Die Verehrung des hl. Jakobus
Die ersten Zeugnisse über die Geschichte der Pilgerfahrt nach Santiago stammen, was das Maasland anbetrifft, aus dem 11. Jahrhundert. Lüttich kann sich auf die ältesten schriftlichen Beweisstücke berufen, Als der Mönch und spätere Abt Robert von einer Pilgerfahrt bedeutende Jakobus-Reliquien mit nach Hause brachte, fand nach deren Deponierung 1059 ein Patroziniumswechsel von Jacobus Minor zu Jacobus Major statt, ein für damalige Verhältnisse unerhörter Vorfall, der nur als Reaktion auf die ungeheure Beliebtheit des neuen und hochaktuellen Heiligenkults und den Glauben an seine Wirkungsmächtigkeit gedeutet werden kann. Frühe Pilger aus der Region, über die es Belege gibt, waren Philipp der Edle, Burgherr von Namen, der um 1200 dem Apostel und Blutzeugen Jakobus eine Burgkapelle weihen ließ; weiterhin zwei flämische Edelleute, die 1077 ein Gelübde, das sie bei der Schlacht von Kassel 1072 gegeben hatten, einlösten; ferner Bischof Hugues von Pierrepont aus Lüttich gegen Ende des 13. Jahrhunderts und mehrere Teilnehmer an den Kreuzzügen von 1147,1189 und 1217.
Es ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, dass sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt Pilger aus der Maasregion auf den Weg nach Santiago gemacht hatten. Genau wie die aus dem 12. Jahrhundert stammende Beschreibung des Lebens des hl. Lambertus ist wahrscheinlich auch der von dem Friesen Martin Hamconius verfasste Bericht über das Leben von Evermarus von Tongern von großer Bedeutung für die Belebung des Glaubens in der damaligen Zeit.
Eine der bedeutendsten Verbindungen zur Maas war die alte Handels- und Heeresstraße von Aachen nach Lüttich. Aachen galt als eine der wichtigsten Stationen am Pilgerweg nach Spanien, vor allem für die Anbindung slawischer und ungarischer Christen, die von den östlichen Grenzen des „Orbis Christianus" kamen, um an der Gnadenfülle der Heiltumsweisung und des Apostelgrabes in Santiago teilzunehmen
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Ein frühes Zeugnis für die Anwesenheit von Ungarn auf dem Pilgerweg nach Spanien befindet sich in der St. Albanskirche in Namur, wo für 1212 das Grab eines ungarischen Bischofs belegt ist, der dort auf dem Weg nach Compostela verstarb.
Zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert entwickelten sich Handelszentren wie Verdun, Mézi
ères, Namur, Huy, Lüttich, Maastricht, Roermond, Venlo und Dordrecht aufgrund der wirtschaftlichen Blüte zu reichen und privilegierten Städten, von denen die meisten zum Hansebund gehörten. Zu dieser Zeit wurden die St. Jakobusbruderschaften gegründet, die die Wege nach Santiago betreuten. Abteien, Herbergen, Pilgerunterkünfte sowie Krankenhäuser halfen den Pilgern, ihr Ziel zu erreichen. In Roermond bestand seit dem 13. Jahrhundert eine solche Bruderschaft, die in Verbindung mit der St. Jakobskapelle in der „Voorstad St. Jacob" gegründet worden war. 1786 wurde sie von dem österreichischen Kaiser Joseph II. aufgehoben.
Doch das Maasland ist ein Perpetuum Mobile: Im Jahr 2000 gründeten einige Roermonder Bürgerinnen und Bürger erneut eine Jakobusbruderschaft, die die Traditionen ihrer Heimatstadt als Station am Pilgerweg zum Grab des Apostels in Spanien in zeitgemäßer Form fortsetzt. Sie stiften auch die neuen Fenster, die ab dem 25. Juli, dem Festtag des hl, Jakobus, im Heiligen Jahr 2004 die Jakobuskapelle der Kathedrale von Roermond schmücken werden.