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  Neues vom Camino
  Unser Pilgerweg
  Mathhiaspilger nach Trier

Bilder vom Camino
 

 

 


 
 


 
 


 


 

 

 


 


 


 


 

 

 


 


 


 


 

 

 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 
Jakobsweg - "Der Weg ist das Ziel"  
 ........ Jakobspilgerweg mit dem Fahrrad  


Fahrradreise von Buchenbach bei Freiburg im Breisgau nach Santiago de Compostela/Nordwestspanien
In 26 Tagen über 2280 Km mit insgesamt 22 700 Höhenmetern

Kurzbeschreibung:
Vor ungefähr 7 Jahren, als im Freundeskreis große gesundheitliche Probleme auftraten, versprach ich, bei gutem Ausgang eine Pilgerreise mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela zu unternehmen. Nachdem in den nachfolgenden Jahren noch große gesundheitliche Sorgen in meiner eigenen Familie dazukamen, die jedoch alle gut ausgingen, hatten sich im Verlaufe der Zeit genügend Gründe für eine solche Pilgerreise angesammelt.
So beschloss ich im Frühjahr dieses Jahres, am 15. August 2003, ohne großes vorhergehendes Training das Wagnis auf mich zu nehmen und zu versuchen in 30 Tagen die Strecke von geschätzten 2400 Km nach Santiago de Compostela zu bewältigen.
Ausrüstung:
Da ich die gesamte Tour mit einem Tourenfahrrad und etwa 30 Kg Gepäck machen wollte und damit auf asphaltierte Straßen angewiesen war, waren diese Radführer eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Reise.
Zusätzlich besorgte ich mir noch Michelin Karten im Maßstab 1 : 200 000, damit war ich sehr gut ausgerüstet.


15.08.03 an der Jakobus Kapelle in Himmelreich
Meine Strecke über 2280 Km

Streckenverlauf:
Die vorgesehene Strecke ging von der Jakobuskapelle in Buchenbach – Himmelreich, über Colmar – und den Vogesenhauptkamm über den Col de la Schlucht – Remiremont – Darney - Bourbon le Bains – Langres – Auberive - Es sur Tillé – Marsannay la Cote - Nolay – Buxy - Cluny – Echarmeaux - Roanne - St.Etienne – Firminy - Uniseu - Le Puy en Velay – Saugues - Aumont Aubrac – Nasbinals - Col de Brac – Espailon -Estaing –Figeac – Cahors – Moissac – Agen – Condom – Eauze - Aire sur Adour – Arthez de Bearn - Orthez – St. Palais - St.Jean Pied de Port - über den Ibaneta Pass durch die Pyrenäen -Roncevalles – Pamplona – Puente la Reina - Logrono – Navarette - Najera – Sto.
Domingo de la Calzada - Castildelgado - Burgos -Carrion de las Condes –Sahagun – Mansilla de las Mulas - León – Hospital de Orbigo - Astorga - Rabanal del Camino - Cruz de Hierro (Ferro) – Ponferrada - Villafranco del Bierzo - Passo O Cebreiro - Porto de Pieo – Triacastella – Samos - Sarria – Portomarin – Melide – Arzua - Santiago de Compostela.
Mit dieser Strecke über Le Puy en Velay folgte ich der "Via Podiensis". Ab Puente la Reina fuhr ich auf dem Camino Frances, soweit es mit dem Tourenfahrrad möglich war.
Am ersten Tag meiner Reise kam ich überraschend weit, hatte ich doch 112 Km auf dem Tachometer und war unbeschadet aber total durchnässt über den 1139 m hohen Vogesenpass „ Col de la Schlucht „ gekommen. Leider fand ich kein Quartier, da durch den Feiertag „Maria Himmelfahrt „ in Frankreich ein verlängertes Wochenende war. Ich musste deshalb zum ersten Mal mein Notzelt aufschlagen. Hier fand ich überraschend eine Jakobsmuschel, die ich säuberte und mitnahm.
In den folgenden Tagen radelte ich frohgemut im Durchschnitt ca. 80 Km und kam am 5. Tag nach Es-sur Tillé, wo ich eine Schlauchpanne hatte. Übrigens die erste und die letzte Fahrradpanne (aber leider auch die teuerste). Ich fand auch eine Werkstatt, die die Reparatur vornehmen konnte, aber in der Hektik und der Freude darüber, kam meine Weste mit Geld und Papieren abhanden.
Nun war guter Rat teuer, abbrechen und abholen lassen ? Nach nur 5 Tagen ! Das kam nicht infrage.
Also fuhr meine telefonisch alarmierte Frau mit einem guten Freund von mir, am selben Abend noch 330 Km nach Es sur Tillé und brachte mir Geld, Papier und EC Karten und fuhr sofort wieder 330 Km zurück. Eine Super Leistung !
Am nächsten Tag fuhr ich weiter, nicht ohne zuvor noch Gendarmerie und Mairie von meinem Missgeschick verständigt zu haben.
Am Tag meiner Ankunft in Santiago de Compostela, kam über E-Mail die Nachricht, dass meine Weste mit sämtlichen Papieren in der Mairie abgegeben worden war. Das Geld allerdings fehlte.
Leider kam am 6. Tag meiner Reise, am 21.8., die traurige Nachricht, dass es zu einem Trauerfall in meiner Familie gekommen war. Ich ließ mein Fahrrad mit dem Gepäck an der Cote d’or, südlich von Dijon stehen und fuhr mit dem Zug für 6 Tage nach Hause und setzte am 27.8. morgens meine Reise fort.
Die nächsten Tage verliefen ohne große Probleme, manchmal war es sehr heiß und schwül, dann wieder kamen kräftiger Regen, Hagel und Gewitter.
Kühle Morgen mit kaltem Wind, vor allem in den Bergen der Auvergne, machten mir ebenfalls zu schaffen. Ich kam trotzdem sehr gut voran und hatte bereits am 11. Fahrtag rund ein Drittel meiner Reise, den ersten großen Ort, Le Puy en Velay erreicht. Eine beeindruckende Stadt mit vielen Wahrzeichen. Kathedrale, Marienstatue, die Kirche hoch auf dem Felsen und das herrliche Schloss.


Im Tal des Lot
 

Die nächsten Tage ging es ebenfalls zügig weiter und am 18. Fahrtag, nach 1458 Km erreichte ich St.Jean Pied de Port am Fuß der Pyrenäen.Nun galt es !  Der nächste Morgen mit Regen, Nebel und kaltem Wind waren keine guten Voraussetzungen, doch nach 88 Km und nach 3 Pässen war Pamplona erreicht.Die nun folgenden Etappen waren gekennzeichnet durch viele Erlebnisse mit anderen Pilgern. Herrliche Kathedralen in Burgos, Leon und Astorga waren anzusehen und zu besuchen.
Aber es gab auch einsame Strecken durch die nordspanische Meseta, bei denen ich in glühendheißer Hitze einmal sogar 148 km zurückgelegt habe.
Durch diese doch überraschenden Leistungssteigerungen wurden offensichtlich noch weitere verborgene Kräfte in mir geweckt. In den nächsten Tagen kam ich so zügig voran, dass ich bereits nach wenigen Tagen meine sogenannte „Königsetappe“ über 3 Pässe der cantabrischen Berge in Angriff nehmen konnte. Mit Sonnenaufgang ging es los. Nach 2 Stunden hatte ich die erste Passhöhe erreicht.
Vor mir lag auf 1504 m Höhe stand das Cruz de Ferro, das Eisenkreuz, umgeben von einem Hügel von Millionen von Steinen. Diese hatten Tausende und Abertausende von Pilgern in den vergangenen Jahrhunderten hier am Fuß des schlichten Kreuzes abgelegt.
Dieser Brauch, einen Stein als Symbol für die Lasten des Lebens von zu Hause mitzunehmen und hier abzulegen gilt, seit die Pilgertradition vor über 1000 Jahren begonnen hat.
Manche Steine sind beschriftet, andere bemalt. Manche sind groß und bis zu   3 Kg schwer, andere klein, fast wie Kieselsteine. Manche werden von den Pilgern vorsichtig abgelegt. Andere werden wie eine schwere Last auf den Hügel geworfen.
Auf jeden Fall war dies auch für mich einer der emotionalen Höhepunkte dieser Reise.
Meinen Pilgerstein hatte ich an der Jakobuskapelle in Buchenbach-Himmelreich gefunden, beschriftet und über eine Strecke von genau 2033 Km in meiner Tasche getragen. Nun konnte ich ihn am Stamm des Kreuzes ablegen und meiner Familie, meinen Verwandten, Freunden und Bekannten widmen.
Eine schnelle, 20 Km lange Abfahrt nach Ponferrada und der Wiederanstieg über 25 Km nach Villafranco del Bierzo folgte.
Von nun an ging es nur noch steil bergauf mit wieder extremen Steigungen, bis zum Pass  O’Cebreiro auf 1300 m Höhe. Hier steht die kleine Kirche „Santa Maria la Real “ wo sich der Legende nach das   „O’Cebreiro“ Wunder zugetragen hat.

Ich war total geschafft, aber es ging noch einmal 400 m hinunter und noch einmal stieg es auf die Porto de Poio mit 1335 m an. Ich war körperlich restlos fertig und nur noch froh, dass es 15 Km bergab nach Triacastella ging, wo ich in dem „Meson Villas Ante“ übernachtete.
Nach dieser „Königsetappe“ war ich jedoch emotional und auch körperlich ungleich stärker und konnte die letzen 2 Etappen nach Santiago de Compostela problemlos bewältigen und traf am Montag den 15. September mittags um 12,30 Uhr in Santiago de Compostela auf der Praza de Obradeiro ein. Meine Ankunft an der Kathedrale von Santiago de Compostela war der emotionale und beeindruckende Höhepunkt in einer langen Reihe von  tiefgreifenden Erlebnissen, entlang der 2280 km langen Strecke vom Schwarzwald nach Nordwestspanien.
Nachdem ich mein Fahrrad an der Ostseite abgestellt hatte, betrat ich mit freudigem Erwarten dieses monumentale Bauwerk. Der Besuch des Apostelgrabes des heiligen Jakobus ist in seinen emotionalen und tiefgreifenden Empfindungen kaum zu beschreiben. Zuerst sieht man den Hochaltar mit der vergoldeten Schnitzfigur des hl. Jakobus, die mit Ihrem Blick eine himmlische Ruhe ausstrahlt. Die Umarmung des Apostelbildnisses, das Hinabsteigen in die Apostelgruft  und der Blick auf das Apostelgrab waren in Ihrer gefühlten Intensität der Höhepunkt und die Krönung der ganzen Pilgerreise. Da alle Pilger diesen Höhepunkt erleben wollen, dauert der Ablauf mindestens ein bis zwei Stunden.
Wenn man von der Westseite die Kathedrale betritt, kommt man durch das unvergleichliche  „Pórtico de la Gloria“. Hier empfängt das Bildnis des heiligen Jakobus, im Mittelpunkt himmlischer Heerscharen, die Pilger.   Auch hier stauen sich die Menschen und legen ergriffen die Finger der rechten Hand in die Vertiefungen am  „ Arbol de Jesé“ dem Lebensbaum Jesu Christi und der gesamten Menschheit. Die Pilger machen dies seit Jahrhunderten um den Apostel zu ehren und ihm zu danken. Über die Jahrhunderte hinweg haben ihre Hände glatte Vertiefungen in den Stein gegraben. Während der Pilgermesse wird das monumentale Weihrauchfass, der „botafumeiro“ von 8 Männern in ausladende Schwingungen gebracht und schwingt quer durch das Kirchenschiff bis fast an die Decke.

           
Ankunft in Santiago de Compostela  -  Am Eisenkreuz auf 1504 m    
„ Arbol de Jesé“ Der Lebensbaum

         
Der Pilgerstein                                       Das Apostelgrab       
Das Apostelbildnis am Hochaltar

Genau 26 Fahrtage nach meiner Abfahrt und nach einer Strecke von 2280 Km und 15 000 Höhenmetern, was einem Durchschnitt von genau 88 Km und 600 Höhenmetern pro Tag entspricht, hatte ich das Ziel meiner Reise erreicht.
Als Fazit kann ich sagen, dass diese Reise ein einmaliges Erlebnis war. Sie hat viel Schweiß und Kraft gekostet und manchmal bin ich bis an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gegangen.
Und trotzdem gab es so viele schöne Erlebnisse, Begegnungen, Bekanntschaften mit vielen Menschen aus aller Herren Länder, so dass bereits Überlegungen vorhanden sind, in den nächsten Jahren, auf einem anderen der vielen Wege noch einmal nach Santiago de Compostela zu fahren.
Statistik:
Gesamtstrecke  2280  Km, das sind bei 26 Tagen durchschnittlich  88 km pro Tag. Höhenmeter:   22 700 m,  das sind cirka 800 Höhenmeter pro Tag.
Wer sein Buch lesen möchte über die interessante Pilgerreise findet weitere Informationen unter:
www.mäder-jakobsweg.de

Rudolf Mäder
sandte uns seinen Pilgerbericht im April 2008

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Das oekumenische Samstagspilgern  
Pilgerbericht der letzten Etappe von Gera nach Weida  


Nach einem kleinen Durcheinander konnte die Andacht in der Stadtkirche St. Johannis gegen 9.00 Uhr beginnen, als Pfr. Rüß mit wehendem Talar in die Kirche eilte und die Leitung der Andacht übernahm. KMD B. Zitzmann stimmte die Pilgergruppe musikalisch auf den Tag ein. Um 9.40 Uhr traf sich die Gruppe vor der Kirche und lauschte dem ersten Teil der Informationen, die Uwe Lehmann über die Stadt Gera und den Weg, den die Pilger zum Markt einschlagen würden, zu sagen wusste.
Uwe Lehmann führte die Gruppe am kleinen Theater vorbei und durch die Amthor-Passage, wobei er auch auf die Gedenkstätte (Gestapo- und Stasi-Gefängnis) hinwies.
Auf dem Markt folgten Erklärungen zu Geschichte und Gegenwart der Stadt Gera, konkret wurden Simsonbrunnen und Rathaus vorgestellt.
Dann ging es von der Haltestelle „Sorge“ mit der Straßenbahn nach Lusan, wo Pfr. Chr. Kahlert die Pilger mit freundlichen Worten und einem interessanten Vortrag über Geschichte und Bau der St. Ursula-Kirche begrüßte. Diese ist die wohl älteste Kirche auf dem Stadtgebiet (früher eigenständiges Dorf Lusan, heute Neubaugebiet mit kleinem, alten Dorfkern) gehört, zusammen mit dem Lusaner Ev. Gemeindezentrum und zwei weiteren Dörfern zum Dienst-bereich von Pfr. Kahlert. Der Patronatsname „Ursula“ geht wohl auf die Slavenmission, die von Süddeutschland und Saalfeld ausging, zurück.
Gegen 11 Uhr wanderte die Gruppe an der Elster über Meilitz weiter nach Wünschendorf.
Unterhalb des Veitsberges führt eine 71 m lange und 4,30 m breite überdachte Holzbrücke über die Weiße Elster. Schon im Mittelalter gab es hier einen Flußübergang für Händler, Wallfahrer und kriegsführende Truppen. 1786 entstand dann die bis heute fast im Originalzustand erhalten gebliebene Holzkonstruktion.
In St. Veit empfing uns Pfr. Schulze von weiten mit dem obligatorischen Glockenläuten und von nahem mit Orgelspiel, Andacht und Getränken. Dazu erzählte er viel Wissenswertes zur Geschichte des Ortes und seiner Kirche St. Veit. Hier ist die eigentliche „Wiege des Vogt-landes“, und nicht im benachbarten Weida.
Der von Otto I. eingesetzte „Vogt“ (von advocatus, Beauftragter, abgeleitetes Wort), begründete die auf einem Bergsporn über dem Zusammenfluss von Weida und Elster gelegene Burg, deren Kapelle vor 1000 n.Chr. zum architektonischen Kern der St. Veitskirche wurde.
Spätere romanische und gotische Erweiterungen, dazu der kunstvoll geschnitzte Marienaltar, bedeutende Malereien und Skulpturen und die ältesten bemalten Glasfenster der Welt machten den Besuch dieser Kirche zu einem besonderen Erlebnis.
Nach der Mittagspause setzte sich die Pilgergruppe gegen 14.30 Uhr in Richtung Kloster Mildenfurth in Bewegung.
Dieser Teil der Etappe erwies sich für uns Pilger jedoch als „Katzensprung“. Am Kloster Mildenfurth gelangten wir zeitgleich mit einer Wandergruppe an.
Wie sich herausstellte waren es Angestellte mit ihren Frauen einer Firma aus Berga auf Betriebsausflug – dass es so was noch gibt!
Gemeinsam führte uns der hier ansässige Künstler Volkmar Kühn durch das Gebäude und die Außenanlage wobei er uns viel Wissenswertes über das ehem. Kloster und nachfolgende Nutzungen vermittelte.
1193 wurde dieses erste vogtländische Kloster von Heinrich II. dem Reichen und seiner Gemahlin Berta gestiftet. Es war als Hauskloster und Grablege des Geschlechts der Vögte von Weida bestimmt und wurde vom Orden der Prämonstratenser bezogen. Die ersten Chorherren kamen aus dem Magdeburger Mutterkloster Unser Lieben Frauen. Infolge der Reformation wurde es 1544 aufgehoben. Es wurde verkauft und es erfolgten Umbauten der Kirche zum Renaissanceschloss. Seit 1617 wurde es als Kammergut und zeitweilig als kurfürstliches Jagdschloss genutzt. 1945 fiel das Anwesen an das Land Thüringen, das ein Altenheim im Kirchen- bzw. Schlossgebäude einrichtete.
Kloster Mildenfurth wurde am 24. August 1995 an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten übertragen. Seitdem wurde vor allem die Bestandssanierung durchgeführt.
Während unseres Rundgangs äußerte Herr Kühn Kritik an dieser Sanierung, da zum großen Teil romanische Ursprünge im Baukörper zu Gunsten der Erscheinung als Schloss wegsaniert wurden bzw. verschwinden sollen.
Die Führung endete im Keller des Gebäudes. Hier konnten wir, wie auch schon im Außenbereich, uns vom künstlerischen Wirken Herrn Kühns einen Eindruck verschaffen. Danach setzten wir unseren Weg fort und kamen um 16:20 Uhr in der Stadtkirche St. Marien im Stadtzentrum von Weida an. Hier wurden wir von Herrn Pfarrer Schäfer begrüßt, der auch die Abschlussandacht hielt. Im Anschluss daran führte er uns durch die Geschichte der Stadt und der Kirche.
Diese geht auf eine Gründung von Franziskanern zurück, welche um 1350 mit dem Bau einer Klosterkirche begannen und 1376 den ersten Bauabschluss erreichten. Nach Vorschrift der Ordensbauleute der Franziskaner wurden werde Querschiffe noch ein Glockenturm eingebaut. Dafür werden die Glocken auf dem noch erhaltenen Glockentürmen der Ruinen von Widenkirche in der Altstadt und Peterskirche in der Neustadt geläutet.
- Daher hatten wir auch kaum Glockengeläut bei unserer Ankunft vernommen. Im 30-jährigen Krieg brannte die Kirche aus, so dass im Anschluss alle hölzernen Teile der Inneneinrichtung neu gefertigt werden mussten. Die Orgel aus dem Jahre 1762 wurde 1934 durch eine „Walker-Orgel“ ersetzt. Diese ließ Kantor Kapiöl zur Abschlussandach ertönen.

 Pilgerbericht 1. Juli 06 von Michael Rettig und Sören Brenner
 
....... eingesandt per eMail vom 25. Juli  2006

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Von Valencia  nach Santiago de Compostela  
 
Der Camino Valencia im März/April 2006  


Camino Valencia

Vom Mittelmeer zum Atlantic, 1.200 km  aPie, ein Pilgerweg auf historischen Pfaden. Als Guide hatten Pablo und ich den spanischen Pilgerführer von Sanchez Ribes,  ISBN 84-609-7167-8 erhältlich bei der Asociaion Amigos del Camino de Santiago de la Valenciana, dort wird auch das spezielle Credencial ausgestellt. Gestartet sind wir nach dem Frühlingsfest der Valada 2006 am 16.März in Valencia. Die ersten Tage gingen wir auf der „Via Augusta“ durch Orangenhaine, der Duft der Blüten und die Ernte der Früchte bestimmten den Tagesablauf. Danach ging es durch blühende Landschaften nach Albacete, der Hauptstadt  der Region La Mancha. Der Pilgerweg soweit das Auge reicht, gerade aus, da die Region dünn besiedelt ist, sind die Etappen so um die 30-40 km. Die Dörfer und Städte haben eine alte 8 – 15 JH Geschichte, und so ist jeder Tage ausgefüllt mit, pilgern – Unterkunft suchen, Besichtigung und Essen. Pilger so wie auf dem Camino Frances kennt man nicht. 2006  waren gerade 4 Pilger auf dem Camino Levantino dem spanischen Namen.


Berühmt wurde die Region auch durch „ Don Quijte, Sancho Panca und Dulcinea ganze Streckenabschnitte bis Toledo, sind nach ihnen ausgeschildert. Toledo selbst, für mich die schönste Stadt Spaniens, war es wert 2 Tage zu verweilen, bevor es dann in die Berge der Sierra Madrid weiter ging. Der Anstieg nach Avila dem Zentrum der Hl. Theresa forderte von uns beiden alles ab. Ganz überrascht waren wir als wir von der dortigen Ass. de Santiago empfangen wurden, die dort ansässige Zeitung berichtete von unserer Pilgerreise ausführlich. Nun sind wir schon in der uns vom Camino Frances  bekannten Region „Kastilien-Leon“. Die Landschaft ist vergleichbar mit unserem Allgäu. Immer den gelben Pfeilen folgend erreichen wir zur Semana Santa, Zamora, dort finden wir in der JH  für 2 Tage ein Zimmer. Pilger hatten wir bis dahin keine angetroffen, das sollte  sich jetzt aber ändern. Kaum sind wir auf der Via de la Plata, werden wir von dahin eilenden Pilgern überholt, in Montamarta  müssen wir in ein Hostal, da das fast fertige Albergue nach Aussage der Gemeinde wohl nie fertig wird. Auf direktem Weg gehen wir, der Strasse entlang nach Tabara. Mit unserer ruhigen Pilgerei ist es nun vorbei, die Herberge schon früh ausgebucht, am anderen morgen um 6 h bei Dunkelheit rascheln der Plastiktüten und  geschwätziger Abmarsch. Wir warten den Tagesanbruch ab, und gehen nach dem Desayuno um 8h weiter. In Lubian kommen wir in die Provinc Galicia, steile Anstiege fordern von uns alles ab.  In Ourense dürfen wir  zwei Nächte in der Albergue bleiben, da meine Füße  eine Auszeit benötigen. Im Kloster von Oseira erhalten wir eine Sonderführung, ein schöner ruhiger besinnlicher Ort, schade dass so viele Pilger am Kloster vorbei gehen, um den Weg abzukürzen. Nun ist es nicht mehr weit bis Santiago, fürs erste auch nur eine Zwischenstation, denn wir wollen ja zum Atlantic nach Fisterra. Ein wunderschöner Camino erwartet uns, schönes Wetter hatten wir zwar immer, bis auf zwei Regentage, aber so eine Blütenpracht gibt es nur in Galicia. Als wir dann oberhalb von Cee den Atlantic erblickten, ging ein Traum in Erfüllung. Gegen Mittag, am 30.April sind wir in Fisterra ankommen, legen an der Playa unsere Rucksäcke ab, und genießen das herrliche Bad im Meer. Unser Ziel ist erreicht, wir danken dem lieben Gott für seine schützende Hand, ein langer Weg ist zu Ende, er war und ist ein Geschenk Gottes.    

 Joerg Nietzer
....... ein Pilgerbericht von Joerg Nietzer vom Camino Valencia im März/April 2006
 

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Auf dem Eifeler Jakobsweg  
 
Eine Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte - von Hubert von Venn  


Am 28.08.2008 hat
Hubert vom Venn eine kleine Reportage über den Eifeler Jaobsweg bis Schengen geschrieben - und diese ist erschienen im "Grenz-Echo", eine Tageszeitung in Belgien - http://www.grenzecho.net

Tagebuch einer Pilgerreise, die nicht nach Santiago führte
Auf dem Eifeler Jakobsweg - von Hubert vom Venn
Ich kam mir spanisch vor: Vor Jahren entdeckte ich, nicht unbedingt mit dem Ruf eines treuen Kirchgängers behaftet, in einer dieser Zeitungen, die im Flugzeug direkt neben dem Göbelbeutel stecken, einen Bericht über den spanischen Jakobsweg - Camino de Santiago.
Warum auch immer, ich fand die Idee einer solchen (Pilger)-Wanderung faszinierend. Zu dieser Zeit hatte Hape Kerkeling wahrscheinlich noch niemals Blasen an den Füßen gehabt. Immer wieder nahm ich mir in der Folgezeit eine Wanderung durch Spaniens Norden nach Santiago de Compostela vor, sehr zum Unmut meines alten Körpers, der mir »Warum laufen? Du hast doch ein Auto!« zuraunte.
So pilgerte ich zunächst gemütlich unter der Leselampe sitzend durch diverse Bücher und Fotobände, bis mir die bestsellerlistige Abwesenheitsentschuldigung »Ich bin dann mal weg« des Kabarettisten Kerkeling einen Tritt in Richtung »Jetzt beweg dich auch mal« verpasste.
Getreten, getan: Im Internet erfuhr ich, dass man aus Herbergs- und Souvenirgründen für diese Wanderung einen Pilgerpass benötige, den es bei der »Deutschen St.-Jakobus-Gesellschaft« - oh Zufall - in Aachen gebe. Die freundliche Dame dort hatte nur ein Lächeln für mich übrig: »Seit dem Kerkeling-Buch ist da Kirmes: Überfüllte Schlafsäle mit 40 Mann/Frau, kaum Hotelzimmer, Schlafen in Zelten oder unter freiem Himmel.« - »Siehst du!«, spottete mein alter Körper, »aber auf mich hört ja keiner! Ich lege mich auf jeden Fall in keine Schweißmaukenbude.« Die Dame hatte aber noch einen Tipp: »Den Jakobsweg gibt es aber auch schon durch die Eifel.«
Eifel? Bei mir läuteten sämtliche Glocken der diversen Jakobuskapellen. Pilgerweg und Eifel, das war für mich überzeugtem Urlaubsfeind, der jede Eifeltalsperre einem Karibikstand vorziehen würde, wie Weihnachten und Kirmes an einem Tage. Apropos Tage: Zwei, drei Tage im Jahr sollten in Zukunft dem Jakobsweg gehören, also musste die Sache auf mehrere Jahre angelegt werden.
Die Wandergruppe war schnell gefunden: Stamos Papas, Kurt Schreiber und Hermann Mertens, der sich kurz vor der zweiten Wanderung verletzte und passen musste. Dafür stieß aus Berlin Jürgen Barz, Ex-Mitglied von »Insterburg & Co.«, zu uns.
Wie bei jeder gefährlichen Expedition, das wissen wir aus TV-Berichten vom Nanga Parbat, steht am Anfang die Planung der Basislager: Wir legten dabei Wert auf Einzelzimmer mit ansprechender Gastronomie oder angeschlossenem Brauhaus - Askese muss eben sein.
Und wenn schon, denn schon: Jakobsweg-Pins und große Muschelanhänger (das Symbol der Pilger) fand ich unter www.pilgerandenken.de. - einen eigenen Pilgerpass für die Eifel gibt es unter www.jakobsbruderschaft.de in Solingen.
Bei den winzigen, silbernen Muschelanhängern habe ich allerdings etwas gepfuscht und diese bei ebay im Shop »suratano« bestellt. Diese Muscheln kamen aus einem tibetanischen Kloster - na ja, einer wie Jakobus hat bestimmt nichts gegen den Dalai Lama einzuwenden.
Das erste Jahr
Und dann ging es los. Wir entschieden uns für die westliche Route, die ab Blankenheim über Kronenburg, Prüm, Waxweiler, Neuerburg, Echternach, Trier nach Schengen in Luxemburg führt. Unser Startpunkt sollte Waxweiler sein, da keiner große Lust auf die optische Dauerbegleitung zurückgelassener amerikanischer Militärpräsenz in der Schnee-Eifel beim »Schwarzen Mann« verspürte.
Ein Tipp: Am ersten Wandertag sollte man unbedingt vor der Prümer Basilika einen Stopp einlegen. Dort steht eine lebensgroße Jakobsstatue, und wenn man einen so charmanten Griechen wie Stamos Papas dabei hat, digitalisiert bestimmt eine vom Einkauf kommende Eiflerin ein Erinnerungsfoto. Im nahen Pfarrhaus gibt es dazu einen prächtigen Stempel in den Pilgerpass. Der Pfarrer führt übrigens akribisch Buch über die Pilger, die in der Eifel unterwegs sind.
Etappe eins :
Also Waxweiler als Start, auch wenn der Spanier da anderer Meinung ist »El camino comienza en su casa« (»Der Weg beginnt in Ihrem Haus«). Unser Haus war das Fremdenverkehrsbüro Waxweiler, den Stempel der Pfarre gab´s als Aufkleber. Es goss in Strömen, und gleich zu Beginn mussten wir nach Krautscheid von 340 auf 520 Höhenmeter stapfen. Der alte Körper kommentierte das mit »Ich kenne sonnige Gegenden im Flachland voller Liegestühle«. Nach 16 Kilometern über herrliche Höhenzüge erreichten wir pitschnass Neuerburg. Geduscht und abgerubbelt legten wir noch eine Stadtbesichtigung drauf. Nicht nur Burg und Kirche lohnen sich, auch die Lage der kleinen Stadt ist wunderbar. Fazit des ersten Tages: Der Jakobsweg ist sehr gut ausgeschildert (gelbe Muschel, die die Richtung anzeigt, auf blauem Grund), man berührt kernige Eifeldörfer, die man auf einer rasanten Autofahrt durch die Eifel nie gesehen hätte. Unsere erste »Pilgerherberge« - ja, ja, ich weiß auch, dass dieses Wort so nicht ganz zutrifft - war »Zur Stadt Neuerburg«. Der rührige Gastwirt Peter Welter hatte gerade eine riesige Hochzeit gestemmt und zauberte uns aus Übriggebliebenem ein wahres Festessen.
Etappe zwei:
Am nächsten Tag regnete es, und wir verließen über die Enz und den mörderisch steilen Kreuzweg die Stadt. Auf der Höhe tauchten wir in eine schöne landwirtschaftliche Eifelflora ein, die uns abwechslungsreich über zehn Kilometer nach Mettendorf führte. Hier übersprangen wir ein kleines Stück per Auto, um gegenüber der »Echternacher Schweiz« in eine wunderbare, fast unheimliche Felsenlandschaft einzutauchen, die früher den Menschen sogar als Fluchtburg vor allerlei Gestrolche gedient hatte - »Mystisches haftet diesen Felsen an« heißt es dazu in einer Veröffentlichung. Als wir die Felsenlandschaft verließen, bildete die römische »Villa rustica« in Bollendorf einen schönen Tagesabschluss - im strömenden Regen natürlich. Das müde Pilgerhaupt fand im Gasthaus »Unter der Burg« Ruhe - der Ausblick von den Zimmern auf die Sauer könnte nicht schöner sein. Regionale Gerichte, die Namen in Eifeler Platt (»Fleesch op Hövvelscher«) haben, verdrückten wir in der oberhalb gelegenen »Burg Bollendorf«, und Hermann Mertens rief bei so manchem Glas Wein »Meine Herren, wir sind nicht zum Vergnügen hier« aus.
Etappe drei:
Am nächsten Tag - oh Wunder, es regnete nicht - erreichten wir entlang der Sauer Luxemburgs älteste Stadt Echternach, wo wir am Grabe des heiligen Willibrord - Pilger sind ehrlich: Es war bei einem Trappistenbier neben dem Rathaus - für ein Jahr Abschied vom Eifeler Jakobsweg nahmen. »Frënn vum Campino de Santiago de Compostela« stempelte man uns neben der viertürmigen Basilika und Barockabtei in den Pilgerpass, während es draußen wieder regnete: »So schlimm war es nun auch wieder nicht«, murrte der alte Körper.
Das zweite Jahr
Ein Jahr später - der Körper meldete sich schon wieder: »Und was ist mit dem Jakobsweg, hä?« Keine Frage, in diesem Jahr sollte das weitaus längere Stück von Echternach über Trier und Konz nach Schengen anstehen. Vorweg: In diesem Jahr schien die Sonne unentwegt.
Etappe vier:
Nach einem kurzen Besuch beim heiligen Willibrord - das Trappistenbier war diesmal vorher - ging es über die Sauerbrücke auf die deutsche Seite, wo sich der Weg sehr bald auf die Höhe keuchte - mein Jakobus, hatte Jürgen Barz einen Schritt drauf, während Kurt Schreiber, wohl einer der erfahrensten Eifelwanderer, mit irgend einem Satelliten in Verbindung stand und uns über jede Weggabelung und jeden Höhenmeter auf dem Laufenden hielt. Über die Mündung der Prüm in die Sauer in Minden (nein, nein, nicht in Westfalen) erstiegen wir das »Bitburger Gutland« mit herrlichem Fernblick und schwarzen, unheimlichen amerikanischen Bombern am Himmel. Nach 13 Kilometern war Welschbillig erreicht, wo die erste »Herberge« im »Haus Jubelius« eine angeschlossene Metzgerei hat. Sehenswert ist in diesem Ort mit Sicherheit der Dorfplatz, auf dem zahlreiche Nachbildungen römischer Skulpturen zu sehen sind, die einst in einem Dorftümpel gefunden wurden und deren Originale aus der Eifel ins Museum nach Trier verschleppt wurden.
So sind sie nun mal, die raubenden Städter...
Etappe fünf:
Rund 20 Kilometer standen am nächsten Tag über Möhn, Kimmlingen, Butzweiler, Lorich gen Trier an, wo man wegen der schroffen Felsen erst beim Stadtteil Biewer den Abstieg von der Eifel ins Moseltal schaffen kann. Der rund fünf Kilometer lange Weg zwischen Schnellstraßen, Eisenbahnlinien, Schutzwänden und hin-und-wieder-Mosel bis zur Kaiser-Wilhelm-Brücke ist wohl das unschönste Stück des Eifeler Jakobsweges. Dafür erwartete uns in Trier tatsächlich eine echte Pilgerherberge - wenn auch eine von der luxuriösen Art.
Wir fanden ein Nachtlager im Gästehaus der »Barmherzigen Brüder« neben dem Krankenhaus. Der überaus freundliche Bruder Clemens-Maria, der wegen seines Bartschnitts auch »Bruder Kuranyi« (»Ich hatte so einen Bart aber früher«) genannt wird, wies uns durch klösterliche Gänge, vorbei an Heiligenstatuen und Türen, hinter denen man Mönchsgesänge hörte, den Weg zu unseren Zimmern. Von dort blickte man in einen Klosterpark. Der Abend gehörte einer Weinschenke, direkt gegenüber dem Dom.
Etappe sechs:
Mit jeder Menge Trier - vom Dom über die Porta Nigra, diverse Kirchen, Paläste, Parks und Thermen (das Karl-Marx-Haus kannten wir aus längst vergangenen, bewegten Tagen) - verließen wir nach einem Besuch der Abtei St. Matthias mit dem einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen die Moselmetropole. Bis Konz ging es - diesmal mit schönstem Flussblick, auch wenn hier Auto und Zug nicht weit waren - immer an der Mosel entlang, um schließlich nach Überquerung der Saar-Mündung wieder einsame Wald- und Feldwege zu erreichen. Höhepunkt - »wie wahr, wie wahr«, stöhnte der alte Körper, »was für eine Höhe dieser Punkt!« - war bei Tawern die Rekonstruktion eines römischen Tempelbezirks mit weitem Blick über die Mosel bis nach Trier. Nach 24 Kilometern war an diesem Tag eine echte Belohnung in Mannebach im »Brauhaus« von Hans-Günter Felten angesagt. Der Besitzer ist eine echte Type, von der man leider nicht mehr so viele findet. Er hat über ewige Zeiten von Älteren, Kirchenbänken, Tischen, Stühlen bis zu Betten und Schränken den Flohmarkt in Tongern leer gekauft und damit sein Brau- und Gasthaus ausgestattet. Jedes Zimmer ist anders und trägt den Namen einer Nachbargemeinde. Von Dorffeindschaft also keine Spur - Kalterherberger und Mürringer würden sich freuen. Doch damit nicht genug: Der Mann braut noch Bier selbst und destilliert seinen eigenen Whisky. Dazu gibt es richtig uriges Essen und - ich konnte es kaum fassen, fasste dann aber gewaltig zu - dicke Bohnen als Beilage. »Der Abend war ein langer, und alle wurden schwanger« hatten Jürgens Insterburger vor Urzeiten mal getextet: Schwanger wurde an diesem Abend keiner, aber…. auch dafür dürfte der heilige Jakobus Verständnis haben, denn immerhin ist bei jeder Darstellung des Apostels auch eine Trinkflasche abgebildet.
Etappe sieben:
Am nächsten Tag verließen wir den Jakobsweg, um über den Berg und einen Philosophenpfad - oder hieß es Vielgesoffen-Pfad? - nach Saarburg zu wandern. Immerhin erweckt eine Stadt, in deren Mitte sich ein hoher Wasserfall befindet, doch ein wenig die Neugierde. Zurück in Mannebach - Du sollst nicht lügen: Das war mit einem Taxi - fuhren wir dann den restlichen Jakobsweg bis Schengen mit dem Auto ab - stellenweise mit einer grandiosen Aussicht auf die Flusstäler von Mosel und Saar, hinüber in unsere Eifel, gen Hunsrück, nach Luxemburg und Frankreich. Von dort grüßte ein Kernkraftwerk…
Nach einer höchst privaten Besichtigung der römischen »Villa Borg« im Archäologiepark Perl-Borg - montags geschlossen, wir waren einfach durch ein offenes Tor geschlüpft - erhielten wir direkt neben dem durch Vertragsunterschriften berühmt gewordenen Schengener Schloss in Luxemburg den letzten Jakobsweg-Stempel in den Pilgerpass.
»Und wohin geht es nun im nächsten Jahr?«, fragte der alte Körper.
Das kam mir dann doch recht spanisch vor….

                                                      von Hubert vom Venn

....... eingesandt per eMail vom 30. August  2008

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"Der Weg, auf dem so viele Türen offen stehen"  
 
Der Jakobsweg  
Nüchtern betrachtet ist der durch Nordspanien führende Jakobsweg ein eher zweitklassiger Wanderweg, sagt Daniel Herbst, der ihn im September/Oktober 2006 pilgerte. Doch wer ihn wirklich läuft, wird als ein anderer ankommen als da startete, denn dieser Weg »löst« – und hier kann man sich finden.

Du brichst morgens auf. Bei jedem Wetter. Du läufst, so weit dich deine Füße tragen. Im Verlauf des Tages erreichst du einen dir unbekannten Ort. Da steht dein Bett für die nächste Nacht. So geht das jetzt Tag für Tag. Du wirst auf einem Weg unterwegs sein, den schon Millionen Menschen vor dir gelaufen sind – seit dem frühen Mittelalter. Einen Weg, der manches Mal fast in Vergessenheit geraten ist. Er lebt, solange es Menschen gibt, die einen Sinn darin sehen, auf ihm zu pilgern. Es ist ein Pilgerweg. Der Camino de Santiago – der Jakobsweg.
Dieser Weg beginnt direkt vor deiner Tür. Von überallher kommend, laufen die Wege zusammen. Wenn du spanischen Boden unter den Füßen hast, befindest du dich entweder auf dem Navarrischen (klassischer Start in St. Jean-Pied-de-Port bzw. in Roncesvalles) oder dem Aragonesischen Weg (klassischer Start am Somportpass bzw. in Jaca). 150 oder 200 Kilometer später, in Puenta la Reina, vereinigen sich diese beiden aus Frankreich kommenden Wege zu einem – zu dem Weg. Von dort sind es noch 650 Kilometer bis nach Santiago de Compostela. 650 Kilometer Zeit für dich.
In der Kathedrale von Santiago sollen die Gebeine des heiligen St. Jakobus in der Gruft unter dem Hochaltar ruhen. Wie seine sterblichen Überreste dort hingekommen sind, und ob er tatsächlich einer der leibhaften Jünger von Jesus war, darum ranken sich die Legenden wie einst die Dornenhecken um Dornröschchens Schloss. Ich habe jedenfalls niemanden getroffen, für den das ein entscheidendes Kriterium gewesen wäre, um sich auf den Weg zu machen. Der Jakobsweg hat viel mehr Potential: Er ist durch die vielen Sucher, die auf ihm gelaufen sind, etwas Besonderes. Jedem, der sich mit Leib und Seele auf ihn begibt, bietet er die Möglichkeit, den Zusammenhang zwischen der inneren und der äußeren Welt für sich selbst zu entdecken. Damit ist der Jakobsweg in erster Linie ein kontemplativer Weg und erst in zweiter Linie ein Wanderweg.

Zeitsparwahn
Was zählt, ist, sich auf den Camino (spanisch für »Weg«) und all seine Unwägbarkeiten einzulassen. Wer von einem mittelalterlichen Weg und einer Atmosphäre wie in »Im Namen der Rose« träumt, wird schwer enttäuscht. Nein, gut die Hälfte des Weges ist landschaftlich völlig uninteressant, und immer wieder geht es für etliche Kilometer an mehr oder weniger befahrenen Straßen entlang.
Der Weg verläuft nicht durch – und führt auch nicht zurück in – eine »Heile Welt«. In der Nähe von Logroño wird er sogar zwischen der Autobahn und der Landstraße eingeklemmt. Dann zischen bunt lackierte stählerne Pfeile auf brettgeraden Pisten an den Pilgern vorbei. Hier wird überdeutlich, wie sehr es in unserer »zivilisierten Gesellschaft« darum geht, Zeit zu »gewinnen«. Die Zeit erscheint uns als so kostbar wie nie zuvor. Paradoxerweise befinden wir uns deshalb immer seltener in der Gegenwart.
Obwohl der Zeitsparwahn den Camino mancherorts in die Enge getrieben hat, verläuft er außerhalb der Zeit. Gerade wenn uns die Hektik von jenseits des Weges befallen und mit sich reißen will, können wir den Boden unter den Füßen spüren. Statt auf dem Zeitstrahl ins Nirgendwo zu schießen, lädt uns der Jakobsweg ein, das falsch verstandene Zeitgefüge für diesen Augenblick zu vergessen. Dann können sich die Eindrücke vertiefen. Dann wird das, was gerade ist, zum Wichtigsten im Leben. Freude wird wieder möglich, und das Glück stellt sich ganz von alleine ein…

Gehen, um sich zu klären und zu (er)lösen
Die meisten, die heute den Jakobsweg gehen, sind im althergebrachten Sinne kein Pilger mehr. Der moderne Pilger sieht sich nicht mehr einer strafenden und alles beherrschenden Kirche gegenüber. Es geht nicht mehr darum, sich durch Bußübungen einen Ablass von den Sündenstrafen zu verschaffen. Es geht nicht mehr darum, dem Fegefeuer zu entkommen und sich rein zu waschen. Und das Begehen des Jakobsweges ist auch kein lebensgefährliches Unterfangen mehr. Nein, wer auf den Jakobsweg geht, tut das aus freien Stücken – und das ist wunderbar! Schließlich lässt Gott sich nur in aller Freiwilligkeit entdecken. Vielen Laufenden geht es »einfach nur« darum, das eigene Leben zu klären, und zur Klärung des eigenen Lebens ist Gott nur dann notwendig, wenn es sich so zeigt. Der Camino ist also zuallererst ein Weg, den Menschen »auf sich nehmen«, um sich über entscheidende Dinge klar zu werden. Was das jeweils ist, hängt vom Einzelnen ab. Tausend Menschen – tausend Motive. Aber: Tausend Menschen und eine Intention: Klarheit und Erkenntnis. Die kollektive Sehnsucht ist, zu sich zu kommen.
Der Jakobsweg bietet sich uns im aufgeklärten Hightech-Zeitalter auf ganz neue Weise an: Er lädt uns ein, uns von und aus allem zu lösen, was gelöst werden kann und der (Er-)Lösung bedarf. Von hier aus, immer weiter. Du folgst einfach deinen Füßen und lässt die Gedanken gehen. Der Camino lebt, weil er der Sehnsucht nach einem ungekünstelten und einfachen Dasein Ausdruck verleiht: dich und die Natur auf ganz neue Weise zu erleben. Hunger haben, Kraft spüren, Erschöpfung fühlen, Menschen begegnen – und immer weiter laufen, ob du willst oder nicht. Entscheidend ist einzig, unterwegs zu sein.
Übrigens: Wer sagt, der Jakobsweg sei überlaufen, der ist ihn noch nicht oder zur falschen Zeit gelaufen! Wer zu wissen glaubt, was auf ihn zukommen wird, dem kann der Weg nichts sagen. Obwohl der Jakobsweg (»Ach, der… !«) bekannt zu sein scheint, erschließt er sich erst während des Laufens – von innen heraus und auf einmalige Weise. Der Weg, den du gehen wirst, ist noch nicht gegangen worden. Wenn du dich mit allem, was du gerade bist auf ihn begibst, schenkt er dir alles, was du zum jetzigen Zeitpunkt in Empfang nehmen kannst. Denn Geben und Empfangen sind ein und dasselbe. Goethe formulierte es so: »Es hört doch jeder nur das, was er versteht.« Das wird hier überdeutlich.

Ich will!
Um den Jakobsweg wirklich zu gehen, braucht es eine Entscheidung: »Ich will! Ich will eine unmittelbare Erfahrung machen. Ich will das Unentdeckte entdecken. Was auch immer es ist!«. Du könntest deine freie Zeit auch anders nutzen und dir, statt deine Blasen zu verarzten, etwas »gönnen«: Urlaub machen, relaxen, feiern oder exotische Orte besuchen. Du könntest viel dafür tun, um dir selbst nicht auf die Spur zu kommen…
Der Camino kann dein Leben im »Schnelldurchlauf« sein. Eben weil hier alles einen Schritt nach dem anderen geht. Eben weil hier gesehen werden kann, was sonst im Strom der Gedanken und Bilder untergeht. Wenn du da bist, wo deine Füße sind, entschleunigt sich dein Leben. Dabei verändert sich alles – ständig. Aber nicht hektisch. Nicht aufgeregt und wirr, sondern stetig, natürlich und wie von selbst. Vielleicht so, wie eine Blume aufgeht.
Landschaften wechseln sich ab, Gerüche, Empfindungen, Gedanken. Alles wird langsame und intensiver. Du hörst auf, dich nach dem Kick zu sehnen. Du brauchst keinen Kick mehr. Du bleibst hier und entdeckst diese unglaubliche Schönheit. Sie liegt im stetigen Wandel. Er ist hier und begleitet dich. Buen camino – und willkommen zu Hause!

Das Leben ist ein göttliches Projekt
26.09.06 – Unter mir liegt ein Kettenraucher und Schnarcher aus Südtirol. Natürlich ist auch er ein göttliches Wesen. Trotzdem hoffe ich, dass sein immer wieder aussetzender Atem nicht wieder einsetzt. Zumindest nicht auf diese raumfüllende Weise.
4:40 Uhr. Statt zu schlafen, sitze ich am Place de Jaca, direkt am Fluss Aspe. Die Straßenlaternen machen den Platz zum einzig hellen Ort in Oloron zu dieser Zeit. Der Südtiroler hatte den letzten Bus nach Col du Somport verpasst. Sonst hätten wir alle eine wunderbare und erholsame Nacht gehabt. Nichts zu machen. Es sollte nicht sein.
Ich schlendere durch das dunkle Oloron, den Hügel hinauf zur Kirche St. Croix, atme eine Luft, die mir unbekannt ist und kehre kurz nach halb sechs mit Croissants in die Herberge zurück. Alle schlafen noch, und der Schnarcher schnarcht nicht mehr. Im Schein einer kleinen Funzel setze ich Wasser auf.
Laura, die mit Gott verheiratet und seit mehr als drei Monaten unterwegs ist, macht sich bemerkbar. Sie weiß, dass sie sich in Gottes Hand befindet und genießt das. Eine hübsche, sehr lebendige Italienerin, die mir Bilder von Mutter Theresa und Amma zeigt. Niemand ist ihr Vorbild. Sie lebt so, wie sie es versteht, verzückt von ihrer unbedingten Liebe zu Gott. Sie liebt die Menschen, aber diese Liebe hält sie nicht davon ab, aus ihrem Leben einen ständigen Gottesdienst zu machen. Auf eben diese Weise verbringt sie es: Was auch kommt – sie heißt es willkommen: »Danke Gott!« Das Croissant von mir hebt sie in die Luft und sagt »Thank you, God«. Nicht ernst, nicht albern, sondern fröhlich. Dasselbe hätte sie auch mit einem alten Stück Brot getan. Viele Leute, erzählt sie mir, würden nicht verstehen, dass sie sich nicht zuerst bei ihnen bedankt. Mir wäre es recht, wenn sie sich für das Croissant nur bei Gott bedankt, sage ich ihr. Was für eine Erleichterung!
Wir frühstücken im Halbdunkeln und kommen zu dem Schluss, dass das Leben ein »Divine project« ist, ein göttliches Projekt. Laura erzählt von dem polnischen Schafhirten, den sie in Assisi getroffen und mit dem sie eine Zeit zusammen verbracht hat. Seit er seine Schafherde aufgegeben hat, zieht er um die Welt und spielt Krishna zum Dank unablässig die Flöte. »Beautiful man«, strahlt Laura, »so simple«. Auf dem Weg nach Sarrance treffen wir uns wieder und gehen die letzten zehn Kilometer gemeinsam. Wer an die Gesetze des Marktes glaubt und ihnen alles unterwirft, wie z.B. ein Börsenmakler, der wird niemals einen gottergebenen Menschen treffen. Und wenn er doch einen trifft, wird er ihn nicht verstehen. Ein vor Liebe einfältig gewordener Mensch, der Krishna zum Gefallen die Flöte spielt, das ist kein Märchen aus der Bhagavad Gita. Es passiert immer wieder. Natürlich gibt es heute mehr Börsenmakler als solche verzückten Flötenspieler. Ihre Geschichten bestimmen die Welt derer, die immer nur vom Gewinnen träumen.

Schnecken, die den Tag begehen
5.10.06 – Ich laufe jetzt erst los. Ja! Das ist mein Gefühl. Es ist unglaublich gut, hier zu laufen. Tagesanbruch. Links Paprikafelder. Rechts säumt Fenchel den Wegesrand. Darin zigtausende von Schnecken, die Halme umfassend, sich küssend und zu Knäueln verschlingend. Ich bleibe stehen. Muss stehen bleiben und mir anschauen, was ich noch nie gesehen habe. Was für eine Zeremonie! So begehen Schnecken hier den Tag. Wenn ich nicht wüsste, dass das Schnecken sind, könnte ich diese Wesen auch für hochkommunikative, äußerst intelligente Wesen halten. Ja, weiß ich denn, was Schnecken sind? Während ich sie nur von außen sehe, erkennen sie sich. Beschwingt gehe ich weiter, immer weiter.
Weit vorne taucht ein Rucksack auf. Später noch einer, und dann noch einer. Von Trampelpfad keine Spur. Ich laufe durch dieses wunderschöne navarresische Land. Vorbei an kleinen Ortschaften wie Cirauqui, die sich malerisch in die Landschaft fügen, ja fast zärtlich in sie einschmiegen. Die kleinen Städte sind die »Schmelztiegel«. Nur hier wird offensichtlich, dass immer noch eine ganze Menge Pilger unterwegs sind. Draußen »vor den Toren der Städte« bin ich mit mir und der Natur allein – wenn ich will. Außerdem ist es schön, hier und da ein Gesicht zu sehen.
Nach einem wunderschönen Tag komme ich in der von Bergen umgebenen Stadt Estella an. Einem spanischen Sprichwort nach sieht man Estella erst, wenn man dort angekommen ist. Das ist wirklich so. Erst als ich die Stadt betrete, hört sie auf, sich hinter den Bergen vor mir zu verstecken.

Die menschliche Zivilisation
Jetzt sitze ich auf einer Verkehrsinsel. Absichtlich – mitten in der Stadt. Mein Rucksack steht schon ans Doppelstockbett gelehnt, die Stiefel habe ich gegen Sandalen getauscht. Ich bin geduscht und habe den Durst und den Hunger versorgt. Und jetzt sitze ich hier und schaue mir an, wie sich die Autos im Kreis drehen. Hierum, darum, bremsen, Gas geben und das Hupen nicht vergessen. Es ist laut, und es stinkt. Schräg gegenüber fällt Bauschutt durch ein am Gerüst befestigtes Plastikrohr. Es staubt. Das passt alles wunderbar zusammen. Es gefällt mir nicht. Aber wo es so ist, da gibt es auch einen Supermarkt, eine Herberge, eine Apotheke – eben die Zivilisation. Das, was wir aus uns gemacht haben. Einen verrückten, nur scheinbar wohlgeordneten, neurotischen Haufen. Und so sind wir zu merkwürdigen, sehr komplizierten Wesen geworden. Zu Wesen, die sich selbst nicht mehr verstehen. Den Zauber der sich liebkosenden, selbstvergessenen Schnecken brauche ich hier nicht zu suchen. Tue ich auch nicht.
Vielleicht werde ich das jetzt öfters tun: das Gewimmel auf mich wirken lassen. Es riechen und hören und sehen. Einfach so. Ohne involviert zu sein und ohne es verstehen zu wollen. Ich glaube, wer die Welt verstehen will, der wird verrückt. Wer hingegen die Natur für sich entdeckt, lernt, sich selbst zu verstehen und wird wieder normal. Ich gehe jetzt weiter – zum Supermarkt!    

Sehnsucht nach echten Verbindungen

24.10.06 – Nieselregen. Viele schöne Menschen sind hier auf dem Weg. Ja – viele. Und die Dummköpfe, die Touristen, die Lauten, die Anhängsel – wie überall. Aber da sind auch sehr viele schöne Menschen. Zutiefst mit dem Leben verbundene Männer und Frauen.
Mir wird immer klarer, wie viele Menschen sich nach Stille und wirklicher Freude sehnen. Gleichzeitig haben wir Angst davor: Die Angst, ohne das mit der Muttermilch aufgesogene und automatisch ablaufende Sozialisierungsprogramm lebensunfähig zu sein. Schließlich ist das Programm die Brücke, die den Konsens aufrechterhält. Die scheinbare Verbindung von einem Ich zu einem Du. Echte Verbindungen brauchen so etwas nicht. Und viele Menschen sehnen sich danach, echte und damit kosmischere Verbindungen einzugehen.
Der Kosmos arbeitet anders. Er ist frei, sich so zu geben wie er ist. Und er ist so, wie er sich zeigt. Einmalig, immer neu, sich selbst vollkommen unbekannt. Immer offen dafür, dass sich »die Dinge« – und damit er selbst – verändern. Der Camino offenbart etwas davon. Einerseits vorgegeben, andererseits vollkommen offen. Welche Konstellationen sich auf dem Weg ergeben, das weiß niemand. Wem ich wann und warum begegne, ob wir uns wiedersehen oder nicht und wie es dann sein wird – all das wissen wir nicht. Dafür gibt es glücklicherweise keine Möglichkeit der Vorhersage. Es ergibt sich aus dem Unterwegssein und durch eine Sprache, die so offensichtlich ist, das wir kaum noch in der Lage sind, sie zu verstehen: durch Anziehung.
Ich habe in den gut vier Wochen, die ich jetzt unterwegs bin, mehr als zehn Menschen getroffen, denen ich wirklich begegnet bin. Das ist ungeheuer viel. Möglich wird das auch dadurch, dass es auf dem Camino keine Zeit gibt »sich kennen zu lernen«. Entweder jetzt oder vielleicht gar nicht. Der Augenblick steht über der Vernunft. Es unterliegt nicht mehr alles dem Diktat des Verstandes. Das ist, was der Camino lehren kann: Das Leben so zu begreifen – als gerade gegenwärtige Möglichkeit. Ob sie wiederkommt, egal. Entscheidend ist, was jetzt »geht«.

Angekommen
4.11.06 – Ich bin glücklich. Ich bin erschöpft und zutiefst zufrieden. Ohne Plan. Da ist kein Stolz, kein Gefühl, es geschafft zu haben – nichts. Nur da liegen und die sich langsam in der wärmenden Sonne auflösende kühle Frische genießen. Irgendwann ziehe ich mich wieder an und laufe die letzte halbe Stunde im Gegenlicht der Abendsonne barfuß am Strand entlang. Mit Rucksack auf dem Rücken sammle ich Muscheln. Jedes Mal zieht es mich tief runter, wirft mich fast um – egal. Es gibt da Muscheln, die jetzt aufgehoben werden wollen. Nicht morgen, nicht irgendwann. Jakobsmuscheln!
Fisterre war die richtige Entscheidung. Erst jetzt wird mir wirklich klar, was für eine tiefe Symbolik darin liegt, einen über tausend Kilometer langen Weg am Meer zu beschließen. Danke! Danke für alles! Danke, dass mich ein tiefer, klarer Impuls auf den Weg gebracht hat. Alles ist – ist neu. Neu, wie immer. Weil es ist und noch nicht war! Der Camino ist eine unmittelbare Erfahrung. Er macht das ohne Worte klar.

Die Tagebucheintragungen in diesem Bericht sind dem neuen Buch von Daniel Herbst
»Und jetzt geh ... «, ISBN 978-38334-68650 entnommen.
Der Weg, auf dem so viele Türen offen stehen
eingesandt im Februar 2007 per eMail vom Daniel Herbst
 

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 Von Alicante nach Avila  
 
Camino del Sureste und weiter auf dem Camino Levante  
Hallo Pilger auf dem Weg nach Santiago.

 Wir sind den Weg von Alicante nach Avila im April 2007 gepilgert. (Camino Sureste bis Albacete, dann auf dem Camino Levante)
Nach zweimaligem mailen und  schreiben an Asociacion „Amigos del Camino de Santiago de Alicante“ bekamen wir nie eine Rückmeldung, geschweige den genannten Führer.
Wir machten uns trotzdem auf den Weg mit Informationen aus dem Netz.
Eigentlich erhofften wir mit den vielen beschriebenen Alberguen auf dem Weg, sollte es mit Übernachtungen kein Problem sein. In Wirklichkeit kann nicht von Alberguen gesprochen werden, das sind bestenfalls Notunterkünfte. Wenn du Glück hast, ist in so einem Loch noch fließendes Rostwasser, geschweige Duschen oder Betten. An Wochenenden nützt auch telefonieren nichts, da kannst du 20 x anrufen, da nimmt niemand ab. In kleinen Orten kannst du dich durchfragen nach Schlüssel oder Ort der Herberge, in grösseren Orten kann dir nicht mal die Polizei weiterhelfen (keine Ahnung), oder du kannst bis 21.00 Uhr vor der Herberge warten bis jemand mit dem Schlüssel kommt. Nach Etappen von 30-40 km eine ganz harte Erfahrung. Apropos Polizei, auf diesem Weg sind wir zum ersten Mal auf unseren Wegen nach Santiago von der Polizei angehalten worden, die eine Personenkontrolle an uns  durchführte. Da waren wir näher an Landstreicher als an Pilger.

Auf diesem Weg bleibt dir nichts anderes übrig als auf Hotels, Hostals auszuweichen. Die sind natürlich nicht für jedes Pilgerbudget ausgelegt. Doppelzimmer 20 bis 71 Euro, oder so im Schnitt  45 Euro. Alternative wäre ein Zelt aber nicht in dieser Jahreszeit, fast jeden Abend Gewitter oder Schauer und sehr kalt.
Die Beschilderung durch die La Mancha ist sehr heikel, so wie auf dem Bild ist es natürlich kein Problem. Manchmal fehlen die Pfeile gänzlich, oder sie sind sehr unglücklich angebracht, oder dann fast nicht mehr sichtbar, und du kannst dich nur noch auf dem sehr gut ausgeschilderten alle 333 m ein Wegweiser (fast wie die km Steine in Galizien) auf der Rute de Don Quijote orientieren. Leider ist dieser Weg aber nicht durchwegs markiert.  Ein Barbesitzer erklärte uns, als wir nach dem Weg fragten, der Camino sei in Galizien hier gäbe es nur die Rute de Don Quijote, basta. Ab der Provinz Castillien Leon ist die Beschilderung ausgezeichnet. Da kannst du dich kaum verlaufen.
Bei Regen so wie wir es sehr oft am Abend hatten, sind viele beschilderte Pfade oder Feldwege kaum zu begehen. Da bleibst du einfach im Schlamm kleben. Dir bleibt nichts anderes übrig als auf die Strasse aus zu weichen. Hoffentlich ist es Sonntag, da hast du weniger Lastwagenverkehr, ansonsten ganz brutal anstrengend.
In den 3 Wochen unterwegs gab es natürlich auch sehr schönes das wir erlebten. Ausgezeichnetes Essen, liebe hilfsbereite Menschen, so ab Toledo wunderschöne Gegend, für uns selber eine grosse Herausforderung in körperlicher wie physischer Art.
Allen die diesen Weg planen oder gehen „Bon Camino“ ihr werdet Jakobus in fast jeder Kirche oder Kappelle als Pilger oder Matomoro antreffen.

Die Etappenplan:

Camino del Sureste:  Alicante – Albacete weiter auf dem  Camino Levante: nach Avila

Sa.   31. 03. 07

Alicante

Novelda

37

Hostal 40 €  DZ

So.   01. 04. 07

Novelda

Villena

36

Hotel   52 € DZ

Mo.  02. 04. 07

Villena

Yecla

24

Hotel   50 € DZ

Di.   03.
04. 07

Yecla

Montealegre del Castillo

30

Hostal 46 € DZ

Mi.   04. 04. 07

Montealegre del Castillo

Pétrola

24

Alberge (Spende)

Do.  05. 04. 07

Pétrola

Chinchilla

25

Hostal 38 € DZ

Fr.   06. 04. 07

Chinchilla

Albacete

16

Hostal 42 € DZ

Sa.  07. 04. 07

Albacete

La Roda

35

Alberge(Spende)

So.  08. 04 .07

La Roda

San Clemente (+ 10 Km Umweg)

43

Hostal  40 €  DZ

Mo. 09. 04. 07

San Clemente

Pedroneras

25

Hostal  42 €  DZ

Di.  10. 04. 07

Pedroneras

El Toboso

27

Hostal  30 €  DZ

Mi.  11. 04. 07

El Toboso

Villacania

37

Hotel    60 €  DZ

Do  12. 04. 07

Villacania

Tembleque

20

Hotel    70 €  DZ

Fr.  13. 04. 07

Tembleque

Mora

25

Hostal  40 €  DZ

Sa. 14. 04. 07

Mora

Toledo

38

Pension 20 €  DZ

So. 15. 04. 07

Toledo

Besichtigungstag

 

Ruhetag20 €  DZ

Mo. 16. 04. 07

Toledo

Torrijos

35

Hotel     71 €  DZ

Di . 17. 04. 07

Torrijos

Escalona

32

Hostal  30 €  DZ

Mi .18.
04. 07

Escalona

San Martin de Valdeiglesias

29

Hotel     55 €   DZ

Do.19.
04. 07

San Martin de Valdeiglesias

Cebreros

20

Hotel     64 €   DZ

Mi. 20.
04. 07

Cebreros

Avila

37

Hostal   30 €   DZ

 

 

 

 

 

20Tage

 

 

595

 

pro Tag 29.8 km

 Auf diesem Weg trafen wir Friedel ein Pilger aus Deutschland, Jacqueline und Jacques aus Kanada, und Asi und Claude aus Frankreich. Es war schön euch zu treffen, und wir denken oft an Euch.

Auf dem Camino del Sureste:  Alicante – Albacete
weiter auf dem  Camino Levante: nach Avila
 
eingesandt
im Mai 2007 von Heidi und Sepp Dudli

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Der Jakobsweg durch das Elsass  
 

Von Straßburg nach Belfort auf dem Jakobsweg
durch das Elsass  - 
von Maria und Heinz Timpe

 

Aus: STERNENWEG, Mitgliedszeitschrift der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V.  Nr. 37 (März 2006), S. 33 -38

Vor zwei Jahren auf einer Herbsttagung der Deutschen St. Jakobus Gesellschaft stellte Ursula Kopp, Mitglied im Vorstand der „Amis de Saint Jacques en Alsace“, den Jakobsweg durch das Elsass vor. Was wir sahen und hörten, machte Appetit auf mehr, d. h. diesen Weg zu gehen. Zuerst hatten wir die Idee den Kinzigtäler- und den Elsassweg in einem Stück zu gehen, haben jedoch aus Termingründen zwei Pilgerreisen daraus gemacht.
Wir besorgten uns beim Verlag Zentgraf den neu aufgelegten „Guide du pèlerin de Compostelle en Alsace“ und reservierten auf Ursulas Empfehlung die Übernachtungen ca. einen Monat im voraus (später erfuhren wir, wie wichtig dieser Hinweis war, da im September in vielen Orten alles ausgebucht ist).
Am Montagmorgen, dem 5. September 2005, schon mit einem Frühstück gestärkt, verließen wir beide kurz nach 7 Uhr unsere Bleibe, das CIARUS in Strasbourg, wandten uns der Kathedrale zu und nahmen dort die Markierung auf. Selten wurden wir aus einer Stadt dieser Größenordnung auf so angenehme Weise hinausgeführt, zuerst am Ufer der Ill entlang, dann dem Canal de Bruche folgend. Der Weg ist eben, führt durch eine parkähnliche Landschaft und wird von vielen Bäumen beschattet, was wir an diesem heißen Tag besonders schätzten. In Ergersheim hatten wir uns im Kloster der Trappistinnen angemeldet und wurden herzlich empfangen. Wie in allen Klöstern am Wege wird erwartet, dass der Pilger Schlafsack (Leinen) und Handtuch mitbringt (gegen Gebühr von 4 Euro kann ausgeholfen werden). Trappistinnen haben sich strengen Regeln unterworfen, um 20.30 Uhr wird die Pforte geschlossen. Uns hat das nicht gestört, da wir gerne nach 25 km früh zu Bett gingen.
Auf Anfrage konnten wir am nächsten Morgen um 6.30 Uhr frühstücken, anschließend das Morgenlob mit den Schwestern beten und aufbrechen. Etwas abseits vom Weg schauten wir uns Dachstein an, für uns das erste „Village Fleurie“. Wir waren immer wieder begeistert von der Blumenpracht, mit der die Einwohner ihre Dörfer und deren Zufahrten schmücken und zu Recht diesen Beinamen bekommen.
In Molsheim hatten wir gleich zwei erhebende Erlebnisse: Wir versuchten, einen Optiker zu finden, um ein Brillenproblem zu beheben. Der an einem Haus Angesprochene wollte uns gleich hinfahren, und der Optiker führte die Reparatur kostenfrei aus!
Von derart freundlicher Behandlung beschwingt wanderten wir weiter, zum ersten Mal durch Weinberge, ein fantastisches Erlebnis, besonders für uns, die weit weg von diesen Kulturen wohnen.
Am späten Nachmittag begrüßte uns die Gastschwester Marie-Pierre der Benediktinerinnen in Rosheim. Sie hält für Gäste neu gestaltete Zimmer mit Dusche bereit. Wegen des guten Wetters nehmen wir das Abendessen im Hof ein zusammen mit einem Priester und zwei Jugendlichen aus Rumänien und sieben Franzosen, die hier mehrere Tage Urlaub machen. In diesem Orden sind die Regeln, wie man weiß, nicht so streng: Ein Code verhilft uns zum Einlass, nachdem wir bei Dunkelheit noch einen Gang durch das beleuchtete Rosheim genossen haben.
Nach Frühstück und Laudes wanderten wir im Sonnenschein durch eine wunderschöne Landschaft nach Boersch und Ottrott. Hier beeindruckte uns eine blitzsaubere öffentliche Toilettenanlage neben dem Touristikbüro, erstere war geöffnet, zweites wegen der frühen Stunde nicht. Der dann folgende Aufstieg zum Odilienberg hat es in sich. Gott sei Dank führt er vorwiegend durch Schatten spendenden Wald. In der Hôtellerie werden die Zimmer für die Gäste erst ab 15 Uhr freigegeben, aber für uns durchgeschwitzte Pilger, die früher eintrafen, fand man eine praktische Lösung. Wir fühlten uns gut aufgenommen und behandelt zu den bevorzugten Konditionen, die von den „Amis de St. Jacques“ dort für Pilger ausgehandelt wurden.
Der nächste Tag war Marias Geburtstag. Er begann mit einem wunderbarem Sonnenaufgang und reichem Frühstücksbuffet (besonders von uns geschätzt nach den spartanischen petits déjeuners der Klöster). Steil bergab auf herrlichen Wegen und durch blumenreiche Dörfer führte uns der Weg zum „Roten Ochsen“ in Andlau zu einer Rast. Später am Ortsausgang von Bernardvillé baten wir auf einem Hof einen Herrn, unsere Wasserflaschen auffüllen zu dürfen. Er schickte uns in den Cave, da dort das Wasser frischer sei. Dort trafen wir auf Herrn Barthel sen., der unseren Wunsch erfüllte, aber dann darauf bestand, dass Pilger auch Wein trinken müssen, um bei Kräften zu bleiben. Doch bald zogen wir dankend weiter, wohl wissend, dass viel Wein und viel Hitze das Tagesziel unerreichbar machen. Die Wirtin in Blienschwiller hatte uns ein besonders schönes Zimmer reserviert, der Koch im einzigen Restaurant des Ortes servierte ein perfektes Geburtstagsdinner – ein Feiertag von Anfang bis Ende. Ob Jakobus wohl seine Hände im Spiel hatte?
Die nächste Etappe führte uns durch Orschwiller. War das nicht der Ort, aus dem der Crémant stammte, den unsere Tochter vor zwei Jahren auf ihrer Hochzeit servierte? Im Ort fragen wir einen Herrn nach dem Weingut Hartmann. Er kann uns nicht helfen, nimmt uns aber mit in den Hof neben einer Boulangerie, wo der Seniorchef auf ihn mit einer Flasche Tokayer wartet. Sein Hobby ist die Geschichte des Elsass. Beide haben gerade ein Buch mit Lyrik aus dem Elsass herausgegeben. Er macht uns darauf aufmerksam, dass wir offensichtlich Orschwiller mit Oschwir verwechselt haben. Wir lassen uns gerne zu einem Glas Tokayer einladen. Es war einfach schön!
Die Rast auf der Terrasse des Parkhotels in Saint-Hyppolite sollte nur eine kurze sein, 3 Stunden wurden daraus. Ein Ehrfurcht erheischendes Wärmegewitter hielt uns mit seinen Blitzen und Wassermassen gefangen. Wir dankten Gott, dass wir geschützt waren und nicht auf offenem Feld davon überrascht wurden.
Leider war die Kirche in Rodern geschlossen, auch die Dame, die den Schlüssel hat, war nicht anzutreffen, so dass wir dem Jakobusaltar keine Referenz erweisen konnten.
Früh waren wir am nächsten Tag in Ribeauvillé; ein mit Blumen geschmücktes mittelalterliches Städtchen erwachte, Geschäfte wurden geöffnet und um 8.30 Uhr auch ein kleines Straßencafé, in dem wir diese zauberhafte Morgenstimmung mit Frühstück genießen konnten. Später am Vormittag, als wir durch Riquewihr gingen, war diese Stadt schon voller Touristenströme, und wir dachten wehmütig an unser schönes morgendliches Erlebnis zurück.
Aber schon am nächsten Morgen in Kaysersberg kamen wir wieder auf unsere Kosten. Da es Sonntag war, „gehörte“ uns in der Frühe die Stadt. Nur der Himmel trübte dieses Glücksgefühl: Er öffnete gerade alle Schleusen, als wir die Hälfte des steilen Pfades, der aus der Stadt hinaus führt, zurückgelegt hatten. Zwar verhinderten unsere Ponchos Schlimmeres, aber als wir in Ammerschwihr ankamen, waren wir „unten herum“ durchweicht. Im „Oberdorf“, an der Kapelle, waren fleißige Helfer dabei, ein Festzelt zu richten für die 10 Uhr Messe zu Ehren des Hl. Wendelinus. Freundlich gewährten sie uns Unterschlupf. Später, es regnete immer noch Bindfäden, baten sie den Pfarrer, die Messfeier in die Kirche zu verlegen, da es an diesem Tag nur einmal regnete - und zwar den ganzen Tag, wie ein Einheimischer alle zu trösten versuchte. Auch wir kapitulierten und nahmen das Angebot einer freundlichen Helferin an, uns nach Gueberschwihr zu fahren, da wir im Couvent Saint-Marc erwartet wurden. In der wunderschönen Kirche von Gueberschwihr konnten wir an der Sonntagsmesse teilnehmen, zelebriert von einem schwarzen Priester und begleitet von einem Chor. Der Priester sprach in einem klaren, gut prononcierten Französisch, so dass auch wir seiner eindrucksvollen Predigt folgen konnten. Draußen stapften wir noch eine knappe Stunde den Berg hinauf im weiterhin strömenden Regen, um dann zur Mittagszeit etwas durchweicht an der Klosterpforte um Einlass zu bitten.
Dieser Sonntag war ein besonderer im Leben der Klosterschwestern und deren Verwandten und Freunden. Um 15 Uhr wurde in einer feierlichen Messe die “Goldene Profess“ gleich dreier Schwestern gefeiert. Die Messe wurde vom Leiter der elsässischen Redemptoristen mit nicht weniger als 7 Konzelebranten gefeiert. Anschließend gab es einen Empfang, an dem auch wir mit den geladenen Gästen insgesamt ca. 100 Leute - teilnehmen durften. Dieser Konvent erscheint für heutige Verhältnisse noch groß und stark. Die Gebäude, die Räumlichkeiten, die Zimmer entsprechen einem Standard, wie man ihn in modernen Tagungshäusern vorfindet.
Auch hier konnten wir um 6.30 Uhr frühstücken. Thermoskanne mit Kaffee, Brot etc. standen bereit. Neben die Serviette hatte die Gastschwester Assumpta ein Kärtchen mit Pilgersegen gelegt! Danke, Schwester Assumpta!
Nicht weit vom Kloster treffen wir auf die Wallfahrtskirche „Notre Dame du Schauenberg“, die von drei Schwestern desselben Konvents betreut wird. Eine Schwester zeigte uns einzigen Pilgern zu dieser frühen Stunde die Kirche, bevor sie uns mit ein paar Keksen als Wegzehrung verabschiedete.
Wir schauten uns noch einmal um: Die Täler lagen noch im Nebel, einige Kirchturmspitzen schauten heraus, die Sonne beschien die Höhenzüge und Bergkuppen wieder ein zauberhaft schöner Morgen, die Unbill von gestern war vergessen. In Jungbluth fiel uns der große jüdische Friedhof auf. Er passt gar nicht zur Größe des Ortes. Hier hätten wir gerne mehr gewusst.
Wir aßen und übernachteten im Hotel Biehler – basierend auf unsere Erfahrungen sollte man seine Route so planen, dass man auf dieses Hotel nicht angewiesen ist. Es stimmt einfach nichts!
Am nächsten Tag, jetzt im letzten Drittel unseres Pilgerweges, erfuhren wir, dass es schwieriger wurde sich zu versorgen. Das klassische Frühstück fiel aus; sowohl in Wattwiller als auch in Uffholtz und Steinbach hatte nicht ein Café oder Hotel geöffnet. In Uffholtz erwarben wir in einem kleinen Lebensmittelladen ein „Ancien Epis“, das uns wieder Kraft gab.
Kurz vor Vieux Thann, wo die markierte Route nach Westen abbiegt, liefen wir bis zur Straße und haben uns gleich an der Ecke im „Maison Blanche“ mit einem Menu de jour aufgepäppelt. Es war einfach und gut, eine empfehlenswerte Adresse.
Das Hotel Floridor liegt etwas außerhalb von Thann, aber nicht weit von der Strecke. Es ist ein generell gut geführtes Haus mit einer guten Küche. Es gab einige Unstimmigkeiten, die wir vielleicht hätten voraussehen können, die aber vom Hotelier sehr emotional, wenig professionell gehandhabt wurden.
Am nächsten Morgen versuchten wir in Rammersmatt, die Tür des Restaurants „Aux Trois Sapins“ zu öffnen. Sie war noch geschlossen, aber die Wirtin unterbrach ihre Räum -und Putzarbeiten und machte uns gerne einen Kaffee. In Bourbach-le Bas war alles geschlossen. In Sentheim gab es eine Boulangerie, in der wir Köstliches für unser Frühstück auf der Parkbank an der Kirche erwarben. Das Café Oase hatte Ruhetag, aber der Junior unterbrach seine Autowäsche und bereitete uns Kaffee.
Die Weinfelder und das Elsass lagen jetzt hinter uns, wir wanderten durch eine typische Mittelgebirgslandschaft, jetzt im Franche Comté. Das Restaurant am Lac Seigneurerie wäre von der Tagesstreckenaufteilung her eine ideale Mittagsrast, wenn nicht Mittwoch wäre – Ruhetag! Also ging es weiter bis Rougemont-le-Chateau: kein Restaurant, Café, der kleine Supermarkt öffnet erst um 15 Uhr. Aber es gibt einen Traiteur. Dort bekamen wir das letzte halbe Baguette, edle Wurst, Wasser und Wein. Auf einer Bank im Dorfzentrum speisten wir wie die Fürsten.
Gestärkt gingen wir den Berg hinauf zum Couvent Saint Nicolas, wurden herzlich von den vier Dominikanerinnen aufgenommen und in ihrem bescheidenen Haus mit allem versorgt, was ein Pilger braucht. Da die Gruppe so klein ist, speisten wir als einzige Gäste am Abend gemeinsam mit ihnen. Kürzlich waren zwei Schwestern verstorben. Wie lange werden sie dieses Haus noch halten können? Stolz zeigten sie ihr Gästebuch: die letzte Eintragung eines Pilgers war von Mitte August. Willkommen war der Geldbetrag für unser Logis. Der Aufenthalt im Kloster verlängert zwar die Strecke um 3-4 km, aber man setzt bereichert seinen Weg fort.
Unser letzter Tag, der 15. September, war noch einmal ein idealer Wandertag, meistens ging es bergab nach Etueffont. Beim Eintritt in den Ort sahen wir linker Hand ein Gîte de France mit offensichtlich neuem Erweiterungsbau. In Éloie gingen wir gegen 11 Uhr kurz in den Ort und wurden im Café Cheval Blanc freundlich mit köstlichem Speck, Wein, Kaffee bewirtet.
An einem der vielen Weiher auf unserem Weg lagern wir zur Mittagsrast im Gras. Alles ist ruhig und friedlich, wir sind sehr zufrieden, hinter uns liegt eine schöne Zeit. Weiter geht es nach Belfort. Zuvor gibt es entgegen der Information im Guide noch eine Deviation: Der Weg GR 532 führt auf die D 7 oberhalb des Friedhofs von Offemont.
Das schrecklichste Stück dieser von uns gewanderten 210 km durch das Elsass war dann auf der D 22 die Strecke von der Kreuzung (blaue Punkte) bis zum Square Braun. Die Innenstadt von Belfort und die freundliche Aufnahme im Hotel Christophe machten den Eindruck schnell vergessen. Mit dem Besuch in der Kathedrale in Strasbourg hatten wir unsere Pilgerwanderung begonnen, mit dem Besuch in der Kathedrale in Belfort und abschließendem Stempeleintrag beim Pfarrer durften wir sie beenden.

Was ist das Besondere an dem Pilgerweg durch das Elsass?

Auf gut 200 km Camino kann man in vier – nimmt man die Hôtellerie Sainte-Odile hinzu, – in fünf Klöstern Herberge finden. Mehrere Wallfahrtskirchen, zahlreiche Kapellen und verschiedene Kreuzwege säumen den geführten Weg. Immer wieder trifft man zusätzlich mitten in den Weinbergen auf große Kreuze, die im 19. Jh. von einzelnen Familien zur Ehre Gottes errichtet wurden. Das heißt, dieser Weg gibt dem religiös Suchenden, Aufgeschlossenen viele Möglichkeiten und Anstöße, seine Wanderschaft zu einer echten Pilgerschaft zu machen, wobei das feuchtfröhliche Treiben in den Tourismuszentren, die der Weg streift, eine verführerische Herausforderung bildet.

 Welche Wünsche bleiben offen?

Zuvor möchten wir den Amis de Saint Jacques en Alsace danken für die vielen Mühen, die sie sich machten, um den Weg so zu führen, dass verkehrsreiche Straßen vermieden, religiöse und kulturhistorische Stationen eingeschlossen und schöne Landschaften durchschritten werden. Die vorbildlichen Wegmarkierungen des Club Vosgien müssen gelobt werden. Jetzt zu den beiden Wünschen:
1. Bei der Überarbeitung des Pilgerführers könnte unsere Erfahrung ein guter Hinweis sein: Für die Abschnitte Thann, Rougemont-le-Chateau, Belfort hält der jetzige Führer keinen Text bereit, nur die markierten Kartenausschnitte – sie haben völlig ausgereicht. Höchstens wäre ein kurzer Hinweis hilfreich, wenn z. B. von roter Raute auf gelbes Rechteck gewechselt wird oder an besonders kritischen Stellen. Dafür sollten die Karten in besserer Qualität sein, nummeriert, aber lose, damit der Pilger auch bei strömendem Regen die Tagesinformationen in einer Klarsichttasche um den Hals tragend - sich in unbekanntem Gelände zurechtfinden kann. Bücher sind völlig untauglich. (Wir haben unser Buch in Einzelblätter zerlegt und immer die für den Tag relevanten zusammengesteckt, Karte vorne, Text hinten.) In einem Begleitheft wären etwas ausführlichere Hinweise zu:
a) Herbergs- und Versorgungsmöglichkeiten;
b) religiösen und kulturhistorischen Höhepunkten in den einzelnen Orten wünschenswert (diese braucht man nicht im Regen zu lesen). 2. Der Kreuzweg, der hinab nach Sentheim führt, ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Restaurierung. Auch einige Kreuze haben liebevolle Restauration erfahren und Blumenpaten gefunden. Bei anderen sieht es jedoch traurig aus: Zusammengefallen, ein Haufen Brocken, teilweise von Unkraut überwuchert. Schön wäre es, wenn die Amis de Saint Jacques en Alsace hier in der jeweils möglichen Form initiativ werden könnten.

 von Maria und Heinz Timpe
....... aus STERNENWEG - Nr. 37 (März 2006),
 

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Updated: 7. Dezember 2009  -  13:15 Uhr

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