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  Neues vom Camino
  Unser Pilgerweg
  Mathhiaspilger nach Trier

Bilder vom Camino
 

 

 


 
 


 
 


 
 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

 

......... was Pilger unterwegs alles erleben  
Via Jacobi  
 Via Jacobi, Wandern auf dem Jakobsweg!  


Das Wort Wandern habe ich bewusst in der Überschrift gewählt, denn ein Pilger möchte ich erst noch werden. Der Weg ist das Ziel, heißt es beim Alpenverein. So habe ich alle meine Bergtouren verstanden. War die Tour zu Ende, sagte man: „Schade, es ist vorbei“ Der Pilger sagt: Der Weg hat ein Ziel – ein Leben lang! Es ist nie zu spät, auch wenn man so wie ich Jahrgang 39 ist.
Von Karlsruhe aus fuhr ich 2009 mit dem Zug nach Konstanz und machte mich auf den „Schwabenweg“. Im Münster zu Konstanz hält eine alte Jakobusstatue Pilgerstäbe und Pilgertaschen bereit. In der heutigen Zeit trägt man Trekkingrucksäcke und Teleskopwanderstöcke und das bedeutet viel Gewicht.
1.Tag: Nach einem kleinen Altstadtbummel in Konstanz und einem Kurzbesuch im Hus-Museum lenkte ich meine Schritte in die Schweiz. Über sonnige Wiesen und durch schattige Wälder ging es auf gut beschildertem Weg in das hügelige Thurgau auf der Via Jacobi gen Süden. Mit der ersten Etappe von nur 15 km konnte ich einen kleinen „Gang“ einlegen, die Umwelt aufnehmen und mich über die schöne Landschaft erfreuen. Bald erreichte ich die St. Jakobskirche (14 Jh.) in Märstätten. In der Pilgerherberge wurde ich freundlich aufgenommen und mit dem Supermarkt gleich nebenan konnte ich mich gut selbst versorgen. So ließ ich den ersten Tag gemütlich in „meiner“ Herberge, ich war der einzigste Gast,  ausklingen.
2.Tag: Bei strahlendem Sonnenschein folgte ich am frühen Morgen den Jakobsspuren. Meist führte der Weg über offenes Gelände mit weiter Sicht. 26 km wollten heute bewältigt werden. Mit einem strammen Tempo und kurzen Pausen kam ich gut voran. Ein Schild am Wegesrand gab den Kilometerstand an: Nach Konstanz 20 km und nach Santiago de Compostela nur noch 2350 km! Der Wanderführer und die Wanderkarten (vom Internet heruntergeladen) von der Via Jacobi Nr.4 verschaffte mir immer einen guten Überblick. Natürlich blieb noch Zeit für die kleinen Kapellen in Kaltenbrunnen und St. Margarethen. Bei 25°C kam mir das Freibad in Münchwilen gerade für eine Abkühlung recht, Pilger hatten hier freien Eintritt. Weiter der Murg folgend gelangte ich nach Fischingen zum Benediktinerkloster und konnte dort Quartier nehmen. Nach der Anmeldung an der Pforte wurde ich durch lange Gänge an vielen Türen vorbei zu meiner Zelle geführt. Schwer öffnete sich die massive Holztür und ich betrag einen hohen Raum, den Schlafsaal. Wieder war ich der einzigste Gast. Das Abendessen war hervorragend. Leider war es für eine Klosterbesichtigung zu spät, diese holte ich am nächsten Tag nach. Nach dem Abendessen vertrieb ich mir in meiner „Zelle“ mit reichlicher Lektüre über das Klosterleben den Abend. Ob ich wohl zum Stundengebet geweckt werde? Es blieb ruhig!
3.Tag: Heute stand eine Herausforderung (9 Stunden Gehzeit) von 32 km und über 1000 Hm im Aufstieg an, deshalb war ich auch der Erste beim Frühstückbüfett. Es mangelte an nichts, das Früchtebrot vom Kloster Fischingen ist eine köstliche Spezialität. Mit gut gefülltem Bauch hatte ich genug Energie getankt. Am Kirchlein St. Anna und am Bildstock der Heiligen Idda vorbei folgte der Aufstieg zum Hörnli. So steil wie es aufwärts ging, senkte sich der Pfad auch wieder ins Tal nach Steg. Meine Wanderstöcke waren dabei eine große Stütze. Kaum unten angekommen, musste ich meinen Regenkleidung auspacken. Pilger haben zwar Zeit, doch sie wollen auch ans Ziel ankommen, was heute ganz besonders galt. Endlich zeigte sich am Horizont der Zürichsee und ich tauchte in das Häusermeer von Rapperswil ein. Um 18 Uhr stand ich vor der Klosterpforte des Kapuzinerklosters. Doch oh Schreck, hier war zu lesen: Öffnungszeiten bis 17:30 Uhr, die Pforte ist geschlossen – wir sind beim Gebet und beim Essen! Was nun, ich müder Pilger? Hatte mir der Klosterbruder Paul doch geschrieben: Reserviert wird nicht, aber Übernachtung ist möglich. Vom Torschluss 17:30 wusste ich nichts. Da half mir die Jugendherberge aus, die ich gerade noch um 18:30 Uhr zum Abendessen erreichte. Mit meinen „Zimmerkollegen“, einem Engländer und einem Franzosen, fand ein reger Austausch statt. Trotzdem schlenderte ich am Abend noch zum Zürichsee und genoss die Stille am See.
4.Tag: Zum Glück standen heute nur 16 km auf der Etappe. Vom Marktplatz Rapperswil aus bummelte ich zum See und über den Holzsteg, dessen Geschichte bis 1500 v. Chr. zurückreicht. Beim Aufstieg (600 Hm am Stück) zum Etzelpass kam ich mit „Bruder“ Leo ins Gespräch und wir plauderten lange über das Pilgern, es war für mich sehr interessant. An der St. Meinradskapelle hatte ich die Höhe geschafft. Nach der „Tüfelsbrugg“ zog der Jakobsweg einen letzten Buckel hinauf und das weitläufige  Kloster Einsiedeln lag zum Greifen nahe. Die Schweizer Bergwelt begrenzte den Horizont. Der erste Eindruck in der prachtvollen Klosterkirche und der Gnadenkapelle ist überwältigend, es zwingt förmlich zur Ruhe und zum Innehalten. Während der Messe schritten die Mönche mit Gesang zur Schwarzen Madonna in die Gnadenkapelle. An der Klosterpforte holte ich mir den Pilgerstempel ab und suchte mein Quartier im Schweizer Jugend- und Bildungszentrum in der Nähe auf, wo Pilger gerne gesehen werden. Essen und Übernachten kann man hier günstig. Später spazierte ich nochmals durch die Altstadt und zum Kloster Einsiedeln.
5.Tag: Wieder stand ich als Erster am reichlichen Frühstückbüfett. Hier möchte ich einmal das ausgiebige Schweizer Frühstück, immer mit Müsli und leckeren Käse, loben. Am Frauenkloster Au vorbei zog sich der Weg ins Tal dahin. Ein steiler Bergwanderweg zum Haggenegg hinauf trieb Schweiß auf die Stirne, wobei mir die beiden Pilger Felix und Bruno mit Unterhaltung die Zeit zum Pass verkürzten. Erdverbunden leben und himmelwärts schauen, fest verwurzelt und für alles offen sein, sagen die Pilger. Erdverbunden heißt für mich das Vesper aus dem Rucksack verzehren und dazu Wasser trinken. Beim Abstieg ließ man die Pyramiden des Klein- und Groß-Mythen links liegen und gelangte nach Schwyz. Kaum schlenderte ich durch eine Gasse mit der Aufschrift: Gässli Fäscht, schon wurde ich gratis zum Käskuchen und Getränk eingeladen. Am malerischen Hauptplatz fragte ich eine Frau nach dem Gemälden am Rathaus und erlebte eine Schweizer „Geschichtsstunde“. Neugierig geworden streifte ich durch das Museum der Schweizer Geschichte und besuchte das Bundesbriefmuseum, wo der „Rütlischwur“ von 1291 aufbewahrt wird. Nach einer Wegstunde betrat ich in Brunnen das Strohlager beim Bauern. Außer mir übernachteten hier nur zwei Frauen. So hatten wir genügend Platz in der Scheune. Wir saßen gemeinsam am Tisch, tranken Wein, sangen Lieder („Im Chaltbad, da chert men i, trinkt es Tröpfli chüele Wy...“) und beschlossen den Abend mit Qi-Gong-Übungen. Als ich im Stroh lag, fiel mir der Pilgersatz ein: Wer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.
6.Tag: Behaglich lag ich im weichen Stroh und hörte Tropfen auf das Dach trommeln. Oje – das wird sicher ein nasser Tag werden! Trotz Regen legte ich noch einen Umweg ein und bestieg das Schiff in Brunnen zur Rütliwiese. Die Schweizer Geschichte hatte mich gefangen. Im Pavillon am Rütlihaus las ich die vielen Infotafeln in aller Ruhe, denn hier war ich vor dem Regen gut aufgehoben. Ein altes Dokument besagte: „Und wenn sie etwas tun oder vornehmen wollten, so fuhren sie nachts am Mythenstein vorbei an einen Ort, heisst im Rütli“. Gerade wie bei meiner Tour! Trotzdem musste es weitergehen. Oberhalb von Treib betrat ich wieder die Via Jacobi Nr.4 und strebte aufwärts am Berghang entlang. Zum Pilger wird man wohl im Regen, wenn Nebel den Horizont eng macht und Regentropfen alle Ablenkungsmöglichkeiten davonspülen. Als Bergwanderer gefiel mir dieser schmale, ausgesetzte Bergwanderweg. Dann kam eine Weggabelung: Nach Beckenried 1½ oder 3 Stunden über Emmetten! Ich entschied mich für die kürzere Strecke. In Beckenried fand ich ein günstiges Privatquartier und im Gasthaus meine Lieblingsspeise: Spaghetti. Als Marathonläufer weiß ich, dass Nudelgerichte mit den Kohlehydraten ein hervorragender Energiespender sind.
7.Tag: 7 Uhr Frühstück und 8 Uhr Abmarsch bei Sonnenschein – die Welt war wieder in Ordnung! Dunkelgrün leuchtete der Vierwaldstättersee zu mir hinauf, doch ich drehte ihm den Rücken zu und wanderte Land einwärts nach Süden. Ein Pilgerweg öffnet die Augen, man kann es erfahren. Mit jedem Schritt und Tag öffnete sich das „Bilderbuch“ Schweiz weiter für mich. Nach Buochs und Stans ging es über saftige Wiesen und kleinen Kapellen auf dem Bruderklausenweg Flüeli-Ranft entgegen. Weil ich schon einmal mit dem Fahrrad hier war, steigerte sich für mich die Spannung, als ich die Einsiedelei erreichte. Bis jetzt war ich stundenlang alleine unterwegs, doch mittlerweile begegnete ich oft Pilgern. Der Bruderklausenweg senkte sich in die Schlucht nach Ranft zur untersten Kapelle hinunter. Nach ausgiebigem Betrachten und Besinnen stieg ich nach oben zur oberen Ranftkapelle mit der Wohnzelle vom Bruder Klaus. Im 15. Jh. ließ sich Nikolaus von Flüe hier als Einsiedler nieder und wurde zu allen Zeiten sehr verehrt, erst recht als er 1947 Heilig gesprochen wurde. In Flüeli gab es viele Touristen und mich trieb es talwärts zum Bauern (Strohlager). Dort traf ich Pilgerin Natascha aus Brunnen wieder. Zum Abendessen musste ich nochmals nach Flüeli hinauf und erlebte einen Alphornbläser, der so richtig zum Alpenglühen der Felsen passte. Über dem Bauernhof spannte sich später ein funkelnder Sternenhimmel. Jetzt fehlen mir die Wort für so viel Naturschönheit und wohlgeborgen kuschelte ich mich ins Stroh. Hatte etwa in der Scheune  geraschelt?
8.Tag: Am Morgen servierte uns die Bäuerin ein vortreffliches Frühstück. Frisch aus der Käsekammer wurde ein „Rad“ angeschnitten, was konnte ich als Käsefreund mehr erwarten! Es folgte ein leichter Abstieg nach Sachseln am Sarner See hinunter. Bis Giswil ging es eben dahin, dann erfolgte der erste Aufstieg ( 300 Hm) zum Lungerer See, was mich bei sommerlichem Wetter einigen Schweiß kostete. Am See entlang lief es sich wieder leichter bis Obsee mit einer Beatus-Kapelle, sie diente in den Wirren der Reformation 1567 als Ausweich-Wallfahrtsort. Der alte Brünigweg, auch „Käppelistiege“ wegen der Felsstufen genannt, zog 600 Hm zum Brünigpass hinauf. Endlich erreichte ich nach vier anstrengenden Stunden das Hotel „Waldegg“ am Pass. Hier fand ich eine günstige Unterkunft im Lager und hervorragendes Essen. Beim Verdauungsspaziergang in Richtung Hasliberg erblickte ich ein herrliches Bergpanorama der Berner Alpen. Nach diesem ausgefüllten Tag schlief ich wie ein Murmeltier.
9.Tag: Nach einem kräftigen Frühstück konnte ich bei strahlendem Sonnenschein mit Blick auf das Berner Oberland losgehen. Vom Brünigpass (1000 Hm) war ein Abstieg nach Interlaken (600Hm) mit neun Stunden Gehzeit angesagt. Dennoch stand in der Beschreibung 1400 Hm Abstieg. Wie das? Zwischendurch ging es wieder 1000 Hm hinauf. Bald senkte sich ein sehr steiler Pfad nach Brienzweiler hinunter. Sollte das so noch 30 km weitergehen? Im Brienzer See  konnte ich mir erst mal die Beine etwas kühlen. Der schlimmste Teil für heute war geschafft. Vom See zog der Weg nur noch leicht den Berg hinauf, über eine Hängebrücke und wieder zum Seeufer hinunter. Erste Ermüdungen zeigten sich, hatte ich mir als Jahrgang 39 zuviel zugemutet? Wenn man da noch am Bahnhof vorbeikommt, sagte eine Geisterstimme: Einsteigen!  Aber nur ein kleines Stück, in Interlaken wollte ich selbst „einlaufen“. Die Idee war gut, denn vor Interlaken war der Brückenübergang gesperrt und ich musste einen großen Umweg an der Aare entlang nehmen. Ein Pilgerspruch besagt: Willst du das Ziel erreichen, so musst du auch den Weg wollen! Beim Bauer Lanzenen fand ich in einem gemütlichen Strohlager Erholung. Am Abend konnte ich den mächtigen Gipfel der „Jungfrau“ über den Bergen sehen, was für ein erhabenes Bild – eine Kathedrale Gottes! Nach so einem anstrengenden Tag hörte ich kein Rascheln mehr im Stroh.
10.Tag: Einen Wecker brauchte ich nicht, die Kühe weckten mich. Die Bäuerin servierte ein überaus reichliches Frühstück und gestärkt pilgerte ich durch Interlaken,  an der Aare entlang. Heute konnte ich etwas gelassener den Jakobsweg fortsetzen. Von der Ruine Weissenau führte ein Holzsteg durch das idyllische Flachmoor zum Thuner See. Nun stieg der ausgesetzte Pfad über alte Steintreppen zur Felsengalerie der Beatushöhlen hinauf. Ruinen einer alten Pilgerherberge erinnern an vergangene Zeiten von diesem Wallfahrtsort. Die Legende des heiligen Beatus konnte sehr eindrucksvoll bei einer Besichtigung der Höhle erlebt werden. Der Höhenweg nach Merlingen und weiter nach Oberhofen bot immer wieder herrliche Ausblicke auf die Schweizer Alpenwelt. Das Hotel „Niesenblick“, direkt am Thuner See gelegen, zeigte sich als gute Wahl. Für Pilger bewilligte das feine Hotel günstige Preise und nach Wunsch ein zeitiges Frühstück. Doch der Blick von der Terrasse auf ein fantastisches Bergpanorama war unbezahlbar. Vom Schilthorn, Weisse Frau, Blümlisalp, Doldenhorn, Balmhorn und Altels, um nur einige zu nennen, reichte die Alpenkette. Beim Spaziergang im Schlosspark färbte ein Abendrot das „Dreigestirn“: Eiger, Mönch und Jungfrau in ein zartes Rosa ein. Ein unvergesslicher Anblick! Viele Menschen klammern sich an große Wünsche und übersehen oft die natürlichen Schönheiten unserer Erde. 
11.Tag: Zeitig pilgerte ich auf dem Höhenweg Richtung Thun. Später senkte sich der Weg ans Ufer des Thuner Sees und führte direkt in die Stadt. Da ich Thun von früher her kannte, bog ich gleich über die Aarebrücke ab und strebte Scherzingen zu. Die legendäre Kirche St. Maria stammt aus dem 10. Jh., die seltenen Wandmalereien sind aus dem 13.-16.Jh.  Das Chorbild: Gottesvater drückt seinen Sohn ans Herz und das Wandbild: Der zwölfjährige Jesus lehrt im Tempel, sind gut erkennbar. In aller Stille ließ ich sie auf mich wirken. Die Via Jacobi verlief durch den Schlosspark Schadau und kam zum Strandbad von Gwatt. Bei so einem Sommerwetter zog es mich ins Wasser und ich schwamm schnell einige Bahnen. Erfrischt ging es unterhalb der Stockhornkette weiter und das nächste Ziel hieß Amsoldingen mit der romanischen Kirche. Diese dreischiffige Basilika (10 Jh.) strahlte durch ihre Einfachheit und Größe eine unwahrscheinliche Ruhe aus. Ein Meilenstein aus der Römerzeit wurde in der Krypta als Säule verwendet. Bis nach Wattenwil zur nächsten Übernachtung war es dann nicht mehr weit.
12.Tag: Die letzten Regenwolken hatte der Wind vertrieben. Der Jakobsweg führte mit Auf und Ab über offenes Gelände und guter Fernsicht nach Rüeggisberg mit seiner berühmten Klosterruine aus dem 11. Jh. Die einstige Anlage beeindruckt auch heute noch durch ihre grob gemauerten romanischen Bögen. Für Pilger diente sie als wichtiger Zufluchtsort. Heute können wir Pilger sorgloser durch das Land ziehen. Doch wo sind sie? Tagelang hatte ich kaum Pilger getroffen. Der Weg verließ nur kurz die Hochebene und senkte sich ins Tal der wilden „Schwarzwasser“ hinab um gleich wieder in die Höhen nach Schwarzenburg zu ziehen. Danach wurde es richtig romantisch, denn man betrat auf alter  Pflasterung einen aus dem Fels gehauenen Weg. Es sind noch Trittlöcher für die Fuhrleute zu sehen. Der „Sensegraben“ kann in heutiger Zeit gefahrlos mit einer Brücke überwunden werden, das war früher nicht der Fall. Durch einen  weiteren historischer Hohlweg erreichte ich die nächste Unterkunft in Heitenried.
13.Tag: Der Regen in der Nacht hatte reine Luft und gute Sicht geschaffen, der Blick reichte bis zum Jura. Welch eine Ruhe lag heute am Sonntag über dem Land, nur das Vieh auf der Weide und die Vögel im Wald waren zu hören. Glockenläuten lag in der Luft. In der Kirche zu St. Antoni erlebte ich noch kurz einen Gottesdienst - die richtige „Wegzehrung“. Weiter ging es  durch einen typischen Hohlweg und dann nach Tafers mit der Kapelle des „Hühnerwunders“.  Das sogenannte Hühnerwunder ist ja auf dem Jakobsweg in Spanien ein Thema. Endlich ein Tag mit reichlich Zeit – nur vier Gehstunden! Bummeln, verweilen, meditieren und den Weg nach innen suchen. Wo Neugier und Offenheit sind, werden wir manches finden, was wir gar nicht gesucht haben! Schon am Mittag erreichte ich Fribourg, wo ein kunsthistorischer Rundweg (Chemin de St-Jacques) die Jakobspilger durch die Altstadt zur Kathedrale führte. Hier nimmt der Heilige Jakobus einen ausgewählten Platz ein, wie überhaupt der Jakobus in der Altstadt  oft präsent ist. Nach all dem besinnlichen Betrachten der Altstadt, Kirchen, Plätze und Gassen fand ich mein Quartier in der Jugendherberge. Dort traf ich zwei Pilger aus Wien vom Vortag wieder. Wir trafen uns noch öfters, sogar noch nach einer Woche in Genf.
14.Tag: Heute stand wieder eine große Strecke über 30 km an. Kaum hatte ich Fribourg den Rücken gedreht und schon wurde es ruhig im Wald, nur die Vögel zwitscherten. Zu dieser Idylle passte gut die alte Steinbrücke Ste-Apolline mit dem großen Rundbogen aus dem 13. Jh. Später kam ich zur Wallfahrtskapelle Posat mit dem wunderbaren Quellwasser, dem Heilkräfte nachgesagt werden. Hatte das Heilwasser auch mir neue Kräfte verliehen? Denn ich kam gut voran. Nach einigen Stunden tauchte im Tal Romont mit seiner Burganlage und der großen Kirche auf. Die Augberge l´Aigle hatte ich dann bald erreicht. Nach dem Abendessen bummelte ich noch zur Altstadt und zur Stiftskirche.
15.Tag: Wegen der kurzen Strecke war heute „Entschleunigung“ angesagt. So schlenderte ich nochmals zur Stiftskirche und konnte mir in Ruhe den schönen gotischen  Innenraum ansehen. Im Chorgestühl gab es wundervolle Schnitzereien, nur den St-Jaques fand ich nicht. Da half mir ein Mann aus Romont beim Suchen und wir fanden ihn. Über dem Place de St-Jacques ging ich zur Burg und zum alten Château, wo heute ein Glasmalerei-Museum untergebracht ist. Endlich öffnete um 10 Uhr das Museum, die Wartezeit hatte sich gelohnt, denn wahre Kostbarkeiten bis aus dem 12. Jh. wurden präsentiert. Wie z.B. die Rundscheibe „ Johannes der Täufer begegnet Christus“, die als Flickstück im berühmten Rosenfenster die Zerstörung der Bildfenster der Kathedrale von Lausanne überlebt hat. Auch die Räumlichkeiten mit alten Holzbalken und modernen Eisenträgern waren architektonisch gut gelungen. Ab Mittag pilgerte ich gemütlich nach Mondou. Wieder hatte ich Zeit für die Kunst der Langsamkeit und konnte mich bei herrlichem Sonnenschein an der Umwelt erfreuen. Freude ist ein guter Wegbegleiter und stimmt das Herz so froh. In Mondou lockte die reformierte Kirche mit sehenswerter Malerei und geschnitztem Chorgestühl zu einem Besuch. Bonjour, Oui nous avons une chambre de libre pour vous le 09.06.09. Meilleures salutations, so fand ich eine gute Unterkunft oberhalb der Stadt und traf die beiden Wiener wieder. Wir saßen lange beim Abendessen mit netter Unterhaltung zusammen.
16.Tag: Alle Tage schönes Wetter, wie hatte ich das nur verdient? Der Jakobsweg oder wie er jetzt Chemin de St-Jacques hieß, folgte dem Fluss Boye entlang, dann ging es viel durch Wälder und offenes Gelände. 30 km waren es bis Lausanne und die zogen sich hin. Endlich senkte sich der Weg nach Lausanne hinunter. Ab Epalinges benutzte ich die Metro durch diese Großstadt. Und weil die Jugendherberge am Westende lag, stieg ich noch in einen Bus um. In der Jugendherberge gab es eine gute Unterkunft, leckeres Abendessen und auch noch eine Freifahrtkarte für den öffentlichen Nahverkehr. Den Abend beschloss ich mit einem Spaziergang am Genfersee und konnte den Sonnenuntergang bei einem Glas vin blanc genießen.
17.Tag: In der Wegbeschreibung hatte ich gelesen, dass der Jakobsweg oft durch bebautes Gebiet und an Straßen entlang führt. War nicht der Radweg Nr.1 von Veloland nach Genf beschildert? Hatten die Pilger früher manchmal einen Esel benutzt, so lieh ich mir am Bahnhof einen „Drahtesel“ (wie man scherzhaft zum Velo sagt) aus. Doch vorher  stieg ich zur Altstadt hinauf. Je größer die Städte, um so gewaltiger wurden die Kathedralen. Stilistisch weist die Kathedrale von Lausanne neben den typischen gotischen auch romanische Elemente auf. Vom 13. Jh. wurde bis jetzt viel um- und angebaut und dient heute als reformierte Hauptkirche von Lausanne. Mächtige Figuren aus der Kirchengeschichte und bunte Glasfenster schmücken das Innere. Das Wappen am Grab von Otto 1. von Grandson zieren drei Jakobsmuscheln. Es gäbe noch viel mehr in Lausanne zu besichtigen, doch als Pilger hatte ich ja ein Ziel. So spazierte ich zum Bahnhof und bestieg das Velo. Was für ein leichtes Vorwärtskommen! Der schwere Rucksack lastete nicht mehr auf dem Rücken, sondern fand bequem auf dem Gepäckträger Platz. Als Jahrgang 39 konnte ich mir diese Erleichterung leisten. Erster Abstecher war die alte Kirche St-Sulpice (11. Jh.). Im romanischen Querschiff sind noch Reste von Wandmalereien aus dem 14. Jh. erhalten. Nun folgte ich der Radbeschilderung Nr. 1, die ziemlich identisch mit dem Pilgerweg verläuft. Auch der Radweg führte oft zum See und durch schmucke kleine Ortschaften. Bald waren die 50 km bis Nyon zum Quartier, ein liebesvoll hergerichtetes altes Château, bewältigt. Die Römer haben hier in Nyon viele Spuren hinterlassen. Beim Abendspaziergang präsentierte sich der Mont Blanc am Horizont und die untergehende Sonne färbte den „Weißen Riesen“ rosé ein.
18. Tag: Nach einem reichlichen Frühstück schwang ich mich auf „meinen Drahtesel“ und folgte der Route 1 weiter nach Genf. Unterwegs radelte ich wieder durch hübsche Ortschaften und Weinberge. Der Radweg endete genau am Bahnhof, wo ich das Velo zurückgab. Das Velo lief hervorragend – wie ein Schweizer Uhrwerk! Ein halbe Stunde später konnte ich schon in der Jugendherberge einchecken und machte mich zum ersten Stadtgang an der Seepromenade zur Altstadt auf. Mein Ziel war natürlich zuerst die Kathedrale St-Pierre, 1230 in gotischen Stil vollendet. Ein riesiger Kirchenbau, jetzt durch Calvin geprägt.  Im Jahr 2009 wird ja der 500. Geburtstag von Calvin gefeiert. Viel gab es hier zu schauen und mit dem Stempel in meinem Pilgerpass ist für mich der Schweizer Via Jacobi abgeschlossen, jedoch der Jakobsweg führt noch weiter. Mein Pilgerweg nach innen hat erst begonnen. Ich hätte nicht gedacht, was sich alles innen bewegen kann. Man braucht dazu natürlich eine Offenheit und die Bereitschaft, dass sich etwas verändern kann. Meine Suche geht weiter! Ein großes Lob möchte ich für die hervorragende Beschilderung und Informationen des Via Jacobi in der Schweiz aussprechen. Die Schweiz bleibt für mich ein Bilderbuch und jeden Tag durfte ich neue Seite aufschlagen. Auch wenn diese Strecke mit 460 km und 12.000 Hm auch einiges abverlangt, bleibt es ein wunderschöner Weg in faszinierender Kulisse.
19.Tag: Ich hatte mir einen zweiten Tag für Genf reserviert, streifte durch die Altstadt, besuchte eine Calvinausstellung und das Denkmal der Reformatoren Farel, Calvin, Beze und Knox. Dann wurde es schon Zeit zum Orgelkonzert in der Kathedrale St-Pierre. Diesen warmen Samstagabend ließ ich wie die vielen anderen Menschen am See gemütlich ausklingen.

Au revoir und buen Camino, Pilger Arno, Karlsruhe

 Arno Ritter
....... ein Pilgerbericht von Arno Ritter vom Via Jacobi - Nov. 2011

An den Anfang der Page
 

 
Pilgerreise von Brenig nach Rom    
Mit dem Fahrrad vom 9. Mai bis 5. Juni 2011  


Der Pilgerausweis war von der Jakobsbruderschaft in Trier. Die grobe Wegbeschreibung hatte ich   mir vorab festgelegt ohne genau zu wissen, was dahinter steckt. Den berühmten alten Pilgerweg (Via Francigena) traf ich dann kurz hinter Mailand und blieb auf ihm fast 200 km. In Italien wollte ich dann möglichst rasch auf die Westseite des Stiefels um am Meer entlang die Strecke zu genießen. Es kam dann etwas anders.
Nachfolgend versuche ich einen  Reisebericht aufzuzeichnen - ohne auf Landschaft und Gefühle einzugehen -, es soll eine Info Beschreibung werden für alle, die ähnliche Absichten hegen.
Start: Montag 9. 5. 8.00 Uhr  von Bornheim-Brenig bis St. Goar a. Rhein.
Schon nach einigen Metern stellte ich fest, dass ich zu viel Gepäck dabei hatte. Naja jetzt war ich erstmal am treten und ließ mich hiervon nicht weiter beeindrucken. Ich hatte starken Gegenwind. Nach 122 km und mit einem Stundenschnitt von 16,2 km/h war ich  gegen 18.00 Uhr in St. Goar. In einem mir bekannten Hotel direkt am Rhein habe ich übernachtet.
Dienstag 10.5. von St. Goar am Rhein nach Ludwigshafen.
Nach einem guten Frühstück ging es weiter am Rhein entlang. Was ich jetzt dringend brauchte war mein heutiger Pilgerstempel. In Bacherrach fand ich dann das Pfarrbüro und es hatte geöffnet. Mit frischem Pilgerstempel ging es weiter in Richtung Süden. Für Anfang Mai war es schon recht warm um nicht zusagen heiß. Ich fuhr immer am Rhein entlang (wenn man abweicht kommt man schnell ins Gebirge und das kann dann anstrengend werden). Am Abend war ich dann in Ludwigshafen Oppau. Hier hatte ich einige Zeit gelebt und gearbeitet  (bei unserer Mutter BASF). Es kamen Erinnerungen, aber kein Hotelzimmer.

Mittwoch 11.5. von Ludwigshafen nach Neuburg (bei Wörth)
Früh morgens war mein erster Weg zu DHL. Hier befreite ich mich von 5 kg Gepäck. Etwas erleichtert aber noch nicht so befreit ging es zur Pilgerstempelsuche. Ziemlich rasch wurde meine Bitte erfüllt. Dann ging es im Sonnenschein Richtung Wörth. In Speyer traf ich auf Radler aus Ludwigshafen (siehe da) ehemalige Arbeitskollegen die Wesseling und Basell kannten. So klein ist die Welt. Nach kurzen Gesprächen und guten Wünschen ging es weiter.  In Wörth gibt es ein großes LKW-Werk von Mercedes.  Auch in Wörth die gleiche Zimmersituation wie in Ludwigshafen. In Neuburg, etwas hinter Wörth überließ man mir ein Monteurzimmer. Der Kumpel hatte gerade ein paar Tage Urlaub und ich konnte seine Unterkunft nutzen.
Donnerstag 12.5. von Neuburg nach Neuried
Gegen 7.30 Uhr ging es schon los.  Die Herberge war ohne Frühstuck gebucht. Ein scheinbar guter Ratschlag wurde mir mit auf den Weg gegeben. Fahren Sie auf der französischen Seite des Rheins. Dort sind die Radwege deutlich besser. Im Nachhinein mag das stimmen. Die Radwege sind ausgezeichnet. Aber man kommt schnell in die Berge und in die Altrheinarme. Sie sind nicht unbedingt der direkte Weg in den Süden. Der erste Nieselregen kam. Nun kamen auch die ersten leichten Berge. Der Regen wurde stärker, so machte ich Pause in einem Cafe. Hier ist man zweisprachig. Ich bestellte mir ein Baguette und einige Tassen Kaffee. Als es aufhörte ging es weiter, durch Gambsheim. Ein kurzer Stopp und ich hatte meinen Pilgerstempel. In Strassbourg fuhr ich wieder auf der Deutschen Rheinseite. Hier  waren die Radwege vielfach Schotterwege. Mein Zimmerwirt hatte Recht. Ich versuchte es in Richtung Ost auf Wirtschaftswegen und die brachten mich dann nach 93 km und 15,2 Schnitt nach Neuried.
Freitag 13.5. von Neuried nach Heitersheim
Ein Glück dass ich nicht abergläubig bin. Also  ging es weiter. Vorbei am Schwarzwald und über bergiges Gelände.  Ich war einfach zu weit vom Rhein weg. Aber bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Heitersheim. Nach 97 km und 16er Schnitt kam ich an. Die ersten geröteten Stellen im Gesäßbereich wurden erkennbar. Diese waren natürlich auch mit Schmerzen verbunden. Eine große Tube Wund und Heilsalbe habe ich auf der Reise verbraucht, ohne jedoch wieder schmerzfrei zu werden.
Samstag 14.5. von Heitersheim nach Sissach
Gegen 8.00 Uhr radelte ich los. Einen Stempel bekomme ich nicht. Alles geschlossen. Eine ev. Pfarrerin, die gerade beim Hausputz war,  gab mir schnell ein Autogramm in meinen Pilgerpass.  Ich war in Haltingen. Die Schweizer Grenze war nicht mehr weit weg. Noch vormittags verließ ich den Euro-Raum und musste fortan mit Fränkli bezahlen. Das die Schweiz teuer war, war mir klar, aber manchmal ging es über die Schmerzgrenze. In Basel ging es über den Rhein und weiter noch bis Sissach. Bei leichtem Nieselregen machte ich etwas früher Schluss und halt im Hotel Sonne. 77 km waren zurück gelegt. Der Schnitt betrug 15,3 km. In der Schweiz half mir das Kartenbuch „Veloland Schweiz- Nord/Süd Route“. Die Schweizer Radwege sind gut beschildert, ich bleibe auf der Nord-Süd Route 3.
Sonntag 15.5. von Sissach nach Sempach
Wieder Nieselregen. Nützt nichts, weiter. Ein nicht besonders schöner Tag. Es geht in Richtung Luzern.  Jetzt kommt die erste wirkliche Steigung. Von Sissach rund 330m ü.nn geht es jetzt über Schafmatt 812 m ü. nn in Richtung Sempacher See. Ziemlich oben angekommen lege ich in einem kleinen Bauerndorf eine Pause ein. Ich gehe in  - bei uns würde man sagen normale Kneipe - und trinke 2 Gläser offenes Mineralwasser. O.k. 7 Franken, nicht schlecht! Leichter Regen begleitet mich den ganzen Tag. In einer Scheune wechselte ich schnell meine nassen Klamotten. Einen Pilgerstempel findet man am Sonntag  Nachmittag auch nicht mehr. Nach 73 km und nur 13,4 er Schnitt komme ich nach Sempach. Hier suche ich mir ein Hotel.
Montag 16.5. von Sempach nach Flüelen
Nach einem sehr mageren Frühstück aber gutem Übernachtungspreis (80 Franken Ü/Fr.) ging es zuerst mal wieder in Richtung Pfarramt um den Pilgerstempel zu bekommen. Es geht problemlos und schnell. Dann ging es weiter in Richtung Gotthard. Die Zimmerwirtin, eine etwas ältere aber freundliche Dame gab mir den Rat mit, direkt mit dem Schiff nach Flüelen zu fahren und nicht mit der Fähre. Die Fähre übersetzt nur und man kommt nördlich von Gersau auf die seenahe Straße. Diese Route, so schilderte mir die Hoteliers Chefin ist sehr gefährlich zum fahren. Ich rede vom Auto, betont sie, vom Fahrrad ganz zu schweigen. Naja ich dachte „bange machen gilt nicht“ und ich riskierte die Fähre (die Wahl fiel mir nicht schwer, die Fähre fuhr noch, das Schiff hatte schon Feierabend). Gefährlich war aber hier gar nichts. Ein Super Fahrradweg geht längst des Vierwaldstätter Sees in Richtung Süden, in einmalig schöner Landschaft. So kam ich dann gegen 17.00 Uhr in Flüelen an. 91 km hatte  ich geradelt, weil ich einen gewaltigen Umweg gefahren habe. Hier war auch leider meine Karte der Nord/Süd Route nicht sehr hilfreich. Der beste Weg ist – im nachhinein - von Luzern erst nach Küssnacht (also den See östlich umfahren) und dann nach Weggis, Gersau und von dort weiter nach Flüelen. Im Hotel Hirschen fand ich eine gute Bleibe für die Nacht.
Dienstag 17.5. von Flüelen nach Göschenen
Frühmorgens nach Frühstück und Stempel ging es ans Eingemachte. Das Gotthardmassiv stand vor mir. Flüelen liegt auf 435 m und was vor mir lag waren 2100 m ü. nn. Das machte mich schon nachdenklich, weil ich gestern einen halben Tag an Umwegen verloren hatte. Na gut, packen wir es an. Nach gut zehn Kilometer wird nur noch im ersten Gang gefahren. Das Wetter ist gut um nicht zu sagen zu gut. Unterwegs Rennradfahrer, auch Ältere die fahren wie gedopt den Berg rauf. Ich staunte nur. Es geht durch Silenen, Amsteg nach Wassem. Alles schöne Bergdörfer und  eine sehr gute Infrastruktur in der Höhe. Leider reicht mein Wasservorrat nicht und ich musste an die Tankstelle. Diese hatte Mittagsruhe. Aber ein Getränkeautomat draußen hatte noch Wasser. Der ½ Liter für 3 Franken. Wer keine Franken mehr hatte, konnte auch mit Euros bezahlen. Aber Wechselgeld gab er nicht zurück. O.k. kann man nichts machen. Mein Wasserbedarf lag bei dem Anstieg auf 1 Liter pro 10 km. Also rund 6 €. Da habe ich nur gedacht: Alle sagen, Auto fahren sei teuer!. Gegen 14.30 Uhr war es dann vorbei . In Göschenen angekommen brauchte ich dringend Wäschewechsel. Ich hatte zwar nur 36 km gefahren, aber 705 m war ich hochgestiegen. Das anstrengende daran war die ununterbrochene Steigung. Klar wäre ich nach einer Pause und Klamottenwechsel weiter gefahren, aber das Wetter in Richtung Andermatt  wurde schlechter. Ab 1500 m war Dauernebel  und es lag noch Schnee am Straßenrand. Also zurück nach Göschenen. Ein Hotel suchen und morgen früh mit der Bahn durch den Gotthard. Abends in der Hotelgaststätte fragte ich meine Zimmerwirtin wie es mit der Aussicht wäre, im Moment über den Gotthardpass zu fahren. Sie lächelte mich nur bemitleidenswert an. Gut mein Entschluss stand fest: „morgen früh mit der Bahn nach Airolo“  Aber mit dem Versprechen, ich komme wieder, die Gotthardspitze mache ich noch mal.
Mittwoch 18.5.von Göschenen nach Lugano
Um 10.00 Uhr fährt die Bahn. Alles ohne Probleme. Fahrkarten gibt es am Automaten, Fahrradwagen hat jeder Regionalzug. Kein Problem man muss nur vorbereitet sein. Es geht alles sehr schnell. Das Fahrrad hebt man alleine runde 80 cm hoch in den Fahrradwagen. Die Karte fürs Fahrrad wird im Zug gekauft. Airolo wir kommen. Gute 10 Minuten und eine ganze Tagesetappe ist  geschafft. Aussteigen und ein letzter Blick Richtung Gotthard. Diesmal vom Tessin aus. Das gleiche Bild, Nebel. Der Blick in Richtung Süden ganz anders. Sonne und von jetzt an jeden Tag  oft und reichlich. Und von nun an geht’s bergab. Herrlich die längste Abfahrt die ich je gefahren bin. In Faido halte ich an einer Kirche an, um mir den Stempel zu holen.  Und siehe da, ein sehr  freundlicher Pater, spricht  deutsch und bietet mir eine Tasse Kaffee an. Bisher ging das Abstempeln eher unfreundlich bis neutral von- statten.  Nun gut, nach einem kurzen Gespräch geht es weiter in Richtung Lugano. Es bleibt nicht nur bei der Abfahrt. Es kommt auch wieder eine Steigung von fast 400 m. Nach 99 km und einem Schnitt von 16,3 km/h bin ich in Lugano. Hier wird es noch etwas teurer für die Übernachtung zahle ich jetzt 135 € ohne Fr., (fairerweise bleibt noch zu erwähnen, es war ein Motel mit 4 Bett Zimmer) das bleibt Rekord auf der Reise.
Donnerstag 19.5. von Lugano nach Mailand
Ich bin noch immer in der Schweiz, wie lange noch, wann kommt endlich die Grenze zum nächsten Euroland ? Endlich Chiasso in Sicht und damit auch die Grenze nach Italien. Grenzübertritt, dahinter geht es den Berg hoch in Richtung Como. Der erste Kreisverkehr, au Backe mein  Schutzengel hat aufgepasst, sonst hätte mich ein Rechtsabbieger abgeschossen. Weiter den Berg hoch, erneuter Kreisel. Wieder das Gleiche, wieder Probleme mit einem Rechtsabbieger. Wie geht das in Italien? Im nächsten Kreisel halte ich meine linke Hand in den Kreisverkehr und siehe es klappt, keiner bedrängt mich. So geht es weiter in Richtung Mailand. Radfahren in Italien ist schon etwas besonderes. Fahrradwege findet man nur in den Touristenorten. Oft gerät man auf Straßen (sog. Superstradas). Die ähneln unseren Autobahnen nur ohne Randstreifen. Jeder größere LKW hupt. Man versucht weit rechts zu fahren. Fast auf dem weißen Begrenzungsstreifen und dann das laute Horn. Hier braucht man wirklich gute Nerven sonst kommt man nicht weit. Das Hupen geschieht nicht aus Unfreundlichkeit, sondern man will die Gefahr aufzeigen: „Pass auf, bleib ruhig, ich komme an dir vorbei.“  Ab jetzt Fahrrad Navi an und Richtung Süden.
Dann geht es weiter durch Gewerbegebiete, kleinere Ortschaften, Felder, Intensivlandwirtschaft, wieder autobahnähnliche Straßen und jede Menge Verkehr. Mailand ist erreicht.  Ich suche vergebens ein kleineres Hotel. Zum 3. Mal fahre ich an einem „Best Western“ vorbei, was sollst, reingehen und fragen was es kostet. 129 € Ü/Fr. naja Hauptsache eine Stube. Mein Fahrrad steht sicher in einer Garage. 104 Tageskilometer und ein 14,7 Schnitt. Aber sonst ist es in Italien auch in Mailand wieder viel preiswerter. Wasser kostet hier der halbe Liter 50 Zent bzw. der 1 ½  Liter 1.50 €. Der Preis ist von Mailand bis Rom immer der gleiche egal ob an der Tankstelle oder im Restaurant gekauft.
Freitag 20.5. von Mailand nach Fiorenzola d` Arda
Ich verlasse Mailand in Richtung Süden. Auf einer Art Bundesstrasse sogar mit Seitenstreifen fährt  es sich recht gut. Dann ein Straßenschild:  Via Francigena, auf dem Schild ist ein Pilger(männchen) dargestellt mit Pilgerstock und Rucksack. Ich habe ihn erreicht den legendären Frankenweg.  Er führte  beginnen in Canterbury über den San Bernadino, Piacenza, Parma, Passo Cisa nach Rom. Heute verkümmert - aber hier im nördlichen Italien versucht man ihn wiederzubeleben -. Mein Weg endet für heute in Fiorenzola de Arda nach 102 km und 16,8 Schnitt. Im Hotel Mathis finde ich eine Bleibe. Ein typisches Autofahrer Hotel. Mit Oldtimer Ausstellung in der Empfangshalle. Überhaupt erinnert hier so manches an vergangene  Auto- Zeiten. Hier hat man noch Benzin im Blut.
Samstag 21.5. von Fiorenzola d` Arda nach Cassio
Wasser bunkern es geht wieder in die Berge. Richtung Passo de Cisa. Es geht recht gemütlich los. Kleinere Steigungen sind kein Problem. Mein Stempel hole ich mir in einer kleinen Pfarrei in Noceto. Hier sind alle sehr freundlich. Der Pater tütete gerade Briefe ein. Er hatte ein paar sehr freundliche Helferinnen dabei. Diese bedauerten, dass wir uns nicht so recht verständigen (in italienisch) können. Hier spricht keiner mehr englisch, geschweige denn deutsch. Egal, es geht immer gut. Die Menschen sind immer freundlich und hilfsbereit. Der Mittag naht. Nur ein paar Bauern (die hier, wie bei uns auch, Tag und Nacht arbeiten) und  ich Jeck sind in der Mittagshitze auf den Beinen bzw. auf dem Fahrrad. Der Weg wird steiler. Kaum noch eine Ortschaft in Sicht und dann kein Aqua mehr. Langsam ohne Wasser geht mir auch die Luft aus den Beinen. Ich mache Pause. An einem verlassenen Bauernhof setze ich mich auf die Türschwelle. Was ich noch dabei habe sind Magnesium Kautabletten, damit versuche ich es. Ich raffe mich auf und fahre weiter bergauf. Nach ungefähr 500 m, wieder der gleiche Effekt. Platt! Der nächste Ort ist Cassio ungefähr noch 20 km entfernt. Normal kein Problem aber ich bin seit einigen Stunden am verdursten und habe echt keine Kraft mehr.  Aber weiter es nützt nichts. Zurück geht nicht. Der nächste Ort zurück ist viel weiter und es geht dann nicht nur bergab sondern auch oft genug bergauf. Dann sehe ich an der Straße am Seitenstreifen einen kleinen Fiat stehen. Was macht der Mann da? Er füllt Wasserflaschen ab, gespeist aus einer Quelle am Berg. Ich gehe zu ihm und frage,  mehr nebenbei: „Kann man das Wasser trinken“ die Antwort folgte sofort und es war das beste was ich auf der ganzen Reise gehört habe: „si, bene“. Damit war ich gerettet. Ich machte an der Stelle eine knappe Stunde Pause und habe meinen Pegel aufgefüllt, natürlich auch meine 4 Flaschen waren wieder gefüllt. Es kamen noch einige Rennradfahrer vorbei. Wir haben versucht uns zu unterhalten, jedenfalls soviel hatte ich kapiert, du bist bald da. In Cassio gibt es auch ein Hotel und die Berge bis dahin sind nicht mehr so wild. Cassio ich komme! Wie ausgetauscht war ich. Hatte ich doch noch nie im Leben Wasser vermisst. Ich kannte das Gefühl nicht, allein dieser Tag hat mir gezeigt wie gut wir es doch im Alltag haben. In Cassio befindet sich für den Ort doch ein recht großes Hotel. Ich nahm dort ein Zimmer mit Frühstück für 25,-€. Mein Rad kam in die Hotelgarage und ich stärkte mich mit einem guten Abendessen und ein paar Gläsern italienischem Bier, das übrigens sehr gut ist.  74 km 12,6 Schnitt.

Sonntag 22.5. von Cassio nach Marina di Massa
Es geht wieder weiter in Richtung Passo de Cisa. Ich befand mich auf rund 800 m Höhe und musste nur noch 300 m höher. Normal kein Problem. Leider geht es aber zuerst mal wieder bergab. Aber gegen 11.00 Uhr hatte ich es geschafft. Ich ging in die Bergkapelle und verrichtete ein kleines Gebet. Alles war letztlich gut gelaufen. Weiter geht es in Richtung Westen. Wieder eine riesenlange Abfahrt. Sicher um die 20 km, dann ein Stopp in Pontremoli zwecks Stempel. Jetzt ging es weiter in Richtung Küste. In Marina de Massa machte ich halt nach 104 km und 17,6 Schnitt. Marina de Massa liegt neben der  Marmor Stadt Carrara und ist ein gepflegter Badeort.
Montag 23.5. von Marina di Massa nach Cecina (Livorno)
Es geht an Pisa vorbei Richtung Livorno, beides keine Städte zum länger verweilen. Mittlerweile fahre ich auf der Via Aurelia, heute heißt sie SS1, Superstrada uno. Leider nicht immer für Radfahrer. Oft wechselt sie in eine reine Autobahn. Man steht plötzlich vor Autobahnschildern, die u.a. auch Radfahrern die Weiterfahrt  verbieten. Wo man dann  mit seinem Rädchen her soll, sagt keiner. Jedenfalls komme ich Abends nach Cecina (Li) 110 km. Heute habe ich getreten und Rekord Schnitt 18,5.  Ein Hotelwirt, der mir ein wenig verrückt erschien, schenkte mir gleich eine Flasche Bier, verlangt dann für die zweite 7000 €. Er rechnete wohl noch in Lira. Die nächste Pulle gab es dann für „5000“ und die letzte für „ 3000“.  Jedenfalls hatte ich meinen Spaß.
Dienstag  24.5. von Cecina nach Marina di Grosseto
Weiter SS1, Stempeln und treten. Vorbei an der Küste, immer warm, super Landschaft. Alles Bella. Abends bin ich dann in Marina di Grosseto nach ein wenig rauf und runter gefahren. Habe 103 km gefahren, Schnitt 17,3.
Mittwoch 25.5. von Marina di Grosseto nach Chiarone Scala
Ich fahre zuerst nach Grosetto, muss mir ja den Stempel abholen und dann soll es weiter gehen auf  der SS1 nach Rom. Stopp, hinter Grosseto wird die Via Aurelia wieder einmal zur Autobahn. Das hat mir noch gefehlt. Morgen wollte  ich in Rom sein und jetzt weiß ich -trotz Navi-  noch nicht einmal den Weg dorthin. Ich fahre ein paar Feldwege. Treffe ein Radlerpärchen aus Holland. Wir unterhielten uns zuerst in Englisch, dann in deutsch. Gemeinsam versuchten wir den Weg in Richtung Süden zu finden.  So richtig einig wurden wir uns nicht. Beide gaben auf und sie fuhren zurück in ihre Bleibe. Ich fuhr an ein Bauernhaus. Hier waren ein paar Bauarbeiter beim Eisenbiegen. Ich versuchte ihnen zu erklären wo ich hin möchte. Diese gaben sich viel Mühe mir den Weg zu erklären. Es hat natürlich etwas länger gedauert. Aber ich hatte es verstanden. Ich muss in die Berge der Toskana, Richtung Montiano. Das geht natürlich nicht ohne die heiße Mittagssonne, wie gehabt ein paar Bauern und ich, sonst niemand. Weiter geht es über Marsilina nach Calbalbio. Jetzt komme ich wieder auf die SS1 und siehe da auch für Fahrräder wieder frei. Trotzdem wieder eine Situation wo ich mir nicht so sicher bin. Habe das Verbotsschild für Radfahrer übersehen oder kann ich wirklich hierher fahren. Ich bin mir nicht sicher. Hebe mein Rad über die Leitplanke und gehe hinter der Leitplanke zurück zu einen kleinen Weg, der in Richtung Meer führte.  Hier machte ich erst einmal Feierabend. Der Ort heißt Chiarone Scala. Ich habe 96 km hinter mir, bei heißem Wetter, Bergen, am Meer bei starkem Gegenwind habe ich einen Schnitt von 15,7. Jetzt nur Essen, ein Bier und schlafen.
Donnerstag 26.5. von Chiarone Scala nach Rom
Gegen 7.00 Uhr stand ich auf. Nach dem Duschen und einpacken versuche ich zu Frühstücken. Aber keiner zu finden. Die Rezeption war noch nicht besetzt. Wohl noch alle beim schlafen. Ich muss weiter, lege 45 € für die Übernachtung hinter den Tresen und breche auf. Heute Abend soll ich in Rom sein. Lt. Via Aurelia sind es noch über 130 km. Das wird ein harter Tag. Mein Zimmervermieter sagte mir am Abend noch, dass man die Via Aurelia bis Rom mit dem Rad befahren kann. Wieder komme ich an den besagten Parkplatz wo ich gestern noch mein Rad über die Leitplanke gehoben habe und siehe da:  Polizei Kontrolle! Carabinieri mit MP und kugelsicherer Weste. Die MP im Anschlag, ein leicht furcht einflößender Anblick. Was sollst, ich gehe zu ihnen und frage: “ Kann ich mit dem Rad auf die SS1“? Die Antwort folgte prompt und klar:“Si“! Jetzt war es amtlich, ich durfte. Jedoch mein Gefühl von einem der Dicken Brummis oder auch von einem Italienischen Rennfahrer abgeschossen zu werden, blieb. Die Via Aurelia bzw. SS1 zeigt alle 100 m an, wie weit man von Rom entfernt ist und das schon seit La Spezia (von La Spezia bis Rom sind rund 400 km). Teilweise sind es noch alte von den Römern in Stein geschlagene Zeichen, aber in jedem Fall durchgängig in kleinen Schildern. Heute ist nur kräftig treten angezeigt. Vorbei am Meer über Civitaveccia, Fiumicino, ab und zu ein Stopp und die Suche nach dem Stempel, aber kein Glück, weiter nach Rom. Die Straßen- situation wird nicht besser , auch nicht je näher  es auf Rom zugeht. Ab dem Ortsschild Rom kommt wenigsten wieder ein Seitenstreifen und die Fahrt wird somit etwas sicherer. Die Via Aurelia führt direkt zum Vatikan. Geschafft 18.00 Uhr ich bin da. Jetzt nur noch das Hotel Espana finden, das ich schon zu hause gebucht hatte. Das war noch mal eine gute halbe Stunde und ich war im Hotel. Mein Rad habe ich abgestellt und ein paar Tage nicht mehr angepackt. Ich hatte es fürs erste geschafft.

Freitag  27. 5.
Ich merke schnell, Rom ist Großstadt, laut, verkehrsreich, geschäftig. Unzählige Motorroller brettern hier, da zwischen permanentes ta tü ta ta, (in Italien hört es sich etwas anders an, ähnlich wie in Ami Filmen) egal, es ist laut, um nicht zu sagen unerträglich laut. Ich besuche erste die Kirche in Rom und genieße die Stille. Weiter gehe ich zu Fuß nur mit Fahrrad Nawi in Richtung Vatikan. Vor der Engelsburg gehe ich ins Deutsche Pilgerbüro. Dort lege ich meinen Pilgerausweis vor und bekomme meinen vorletzten Stempel. Dann zum Peters Dom. An den Sicherheitsschleusen trenne ich mich von meinem geliebten Taschenmesser „ Schweizer Präzession“.  Man wirft hier ungläubige und Pilger in einen Topf, kein besonders gutes Gefühl nach soviel Strapazen.  Aber vielleicht geht es auch nicht anders. Ich war 1978 das letzte Mal im Petersdom, seinerzeit noch ohne Schleuse und soviel Sicherheitspersonal. Ich gehe an die Bronzene Petrus Figur, lege meine Hand auf seinen Fuß, die obligatorische Rombegrüßung. Nach dem Petersdom in die nächste Apotheke. Ich muss endlich was an meinen Druckstellen im Gesäßbereich machen und kaufte mir eine Dose Pflaster Größe a 7x7 cm. Hier Wund und Heilsalbe drauf und siehe da es funktioniert noch immer. Die Schmerzen sind weg. Früher beim Skifahren ein altbekannter Trick um Druckstellen zu beseitigen . Wäre mir das nur früher eingefallen, es wäre mir viel Schmerz erspart geblieben.
Samstag 28. 5.
Heute Morgen muss ich zuerst wieder zu DHL um weiteres Gepäck nach Hause zu schicken. Zwei Taschen mit  insgesamt 8 kg sind abgeschickt. Nicht ganz billig die Aktion (80€), aber vor der Heimreise muss ich mich erleichtern, die soll teilweise mit der Bahn stattfinden und Gepäck stört hier nur. Als alter Schützenbruder, über 45 Jahren bin ich in der Schützenbruderschaft, geht mein nächster Weg zum heiligen Sebastian, dem Schutzpatron vieler Schützenbruderschaften.  Die Kirche des hl. Sebastians liegt an der Via Appia Antica, also an jener legendärer Heerstraße den schon so mancher Ami Schinken beschrieb (Quo Vadis). Zu Fuß waren es rund 5 km, ich kam gegen 11.45 Uhr an und gegen 12.00 Uhr sollte geschlossen werden. Also noch schnell hinein, ein kleiner Pater begrüßte mich und ich bekam den letzten Pilger Stempel meiner Reise. Auch gab er mir noch reichlich Zeit für ein stilles Gebet, ein paar Kerzen und einige Fotos.
Sonntag 29.5.
Mein letzter Tag in Rom führt mich wieder zum Petersplatz, Sonntagmittag betet Papst Benedikt das Angelus Gebet. Ich nehme mein Fahrrad mit und stelle mich neben den Obelisk, jedoch vor die Absperrung, hier warte ich rund eine Stunde bis der Papst ans Fenster kommt, er betet den Angelus, und grüßt danach die Pilger in 5 Sprachen. Die Beschallung ist super, man hat das Gefühl der Papst steht neben einem, er ist allerdings schätzungsweise 300 m entfernt. Sein letzter Satz: „bella Domenica“ (schönen Sonntag). Für mich ist das der Startschuss wieder die Heimreise anzutreten. Mittlerweile habe ich 8 kg abgenommen. Rund 15 Kg Gepäck sind zurück geschickt und das Rad fahren fällt deutlich leichter. Heute fahre ich noch mal 100 km in Richtung Norden, die nächsten Tage nehme ich immer mal wieder die Bahn, in Italien ist Bahnfahren günstig. Auch  durch die Schweiz geht es mit der Bahn. Meine letzte Übernachtung mache ich in Lörrach und  von hier dann über den Schwarzwald (noch mal auf 950 m ü.nn) nach Freiburg und von dort mit der DB bis Bonn.
Resümee
Nach 3 1/2 Wochen bin ich wieder zuhause. Es hat alles perfekt geklappt. Gott sein Dank! Keine größeren Blessuren, keine Fahrradpanne. Fast immer schönes Wetter.
Fahrrad: Steppenwolf TAO FS, Reifen Conti plus (mit Kevlar gewebe, unbedingt erforderlich) Gesamt 2030 km, Hinreise bis Rom 1750 km, 128 Stunden im Fahrradsattel (Selle SMP) gesamt Schnitt  16,0 km/h.
Beim nächsten Mal: viel weniger Gepäck, viel mehr Zeit nehmen.

Bert Dücks
 sandte uns seinen Pilgerbericht per eMail im Dezember 2011

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Der Weg ist das Ziel  
 ........ Mit dem Fahrrad nach Santiago in 26 Tagen und 2235 Km.  


Pilgerreise über die „Via Lemovicensis“mit meinem Freund Mariano Antón. Mit dem Fahrrad von Buchenbach nach Santiago de Compostela in 26 Tagen, über eine Strecke von 2235 Km.
Bereits im letzten Jahr hatte ich mit meinem Fahrrad alleine diese Pilgerreise über die „Via Podiencis“ unternommen und auch glücklich nach 26 Tagen und 2280 Km in Santiago de Compostela beenden können. Es der Wunsch meines Freundes Mariano, diese Pilgerreise zusammen mit Ihm noch einmal zu unternehmen. Im Frühjahr dieses Jahres beschlossen wir, am 25. Juli, dem Fest des heiligen Jakobus, unsere Reise zu beginnen. Ich hatte dieses Mal eine andere Streckenführung gewählt. Wir wollten den „Camino“ (Weg) von ca. 2300 Km von Buchenbach nach Santiago de Compostela über die Strecke der  „Via Lemovicensis“ in ca. 28-30 Tagen, mit den Fahrrädern und einer Zeltausrüstung bewältigen. Wir wollten die gesamte Tour mit einem Tourenfahrrad und einem umgebauten Mountainbike mit jeweils etwa 30-36 Kg Gepäck machen. Damit waren wir auf asphaltierte Straßen angewiesen

 25. Juli 2004     (Jakobustag)     1. Fahrtag         Stand ab          0  Km
Abfahrt  8.45 Uhr     Ankunft       18.00 Uhr          Stand an       108  Km

Von Buchenbach nach Dannemarie  108 Km
Wir besuchten zusammen mit unseren Frauen Inge und Erika die hl. Messe in der Jakobuskirche in Eschbach. Dort bekamen wir unseren ersten                    Pilgerstempel in unseren Pilgerausweis (Credencial del Peregrino) und von Pater Franz Hoch am Schluss der Messe den Pilgersegen. Diese Zeremonie hat mich und ich glaube auch Mariano sehr beeindruckt. Als wir aus der Kirche kamen und unsere Tennisfreunde Sigi und Ev Bornhauser, Walter und Renate Stubenbord, Gerd und Doris Schweizer sahen, die gekommen waren um uns zu verabschieden, war die Freude groß und es hat uns sehr bewegt. Wir bekamen noch einen Stein und eine Muschel, um diese am „Cruz de Ferro“ abzulegen bzw. in Santiago de Compostela weihen zu lassen. Nach dem Abschied von unseren Frauen und unseren Freunden fuhren wir frohgemut Richtung Freiburg und weiter nach Neuenburg, Mulhouse und am Rhein-Rohne Kanal entlang bis nach Dannemarie.

 26. Juli 2004            2. Fahrtag                        Stand ab     108  Km
Abfahrt  9.30 Uhr       Ankunft      19.30 Uhr        Stand an     230  Km

Von Dannemarie nach Besancon  122 Km
Wir hatten uns nach langen Überlegungen am Morgen entschlossen, die mit geführten Zelte und das Zubehör bei unserem deutsch sprechenden Wirt in Dannemarie zu lassen. Der erste Tag hatte gezeigt, dass schon im ebenen Gelände das über 30 Kg schwere Gepäck von Mariano auf dem umgebauten Mountainbike nicht sicher zu transportieren war. Die Fahrt am Doubs entlang führte zu Anfang auf der Nationalstraße und war von starkem LKW- und PKW Verkehr geprägt. Ab  „Baume les Dames“ konnten wir eine Nebenstrecke wählen, die direkt am Doubs entlang bis nach Besancon führte.

27. Juli 2004             3. Fahrtag                           Stand ab  230   Km
Abfahrt  9.00 Uhr       Ankunft       18.00 Uhr          Stand an  341   Km

Von Besancon nach Nuits - St. Georges  111 Km
Heute morgen hatten wir leichte Kreuzschmerzen, wohl von unseren „Superbetten“ im 5.Stock in unserem bescheidenen Gasthofs. Oder war es vom Rauf- und runtersteigen über die  vielen schiefen Treppen ? Egal, wir holten unsere Fahrräder aus dem Weinkeller wieder mühsam nach oben und fuhren weiter an den Ufern des wunderschönen Doubs entlang. Über dole kamen wir nach Nuit  St. George ins Gasthaus „Des Cultivateurs“, wo ich im letzten Jahr mein Fahrrad eingestellt hatte.

28. Juli 2004              4. Fahrtag                           Stand ab  341  Km
Abfahrt  9.30 Uhr       Ankunft        19.00 Uhr          Stand an  447  Km

Von Nuits – St. Georges nach Avallon  106 Km
Wir sind am morgen losgefahren um unsere erste schwere Etappe Richtung Avallon und Vezelay anzugehen. Anfangs waren extreme Steigungen zu bewältigen. Nach jeder Kurve meinten wir oben zu sein, aber immer noch ging es weiter.  Einzig die herrliche Aussicht auf die Weinberge der „Cote d’or“ entschädigten uns ein wenig. Endlich hatten wir es geschafft wie wir meinten.
Es kamen rasante aber leider immer nur kurze Abfahrten. Wir hatten uns geirrt, die steilsten Anstiege lagen noch vor uns. Immer wieder machten wir Pausen und tranken reichlich Wasser und aßen Müsliriegel und Bananen. Einige besonders langgezogene und steile Anstiege auf der D 970 machten uns sehr zu schaffen. Endlich kamen wir doch nach Avallon und übernachteten in einem Billighotel.

29. Juli 2004             5. Fahrtag                              Stand ab  447 Km
Abfahrt  9.00 Uhr      Ankunft           19.00 Uhr          Stand an  548 Km

Von Avallon  nach  La Charite 101 Km
Mariano hat starke Schmerzen in der Ferse. Seine rückwärtigen Extremitäten behandelt er mehrfach am Tag und nach eigenen Angaben auch mehrfach in der Nacht, mit Bepanthen und Aldi Wund- und Heilsalben. So hatte jeder seine Wehwehchen, aber „Der Weg ist das Ziel“ und nicht umsonst heißt der alte Pilgerspruch seit Jahrhunderten „Ultreija“ das  bedeutet „immer vorwärts immer weiter voran“. Der heutige Tag war wieder sehr anstrengend. Kurz vor Vezelay kam noch eine extreme Steigung über mehrere Kilometer die uns fast das Letzte abverlangte. Im Ort, am letzten steilen Anstieg  vor der Kathedrale, fuhr vor mir ein junges Paar mit einem Kind. Dieses war in einem Fahrradanhänger von Papas Fahrrad untergebracht. Die Mama hatte auf ihrem Fahrrad  vier schwere Packtaschen befestigt. Offensichtlich waren sie auf einer ausgedehnten Pilgerreise auf dem Camino. Einer der ersten emotionalen Höhepunkte unserer Pilgerreise war mit dem Besuch dieses geschichtsträchtigen Ortes und seiner Kathedrale erreicht. Diese Stadt ist seit Jahrhunderten der Ausgangspunkt von einem der drei großen und  bekannten Pilgerwege durch Frankreich. Nach dem Besuch der mächtigen Kathedrale fuhren wir weiter. Bis nach La Charite.

30. Juli 2004             6. Fahrtag                               Stand ab  548 Km
Abfahrt  9.30 Uhr      Ankunft          15.00 Uhr            Stand an  601 Km

Von La Charite nach Bourges  53 Km
Der Verkehr hielt sich heute in Grenzen. Auch die ab und zu vorhandenen Steigungen blieben im erträglichen Rahmen. Die Landschaft war etwas eintönig. Riesige abgeerntete Felder säumten die Straßen. Wir hatten heute ein großes Erlebnis. Wir überholten den ersten Fußpilger auf dem Camino und er begrüßte uns und wir ihn, mit dem bekannten   „Bon Camino“. (Guten Weg) Die Hitze machte uns heute zu schaffen, da wir cirka 30-35 Grad im Schatten hatten. Wir waren froh als wir nach 53 Km Bourges erreichten. Wir besichtigten trotz Mariano’s angeschlagener Ferse die Innenstadt und die mächtige Kathedrale und besorgten uns einen Pilgerstempel. Heute war ein gelungener Tag !

31. Juli 2004             7. Fahrtag                                Stand ab  601 Km
Abfahrt  9.00 Uhr      Ankunft          20.00 Uhr            Stand an  747 Km

Von Bourges nach La Souterraine  146 Km
Heute waren wir Beide in sehr guter Stimmung und haben einen Fahrrekord erreicht. Wir sind bei gutem Wetter und einer Tagestemperatur von ca. 32 Grad und guten, teilweise ebenen Straßen mit nur leichten Steigungen 146 Km gefahren. Unterwegs haben wir Stops in Chateauroux und in Argenton eingelegt. In Chateauroux besuchten wir die große Kathedrale und haben nach dem Pilgerstempel gefragt. Man verwies uns an die Curie (Pfarramt) das einige Straßen weiter entfernt war. Die Pfarrer dort waren doch etwas erstaunt als wir erzählten, dass wir mit dem Fahrrad aus der Nähe von Freiburg bis hierher gefahren waren und weiter nach Santiago de Compostela wollten. Wir fuhren dann weiter in Richtung Argenton und dann nach La Souterraine.

01. August  2004         8. Fahrtag                               Stand ab  747 Km
Abfahrt  8.00 Uhr         Ankunft          16.30 Uhr           Stand an  822 Km

Von La Souterraine nach Limoges  75 Km
Bei heißen Temperaturen von 35 – 37 Grad fuhren wir eine kurvenreiche, mit einigen Steigungen gespickte Strecke. Mariano sprach vom kleinen Notschrei, einem bekannten Pass im Schwarzwald. Diesen Petit Notschrei bewältigten wir cirka 8 mal. Jedes mal mit einem Höhenunterschied von einigen hundert Metern. Etwas Sorge bereitete mir ein hörbares, aber leider noch nicht näher definierbares Knacken in und an meinem Fahrrad. Mariano verlor irgendwann an diesem Tag seine Trinkflasche und füllte dann seinen roten Orangensaft so in eine 1 Ltr. Plastikflasche, dass es aussah als trinke er Rotwein oder Rosé (In Frankreich ja sehr passend). Um 16.00 Uhr kamen wir nach einer kleinen Irrfahrt in Limoges an.

02. August  2004          9. Fahrtag                              Stand ab  822 Km
Abfahrt  9.30 Uhr          Ankunft         17.30 Uhr           Stand an  920 Km

Von Limoges nach Antonne  98 Km
Wir fuhren zur Kathedrale und waren noch zu früh auf dem großen Platz vor den mächtigen Toren der Kirche. Nachdem wir die wunderschöne, beeindruckende Kathedrale ausgiebig besichtigt hatten, besorgten wir uns den traditionellen Pilgerstempel und fuhren  bei schönem Wetter und immer noch hohen Temperaturen auf der Nationalstraße nach Aix sur Vienne. Dort bogen wir auf die wenig befahrene D 20 ab. In La Coquille stießen wir wieder auf die Nationalstraße. Einige Male waren gefährliche Situationen zu überstehen, wenn LKW’s ziemlich eng und manchmal sogar haarscharf an uns vorbeifuhren. Mariano pflegte in diesen Fällen immer den „Scheibenwischer“ zu machen, das heißt er fuhr mit der flachen Hand einige Male vor seiner Stirn hin und her um anzudeuten, dass der LKW Fahrer wohl nicht mehr ganz klar im Kopf wäre. beschützt, der sicher wollte dass wir ohne Schaden in Santiago de Compostela ankommen sollten. In Antonne einem kleinen Dorf fanden wir  Unterkunft.

03. August  2004          10. Fahrtag                             Stand ab 920 Km
Abfahrt  8.30 Uhr          Ankunft          17.00 Uhr           Stand an 1018 Km

Von Antonne nach Ste Foy la Grande  98 Km
Die heutige Tour war geprägt von einer schweren Nachmittagsstrecke. Vorher hatten wir bei starkem Verkehr die Stadt Perigueux passiert. Wir sahen rechts über uns die mächtige und wuchtige Kuppel-Kathedrale. Um die Mittagszeit überholten wir das erste Pilgerpaar. Wie üblich grüßten wir mit Bon Camino und Utreija. (Guten Weg und immer Voran !) Mariano und ich hatten heute einige ernste Probleme mit unserem wichtigsten Körperteil auf dieser Fahrrad-Pilgertour, nämlich mit unserem verlängerten Rücken. Dieser tat uns teilweise so weh, dass wir unterwegs anhalten und uns mit unseren diversen Wund- und Heilsalben einreiben mussten. Etwas Auftrieb gab uns die Tatsache, dass wir kurz vor unserem Ziel die 1000 Km Grenze überschritten hatten. Das bereits am 10. Tag unserer Reise. Somit hatten wir einen Fahrdurchschnitt von 100 km pro Tag erreicht. Später kündigten kräftige Gewitter eine Änderung der bisher warmen und schwülen Witterung an.

04. August  2004          11. Fahrtag                            Stand ab 1018 Km
Abfahrt  8.30 Uhr          Ankunft         16.30 Uhr           Stand an 1088 Km

Von Ste Foy la Grande nach Coimers bei Bazas  70 Km
Heute morgen regnete es tatsächlich. Die Aussichten für diesen Tag sahen nach einem Blick zum südwestlichen Himmel auch nicht viel besser aus. Die Temperatur war kräftig auf nur noch 20 Grad gefallen. Wir hatten heute auch viele Steigungen und Abfahrten zu bewältigen, da wir uns den bergigen und hügeligen Weinbaugebieten rund um Bordeaux näherten. Nach mehreren Pausen, die manchmal durch strömenden Regen erzwungen wurden,  fanden wir 6 Km hinter Langon und 6 Km vor Bazas die Herberge „Chez Paulette“. Der Himmel hatte sich gerade wieder drohend verfinstert. Plötzlich tauchte einsam und wie es aussah verlassen, dieses Gasthaus auf. Kaum hatten wir die Fahrräder abgestellt fing es fürchterlich an zu schütten. Die anwesende Mamsell (Hausangestellte) hatte wohl Mitleid mit uns. Obwohl Ihre Chefin nicht da war, gab sie uns bescheiden ausgestattete Zimmer auf eigene Verantwortung.

05. August  2004          12. Fahrtag                            Stand ab 1088 Km
Abfahrt  8.30 Uhr          Ankunft        19.30 Uhr            Stand an 1224 Km

Von Coimers bei Bazas nach Dax  136 Km
Heute Vormittag fuhren wir bei gutem Wetter und angenehmen Temperaturen auf weitgehend ebenen Strecken durch schattige Wälder von Bazas nach Dax.
Insgesamt schafften wir an diesem Tag eine Strecke von 136 Km. Dies war die zweitbeste Tagesleistung auf unserer gesamten Reise. Jetzt war es wohl langsam an der Zeit an einen oder zwei Ruhetage zu denken. Wir waren weit vor unserem ursprünglichen Zeitplan und  beschlossen, nach dem passieren der spanischen Grenze irgendwo einen oder mehrere Ruhetage einzulegen. Wir erreichten die Stadt Dax um 19.30 Uhr.

06. August  2004          13. Fahrtag                            Stand ab 1224 Km
Abfahrt  8.45 Uhr          Ankunft         19.30 Uhr           Stand an 1338 Km

Von Dax nach San Sebastian 114 Km
Heute stand unsere letzte Etappe in Frankreich an. Wir wollten auf jeden Fall die spanische Grenze passieren. Wir fuhren weiter in Richtung San Sebastian, immer auf der Suche nach einer Unterkunft. Einmal fuhren wir sogar auf der Nationalstraße durch einen für Radfahrer verbotenen Tunnel. Trotz regem Nachfragen von Mariano waren keine Zimmer zu bekommen. Langsam wurde es uns doch etwas mulmig. Durch Glück und dem Charme von Mariano, der eine nette jungen Dame becircte, die intensiv herumtelefonierte, fanden wir noch Zimmer im Hostal Pellizar Picknick.

07. August  2004          14. Fahrtag                            Stand ab 1338 Km
Abfahrt  9.15 Uhr          Ankunft          15.30 Uhr          Stand an 1397 Km

Von San Sebastian nach Deba  59 Km
Nach einer teilweise schwierigen Fahrt mit einigen Umwegen durch die Vororte von San Sebastian kamen wir endlich an den traumhaft schönen Stadtstrand . Wir fuhren weiter durch diese schöne Stadt und an der cantabrischen Steilküste am Meer entlang. Von der Strecke her war dies einer der bisher schwierigsten Abschnitte. Wir fuhren wir weiter über teilweise extrem ansteigende Straßen mit 10 – 15 % Steigung. Auf der Höhe wurden wir von Polizisten informiert, dass in Kürze die Baskenradrundfahrt hier vorbeikommen würde und wir nur noch bis nach Zarautz fahren könnten. Der Betrieb hier war aber so groß, dass wir doch weiter an der Küste entlang fuhren in Richtung Zumaia. Wir fragten wir überall nach Zimmern, aber leider immer vergeblich. Es war alles ausgebucht. Es gab ein Hostal in Deba, das heute eröffnet werden sollte. Dort konnten wir telefonisch Zimmer reservieren. Die Strecke über die kurvenreiche  Küstenstraße hatte noch steile Abschnitte für uns parat, die uns viele Schweißtropfen kosteten

08. August                15. Tag          Ruhetag

Wir hatten wirklich Glück. Das Hostal lag direkt am wunderschönen Strand und war  neu eröffnet worden. Das Gepäck wurde neu sortiert und gepackt. Die Wäsche intensiv gewaschen und getrocknet. Nach dem ausgezeichneten Frühstücksbuffet, besuchten wir die Kirche von Deba und bekamen dort unseren obligatorischen Pilgerstempel. An diesem Tag erholten wir uns. Am Abend besprachen wir ausführlich unser bisher geschafftes Programm und machten einen Übersichtsplan wann wir wohl in Santiago de Compostela ankommen würden. Da wir 1 Woche früher im Zeitplan waren, beschlossen wi,r unsere Hostalreservierung in Santiago de Compostela eine Woche vorzuverlegen.

09. August  2004         16.Tag - 15. Fahrtag               Stand ab 1397 Km
Abfahrt  8.15 Uhr         Ankunft     16.00 Uhr               Stand an 1480 Km

Von Deba nach Barakaldo bei Bilbao  83 Km
Wir begannen unsere Fahrt ohne Frühstück und wollten dies irgendwo unterwegs zu uns nehmen. Es regnete, wir diskutierten ob wir die Küstenstraße nehmen, oder über N 634 nach Bilbao fahren sollten. Nach dem erfolgreichen Telefonat von Mariano besuchten wir in  Ermua die Jakobuskirche, zufällig sprach Mariano mit 2 Frauen, die den zuständigen Padre kannten. Er ging mit uns in die Sakristei, um uns den Pilgerstempel zu geben. Wir mussten auf der N 634 wieder weiter fahren und hatten dort noch einige ordentliche Steigungen zu bewältigen. In Bilbao sahen wir sehr schöne Gebäude, Statuen, Denkmäler und Kirchen. Besonders futuristisch war das bekannte Guggenheim Museum. Beim Herausfahren aus der Stadt trafen wir 2 Fußpilgerinnen aus Belgien, die schon 3 Monate auf dem Camino unterwegs nach Santiago de Compostela waren. Sie erzählten uns, dass sie in 3 – 4 Wochen dort ankommen wollten. Mein Fahrrad knackte immer noch, eigentlich immer mehr, aber es fuhr und fuhr. Was sollte ich machen ?

10. August  2004       17.Tag - 16. Fahrtag                   Stand ab 1480 Km
Abfahrt  9.00 Uhr       Ankunft     16.00 Uhr                   Stand an 1543 Km

Von Barakaldo nach Gama b.Barcena de Cicero  63 Km
Heute haben wir die bisher schwerste Etappe in Spanien hinter uns gebracht. Es ging kilometerweit rauf- und runter !!! Immer wieder ! Es war insgesamt eine „rechte Tortur“. Unterwegs sahen wir immer wieder die großen Hinweistafeln „Camino de Santiago“ und wussten damit, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Mit weiteren Steigungen und auf kurvigen Straßen fuhren wir weiter bis nach Gama bei Barcena de Cicero. Wir fanden eine Kirche, die leider wie es schien, geschlossen war. Auf unser Klopfen öffnete sich überraschend eine Tür und einige Frauen die beim Saubermachen waren, gestatteten uns einen Blick in die schöne Kirche. Nach der Rückkehr ins Hostal gönnten wir uns wieder einmal eine große Portion Spaghetti um unsere durch die Anstrengungen des heutigen Tages in Anspruch genommenen Körpern etwas Gutes zu tun.

11. August  2004       18.Tag - 17. Fahrtag                 Stand ab 1543 Km
Abfahrt  9.15 Uhr       Ankunft     18.30 Uhr                 Stand an 1633 Km

Von Gama b. Barcena de Cicero nach Torrelavega  90 Km
Es sollte ein schwerer Tag werden. Orkanartige Böen behinderten unser Fortkommen massiv. Es wehte den ganzen Tag. Leider nicht mit uns sondern gegen uns. Alles bei Temperaturen von 28 Grad. Der Sturm war teilweise so stark, dass wir beim Bergauffahren Schritttempo fahren mussten und fast zum Stehen kamen. Endlich kamen wir nach Santander. Wir fanden zuerst die Kathedrale, dann den Hafen. Dort peitschte der Sturm das Wasser hin und her. An den 2 schönen Stränden, konnten wir uns kaum auf den Rädern bzw. Beinen halten, da der Sturm massiv die Wellen peitschte undden Sand des Strandes aufwirbelte. Bei der Fahrt aus Santander heraus, fast kein Durchkommen. Wir gerieten trotz Nachfrage und der Sprachkenntnisse von Mariano auf die Autobahn. Nach 3 Kilometern Fahrt mit den Fahrrädern auf dem Standstreifen wurde es mir zu gefährlich und ich nahm einfach die nächste Abfahrt. Wir fanden die für Fahrräder geeignete Straße und den Wegweiser nach Torrelavega.

12. August  2004       19.Tag - 18. Fahrtag                  Stand ab 1633 Km
Abfahrt  9.00 Uhr       Ankunft    16.00 Uhr                   Stand an 1681 Km

Von Torrelavega nach Reinosa  48 Km
Heute stand der erste von zwei schwierigen und anstrengenden Übergängen über die cantabrischen Berge an. Es war wohl die bisher schwerste Etappe. Wir hatten nur eine Strecke von cirka 50 Km vorgesehen. So mühten wir uns den ganzen Tag über und hatten zum Schluss sicher über 1500 Höhenmeter erreicht. Unterwegs bei „Los Caldas de Besaya) sahen wir einen Hinweis auf ein Kloster (Monasterio) und beschlossen kurzerhand eine kleine aber heftige Steigung hinaufzufahren um das Dominikanerkloster zu besuchen. Der Prior empfing uns sehr freundlich und wir bekamen einen Stempel in unseren Pilgerausweis. Die LKW’s überholten uns immer wieder mit geringem Abstand.
Es ging teilweise wirklich haarscharf zu und Mariano schimpfte mehrmals den LKW’s nach und machte seine schon erwähnten Scheibenwischer-Handbewegungen. An diesem Tag bekam ich für meine Fahrleistungen ein Lob von Mariano. Er meinte dass die bisherigen Leistungen für einen 62- jährigen eigentlich recht gut seien. Endlich kamen wir nach Reinosa.

13. August  2004       20.Tag - 19. Fahrtag                     Stand ab 1681 Km
Abfahrt  9.00 Uhr       Ankunft    15.00 Uhr                     Stand an 1745 Km

Von Reinosa nach Herrera de Pisuerga  64 Km
Heute ging es wieder über viele langgezogene Steigungen auf die 1000 m hohe „Puerta de Pozazal“. Von hier ab ging es auf und ab Richtung Süden. Die Felsformationen links und rechts der N 611 wurden immer schroffer und alpiner.
Nach 64 Km kamen wir nach „Herrera de Pisuerga“. Auch hier hatten wir ein kleines und wie wir meinten, nettes Hostal „La Piedad“ reserviert. Wir waren heute schon um 15.00 Uhr eingetroffen und beschlossen, die dringend notwendig gewordene Reinigung und Revision unserer reichlich beanspruchten Fahrräder vorzunehmen. Ich fuhr später noch einmal in den Ort um in der Kirche der hl. Anna einen Stempel für unseren Pilgerausweis zu holen.

14. August  2004        21.Tag - 20. Fahrtag                  Stand ab 1745 Km
Abfahrt  10.15 Uhr      Ankunft    17.15 Uhr                   Stand an 1837 Km

Von Herrera de Pisuerga nach Sahagun  92 Km
Um 8.45 Uhr wollten wir heute abfahren. Unser Schrecken war groß, da an meinem Fahrrad der Vorderreifen platt war. Bei Marianos Fahrrad war der Hinterreifen platt. Wir versuchten zuerst die Reifen aufzupumpen aber vergeblich. Damit war klar dass es kein Scherz eines Betrunkenen gewesen war, sondern schon eine üble, gezielte Sabotage gegen zwei harmlose Pilger.
Auf jeden Fall hatten wir gelernt Vorder- und Hinterreifen ab- und wieder aufzumontieren sowie Schläuche auszutauschen. Wir fuhren dann zügig über lange endlos erscheinende Steigungen durch das Hochland von Castilien Richtung Osorno und weiter über Carrion de los Condes nach Sahagun. Unterwegs hatten wir ein Pilgerpaar aus England getroffen, das ebenfalls mit den Fahrrädern unterwegs war. In Carrion de los Condes hatte ich eine sehr emotionale Begegnung. An der gleichen Stelle wie vor einem Jahr, als ich hier allein unterwegs war, musste ich wieder nach dem rechten Weg fragen. Eine Frau die sogar ähnlich aussah wie damals, wies mir und damit uns den richtigen Weg.

15. August  2004        22.Tag  - 21. Fahrtag                 Stand ab 1837 Km
Abfahrt  9.00 Uhr        Ankunft     13.00 Uhr                  Stand an 1896 Km

Von Sahagun nach Leon  59 Km
Von Sahagun aus fuhren wir cirka 40 Kilometer auf dem sogenannten „Real Camino“. Dies sieht so aus, dass die Fußpilger auf einem bekiesten Weg gehen. Die Radpilger fahren auf einer asphaltierten Straße daneben. So kommt es am laufenden Band zu Begegnungen mit dem Gruß Bon Camino und Ultreja. Diesen cirka 40 Km langen Abschnitt des Camino nennt man scherzhaft auch die „Pilgerautobahn“. Wir besichtigen nach der Ankunft in Leon die Kathedrale und besorgten uns den Pilgerstempel in der Sakristei. Das Innere der Kathedrale wirkt wie eine Symphonie aus Licht und Stein. 125,  bis zu 12 m hohe Buntglasfenster mit insgesamt ca. 1800 qm Glasscheiben erfüllen die Kathedrale mit sanftem Licht. Vor der Kathedrale sahen wir zum ersten Mal einen „Pferdepilger“, besser gesagt nur das Pferd, das dort angebunden war. Ein schöner angenehmer Tag ging harmonisch zu Ende.

16. August  2004        23.Tag  - 22. Fahrtag                   Stand ab 1896 Km
Abfahrt   8.30 Uhr       Ankunft     16.15 Uhr                    Stand an 1973 Km

Von Leon nach Rabanal del Camino  77 Km
Wir fuhren im morgendlichen Stadtverkehr zügig nach Marianos Stadtplan zielgerichtet durch Leon und fanden auch gleich den richtigen Weg Richtung Astorga. Vorher kamen wir am herrlichen Gebäude „San Marco“ vorbei, das heute ein Museum und Hostal ist. Wir machten eine kurze Pause, um einige Bilder vom Gebäude und dem Brunnen davor zu machen. Nach einem stetigen Auf- und Ab auf der N 120, die mit vielen Rad- Fuß- und einigen Pferdepilgern bevölkert war, kamen wir in die wunderschöne alte Pilgerstadt Astorga. Wir besichtigten die Kathedrale und holten unseren Pilgerstempel ab. Dann fotografierten wir das Pilgermuseum und eine überdimensionale Pilgerfigur mit Koffer. Dort übernachteten wir im rustikalen Hostal „El Refugio“. Hier hatte ich schon vor einem Jahr übernachtet.

17. August  2004       24.Tag  - 23. Fahrtag                    Stand ab 1973 Km
Abfahrt  9.00 Uhr       Ankunft     16.00 Uhr                    Stand an 2033 Km

Von Rabanal del Camino nach Villafranca del Bierzo  60 Km
Heute war einer der anstrengendsten Tage unserer Pilgerreise angebrochen. Stand doch die Fahrt zu dem auf 1504 m Höhe befindlichen „Cruz de Ferro“ auf dem Programm. Um 9.00 Uhr fuhren wir los. 9 Km ging es über immer nur ansteigende Straßen bis wir die Höhe von 1504 m erreicht hatten. Dies war der höchste Punkt in Spanien. Ich ließ Mariano vorfahren, da ich den Augenblick in dem das „Eisenkreuz“ das erste Mal zu sehen war, ja letztes Jahr schon erleben durfte. Es ist ein emotional erhebender Moment, wenn man mitten in der Landschaft ein hohes auf einem einfachen Baumstamm befestigtes schlichtes Eisenkreuz sieht. Umgeben von Millionen von Steinen, die im Laufe von Jahrhunderten von Pilgern als Symbol für die Lasten des irdischen Lebens abgelegt worden sind. Pilger aus vielen Ländern treffen sich hier, um einen Moment inne zu halten und um sich zu sammeln und Kraft zu schöpfen für die weitere Pilgerfahrt zu Ihrem Ziel, dem Apostelgrab in Santiago de Compostela. Auch wir haben hier am Fuß des Kreuzes unsere Steine abgelegt, die wir über eine Strecke von 2000 Kilometern mit unseren Fahrrädern transportiert hatten.
In Villafranca del Bierzo übernachteten wir im Hostal „Casa Mendez“.

18. August  2004         25.Tag  -  24. Fahrtag                 Stand ab 2033 Km
Abfahrt  8.00 Uhr         Ankunft      18.00 Uhr                  Stand an 2112 Km

Von Villafranca del Bierzo nach Sarria  79 Km
War gestern die bisher emotionalste Etappe, so hatten wir heute unbestritten die schwerste und damit die Königsetappe vor uns. Wir fuhren bereits um 8.00 Uhr los und kamen nach 10 Stunden im Hostal an. Wir fuhren zuerst durch einen Tunnel und hatten einen langen Anstieg auf die Puerta de Pedrafita do Cebreiro auf eine Höhe von 1100 m. Dies hatte uns bereits viel Schweiß und Kraft gekostet. Nach einer kurzen Pause ging es weitere 200 Höhenmeter auf die Höhe von 1300 m zum kleinen uralten Pilgerort  O Cebreiro. Die stark frequentierte Pilgerherberge ist aus dem 9. Jh. und wurde vom französischen Heiligen Giraldo de Aurillac gegründet. Nach dem Besuch der eindrucksvollen kleinen Kirche, in der wir auch den Pilgerstempel bekamen, fuhren wir weiter in Richtung Triacastella und Sarria. Bei einem großen Pilgerdenkmal machten wir Pause und Fotos. Wir mussten einige 100 Höhenmeter abfahren, bevor der kurze aber steile und schweißtreibende Anstieg auf die „Porto el Poio“ die auf 1335 m liegt, erfolgen konnte. Die äußeren Bedingungen wurden immer schlechter. Auf den Höhen über 1000 m war es kalt und windig. Ständig hatten wir einen Wechsel von Regen, Sturm, Sonne und starkem Gegenwind. Teilweise peitschten uns  orkanartige Böen den Regen ins Gesicht. Der Wind war oft so stark, dass wir bergab trotz kräftigem treten kaum vorwärts kamen. In Samos sahen wir eines der ältesten Benediktinerklöster aus dem 6 Jh.

19. August  2004        26.Tag  -  25. Fahrtag                   Stand ab 2112 Km
Abfahrt  8.30 Uhr        Ankunft      17.45 Uhr                    Stand an 2191 Km

Von Sarria nach Arzua  79 Km
Heute musste schon wieder eine extreme Strecke absolviert werden. Nicht von der Höhe der Berge, aber von der Anzahl der Anstiege und der Abfahrten. Es waren einzelne lange Steigungen von 10 -15 %. Diese hielten sich in einer Spanne von 200 bis 700 m Höhenmetern. Damit hatten wir am Ende dieses Tages wohl mehr Höhenmeter abgearbeitet als am Vortag, da wir über 2 hohe Berge fahren mussten. Die Witterungsbedingungen waren ähnlich schlecht wie am Vortage. Regenpelerine raus, Regenpelerine rein, so änderte sich das Wetter am laufenden Band. Kurz nach Portomarin kam eine besonders giftige Strecke, die mir im letzten Jahr schon sehr zu schaffen gemacht hatte. Auch Mariano war hier mehr als einmal am Ende seiner Kräfte und diesmal musste ich ihn aufmuntern, wie er das bei mir schon früher mehrfach getan hatte.
Mariano und ich waren auf jeden Fall sehr froh, als wir unser vorgebuchtes Hostal „O Retiro“ in Arzua erreicht haben. Kaum waren wir angekommen regnet es wieder einmal in Strömen. Wir waren total geschafft denn in den 3 letzten Tagen waren wir Beide bis an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit gegangen.

20. August  2004       27.Tag  -  26. Fahrtag                     Stand ab 2191 Km
Abfahrt  9.30 Uhr       Ankunft      13.30 Uhr                      Stand an 2235 Km

Von Arzua nach Santiago de Compostela  44 Km

Heute haben wir unser großes Ziel erreicht. Am 27.Tag unserer Reise, sind wir nach 26 Fahrtagen und einem Ruhetag, heute Mittag um 13.30 Uhr auf der großen eindrucksvollen „Praza Obradoiro“ vor der mächtigen Kathedrale von Santiago de Compostela angekommen. Ich hatte Mariano wieder vorfahren lassen damit er dieses Mal den ersten Eindruck von diesem riesigen Platz und der Kathedrale bekäme. Wir fuhren bis zur Mitte des Platzes und sahen nur Menschen, Menschen, Menschen. Aufgrund des schon mehrfach erwähnten heiligen Jahres kommen ungefähr das 20 -fache der Pilger eines „normalen“ Jahres in Santiago de Compostela an. Auf jeden Fall hatten wir Zwei es mit Bravour geschafft und wir reichten uns die Hände zum gegenseitigen Dank.
Eigentlich wollten wir gleich unser Pilgerzertifikat im Pilgerbüro abholen. Dort warteten jedoch die Pilger in langen Schlangen. Es wäre eine Wartezeit von mehreren Stunden geworden. Unser Credencial (Pilgerausweis) war mit 33 Stempeln übervoll geworden. Nur der letzte und wichtigste fehlte noch, der von Santiago de Compostela. So beschlossen wir zuerst unser vorgebuchtes Hostal „Campanas de San Juan“ (das heißt übersetzt die Glocken vom heiligen Juan) aufzusuchen und erst einmal unsere Zimmer zu beziehen. Das Hostal lag mit wenigen Fußminuten nicht weit von der Kathedrale entfernt und ist zu empfehlen.:  www.campanasdesanjuan.com
Am Abend gingen wir zur feierlichen Pilgermesse, die in der übervollen Kathedrale stattfand. Diese fand Ihren Abschluss mit dem feierlichen Schwingen des „Botafumeiro“ des übergroßen Weihrauchfasses, das von 8-12 Männern gehalten und dann in Schwingungen gebracht wird.

21. August  2004     28.Tag     Santiago de Compostela 

Heute morgen Morgen konnten wir die „Pilgerregularien“ die jedem Pilger obliegen, absolvieren. Die Wartezeit betrug nur noch eine Stunde. Wir reihten uns ein und traten durch die heilige Pforte, die wie schon erwähnt nur in den sogenannten heiligen Jahren geöffnet ist. Das heilige Jahr „Alto Santo Compostelano“ wird immer dann gefeiert, wenn der 25. Juli, das Fest des Apostels Jakobus auf einen Sonntag fällt. Es findet dadurch immer in regelmäßiger Wiederkehr statt. Nach der Regel 11, 6, 5, und 6. Jahr. Nach dem Durchgang durch die heilige Pforte stiegen wir über eine Treppe zur Empore hinter dem Hochaltar und von dort hinter das Bildnis des Apostel Jakobus. Als Zeichen der Verehrung für den Apostel und als Zeichen der Dankbarkeit für den erfolgreichen Abschluss der Pilgerreise umarmte ich für einen kurzen Augenblick die Schultern der Figur. Im Anschluss daran stiegen wir in die Gruft hinunter, die unter dem Hochaltar liegt und verweilten dort einen kurzen Moment vor den sterblichen Überresten des Apostel Jakobus des Älteren (Santiago). An der Jakobussäule legte ich noch die Hand in die Vertiefungen. Anschliessend gingen wir zum Pilgerbüro, das sich unweit der Kathedrale befindet. Endlich nach einer guten Stunde konnten wir unsere Zertifikate in Lateinischer Schrift in die Hand nehmen. Damit hatten wir unser Pflichtprogramm erfüllt und alles war geregelt. So konnten wir morgen unsere Frauen erwarten. Die mit dem Auto und Fahrradträger in 2 Tagen hiergefahren waren um uns abzuholen. Hiermit bedanken wir, Mariano und ich, uns noch einmal von Herzen bei unseren Frauen Erika und Inge, dass Sie uns über diese große Entfernung von über 2000 km mit dem Auto abgeholt haben. 

Fazit der Reise:
Die Reise die wir jetzt zu Zweit unternommen habe ist ganz anders abgelaufen als meine erste Pilgerreise. Die Reise war viel kurzweiliger und auf jede Weise sehr unterhaltsam. Wir haben viel zusammen gelacht. Manchmal aber auch heftig diskutiert. Aber wir haben auf jeden Fall und immer zusammengehalten.
Wenn einmal eine ernste oder gefährliche Situation auftrat, hat sich einer auf den anderen verlassen können. Wir mussten beide lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und voreinander Respekt zu haben. Dies ist uns Beiden zum Anfang schwer gefallen, aber während des Verlaufs der  4 Wochen immer besser gelungen. Ich möchte auf jeden Fall diese Reise nicht missen und mich bei dieser Gelegenheit bei meinem Freund Mariano bedanken. Die diesmal gewählte Strecke über die „Via Lemovicensis“ war gleich schwer wie die Strecke über die „Via Podiensis“.  Die Kilometerleistung war mit 2235 km gleich und auch auf dieser Reise haben wir 26 Fahrtage gebraucht und damit einen Tagesschnitt von 86 km gefahren.
Es war ein beeindruckendes tiefgreifendes Erlebnis. 

Rudolf Mäder
 sandte uns seinen Pilgerbericht per eMail im April 2008

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Schwäbischer Jakobusweg  
 Warum in die Ferne pilgern, wenn die deutschen Jakobswege liegen so nah?  


Durch die Schweiz, Frankreich und Spanien bin ich bis nach Santiago de Compostela gegangen. Doch es gibt auch in Deutschland interessante Jakobswege.
Mitte September 2012 ging es von Ulm aus auf dem Schwäbischen Jakobusweg in Richtung Bodensee. Schon bald lag die Stadt hinter mir und die weite Landschaft des Donautals nahm mich auf. Nach einigen Kilometern legte ich in Erbach eine Rast ein. Vom Schloss (Privatbesitz)  gab es nicht viel zu sehen, aber die Pfarrkirche zeigt im Rokokostil bunte Blumengirlanden und Stuckarbeiten. Später überraschte mich in Oberdischingen eine helle Kuppelkirche, die als Schwäbisches Pantheon bezeichnet wird.
Das Cursillo-Haus St. Jakobus dient auch als Pilgerherberge. Hier wurde ich mit weiteren sieben Pilgern sehr freundlich aufgenommen und bewirtet. Am Abend konnte ich noch einige Pilger zum Qigong begeistern. Ein herrliches Abendrot ließ den Tag stimmungsvoll ausklingen. Wir Pilger saßen noch eine Weile in froher Runde zusammen.
            2.Tag: Bei strahlendem Sonnenschein erreichte ich bald Rißtissen mit der Pfarrkirche. Am Sockel befinden sich noch römische Reliefbilder. Innen zeigt ein großes Fresko das letzte Abendmahl. Über endlose Felder zog sich der Weg dahin und ließ Raum zum Denken. Dieses freie Gehen ohne Zeitdruck und Termine gibt es in unserer Gesellschaft kaum noch, auf dem Jakobsweg kann man es erleben. Außer in den wenigen Dörfern traf ich sonst keine Menschenseele und konnte ungezwungen in meinem Rhythmus gehen und rasten. Rhythmus entsteht durch den Wechsel von Ruhe und Anspannung, von Fülle und Leere. Die Balance zwischen Bewegung und Ruhe ist auch im alltäglichen Leben wichtig. Dieser gesunde Lebensrhythmus stammt von der Natur: Balance besteht zwischen Ebbe und Flut, Tag und Nacht, Schlafen und Wachen, Einatmen und Ausatmen u.s.w. Auch für die Kirche in Untersulmetingen lohnt es sich, eine kurze Ruhepause einzulegen. Ein Storch auf dem Dach der Burg nebenan ließ sich durch die Besucher nicht stören. Weit reichte der Ausblick über das offene Riedgebiet in Oberschwaben bis Äpfingen, wo ich im Hotel Adler ein gutes Quartier fand. Dort  traf ich zwei Pilger vom Vortag wieder.
„Einen Jakobsweg kann man nicht bereisen, den muss man mit den Beinen erleben“ (Pilgerspruch).
            3.Tag: Über Laupertshausen (Pfarrkirche mit Hl. Jakobus aus dem 17.Jh.) senkte sich der Pilgerweg hinunter nach Biberach. Durch das Ulmer Tor betrat ich die Altstadt und gelangte schnell zur Stadtpfarrkirche. Was im 7. Jh. begann, wurde bis heute mehrmals umgebaut und im Jahr 2000 renoviert und restauriert. Schon ab 1548 wurde das Langhaus simultan benutzt.  Sofort nahmen mich nicht nur die Fresken und barocken Verzierungen an den Seitenwänden, sondern auch das großartige Deckengemälde gefangen. Hier werden biblische Szenen von der Anbetung der Hirten und Weisen, über den zwölfjährigen Jesus im Tempel, bis zum  Pfingstwunder und vielen mehr dargestellt. Alles in einer faszinierenden Perspektive, als wäre das Kirchenschiff zum Himmel hin offen. Lange könnte man hier verweilen! Über dem Marktplatz mit den schmucken Bürgerhäusern verließ ich die Stadt und wanderte durch das idyllische Rotbachtal südwärts. In dieser Einsamkeit konnte ich die soeben gesehenen farbenfrohen Fresken in Ruhe verarbeiten. Am späten Nachmittag bezog ich in Steinhausen im Landgasthof „Zur Linde“ ein gemütliches Zimmer. Der Preis für das Zimmer und für das Essen hat mich angenehm überrascht. Die Kirchenbesichtigung verlegte ich auf den nächsten Tag. Mit einem Viertel Württemberger Lemberger ließ ich den Tag ausklingen. Wie steht es schon in der Bibel?
„Der Wein, zu rechten Zeit und in rechtem Maß getrunken, erfreut Herz und Seele“ (Sirach 31,35).
            4.Tag: Am Morgen folgte mit der „Schönsten Dorfkirche Deutschlands“ in Steinhausen ein weiterer Höhepunkt. Diese weltbekannte barocke Wallfahrtskirche wurde im 18.Jh. neu gestaltet und zeigt eine prachtvolle Innenausstattung mit Fresken und Stuckarbeiten. Sie ist ein wahres Rokokojuwel. Im Deckengemälde werden vier Erdteile sowie das Paradies dargestellt. Auch die Seitenschiffe sind reichlich bemalt und dekoriert. Lange bestaunte ich diese Pracht. Die Schwäbische Barockstraße zieht viele Besucher an, sogar Reiseunternehmen haben hier Besichtigungen in ihrem Programm. Für uns Pilger lagen diese Sehenswürdigkeiten direkt am Weg. Der Jakobsweg verlief heute durch Wälder, Wiesen und Felder.
„Der Sinn unseres Lebens ist der Weg und nicht das Ziel“ (Arthur Schnitzler). Obwohl ich schon in Santiago de Compostela war, werde ich (Jg. 39) so lange wie möglich weiterhin auf Pilgerwegen wandern. Die Pausen mit dem Blick ins weite Land brachten diesen Weg in das richtige Gleichgewicht. Ich bummelte durch die Altstadt von Bad Waldsee, ehe ich am Stadtrand ein Privatquartier bezog. Wieder wurde ich sehr freundlich aufgenommen.
            5.Tag: Anfangs ging es über freie Felder, bevor dann der Mischwald bei der Hitze angenehmen Schatten spendete. Eine himmlische Ruhe lag über dem Land. So wanderte ich bis zum Nachmittag nach Weingarten. Schon von weitem ist die mächtige Klosterkirche mit dem Kloster sichtbar. Für die große Basilika, das Kirchenschiff ist 102 Meter lang, sollte man auch wieder viel Zeit mitbringen. Trotz der reichlichen Ausmalung wirkt die Kirche hell und frei.
„Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen, deshalb erkennen wir so wenig“ (Jean Giono).
Im 18.Jh. haben 200 Künstler bei dieser monumentalen Barockkirche an der Errichtung und Ausschmückung mitgewirkt. Die drei großen Deckenfresken zeigen das Heilig-Blut-Fresko, das heilbringende Wirken des St. Benedikt und Marias Himmelfahrt. Im Altarraum wird die Heilig-Blut-Reliquie aufbewahrt. Die riesige Klosteranlage wird heute größtenteils für eine Hochschule benutzt. Im Hotel Waldhorn fand ich nicht nur ein günstiges Zimmer, sondern auch gutes Essen.
            6.Tag: Von Weingarten aus ging es durch ein Waldstück hinunter nach Ravensburg. Hier herrschte heute am Samstag in den schmalen Gassen der Altstadt mit Wochenmarkt großes Gedränge. Nach kurzer Kaffeepause wanderte ich durch Mischwälder im Schussental dem Bodensee entgegen, wobei im Dunst schon die Alpen zu erkennen waren. Vor Meckenbeuren durchstreifte ich die ersten Apfelplantagen, die kurz vor der Ernte standen. Bei dem Namen Meckenbeuren fiel mir ein Lied ein: „Stuttgart, Ulm und Biberach – Meckenbeuren, Durlesbach“, das Lied von der Schwäbischen Eisenbahn. Auch hier wurde ich im Privatquartier sehr freundlich aufgenommen.
            7.Tag: Verlockend rot leuchteten die Äpfel so weit das Auge reichte. Ab Markdorf ging es leicht abwärts. Die Hänge des Allgäus fallen hier sanft zum See hin ab, das milde Klima macht sich in Form von ausgedehnten Wein- und Obstkulturen bemerkbar. Als ich nach Meersburg kam, war es bald mit der Ruhe vorbei, denn in dieser Urlaubsregion wimmelt es von Touristen. Vom Obertor gelangte man zum Marktplatz. Links vom Marktplatz lohnt noch wegen der guten Aussicht ein kurzer Abstecher zur Burg und zum Neuen Schloss. Dann führte eine steile Straße hinunter zur Schiffsanlegestelle. Das Linienschiff ist günstiger als das Fährschiff, weil es direkt nach Konstanz fährt, vorausgesetzt die Abfahrtszeit passt. Hier bestieg ich ein Schiff zur Überfahrt nach Konstanz. Bei Sonnenschein und ruhiger See war es ein Genuss, so leicht dahinzugleiten. Im Süden erschienen die Schweizer Alpen mit dem Säntis als höchsten Gipfel. Viele kleine Segelboote fuhren über den See und vermittelten ein friedvolles Bild. Bei der Hafeneinfahrt fiel der Blick auf die "Imperia", eine provozierende Frauenstatue, die auf den Händen den Kaiser, den Papst und das Konzil (1414 – 1447) zur Schau stellt. Da es drei Päpste gab, hatte der deutsche König Sigismund das Konzil nach Konstanz eingerufen, worauf Papst Martin V. gewählt wurde. Durch die Altstadt mit den schmucken alten Häusern bummelte ich zum Münster. 
Die im 11. Jh. errichtete dreischiffige romanische Säulenbasilika wurde im 15. Jh. im gotischen Stil umgebaut. Innen strahlen die einfachen  Monolithsäulen im Kirchenschiff große Ruhe aus. Der älteste Teil der Kirche, die Krypta, stammt aus dem 9. Jh. und beherbergt die "Konstanzer Goldscheiben" (11.Jh.). Eine Scheibe zeigt den Hl. Konrad und eine andere Christus mit einem Buch. Weiter sehenswert ist in der Krypta die Rotunde (13. Jh.), in Anlehnung an die Jerusalemer Grabkirche wird hier das Leben Jesu mit den 12 Aposteln dargestellt. Der Apostel Jakobus hält für Pilger Wanderstäbe und Taschen bereit. In Konstanz sammelten sich schon früher die Pilger für den langen Jakobusweg nach Santiago de Compostela.
Für mich endete hier der Schwäbische Jakobsweg. Schön, dass man die deutschen Jakobswege mit den vielseitigen Landschaften und sehenswerten Kunstschätzen wieder entdeckt.

Buen Camino, Arno Ritter
Karlsruhe den 5.11.2012

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Auf dem Camino Invierno  
 ........ von Ponferrada über Las Medulas, O Barco, A Rua, Quiroga, Monforte de Lemos, Chantada und Rodeiro bei Lalin  


Camino Invierno

Der Camino Invierno soll ein historisch belegter Umweg des Camino Frances sein. Er zweigt in Ponferrada nach Süden ab und erreicht über Las Medulas, O Barco, A Rua, Quiroga, Monforte de Lemos, Chantada und Rodeiro bei Lalin die Via de la Plata. Ab Lalin sind es dann noch zwei Etappen nach Santiago de Compostela. Der Weg - Stand August 2012 - wird äußerst selten begangen, die Infrastruktur ist nicht gut, es gibt nur einen spanischen  Führer. Einen deutschen Führer wird es wohl kaum geben, weil man damit sicher kein Geld verdienen kann. Ich starte nach getaner Arbeit an einem Freitagnachmittag im August 2012 in Richtung Frankfurt/Hahn. Ryanair bringt mich wie üblich pünktlich und preiswert nach Madrid. Nach einer Übernachtung in  Flughafennähe fahre ich am frühen Morgen mit einem Luxusbus der Fa. Alsa nach Leon. Dort habe ich in einer kleinen Pension ein winziges Zimmer vorgebucht. Am Nachmittag besichtige ich ausgiebig die wunderschöne Kathedrale mit ihren schönen Fenstern. Fotografieren ist wieder erlaubt. Dafür zahlt man als Tourist 5 € Eintritt.
Meine ersten vier Etappen lege ich von Leon bis Ponferrada auf dem Camino Frances zurück.

5. Pilgertag: Ponferrada - Las Medulas (27,8 km)
Was jetzt auf mich zukommt, weiß ich nicht. Der Camino Invierno ist ziemlich unbekannt. Auch die meisten Spanier kennen ihn nicht. Es gibt nur einen spanischen Führer, dessen Qualität man mit keinem deutschen vergleichen kann. In den Kartenskizzen kann man sich auf keinerlei Maßstäbe verlassen. Mal sind 2 cm auf der Karte 5 km in Wirklichkeit und dann auf derselben Karte 5 cm in Wirklichkeit  nur 2 km. Mein Spanisch ist sehr schlecht. Aber: Ortsnamen auf der Karte sollten im Begleittext stehen und umgekehrt.
Mir stehen also einige interessante Tage bevor. Meine Planung sieht vor, am ersten Invierno-Tag bis Borrenes zu gehen und dort in einem Casa Rural zu übernachten. Ich gelange ganz gut nach Toral de Merayo. Dort kommt mir eine ältere Dame mit freilaufendem großem Hund entgegen, der mich nicht mag. Ich muss ihn mehrfach laut anbrüllen und mit meinen Wanderstöcken von mir abhalten, bis seine Besitzerin ihn endlich an der Leine hat. Sie entschuldigt sich wenigstens. Im ganzen Ort gibt es einen einzigen Pfeil. Notfalls gehe ich immer geradeaus oder folge dem größeren Weg. Dann geht es sehr steil durch einen Weinberg hinauf und auf der anderen Seite ebenso steil wieder zur Straße hinab. In Santalla soll es an der Straße eine Bar geben. Ich verlasse also den Camino und folge der Straße und finde zwei geschlossene Bars. Eine freundliche Spanierin ruft die Besitzerin, die mir dann einige Getränke verkauft. Ich bleibe weiter auf der CL-536 bis ich wieder auf den Camino treffe. Von der Straße aus sehe ich in weiter Entfernung und großer Höhe eine zerfallene Burg vor mir. Es ist die alte Templerburg Castillo de Cornatal. Der Camino führt nun tatsächlich um den ganzen Berg herum bis zur Burg hinauf. Auf der anderen Seite geht es dann wieder recht steil zur bekannten CL-536 zurück. Für Radpilger ist dieser Abschnitt kaum machbar; also gleich auf der Straße bleiben und einige Kilometer sparen. Um die Mittagszeit erreiche ich Borrenes, finde das Casa Rural aber verschlossen. In einer kleinen Bar sagt man mir, dass es zwecklos sei,  im Dorf nach einer Unterkunft zu suchen. Also marschiere ich weiter nach Las Medulas. Nach etwa acht Stunden komme ich dort ziemlich geschafft an, erhalte aber ein schönes Zimmer. Nach Duschen und Waschen gehe ich ins gegenüberliegende kleine und feine Museum. Zu einer ausgiebigen Besichtigung der Goldminen bin ich zu kaputt. Der erste Eindruck ist jedoch beeindruckend. Zurück in meiner Unterkunft stelle ich fest, dass mein Ladegerät für meine Kamera fehlt. Jetzt muss ich sparen. Abends gönne ich mir einen russischen Salat, nicht gut, aber besser als nichts.

6. Pilgertag: Las Medulas - O Barco (30,2 km)
Ich stehe wie immer sehr früh auf, da eine lange und heiße Etappe vor mir liegt. Nach Wetterbericht soll es heute mit 38 Grad Celsius in ganz Spanien am kühlsten sein. Weniger würde mir auch reichen, aber ich kann es nicht ändern. Die ersten beiden Stunden sind auf staubigen Nebenstraßen noch sehr angenehm zu gehen. Dann komme ich in Puente de Domingo Florez an einer Bar vorbei. Nach meinen Erfahrungen kann ich jetzt nur sagen, dass man am Camino Invierno an einer offenen Bar nicht vorbeigehen sollte. Es gibt also ein kleines Frühstück. Am Ortsende wird es kritisch. Es sind teilweise gelbe Pfeile vorhanden, die aber so abenteuerlich aussehen, dass ich es nicht glauben kann. Ich gehe zweimal im Kreis, bis mir eine spanische Dame erklärt, dass ich wirklich auf dem richtigen Weg bin. Nach mir endlos lang erscheinender Zeit kommt tatsächlich wieder eine Markierung. Ich bin wirklich noch auf dem richtigen Weg. Zwischenzeitlich bin ich wohl auch in Galicien. Die Kennzeichnung in diesem Abschnitt ist extrem schlecht. In Pumares komme ich an einem Brunnen vorbei. Einheimische bestätigen mir, dass das Wasser trinkbar sei. Also werden alle Flaschen aufgefüllt. In Sobradelo gibt es auch eine offene Bar. Hier gibt es eine Cola. Mittlerweile ist es sehr heiß. Die letzten Kilometer nach O Barco machen keinen Spaß. Nach längerer Suche finde ich in der Pension Viloira eine Unterkunft. Sie liegt etwas abseits vom Weg auf der "falschen" Flussseite. Nach Duschen und Waschen finde ich gegenüber eine kleine Bar, wo ich einen großen Hamburger bekomme. Auf dem Hausberg brennt es seit geraumer Zeit. Die Straße wird bis zu meiner Pension gesperrt. Zwischenzeitlich sind drei Hubschrauber und ein Löschflugzeug im Einsatz. Feuerwehr und Polizei haben Großeinsatz. Das Feuer kommt bis auf etwa 10 m an die ersten Häuser. Ich schlafe trotzdem tief und fest.

7. Pilgertag: O Barco - A Rua (14,1 km)
Laut spanischem Führer muss ich bis zu einem Kreisverkehr immer geradeaus gehen. Dazu brauche ich immerhin eine Stunde. Außerhalb der Gemeinde schaue ich zurück und sehe, dass es immer noch brennende Stellen am Berg gibt. Landschaftlich folgt nun bis zum Santiago-Stausee bei Vilamartin ein besonders schönes Stück weg. Eine alte Brücke ist auch nach dem Apostel benannt. An der Staumauer zeigt ein gelber Pfeil geradeaus. Alles andere würde auch keinen Sinn machen. Eine Spanierin stoppt ihren Wagen und erklärt mir freundlich aber bestimmt, dass ich über die Staumauer auf die andere Seite müsste. Der Camino de Santiago würde drüben immer geradeaus weitergehen. Als ich ihr den gelben Pfeil zeige ist sie ziemlich überrascht und lässt mich weiterziehen. In A Rua angekommen, verlasse ich den offiziellen Weg und suche mir eine Unterkunft. Ich bin zwar nur 14 km gelaufen. Die nächste Unterkunft kommt aber erst in ca. 26 km. Einen Fast-Marathon möchte ich mir nicht antun. Nach dem üblichen Pilgerritual gehe ich in einen Supermarkt und besuche anschließend die Kirche Fatima Fontei. Wie zu befürchten war, ist sie geschlossen.

8. Pilgertag: A Rua - Quiroga  (26,6 km)
Bis Fontei geht alles gut. Nach spanischem Führer soll ich durch einen Tunnel unter der N 120 hindruch. Den Tunnel plus gelbem Pfeil finde ich problemlos. Danach geht es sehr steil den Berg hinauf bis der Weg in einer Sackgasse endet, also zurück. Es kommt ein zweiter Tunnel, der ebenfalls mit einem Pfeil gekennzeichnet ist. Hier bin ich wieder richtig. Möglicherweise hätte ich beim ersten Tunnel sofort nach links abbiegen müssen, aber da war keinerlei Markierung. Bis Albaredos habe ich nun nur Asphalt unter den Füßen. Heute gibt es auf der ganzen Strecke keine einzige Bar. Die Dörfer sind auch so winzig, dass sich eine Bar nicht lohnen würde. Ich sehe auch kaum Menschen. Was nervt sind die pilgerunfreundlichen Hunde. Ohne Pause geht es über Montefurado, Hermidon, Bendillo nach Soldan. Ich freue mich auf das im Führer angegebene Kiosk, leider geschlossen. Einige Wge sind so zugewuchert, dass ich teilweise auf der LU-933 bleibe. Ich habe heute ja die Provinz Ourense verlassen und bin nun in der Provinz Lugo. Weiter geht es über Sequeiros, Novais nach Quiroga, wo ich wieder in einem Hostal unterkomme. In Quiroga gibt es  eine sehr zentral gelegene Herberge. Beim Blick auf ihre Rückseite habe ich mich für das Hostal entschieden. Am Nachmittag versuche ich die Kirche San Martino zu besichtigen. Sie ist wie zu vermuten leider geschlossen, hat aber eine interessante Seitentür.

9. Pilgertag: Quiroga - Monforte (32,8 km)
Früh wie jeden Morgen geht es heute schnurgerade aus Quiroga hinaus. Nach der Unterquerung der Nationalstraße bin ich mir lange unsicher, ob ich richtig bin. Es dauert lange bis wieder eine Markierung kommt. Es geht immer weiter auf der LU-933. Pfeile sind äußerst selten. Nach ca. 7,5 km zeigt ein Pfeil steil in den Wald hinein und in die Richtung zurück, aus der ich gerade gekommen bin. Ein paar wilde Hunde nehmen mir die Entscheidung ab. Ich bleibe auf der Landstraße - und zwar bis Montforte. Unterwegs geschieht ein kleines Wunder. In Barxa de Lor existiert das Hostal Pacita und ich bekomme dort wirklich ein Frühstück. Nach zehn Minuten geht es weiter. Gegen 12.00 Uhr sehe ich in einem kleinen Dorf einen noch kleineren Laden. Er ist geöffnet. Ich gönne mir per und Banane einige Vitamine. Frisch gestärkt geht es flott weiter. Nach etwa 7 h 40 min komme ich in Monforte an und bekomme im Hostal Mino eine Unterkunft. Beim ersten Rundgang sehe ich Los Escalapios, Puente viejo und die Burg. Ich beschließe nicht auf die Burg zu steigen. Knapp 32 Kilometer reichen mir für den heutigen Tag. Am späten Nachmittag beschließe ich dann aber doch noch, einen Rundgang um die Burg zu machen. Das Parador in der Burg ist nicht ganz meine Preisklasse. Eine offene Kirche finde ich im Ort nicht. Zum Abendessen gibt es Tortilla mit Cola. Die Nacht ist sehr kurz, da in Monforte bis 3.00 Uhr lautstark ein Fest gefeiert wird.

10. Pilgertag: Monforte - Monforte (7,0 km)
Beim Aufbruch um 6.30 Uhr nieselt es. Also zum ersten Mal Regenschutz aus dem Rucksack. Am Tag vorher habe ich in der Tourist-Info einen ganz tollen Stadtplan bekommen. Leider bezieht er sich nur auf die Innenstadt. Vom Jakobsweg wusste die Dame auch nichts. Ich sehe weder einen Pfeil noch eine Muschel. Der erste Spanier, den ich frage, schickt mich in die falsche Richtung. Der zweite versteht statt A Corga Astorga und hat auch keine Ahnung vom Camino. So kommt, was kommen muss. Ich verlaufe mich grandios. Nach einer guten Stunde bin ich wieder an einer Stelle, wo ich schon einmal war. Jetzt finde ich auch eine Muschel. Aber bei einer Etappe von etwa 30 km sind 5 km Umweg am frühen Morgen einfach zu viel. Außerhalb von Monforte nehme ich ein Zimmer im Hotel Terra Galega und mache einen halben Ruhetag. Zurückgelegt habe ichsage und schreibe 7 Kilometer. Dafür gibt es ein gutes und ausreichendes Mittagessen. Es regnet den ganzen Tag mehr oder weniger. Am späten Nachmittag mache ich noch einen ausgiebigen Spaziergang, um die Strecke für Morgen zu erkunden.

11. Pilgertag: Monforte - Chantada (28,4 km)
Nach dem normalen frühen Start geht bis A Corga auf der Landstraße alles gut. In A Corga selbst ist die Kennzeichnung wieder sehr schlecht. Dann kommt der Abschnitt um Castrotane. Hier ist wohl seit Wochen kein Pilger mehr durchgekommen. Durch das Gestrüpp werde ich bis zur Hüfte klatschnass. Meine Regenjacke bekommt einige neue Löcher durch Dornen, denen man mangels Platz nicht ausweichen kann. Hier hat man wohl kein Interesse an Pilgern. Laut spanischem Führer soll hier die Engländerin Penelope Anderton eine Herberge und ein Casa Rural aufbauen. Ich sehe tatsächlich ein Auto mit britischem Kennzeichen. Eine menschliche Person ist nicht zu entdecken. Wiederum geht es durch unzumutbares Gelände. Nach geraumer Zeit erreiche ich wieder eine Landstraße. Hier begleiten mich zwei mittelgroße freundliche Hunde für mehrere Kilometer. Kurz vor Diamondi mache ich den beiden klar, dass sie doch wieder nach Hause laufen sollen. Ab Diamondi geht es sehr steil ins Tal des Mino hinab. Tipp: Ich gehe nicht gleich über die Brücke, sondern die Straße nach rechts etwa 100 m. Dort befindet sich eine Bootsanlegestelle mit Bar. Sie hat offiziel noch nicht auf; ich bekomme dennoch einen cafe con Leche. Der Barkeeper ist völlig erstaunt mich gegen 12.00 Uhr zu sehen. Er will wissen, wann ich gestartet bin und meint, dass Pilger in der Regel ab 14.00 Uhr auftauchen. Nach meinem Kaffee muss ich zurück zur Brücke und auf der anderen Seite die verlorenen Höhenmeter ebenso steil wie zuvor wieder gutmachen. Gegen 14.00 Uhr komme ich in Chantada an und finde in der Nähe der Kirche im Hotel Mogay ein Zimmer mit 12,5 % Pilgerrabatt. Da heute Mariae Himmelfahrt ist, haben alle Läden geschlossen. In einer winzigen Bar hat man Erbarmen mit mir und macht mir eine Tortilla in der Mikrowelle warm. In dieser Bar kaufe ich mir auch noch Getränke für den nächsten Tag. In Chantada finde ich eine alte und eine sehr moderne Kirche. Beide wie üblich verschlossen.

12. Pilgertag: Chantada - Rodeiro (31,4 km)
Wie immer starte ich sehr früh. Die Richtung ist klar: Immer geradeaus. Bis Abral geht auch alles gut, dann nehme ich wohl eine falsche Abzweigung. Nach vielen Fragen und mehr oder weniger qualifizierten Antworten gelange ich schließlich über Joanin und Laxe kurz vor dem Alto de Faro wieder auf den bezeichneten Camino Invierno. Sogar in 1100 m Höhe ist es sehr warm. Die nächsten 5 Kilometer geht es auf einer sehr breiten Piste immer von Windrädern begleitet hinunter auf 880 m Höhe zum Porto do Faro.
Die Kennzeichnung ist dürftig, wird aber bei Erreichen der Gemeindegrenze von Rodeiro besser. Optimal ist etwas anderes, aber was nicht ist kann ja noch werden. Gegen 14.15 Uhr lande ich im gastlichen Hostal Carpinteiras. Der Juniorchef meint, dass kein Zimmer frei sei; seine Mama hat dann doch ein schönes Zimmer für mich. Nach dem Duschen bekomme ich sogar ein Menü.

13. Pilgertag: Rodeiro - Lalin/A Laxe (25,9 km)
Meinen letzten Pilgertag auf dem Camino Invierno beginne ich eine halbe Stunde später als sonst. Meine geplante Strecke beträgt nur etwas mehr als 20 Kilometer und dann sollte 7.00 Uhr als Startrzeit reichen. Ich werde mich im Dunkeln wohl auch nicht verlaufen. Ich finde problemlos aus dem Dorf hinaus. Auch auf der PO-533 bis zur Ponte Hospital geht es gut. Die Gemeinde Rodeiro hat - wenigstens außerhald des Dorfes - relativ gut gekennzeichnet. Es gibt heute auch kaum Stellen, wo ich mir über den weiteren Streckenverlauf unsicher bin. Auf schönen Wegen oder ganz kleinen Sträßchen komme ich schnell nach Lalin. Nur in den winzigen Dörfern haben wieder einpaar Hunde Probleme mit meinem Auftauchen. In lain angekommen finde ich eine offene Bar. Die Bedienung hat aber vom Camino noch nichts gehört. Da die Richtung dennoch klar ist, gelange ich bald zu einer großen Kirche, die tatsächlich offen scheint. Nach dem Eintreten stehe ich vor einer zweiten Tür. Wenigstens durch ein Glasfenster kann ich einen Blick in das Innere werfen. Weit kann es eigentlich bis zum Hostal Camino de Santiago nicht mehr sein. Ich muss immer weiter ins Tal, dann links abbiegen und dem Trimm-Dich-Pfad folgen. Auf meiner spanischen Übersichtskarte ist dann ein ganz kleines Stück; in Wirklichkeit dann doch ca. 3 Kilometer. Im Hostal werde ich freundlichst aufgenommen. Essen ist okay. Zu besichtigen gibt es absolut nichts, da es direkt an der Nationalstraße in der Nähe des Industriezentrums liegt.

Die beiden letzten Pilgertage verbringe ich auf der bekannten Via de la Plata. Weitere Infos und Fotos siehe unter www.meine-jakobswege.de

Gerhard Treiber
http://www.meine-jakobswege.de
am 30.08.2012

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Caminho Português  
Nun lockte mich ein der Jakobsweg in Portugal mit dem gleichen Ziel.  


Von Deutschland aus bin ich schon bis Santiago de Compostela in mehreren Etappen gepilgert. Nun lockte mich ein neuer Jakobsweg in Portugal mit dem gleichen Ziel.
Die rührige Stadt Porto wurde mein Startpunkt und 250 km lagen vor mir. Porto hat sich vieles von der abenteuerlichen und alten Geschichte Caminho Português bewahrt. Die Stadt ist sehr mit ihrer Vergangenheit verbunden und das historische Barredo-Viertel wurde sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt - obgleich da noch viel renoviert werden muss.
          
„Bom Dia, O Porto!“ Am 22. Mai 2013 ging es los. Kaum am Flughafen angekommen, wurde mir ein Stadtplan überreicht. Mein vorgebuchtes Hotel „Oporto House“ hatte mir eine „Anlaufskizze“ geschickt und so klappte alles reibungslos. Überall fand ich hilfsbereite und freundliche Menschen. Bald saß ich beim ersten Bier mit Linseneintopf (typisches Landesgericht).  Ein kleiner Streifzug zum Bahnhof mit den blauen Kachelbildern und zur Kathedrale vermittelte die ersten Eindrücke. Dann bummelte ich hinunter zum Rio Douro und zum Cais Ribeira. In den Bars herrschte reges Treiben, doch ich spazierte noch etwas flussabwärts. Später wechselte ich über die berühmte Eisenbrücke auf die linke Uferseite und genoss die Abendsonne bei einem Glas Portwein. Auf dem Heimweg lauschte ich noch in einer Bar „Fado-Gesängen“, das ist typisch für Portugal.
           1.Tag, 23 km:  Von meinem Hotel aus wanderte ich bei strahlendem Sonnenschein gleich hinunter zum Fluss, weil ich die Variante am Atlantik laufen wollte. Der Blick streifte immer wieder zu den menschenleeren Sandstränden und zum Meer. Wenn man hier nur verweilen könnte! Bei Matsinhos führte der Jakobsweg mit einer Zugbrücke über den Hafen und zog sofort wieder zum Strand. Holzstege boten in den Dünen an der Küste ein gutes Vorwärtskommen. Mit einigen Pausen am Strand erreichten wir - inzwischen hatte sich Pilger Werner angeschlossen - am Nachmittag den Campingplatz in Lavra und konnten zu zweit einen Bungalow zum Schlafen mieten. Am Meer waren die kleinen Fischerboote an Land gezogen und die Fischer flickten ihre Netze. Nach dem Abendessen ließen wir beim „Vinho Tinto“ und mit einem anderen Pilger den Tag ausklingen.
           2.Tag, 24 km: Über Holzstege führte der Weg durch die Dünen, immer das Meeresrauschen im Ohr - ein Traumpfad! Von den prähistorischen Siedlungen in S. Palo konnte man nicht viel erkennen, nur auf einer alten Kultstätte stand eine romanische Kirche. Wir wanderten durch abgelegene Fischerdörfer, da war die Zeit wohl stehen geblieben, denn die Frauen wuschen die Wäsche noch an öffentlichen Plätzen. In Vila do Conde beeindruckte der römische Aquädukt mit seinen 999 Bögen. Landeinwärts strebten wir der Albergue S. Pedro in Rates zu. Mehrere Schlafräume boten der internationalen Pilgerschar genug Platz. Besonders der rustikale Innenhof lud zum Verweilen ein. So kam man leicht mit anderen Pilgern ins Gespräch. Um die Sache aufzulockern, bot ich Qi Gong an, was gerne von einer kleinen Gruppe auf der Wiese mit viel Lachen angenommen wurde. In der kleinen Kirche Igreja de São Pedro aus dem 12.Jh. konnten die Gedanken zur Ruhe kommen.
            3.Tag, 25 km: Unsere lose Gruppe war auf vier Pilger angewachsen, dennoch lief jeder sein Tempo. Meistens war ich der „Schlussmann“, weil das Fotografieren Zeit in Anspruch nahm.  Mittags erreichten wir Barcelos. Schon beim Überqueren der mittelalterlichen Brücke sah man den Palast dos Condes und die Kirche Matriz. Daneben lud ein Freilichtmuseum zur Besichtigung ein. Alte Mauerreste aus dem 15.Jh. und das „Cruzeiro do Senhor do Galo“ (Hühnerwunder) lockten Besucher an. Obwohl es das Hühnerwunder auch in Spanien gibt, hat Barcelos den Hahn im Stadtwappen. Nach einer Kaffeepause ging es durch die Altstadt zur Kirche „Bom Jesus“. Dieses runde Kirchlein ist mit blauen Kachelbildern geschmückt und die lieblichen Engel haben mich an Dresden erinnert. Wir pilgerten bei fast 30°C weiter durch Wiesen und Wälder, doch die schlanken Eukalyptusbäume boten wenig Schatten. Ein letzter Anstieg und die neue Albergue de Peregrinos in Portela de Tamel war in Sicht. Nach dem Duschen wurde für alle Pilger kostenlos eine Suppe angeboten, gerade das Richtige, wenn man viel geschwitzt hatte. Heute war der 25. Mai und das Endspiel Bayern gegen Dortmund stand an, was natürlich im gegenüber liegenden Restaurant am TV verfolgte wurde.
            4.Tag, 24 km: Um nicht voll in der Hitze zu laufen, starteten wir in aller Frühe. In der nächsten Dorfkneipe nahm ich ein Frühstück und dann ging es auf dem Jakobsweg immer dem gelben Pfeil nach. Nun pilgerte ich alleine und konnte ungestört Pausen nach meinem Geschmack einlegen. Als Jahrgang 39 sind mir Pausen mit Beine Hochlegen sehr angenehm. Weiter führte die Route durch schattige Wälder bis zum schönen Bildstock von Facha und durch kleine Dörfer zum Rio Lima. Da die Herberge in Ponte de Lima erst um 17 Uhr öffnete, hielt ich Siesta am Ufer. Manche Kleinigkeit, wie ohne Rucksack und barfuss im Gras zu liegen, kann für Pilger ein Hochgenuss sein. Wie schon der Name Ponte de Lima sagt, führt hier eine große Brücke über den Fluss. Die Stadt zählt zu den ältesten Städten in Portugal. Schon die Römer hatten hier gesiedelt und führten die Via Romana XIX. über den Fluss. Als ich die Pilgerherberge betrat, knallten die Sektkorken - der 20 000. Pilger wurde in der Herberge begrüßt. Am Abend feierten alle Pilger mit. Im Garten der Herberge wurde ein starker Punsch angerührt, der zuerst etwas abgefackelt wurde, dennoch war er noch stark genug. Wie in ganz Portugal konnten wir uns auch hier auf Englisch gut verständigen.
            5.Tag, 32 km mit 400 Hm: Heute hatte ich mir etwas Größeres vorgenommen und ließ mich vom Handy früh wecken. Das frühe Aufstehen hatte mehrere Gründe. Einmal läuft es sich in der kühlen Morgenstunde besser als in der Tageshitze. Und zweitens waren mir die Matratzen zu hart und ich hatte deswegen öfters Hüftschmerzen, nur beim Gehen fühlte ich mich wohl. Früher bin ich oft solche Strecken gegangen, wie würde es mir nun ergehen? Nach einem kräftigen Frühstück ging es los. Die Anstiege waren moderat und mit meiner  ruhigen Gangart und Pausen wurde die Anhöhe (400 Hm) Portela Grande mit einigen Schweißperlen gemeistert. Wie viele vor mir legte auch ich am Cruz dos Franceses einen Stein als Erinnerung ab. Natürlich ging nun auch der Abstieg in die Beine. Gegen Mittag erreichte ich das Dorf Rubiães und legte im Gasthaus eine Mittagspause ein. Über eine alte Römerbrücke marschierte ich weiter auf der Via Romana XIX. und konnte mich gut in alte Zeiten versetzen. Unterwegs gab es Gelegenheit, an einem Brunnen die Wasserflaschen wieder aufzufüllen, denn mein Wasserverbrauch war heute enorm. Dörfer, Wiesen und Wälder durchkreuzte der Jakobsweg - sehr abwechslungsreich! So verging die Zeit und meine Beine wurden immer schwerer. Goethe sagte einmal: „Man kennt seine Grenzen erst, wenn man dort war“! Ich war heute dort! In Valença steuerte ich gleich eine Pension an und legte mich bei Zeiten zur Ruhe. Im weichem Bett schlief wie ein Murmeltier. Erst wenn man nicht jede Nacht ein weiches Bett hat, weiß man es zu schätzen!
            6.Tag, 20 km: Ausgeruht durchstreifte ich die historische Festung mit den alten Mauern, die vollkommen die Altstadt umschließt. Bald überschritt ich die Internationale Brücke und landete in Tui in Spanien. Hier musste man die Uhr wieder eine Stunde vorstellen, aber bei nur 20 km stellte der Zeitverlust kein Problem dar. Die Kathedrale (13.Jh.) in Tui ähnelt vom Eingang her einer Burg. Der romanische Stil wurde später mit gotischen Elementen ausgebaut. Durch den „Túnel de las Clarissas“ verließ ich die Altstadt und pilgerte durch eine große Parkanlage. Mehrere kleine Dörfer folgten, bis das Industriegebiet von O Porriño durchquert werden musste. Neben der Straße bot ein „Trampelpfad“ angenehme Gehmöglichkeit, wenn da nicht die Industrie gewesen wäre. Doch ich konnte mit dem Kopf nach unten meine Umwelt abschalten und meditieren, Gedanken gab es viele! Den Rucksack auf dem Rücken, den Stock in der Hand, gute Schuhe an den Füßen und eine Muschel als Zeichen meines Pilgerns – ich war mittendrin! In der Herberge, ein moder Glasbau, entspannten sich schon viele Pilger im Garten, ein idealer Platz zum Qi Gong. Bald folgten einige Pilger meiner Einladung zum Qi Gong und wir hatten viel Spaß zusammen.
            7.Tag, 15 km: Zum ersten Mal sah ich keine Sonne, sondern leichter Nieselregen verlangte nach Regenkleidung, so ist eben Galicien! Doch nach drei Stunden begleitete mich wieder sonniges Wetter, wie alle Tage. Bedingt durch die kurze Etappe traf ich schon mittags in Redondela ein. Die Pilgerherberge ist im rustikalen Herrenhaus (16.Jh.) Casa da Torre untergebracht. Im Turm war oben noch eine Bildergalerie zu sehen. Nach dem Duschen, das Wetter hatte sich gebessert, zog es mich zum Stadtbummel und ans Meer. Ja, richtig gelesen! Redondela besitzt einen Hafen in der Bucht von Vigo und somit Meeresverbindung. Im Ort selbst begannen die Vorbereitungen für ein großes Fest. Kinder und Erwachsene legten auf Straßen mit Blumen Ornamente aus – eine wahre Farbenpracht! Sogar Wörter waren darunter. Ein Satz gefiel mir besonders: „Si, se
puede“ (yes, we can). Abends saßen wir in froher Runde, die gleichen Pilger vom Vortag, beim Vino Tinto zusammen.
            8.Tag, 17 km: Heute lachte wieder wie gewohnt die Sonne. Ein kleiner Anstieg und es bot sich ein weiter Blick über die Bucht von Vigo. Nach einigen Dörfern führte der Jakobsweg über eine alte Brücke in Pontesampaio wieder auf schattige Waldwege. Einige alte Kornspeicher standen am Weg. Weil die Herberge in Pontevedra zu weit außerhalb lag, wanderte ich bis ins Zentrum und fand dort eine günstige Pension. Die Altstadt muss man einfach gesehen und erlebt haben: Viele Kirchen, in der Klosterkirche San Francisco feierte ich eine Messe mit, und Plätze luden zum Verweilen ein. Ein Pilgerspruch lautet: „ Nur was ich länger betrachte, kann in mir erhalten bleiben“. Es folgte noch ein Spaziergang zum Hafen, bevor ich mich unters Volk mischte und den Abend gemütlich ausklingen ließ.
            9.Tag, 22 km: Wie in ganz Galicien standen auch hier viele Steinkreuze am Wegesrand. Nach dem Stadtgewühl tat die Ruhe in einsamer Gegend wieder gut. Erst durch Wald, dann durch Wiesen und kleine Dörfer stand ich plötzlich vor einem Muschelschild: 50 km, was die Strecke nach Santiago de Compostela bedeutet. Das Ziel rückte also immer näher. Dieser Camino ist noch nicht so bekannt, denn ich lief viele Tage stundenlang, ohne jemandem zu begegnen. „Die größten Ereignisse – das sind nicht die lautesten, sondern die stillsten Stunden“ (Friedrich Nietzsche). Oft führte der Jakobsweg auf der Via Romana XIX. weiter. Portela und Briallos wurden durchquert und schon lag Caldas de Reis vor mir. Auch hier suchte ich eine Pension auf und traf mich am Abend mit den anderen Pilgern zu einer geselligen Gesprächsrunde.
            10.Tag, 20 km: Nach der Römerbrücke zog der Weg durch ein schattiges Tal, später auf und ab nach O Pino. Wieder standen die traditionellen Kornspeicher in den Dörfern. Mangels Einkehrmöglichkeiten trank ich einen Automaten-Kaffee an einer Tankstelle. Am frühen Nachmittag traf ich in Padrón ein. Es folgte das gewohnte Ritual: Herberge aufsuchen, Bett belegen, duschen und auf zum Stadtbummel. Wobei ich mir Pimientos de Padrón, es handelt sich um grüne geröstete Paprikaschoten, schmecken ließ. In der Jakobskirche steht ein alter Kultstein aus der Römerzeit, der später (9.Jh.) als Altarstein in der Jakobskirche Verwendung fand. Am Abend saßen Pilger vieler Nationen (Niederlande, Österreich, USA, Spanien, Tschechen, Portugal, Italien und ich) im Aufenthaltsraum zusammen. Ich hatte einige Pilger schon öfter in den Herbergen getroffen. Man fühlte sich wie in einer großen Familie. Der Anteil der Frauen auf diesem Jakobsweg liegt mindestens bei 50 Prozent.
            11.Tag, 24 km: Der letzte Tag vor Santiago war angebrochen. Obwohl ich schon einmal in Santiago war, lag eine gewisse Spannung in der Luft. Wie viele Tage zuvor war ich zeitig auf den Beinen, denn die Morgenstunden mag ich besonders. Wenn sich die Sonne langsam durch den Morgendunst kämpft, die Vögel zwitschern und die Natur erwacht, fühle ich mich mit der Landschaft verbunden – ein schönes Gefühl. Je mehr die Sonne aufstieg, um so mehr freute ich mich über schattige Waldwege, denn es wurde wieder warm. Immer mehr Pilger, ja ganze Gruppen, strebten heute in die gleiche Richtung. Als dann die Häuserdichte zunahm, konnte Santiago nicht mehr weit sein. Doch vor dem Zentrum bog ich rechts zu der Pilgerherberge Seminario Menor de Belvis ab. Ich kannte mich ja hier aus. Nach dem Duschen ging es gleich zum Busbahnhof, um eine Rückfahrt nach Porto zu reservieren. Erst dann pilgerte ich ganz entspannt in die Altstadt und mischte mich unter die unzähligen Pilger aus aller Welt. All die Sehenswürdigkeiten, wie  der „Portico de la Gloria“ (Skulpturen der Bibel), das gewaltige Kirchenschiff, die Krypta mit dem silbernen Sarkophag des hl. Jakobus und vieles mehr in der Kathedrale ließ ich in aller Ruhe auf mich einwirken. Auch der große Platz und die anderen Portale beeindrucken sehr. Vom Pilgerbüro holte ich mir noch die Compostela (Urkunde) ab und ließ nach einem wohlverdienten Abendessen (
Tortillia mit Paprika) den Tag ausklingen.
            12.Tag: Ein gemütlicher Stadtbummel führte mich um 12 Uhr in die Kathedrale zur Pilgermesse. Mein Platz im Querschiff war gut gewählt, denn zum Schluss pendelte das große Weihrauchfass genau vor mir. Wie die Spanier leistete ich mir eine Siesta in der Herberge, um ausgeruht zu weiteren Besichtigungen aufzubrechen. Als ich zufällig am
Parador-Hotel vorbeikam, rief mir eine bekannte Pilgerin zu: „Hallo Arno, komm´ her, du hast Platz Nummer acht“! Bei diesem vornehmen Hotel ist es Tradition, jeden Tag 10 Pilger kostenlos zum Abendessen einzuladen. Also ging ich mit. Wir wurden in die Küche geführt und jeder bekam auf sein Tablett ein Dreigängemenü mit Wasser und Wein. Später saß ich lange bei angenehmen Temperatur im Freien und genoss die Abendstimmung.
            13.Tag: Nach der Rückfahrt nach Porto nahm ich in einer Pension Quartier und machte mich zum Stadtbummel auf, denn mein gebuchter Rückflug stand erst zwei Tage später an. Wieder zog es mich zum Fluss ins „Touristentreiben“.
           14./15.Tag: Porto u. Rückflug
Hat das Pilgern einen Inhalt? Oft suchen Menschen einen Lebenssinn. Der Weg nach innen ist weiter als der nach Santiago de Compostela, aber die Suche lohnt sich, und wenn man nur das eigene Konsumverhalten hinterfragt! Pilgern ist heute mehr denn je gefragt, das kommt doch nicht von ungefähr!
Auf dem Jakobsweg kommt man mit vielen Menschen aus aller Welt zusammen und alle spüren und fühlen die gleiche Faszination. Vielleicht herrscht deswegen so eine heitere Stimmung unter den Pilgern. Aber auch die Bevölkerung kommt uns mit viel Freundlichkeit entgegen.

Buen Camino!

Arno Ritter
....... ein Pilgerbericht von Arno Ritter vom Caminho Portugues - Juli 2013

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Updated: 8. November 2016  -  13:15 Uhr

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 Autoren
     
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