Weg, den Menschen »auf sich nehmen«, um
sich über entscheidende Dinge klar zu werden. Was das jeweils ist, hängt
vom Einzelnen ab. Tausend Menschen – tausend Motive. Aber: Tausend
Menschen und eine Intention: Klarheit und Erkenntnis. Die kollektive
Sehnsucht ist, zu sich zu kommen.
Der Jakobsweg bietet sich uns im aufgeklärten Hightech-Zeitalter auf
ganz neue Weise an: Er lädt uns ein, uns von und aus allem zu lösen, was
gelöst werden kann und der (Er-)Lösung bedarf. Von hier aus, immer
weiter. Du folgst einfach deinen Füßen und lässt die Gedanken gehen. Der
Camino lebt, weil er der Sehnsucht nach einem ungekünstelten und
einfachen Dasein Ausdruck verleiht: dich und die Natur auf ganz neue
Weise zu erleben. Hunger haben, Kraft spüren, Erschöpfung fühlen,
Menschen begegnen – und immer weiter laufen, ob du willst oder nicht.
Entscheidend ist einzig, unterwegs zu sein.
Übrigens: Wer sagt, der Jakobsweg sei überlaufen, der ist ihn noch nicht
oder zur falschen Zeit gelaufen! Wer zu wissen glaubt, was auf ihn
zukommen wird, dem kann der Weg nichts sagen. Obwohl der Jakobsweg
(»Ach, der… !«) bekannt zu sein scheint, erschließt er sich erst während
des Laufens – von innen heraus und auf einmalige Weise. Der Weg, den du
gehen wirst, ist noch nicht gegangen worden. Wenn du dich mit allem, was
du gerade bist auf ihn begibst, schenkt er dir alles, was du zum
jetzigen Zeitpunkt in Empfang nehmen kannst. Denn Geben und Empfangen
sind ein und dasselbe. Goethe formulierte es so: »Es hört doch jeder nur
das, was er versteht.« Das wird hier überdeutlich.
Ich will!
Um den
Jakobsweg wirklich zu gehen, braucht es eine Entscheidung: »Ich will!
Ich will eine unmittelbare Erfahrung machen. Ich will das Unentdeckte
entdecken. Was auch immer es ist!«. Du könntest deine freie Zeit auch
anders nutzen und dir, statt deine Blasen zu verarzten, etwas »gönnen«:
Urlaub machen, relaxen, feiern oder exotische Orte besuchen. Du könntest
viel dafür tun, um dir selbst nicht auf die Spur zu kommen…
Der Camino kann dein Leben im »Schnelldurchlauf« sein. Eben weil hier
alles einen Schritt nach dem anderen geht. Eben weil hier gesehen werden
kann, was sonst im Strom der Gedanken und Bilder untergeht. Wenn du da
bist, wo deine Füße sind, entschleunigt sich dein Leben. Dabei verändert
sich alles – ständig. Aber nicht hektisch. Nicht aufgeregt und wirr,
sondern stetig, natürlich und wie von selbst. Vielleicht so, wie eine
Blume aufgeht.
Landschaften wechseln sich ab, Gerüche, Empfindungen, Gedanken. Alles
wird langsame und intensiver. Du hörst auf, dich nach dem Kick zu
sehnen. Du brauchst keinen Kick mehr. Du bleibst hier und entdeckst
diese unglaubliche Schönheit. Sie liegt im stetigen Wandel. Er ist hier
und begleitet dich. Buen camino – und willkommen zu Hause!
Das Leben
ist ein göttliches Projekt
26.09.06
– Unter mir liegt ein Kettenraucher und Schnarcher aus Südtirol.
Natürlich ist auch er ein göttliches Wesen. Trotzdem hoffe ich, dass
sein immer wieder aussetzender Atem nicht wieder einsetzt. Zumindest
nicht auf diese raumfüllende Weise.
4:40 Uhr. Statt zu schlafen, sitze ich am Place de Jaca, direkt am Fluss
Aspe. Die Straßenlaternen machen den Platz zum einzig hellen Ort in
Oloron zu dieser Zeit. Der Südtiroler hatte den letzten Bus nach Col du
Somport verpasst. Sonst hätten wir alle eine wunderbare und erholsame
Nacht gehabt. Nichts zu machen. Es sollte nicht sein.
Ich schlendere durch das dunkle Oloron, den Hügel hinauf zur Kirche St.
Croix, atme eine Luft, die mir unbekannt ist und kehre kurz nach halb
sechs mit Croissants in die Herberge zurück. Alle schlafen noch, und der
Schnarcher schnarcht nicht mehr. Im Schein einer kleinen Funzel setze
ich Wasser auf.
Laura, die mit Gott verheiratet und seit mehr als drei Monaten unterwegs
ist, macht sich bemerkbar. Sie weiß, dass sie sich in Gottes Hand
befindet und genießt das. Eine hübsche, sehr lebendige Italienerin, die
mir Bilder von Mutter Theresa und Amma zeigt. Niemand ist ihr Vorbild.
Sie lebt so, wie sie es versteht, verzückt von ihrer unbedingten Liebe
zu Gott. Sie liebt die Menschen, aber diese Liebe hält sie nicht davon
ab, aus ihrem Leben einen ständigen Gottesdienst zu machen. Auf eben
diese Weise verbringt sie es: Was auch kommt – sie heißt es willkommen:
»Danke Gott!« Das Croissant von mir hebt sie in die Luft und sagt »Thank
you, God«. Nicht ernst, nicht albern, sondern fröhlich. Dasselbe hätte
sie auch mit einem alten Stück Brot getan. Viele Leute, erzählt sie mir,
würden nicht verstehen, dass sie sich nicht zuerst bei ihnen bedankt.
Mir wäre es recht, wenn sie sich für das Croissant nur bei Gott bedankt,
sage ich ihr. Was für eine Erleichterung!
Wir frühstücken im Halbdunkeln und kommen zu dem Schluss, dass das Leben
ein »Divine project« ist, ein göttliches Projekt. Laura erzählt von dem
polnischen Schafhirten, den sie in Assisi getroffen und mit dem sie eine
Zeit zusammen verbracht hat. Seit er seine Schafherde aufgegeben hat,
zieht er um die Welt und spielt Krishna zum Dank unablässig die Flöte. »Beautiful
man«, strahlt Laura, »so simple«. Auf dem Weg nach Sarrance treffen wir
uns wieder und gehen die letzten zehn Kilometer gemeinsam. Wer an die
Gesetze des Marktes glaubt und ihnen alles unterwirft, wie z.B. ein
Börsenmakler, der wird niemals einen gottergebenen Menschen treffen. Und
wenn er doch einen trifft, wird er ihn nicht verstehen. Ein vor Liebe
einfältig gewordener Mensch, der Krishna zum Gefallen die Flöte spielt,
das ist kein Märchen aus der Bhagavad Gita. Es passiert immer wieder.
Natürlich gibt es heute mehr Börsenmakler als solche verzückten
Flötenspieler. Ihre Geschichten bestimmen die Welt derer, die immer nur
vom Gewinnen träumen.
Schnecken, die den Tag begehen
5.10.06 – Ich laufe jetzt erst los. Ja! Das ist mein Gefühl. Es ist
unglaublich gut, hier zu laufen. Tagesanbruch. Links Paprikafelder.
Rechts säumt Fenchel den Wegesrand. Darin zigtausende von Schnecken, die
Halme umfassend, sich küssend und zu Knäueln verschlingend. Ich bleibe
stehen. Muss stehen bleiben und mir anschauen, was ich noch nie gesehen
habe. Was für eine Zeremonie! So begehen Schnecken hier den Tag. Wenn
ich nicht wüsste, dass das Schnecken sind, könnte ich diese Wesen auch
für hochkommunikative, äußerst intelligente Wesen halten. Ja, weiß ich
denn, was Schnecken sind? Während ich sie nur von außen sehe, erkennen
sie sich. Beschwingt gehe ich weiter, immer weiter.
Weit vorne taucht ein Rucksack auf. Später noch einer, und dann noch
einer. Von Trampelpfad keine Spur. Ich laufe durch dieses wunderschöne
navarresische Land. Vorbei an kleinen Ortschaften wie Cirauqui, die sich
malerisch in die Landschaft fügen, ja fast zärtlich in sie einschmiegen.
Die kleinen Städte sind die »Schmelztiegel«. Nur hier wird
offensichtlich, dass immer noch eine ganze Menge Pilger unterwegs sind.
Draußen »vor den Toren der Städte« bin ich mit mir und der Natur allein
– wenn ich will. Außerdem ist es schön, hier und da ein Gesicht zu
sehen.
Nach einem wunderschönen Tag komme ich in der von Bergen umgebenen Stadt
Estella an. Einem spanischen Sprichwort nach sieht man Estella erst,
wenn man dort angekommen ist. Das ist wirklich so. Erst als ich die
Stadt betrete, hört sie auf, sich hinter den Bergen vor mir zu
verstecken.
Die menschliche
Zivilisation
Jetzt
sitze ich auf einer Verkehrsinsel. Absichtlich – mitten in der Stadt.
Mein Rucksack steht schon ans Doppelstockbett gelehnt, die Stiefel habe
ich gegen Sandalen getauscht. Ich bin geduscht und habe den Durst und
den Hunger versorgt. Und jetzt sitze ich hier und schaue mir an, wie
sich die Autos im Kreis drehen. Hierum, darum, bremsen, Gas geben und
das Hupen nicht vergessen. Es ist laut, und es stinkt. Schräg gegenüber
fällt Bauschutt durch ein am Gerüst befestigtes Plastikrohr. Es staubt.
Das passt alles wunderbar zusammen. Es gefällt mir nicht. Aber wo es so
ist, da gibt es auch einen Supermarkt, eine Herberge, eine Apotheke –
eben die Zivilisation. Das, was wir aus uns gemacht haben. Einen
verrückten, nur scheinbar wohlgeordneten, neurotischen Haufen. Und so
sind wir zu merkwürdigen, sehr komplizierten Wesen geworden. Zu Wesen,
die sich selbst nicht mehr verstehen. Den Zauber der sich liebkosenden,
selbstvergessenen Schnecken brauche ich hier nicht zu suchen. Tue ich
auch nicht.
Vielleicht werde ich das jetzt öfters tun: das Gewimmel auf mich wirken
lassen. Es riechen und hören und sehen. Einfach so. Ohne involviert zu
sein und ohne es verstehen zu wollen. Ich glaube, wer die Welt verstehen
will, der wird verrückt. Wer hingegen die Natur für sich entdeckt,
lernt, sich selbst zu verstehen und wird wieder normal. Ich gehe jetzt
weiter – zum Supermarkt!
Sehnsucht nach echten
Verbindungen
24.10.06 – Nieselregen. Viele schöne Menschen sind hier auf dem Weg. Ja
– viele. Und die Dummköpfe, die Touristen, die Lauten, die Anhängsel –
wie überall. Aber da sind auch sehr viele schöne Menschen. Zutiefst mit
dem Leben verbundene Männer und Frauen.
Mir wird immer klarer, wie viele Menschen sich nach Stille und
wirklicher Freude sehnen. Gleichzeitig haben wir Angst davor: Die Angst,
ohne das mit der Muttermilch aufgesogene und automatisch ablaufende
Sozialisierungsprogramm lebensunfähig zu sein. Schließlich ist das
Programm die Brücke, die den Konsens aufrechterhält. Die scheinbare
Verbindung von einem Ich zu einem Du. Echte Verbindungen brauchen so
etwas nicht. Und viele Menschen sehnen sich danach, echte und damit
kosmischere Verbindungen einzugehen.
Der Kosmos arbeitet anders. Er ist frei, sich so zu geben wie er ist.
Und er ist so, wie er sich zeigt. Einmalig, immer neu, sich selbst
vollkommen unbekannt. Immer offen dafür, dass sich »die Dinge« – und
damit er selbst – verändern. Der Camino offenbart etwas davon.
Einerseits vorgegeben, andererseits vollkommen offen. Welche
Konstellationen sich auf dem Weg ergeben, das weiß niemand. Wem ich wann
und warum begegne, ob wir uns wiedersehen oder nicht und wie es dann
sein wird – all das wissen wir nicht. Dafür gibt es glücklicherweise
keine Möglichkeit der Vorhersage. Es ergibt sich aus dem Unterwegssein
und durch eine Sprache, die so offensichtlich ist, das wir kaum noch in
der Lage sind, sie zu verstehen: durch Anziehung.
Ich habe in den gut vier Wochen, die ich jetzt unterwegs bin, mehr als
zehn Menschen getroffen, denen ich wirklich begegnet bin. Das ist
ungeheuer viel. Möglich wird das auch dadurch, dass es auf dem Camino
keine Zeit gibt »sich kennen zu lernen«. Entweder jetzt oder vielleicht
gar nicht. Der Augenblick steht über der Vernunft. Es unterliegt nicht
mehr alles dem Diktat des Verstandes. Das ist, was der Camino lehren
kann: Das Leben so zu begreifen – als gerade gegenwärtige Möglichkeit.
Ob sie wiederkommt, egal. Entscheidend ist, was jetzt »geht«.
Angekommen
4.11.06 – Ich bin glücklich. Ich bin erschöpft und zutiefst zufrieden.
Ohne Plan. Da ist kein Stolz, kein Gefühl, es geschafft zu haben –
nichts. Nur da liegen und die sich langsam in der wärmenden Sonne
auflösende kühle Frische genießen. Irgendwann ziehe ich mich wieder an
und laufe die letzte halbe Stunde im Gegenlicht der Abendsonne barfuß am
Strand entlang. Mit Rucksack auf dem Rücken sammle ich Muscheln. Jedes
Mal zieht es mich tief runter, wirft mich fast um – egal. Es gibt da
Muscheln, die jetzt aufgehoben werden wollen. Nicht morgen, nicht
irgendwann. Jakobsmuscheln!
Fisterre war die richtige Entscheidung. Erst jetzt wird mir wirklich
klar, was für eine tiefe Symbolik darin liegt, einen über tausend
Kilometer langen Weg am Meer zu beschließen. Danke! Danke für alles!
Danke, dass mich ein tiefer, klarer Impuls auf den Weg gebracht hat.
Alles ist – ist neu. Neu, wie immer. Weil es ist und noch nicht war! Der
Camino ist eine unmittelbare Erfahrung. Er macht das ohne Worte klar.
Die Tagebucheintragungen in diesem Bericht sind dem neuen
Buch von Daniel Herbst
»Und jetzt geh ... «, ISBN 978-38334-68650 entnommen.
Der Weg, auf dem so
viele Türen offen stehen
eingesandt im Februar 2007 per eMail vom
Daniel Herbst

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Von Alicante nach Avila |
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Camino del
Sureste und weiter auf dem Camino Levante |
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Hallo Pilger auf dem Weg nach Santiago.
Wir sind den Weg von Alicante nach Avila im April 2007 gepilgert.
(Camino Sureste bis Albacete, dann auf dem Camino Levante)
Nach zweimaligem mailen und schreiben an Asociacion „Amigos del Camino
de Santiago de Alicante“ bekamen wir nie eine Rückmeldung, geschweige
den genannten Führer.
Wir
machten uns trotzdem auf den Weg mit Informationen aus dem Netz.
Eigentlich erhofften wir mit den vielen beschriebenen Alberguen auf dem
Weg, sollte es mit Übernachtungen kein Problem sein. In Wirklichkeit
kann nicht von Alberguen gesprochen werden, das sind bestenfalls
Notunterkünfte. Wenn du Glück hast, ist in so einem Loch noch fließendes
Rostwasser, geschweige Duschen oder Betten. An Wochenenden nützt auch
telefonieren nichts, da kannst du 20 x anrufen, da nimmt niemand ab. In
kleinen Orten kannst du dich durchfragen nach Schlüssel oder Ort der
Herberge, in grösseren Orten kann dir nicht mal die Polizei weiterhelfen
(keine Ahnung), oder du kannst bis 21.00 Uhr vor der Herberge warten bis
jemand mit dem Schlüssel kommt. Nach Etappen von 30-40 km eine ganz
harte Erfahrung. Apropos Polizei, auf diesem Weg sind wir zum ersten Mal
auf unseren Wegen nach Santiago von der Polizei angehalten worden, die
eine Personenkontrolle an uns durchführte. Da waren wir näher an
Landstreicher als an Pilger.

Auf diesem Weg bleibt dir nichts anderes übrig als auf Hotels, Hostals
auszuweichen. Die sind natürlich nicht für jedes Pilgerbudget ausgelegt.
Doppelzimmer 20 bis 71 Euro, oder so im Schnitt 45 Euro. Alternative
wäre ein Zelt aber nicht in dieser Jahreszeit, fast jeden Abend Gewitter
oder Schauer und sehr kalt.
Die Beschilderung durch die La Mancha ist sehr heikel, so wie auf dem
Bild ist es natürlich kein Problem. Manchmal fehlen die Pfeile gänzlich,
oder sie sind sehr unglücklich angebracht, oder dann fast nicht mehr
sichtbar, und du kannst dich nur noch auf dem sehr gut ausgeschilderten
alle 333 m ein Wegweiser (fast wie die km Steine in Galizien) auf der
Rute de Don Quijote orientieren. Leider ist dieser Weg aber nicht
durchwegs markiert. Ein Barbesitzer erklärte uns, als wir nach dem Weg
fragten, der Camino sei in Galizien hier gäbe es nur die Rute de Don
Quijote, basta. Ab der Provinz Castillien Leon ist die Beschilderung
ausgezeichnet. Da kannst du dich kaum verlaufen.
Bei Regen so wie wir es sehr oft am Abend hatten, sind viele
beschilderte Pfade oder Feldwege kaum zu begehen. Da bleibst du einfach
im Schlamm kleben. Dir bleibt nichts anderes übrig als auf die Strasse
aus zu weichen. Hoffentlich ist es Sonntag, da hast du weniger
Lastwagenverkehr, ansonsten ganz brutal anstrengend.
In
den 3 Wochen unterwegs gab es natürlich auch sehr schönes das wir
erlebten. Ausgezeichnetes Essen, liebe hilfsbereite Menschen, so ab
Toledo wunderschöne Gegend, für uns selber eine grosse Herausforderung
in körperlicher wie physischer Art.
Allen die diesen Weg planen oder gehen „Bon Camino“ ihr werdet Jakobus
in fast jeder Kirche oder Kappelle als Pilger oder Matomoro antreffen.

Die Etappenplan:
Camino del
Sureste: Alicante – Albacete weiter auf dem Camino Levante:
nach Avila
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Sa. 31. 03. 07 |
Alicante |
Novelda |
37 |
Hostal 40 € DZ |
|
So. 01. 04. 07 |
Novelda |
Villena |
36 |
Hotel 52 € DZ |
|
Mo. 02. 04. 07 |
Villena |
Yecla |
24 |
Hotel 50 € DZ |
|
Di. 03.
04. 07 |
Yecla |
Montealegre del
Castillo |
30 |
Hostal 46 € DZ |
|
Mi. 04. 04. 07 |
Montealegre del
Castillo |
Pétrola |
24 |
Alberge (Spende) |
|
Do. 05. 04. 07 |
Pétrola |
Chinchilla |
25 |
Hostal 38 € DZ |
|
Fr. 06. 04. 07 |
Chinchilla |
Albacete |
16 |
Hostal 42 € DZ |
|
Sa. 07. 04. 07 |
Albacete |
La Roda |
35 |
Alberge(Spende) |
|
So. 08. 04 .07 |
La Roda |
San Clemente
(+ 10 Km
Umweg) |
43 |
Hostal 40 € DZ |
|
Mo. 09. 04. 07 |
San Clemente |
Pedroneras |
25 |
Hostal 42 € DZ |
|
Di. 10. 04. 07 |
Pedroneras |
El Toboso |
27 |
Hostal 30 € DZ |
|
Mi. 11. 04. 07 |
El Toboso |
Villacania |
37 |
Hotel 60 € DZ |
|
Do 12. 04. 07 |
Villacania |
Tembleque |
20 |
Hotel 70 € DZ |
|
Fr. 13. 04. 07 |
Tembleque |
Mora |
25 |
Hostal 40 € DZ |
|
Sa. 14. 04. 07 |
Mora |
Toledo |
38 |
Pension 20 € DZ
|
|
So. 15. 04. 07 |
Toledo |
Besichtigungstag |
|
Ruhetag20 € DZ |
|
Mo. 16. 04. 07 |
Toledo |
Torrijos |
35 |
Hotel 71 € DZ |
|
Di . 17. 04. 07 |
Torrijos |
Escalona |
32 |
Hostal 30 € DZ |
|
Mi .18.
04. 07 |
Escalona |
San Martin de
Valdeiglesias |
29 |
Hotel 55 €
DZ |
|
Do.19.
04. 07 |
San Martin de
Valdeiglesias |
Cebreros |
20 |
Hotel 64 €
DZ |
|
Mi. 20.
04. 07 |
Cebreros |
Avila |
37 |
Hostal 30 € DZ |
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20Tage |
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595 |
|
pro Tag 29.8 km
Auf
diesem Weg trafen wir Friedel ein Pilger aus Deutschland, Jacqueline und
Jacques aus Kanada, und Asi und Claude aus Frankreich. Es war schön euch
zu treffen, und wir denken oft an Euch.
Auf
dem
Camino del
Sureste: Alicante – Albacete
weiter auf dem Camino Levante:
nach Avila
eingesandt im Mai 2007 von Heidi und Sepp Dudli

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Kinzigtäler
Jakobusweg |
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Warum in die Ferne pilgern, wenn der schöne Kinzigtäler Jakobusweg liegt
so nah!
-
von
Arno
Ritter |
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Mein Pilgerweg begann in
Loßburg (bei Freudenstadt im Schwarzwald) am
Jakobusstein
in der Nähe der Jakobuskirche im April 2011.
Der Jakobusweg führte zur Kinzing hinunter. Ein Pilger weiß, dass der
Muschelkopf nach Santiago de Compostela zeigt und somit kommt vorher
noch Offenburg, wo ich hinwollte. Über einen schmalen Pfad wanderte ich
talwärts. Mit Vogelgezwitscher, Sonnenschein und frischem Grün zeigte
sich der Frühling von seiner besten Seite. An alten Bauernhöfen führte
der Pilgerweg im Tal entlang.
Bald erreichte ich Alpirsbach
und nahm an einer Klosterführung teil. Das über 900 Jahre alte ehemalige
Benediktinerkloster beeindruckt mit dem roten Sandstein auch noch heute
die Besucher. Wir gingen durch die
dreischiffige Säulenbasilika in
romanischer Bauweise mit noch gut sichtbaren Fresken in den halbrunden
Nischen im Hauptchor. Über eine Treppe gelangten wir in die Schlaf- und
Aufenthaltsräume der Mönche und weiter in den
gotische Kreuzgang aus dem 15. Jh.
In den
Obergeschossen besichtigten wir die Wohn- und Diensträume des Abtes. Das
Kloster wird noch heute von der evangelischen und der katholischen
Gemeinde benutzt.
Glauben heißt: Ein
Leben lang unterwegs sein zu Gott (Peter Friebe).
Die Mönche hatten das schon lange entdeckt. Zurück in der sonnigen
Gegenwart ließ ich bei einer Tasse Kaffe die Eindrücke nachwirken.
Stadtauswärts führte der Weg wieder durch Wald und Feld auf die Höhe
hinauf, um dann die Sicht auf Schenkenzell
und die Barockkirche St. Ulrich freizugeben. In der Pension Müller fand
ich in Schenkenzell
direkt am Jakobusweg eine günstige Übernachtung.
2. Tag: Am Morgen holte ich mir einen Stempel für meinen Pilgerpass in
der Touristeninformation ab. Das freundliche Personal gab mir noch
nützliche Informationen mit auf den Weg. Es war zwar sehr frisch, aber
die Sonne schien vom blauem Himmel. Ideal für einen Aufstieg auf 815 m.
Teilweise war der berühmte Hansjakobweg identisch mit dem Jakobusweg.
Hansjakob hat hier im Kinzigtal als herausragende Persönlichkeit seine
Spuren hinterlassen.
Nun stand ich vor dem ehemaligen Klarissenkloster in Wittichen. Die
Klosterkirche ist wegen der seligen Luitgard (Gründerin des Klosters
1324) zur Wallfahrtskirche geworden. Der „Langbau“ steht quer im engen
Tal und muss für den Bach, die Straße und für den Fußweg Durchgänge
lassen.
Ich verließ das Tal der Kleinen Kinzig und strebte aufwärts. Nach einer
Rast an der „Salzlecke“ folgte bald St. Roman mit der Wallfahrtskirche
(15.Jh.). Die Wallfahrt zum hl. Romanus ist sehr alt. Im
Gasthaus Adler legte ich, nicht nur weil hier auch
Hansjakob eingekehrt war, eine Kaffeepause ein. Jetzt ging es nur noch
bergab an Bauernhäusern vorbei bis ins Kinzigtal.
Wer
alleine unterwegs ist, hat Zeit zum Nachdenken. „Mensch erkenne dich
selbst“ heißt es schon bei den Alten Griechen. Doch das ist schwer.
Besonders die negativen Seiten will man nicht wahr haben. Eine Hilfe
könnte das Enneagramm sein (siehe
www.enneagramm.de). Die Menschen lassen sich grob in neun Gruppen
einteilen, wobei keine Gruppe schlechter oder besser ist, nur anders.
Die eigene Gruppe zu finden ist nicht so leicht, doch dann kann es
hilfreich sein, seine Lebensbahn zu verbessern. Die Einteilung ist nicht
auf immer festzementiert, die Grenzen lassen sich verschieben.
Meditation auf dem Pilgerweg bietet sich dazu an.
Das leichte Gehen an der Kinzig hatte bald
übers „Vogtsbächle“
ein Ende, weil die
Wallfahrtskirche St. Jakob wieder oben lag. Danach erblickte ich bald
Wolfach im Tal und die letzten Kräfte wurden mobilisiert, es ging ja
abwärts. Drei Wallfahrtskirchen an einem Tag, das war ja eine reine
Wallfahrt. Mehr Wallfahrtskirchen pro Tag gibt es auf dem Jakobsweg in
Spanien auch nicht.
Im Kurgarten-Hotel
www.kurgarten-hotel.de wurde ich als Pilger sehr freundlich zu einem
angemessenen Preis aufgenommen. Wolfach ist als beliebte Urlaubsgegend
nicht gerade billig.
Ein
letzter Bummel durch die Altstadt und ich fand in einem Restaurant meine
Lieblingsspeise „Teigwaren“, denn die sorgen als Kohlehydratspender für
Kraft beim Wandern. Mit 22 Kilometer und fast 600 Hm durfte man schon
etwas müde sein, schließlich bin ich Jahrgang 39.
Alt sein können hält jung, jung sein wollen, macht alt (unbekannter
Autor).
3.Tag: Im Kurgarten-Hotel gab es Frühstücksbüfett – was will ein Pilger mehr!
Gut gestärkt zog ich bei sonnigem Wetter durchs Städtle bis
zum Rathaus, um
dann über die Kinzig bergauf das Tal zu verlassen. Dabei heißt der Weg:
Kinzigtäler, obwohl es immer wieder in die Berge ging. Doch in der Höhe
boten sich schöne Ausblicke auf das Kinzigtal mit den
umliegenden Bergen. Vogelgesang, frisches Grün und Blumen auf den Wiesen
zauberten eine Frühlingsstimmung herbei.
Der
Weg zu allem Großen geht durch die Stille (Friedrich Nietzsche).
Der Wald öffnete sich und unter mir lag das
Gasthaus
Käppelehof
mit der
Wendelinus-Kapelle. Auf bequemem Weg ging es weiter
abwärts mit schöner Aussicht nach Hausach.
Durch das Zentrum kam ich an den Ortsrand zur Dorfkirche (11.Jh.) mit
St. Rochus. Besonders interessant ist das romanische Tympanon mit dem „Segenstürlein“.
Im 16. Jh. wurde die Kirche im gotischen Stil umgebaut.
Heute folgte ein zweiter Aufstieg am
aussichtsreichen Hangweg
bis zum Bannstein
um wiederum 300 Hm. Der alte Bannstein gab den
einheimischen Bewohnern ein Nutzungsrecht für das Gelände.
Auf
der Höhe kam wieder ein Abgang nach Mühlenbach hinunter. Bequem gelangte
ich talwärts auf dem Jakobusweg
nach
Haslach.
Vom
Reichtum (Silbererz) ist heute nur noch eine romantische Altstadt mit
Fachwerkhäusern übriggeblieben.
Wie heißt es doch in der Badischen Volkshymne:
In Haslach gräbt man Silbererz,
Bei Freiburg wächst der Wein,
Im Schwarzwald schöne Mädele,
Ein Badner möcht´ ich sein!
Im urigen Gasthaus „Rebstock“ fand ich eine gute und preiswerte
Unterkunft. Vom feinen Essen und köstlichen Wein dürfte ich als Pilger
gar nichts erzählen. Ich sah es aber als Lohn für meine Mühe an. Wer
weiß, was mich morgen im Kapuziner-Kloster in Zell am Hammersbach zur
Fasten-Zeit erwarten würde?
4.Tag: Als Pilger durfte ich zeitig am Frühstücksbüfett Platz nehmen.
Mit Sonnenschein zeigte sich der Morgen wieder von seiner besten Seite.
Vom
Haslacher Rathaus
führte die Beschilderung
zur
Kinzig und dort flussabwärts.
Bald wanderte ich über eine steile Forststraße bis auf 600 m bergauf.
Eine unsagbare Stille und Ruhe lag über dem Land, als wäre die Natur
morgens noch verschlafen. Die Sonne ließ das Grün der Laubbäume in
verschiedenen Nuancen schimmern und gelber Löwenzahn brachte Farbtupfer
in die Wiesen. An der
Oberentersbacher
Hütte vorbei führte der Weg
bis zum
Kohlplatz mit herrlicher
Aussicht.
So weit das Auge reichte, reihten sich Schwarzwaldhöhen aneinander. Was
für ein friedvolles Bild!
Das höchste Gut ist
die Harmonie der Seele mit sich selbst (Seneca).
Nun
ging es unaufhörlich bergab ins Tal nach
Zell am
Hammersbach hinunter.
Zuerst
lief ich ins Zentrum und besichtigte das Heimatmuseum im Storchenturm
(14.Jh.). Hier gab es altes Brauchtum aus dem Schwarzwald zu sehen. Dann
ging es zur Wallfahrtskirche - Maria zu den Ketten.
Die Menschen beteten früher in der Wallfahrtskirche zur „Maria zur
Rose“. Sogar aus weiter Ferne betete ein gefangener Schmiedegeselle zu
ihr um Hilfe und wurde gerettet. Seine Gefangenenketten brachte er zur
„Maria zur Rose“ und sollte Hufeisen schmieden, doch es gelang nicht. So
wandelte sich der Name „Maria zur Rose“ in „Maria zu den Ketten“.
Seither kommen immer mehr Pilger zu dieser Kultstätte. Seit 1920 leben
Kapuziner-Mönche in einem Kloster neben der Wallfahrtskirche und
betreuen sie.
An der Klosterpforte bekam ich einen Stempel für meinen Pilgerpass und
konnte mich im Gästehaus für eine Übernachtung einrichten. Die Aufnahme
war überaus herzlich. Im Zimmer lag ein interessantes Buch über die
Geschichte der Kapuziner aus. Sehr still war es im Haus, als Stadtmensch
war es etwas ungewohnt, aber angenehm. Sogar die Kirchenglocken
schwiegen bis morgens 6 Uhr und bescherten mir eine himmlische
Nachtruhe.
5.Tag:
Das zeitige Frühstück erlaubte einen Besuch zum 8 Uhr-Gottesdienst. Der
Palmsonntag wurde würdig
begangen, denn viele Kirchgänger waren extra dafür angereist. Vom
Kloster bekam ich zum Abschied noch als Wegzehrung ein Stück „Hefezopf“
mit. Gestärkt an Leib und Seele machte ich mich auf. Sonnenschein und
Sonntagsruhe begleiteten mich
ins
Nordrachtal.
Über
eine letzte große Steigung erreichte ich im Wald die Höhe (600 m). Auf
schattigem Weg pilgerte ich bis zum
Gengenbacher „Bergle“ mit der
Jakobuskapelle. Schon erblickte ich unten Gegenbach und bummelte bald
durch die malerischen Gassen zum Rathaus. Mit Mühe bekam ich noch einen
freien Platz im Café. Denn heute hatte der wunderschöne Ort bei diesem
herrlichen Wetter viele Besucher angelockt. Eine Stärkung war für mich
notwendig, wollte ich doch nach den gegangenen 15 km noch 10 km bis
Offenburg bewältigen.
Auf dem Kinzigdamm
wanderte ich immer geradeaus nach Westen.
Doch bis ich das Zentrum und den Bahnhof in Offenburg erreichte, verging
noch einige Zeit. In Gedanken konnte ich noch einmal die herrlichen Tage
Revue passieren lassen.
Keine Zukunft vermag gutzumachen, was man in der
Gegenwart versäumt (Albert Schweitzer).
Es war nicht mein erster Pilgerweg und wird hoffentlich nicht der Letzte
sein!
Buen Camino, Arno Ritter aus Karlsruhe
von
Arno Ritter aus Karlsruhe
....... eingesandt per eMail vom 26. April 2011,

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Weitere
Informationen |
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..... schauen Sie sich in
Ruhe auch die anderen Seiten an. |
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.... natürlich auf den Jakobusweg
Hotline:
 Jetzt
schon 22 Webcams am Camino und in Santiago de Compostela
Viele Pilger planen schon ihren
Weg für 2012
Wir haben eine neue Seite - Gebete, Verse, Lieder und
Gedichte
Unser Pilgerweg 2005
war
6.500
Km bis nach Santiago
Webmaster: HomeOfficeMondorf
© - 1997 - 2012
Text und Design
Thekla Schrange
Aloys Schaefer
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Rudolf Mäder
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Fahrradreise
von Buchenbach bei Freiburg im Breisgau nach Santiago de Compostela |
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Arno Ritter |
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Camino del Norte -
Ein Traumpfad
zwischen Meer und Gebirge |
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Arno Ritter |
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Via Podiensis -
Ein französischer
Pilgerweg |
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Hubert vom Venn |
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Tagebuch
einer Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte - sondern auf
dem Eifeler Jakobsweg
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Daniel Herbst |
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--
Der Jakobsweg --
Der Weg, auf dem so viele Türen offen stehen |
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Heidi & Sepp Dudli |
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Der
Camino del
Sureste: von Alicante – Albacete weiter auf dem Camino Levante:
bis nach Avila |
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