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         Pilgermedaille für Erstpilger     Matthias Pilgergruppe aus Niederkassel - Mondorf













 

 

Pilgern als Ausdruck des Glaubens

 

Abtei St. Matthias

Im Advent 1993

Abt Ansgar Schmidt OSB

P. Hubert Wachendorf OSB  -  Pilgerpfarrer

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Lieber Pilger!

 

Danke für deinen Besuch. Natürlich hab ich das mitbekommen! Wenn es auch nur meine spärlichen Überreste sind, die in derAbteikirche St. Matthias in Trier begraben liegen, so habe ich doch immer ein besonderes Auge auf die unzähligen Pilger, die seit über 1600 Jahren oft unter harten Strapazen mein Grab besuchen. Und du bist mir besonders aufgefallen. Vielleicht, weil ich gespürt habe, daß du an einem Orientierungspunkt deines Lebens stehst. Wenn ich dich richtig verstanden habe, liegt dir vorrangig die Frage am Herzen: Wer war dieser Jesus von Nazaret und kann er für mein Leben heute eine Bedeutung haben? Ich glaube, ich erzähle dir einfach mal meine eigene Geschichte, dann wirst du auch ihn kennenlernen.

Aufgewachsen bin ich in Betlehem, der Stadt Davids. Wir waren Bauern. Einige Hundert Weinstöcke, ein paar Feigen- und Olivenbäume, ein Weizenfeld, der Stolz meines Vaters, dazu Schafe und Tauben. Reich waren wir nicht, aber zum Leben langte es.

 

Von der Mosel zurück nach Israel

Arbeit gab es genug zu Hause. Allein unser Weinberg »am fetten Horn«. Du kennst das ja von den Wingerten an der Mosel, von denen eure uralte Bischofsstadt ganz umgeben ist. Hacken, bewässern, düngen, pflanzen, beschneiden, binden - im Weinberg ist immer was zu tun. Trotzdem war mir diese Winzer-Maloche lieb. Wenn mir die Sonne auf den Rücken brannte. Wenn ich mit meinen Händen die jungen Reben bändigte. Wenn ich dabei spürte, was für eine Kraft im Wachsen und Reifen dieser Früchte liegt. Bei uns kam noch die Bewachung der Weinberge dazu. Das ging im Schichtdienst rund um die Uhr.

Im August fing die Weinlese an. Es war bei uns wirklich die fröhlichste Zeit im Jahr. Wie es schon bei Jesaja heißt: »Freude und Frohlocken sind dem Fruchtgefilde, Jubel den Weingärten eigentümlich.« Zwangsläufig machten wir jedes Jahr eine Traubenkur, denn zur Reifezeit gab es praktisch nur Früchte und Brot zu den Mahlzeiten. Natürlich wurde auch Wein hergestellt. Eine anstrengende Sache, besonders das Keltern. Da hieß es für uns Burschen, das Unterkleid schürzen und mit bloßen Füßen treten, was das Zeug hält. Der entstehende Most wurde aufgefangen und durch ein Sieb geleitet. Wenn er sich gesetzt hatte, schöpfte man den reinen Saft randvoll in große Krüge. Schon nach einigen Tagen war die Gärung beendet. Der entstandene Wein hieß bei uns »Nebid«. Er wurde in kleinere Krüge gefüllt, mit einem Lappen zugedeckt und in Asche gestellt, um ihn vor Feuchtigkeit zu schützen. Unser Wein war ziemlich herb, aber sehr bekoemmlieh und hielt sich bis zu zwei Jahren. Genug der Fachsimpelei?

Gut, kommen wir zur Sache. Als die Weinlese vorbei war, ging es bei uns etwas ruhiger zu. Ich durfte »Urlaub« nehmen und mir Land und Leute ansehen. Per pedes und ohne viel Gepäck ging ich auf die Walz. Damals war ich gerade achtzehn geworden. Ich konnte lesen und schreiben und kannte die heiligen Bücher mit ihren Verheißungen. In mir brannte die Sehnsucht nach Freiheit vom Joch der römischen Fremdherrschaft. Nicht gerade zimperlich gingen die Soldaten mit uns um. Aber das kannst du dir heute kaum noch vorstellen, wie das ist, wenn hinter jeder Kurve ein Gekreuzigter am Wegesrand hängt und das Recht nur für römische Bürger Geltung hat. Und dabei waren wir das auserwählte Volk! Nicht länger würde Jahwe zulassen, daß sie uns zu Sklaven und Knechten machten. Hatte er uns nicht den Retter verheißen, den Messias?

 

Der wilde Mann: Johannes

Damals hörte ich von einem, der Johannes hieß. Wo die Wüste von Judaea schroff zum Jordangraben und zum Toten Meer absteigt, fand ich ihn. Er war ein ziemlich wilder Typ, der den Menschen, wie ihr heute sagt, - die Hölle heißmachte - und äußerst unbequeme Fragen stellte. Nie mehr habe ich im Leben einen Mann mit dieser Mischung aus Demut und Leidenschaft getroffen. Schon sein Outfit! Das Kamelfell lässig um die Hüften, von Sonne und Wind gegerbte Haut, und Augen, die mir bis auf den Grund der Seele schauten. Er war ein Kind der Wüste, und schon über seiner Geburt lag die verheißungsvolle Frage: »Was wird wohl aus diesem Kind werden?« Aber das ist eine andere Geschichte. Kurz und gut, ich stieg hinab zum Jordan. Schon von weitem hörte ich ihn schimpfen: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt?« Und ohne Scheu legte er die Härte unserer Herzen bloß und zeigte uns, wie weit wir von Jahwe und seinen Geboten weg waren. »Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt!« Er sagte das, was wir alle fühlten: »Die Fülle der Zeit, das Reich Gottes ist nahe!!!« Entschuldige die vielen Ausrufezeichen, aber Johannes war nun mal so, ein wandelndes Ausrufezeichen.

Eines Tages hatte sich viel Volk aus Judaea und der Jordangegend am Fluß versammelt, und Johannes war mal wieder so richtig in Fahrt. »Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen! Er wirdeuch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen!« Plötzlich stockte seine Stimme. Jesus war gekommen, hatte sich eingefädelt in die Reihe der Taufwilligen. Johannes war fassungslos: »Ich müßte von dir getauft werden, und du kommst zu mir?« Und dann, typisch Jesus oder besser Jehoschua, wie wir ihn nannten »Laß es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfuellen!« Ich spürte vom ersten Moment an: Hier ist einer, der ganz auf Gott hin ausgerichtet ist, der nichts für sich selber will, sondern Gott immer und unbedingt über sich verfügen läßt, und damit zu einer unaussprechlichen Kraft und Freiheit gefunden hat. Wir alle sahen ein blendendes Licht und spürten, daß dieser Jesus im Zentrum eines besonderen Geschehens stand, das für uns unbegreiflich war. Johannes hat spaeter anhand eines Bildes versucht, uns deutlich zu machen, was da geschehen war: »Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.

Ich will nicht behaupten, dass ich Jesus gleich richtig verstanden haette. Er hat mich angesehen mit einer Mischung aus Offenheit, Freundlichkeit und Freude, als haette er lange auf mich gewartet und sei uebergluecklich, mir nun endlich begegnet zu sein. Mir schien es, als haette er vom ersten Moment an verstanden, wer ich bin, und dass ich zu ihm gehoere.

 

Von Jesus fasziniert

Ich kann dir sagen, mein lieber Pilger, um mich war es geschehen. Von dem Tag an, bin ich mit Jesus gegangen, vom Jordan nach Galilaea, an den See Gennesaret, spaeter nach Judaea. Ich sah, wie er allen Menschen in Liebe zugetan war, wie er heilte und troestete und saettigte, aufrichtete und vor nichts und niemandem zurueckscheute. Und ich wusste, wenn ich herausfinden wollte, was wirkliches Leben und der Sinn meiner Existenz ist, dann musste ich dranbleiben am Weg dieses Zimmermanns aus Nazaret. Und ganz allmaehlich ging mir ein Licht auf, worauf es ihm ankam. Das Reich Gottes hatte keine direkte politische Dimension. Auch sollten die Roemer nicht automatisch unsere Feinde sein. Er sprach mit ihnen, er verstand sie. Und je mehr Menschen er kennenlernte, je groesser und bunter die Menge wurde, die sich um ihn scharte und von ihm Hilfe erwartete, um so größer wurde sein Herz. Weißt du, was mich an Jesus besonders fasziniert hat? Daß bei ihm Theorie und Praxis übereinstimmten. Oft war es gigantisch, was er von uns verlangte - eine rückhaltlose Hingabe. Aber gleichzeitig lebte er selbst diese Hingabe bis zur Erschöpfung. Er blieb ganz dicht dran an den Menschen, er berührte sie. Und tagtäglich demonstrierte er, wie Gott ist: immer auf der Suche nach den Schwachen, den Zu-kurzGekommenen, den Hungrigen, den Außenseitern.

 

Theorie und Praxis

Kürzlich habe ich einen Satz gehört aus eurer Zeit: »Wo die Macht, da der Weihrauch.« Also, abgesehen davon, daß Weihrauch für uns ein Teufelszeug war - dieser Satz hat mich ganz schön erschreckt. Ich weiß wohl, daß es nur ein Bruchteil der Wahrheit ist. Denn auch heute ist die Kirche an unzähligen Orten dieser Erde bei den Armen und ergreift ihre Partei. Trotzdem! Täglich schreit die Ungerechtigkeit und Not in der Welt mehr zum Himmel. Es kommt mir manchmal auch ein bißchen scheinheilig vor, wenn die Menschen anklagend mit dem Finger auf die Amtskirche zeigen, aber sich selbst mit einem einfachen Lebensstil und dem persönlichen Einsatzfür die Menschen ihrer nächsten Umgebung ausgesprochen schwer tun. Die Realität wird allerdings zeigen, daß keine Gesellschaft auf Dauer über ihre Verhaltnisse leben kann. Wird diese Erkenntnis wie so oft in der Geschichte erst durch eine gewaltsame Revolution deutlich werden? Also ehrlich, das fand ich schon mutig, wie der Trierer Bischof Hermann Josef Spital kürzlich vor dem Marketing-Club Tacheles geredet hat: Die auf kurzfristige Profite angelegte heutige Weltwirtschaft sei langfristig der Keim der selbstverschuldeten Vernichtung. Was Jesus vor zweitausend Jahren gesagt hat, war eine Botschaft des Friedens, der aus Freiheit und Gerechtigkeit erwächst: Wer zwei Mäntel hat, gebe dem einen, der keinen hat. Eine ziemlich unbequeme Botschaftfür die reichen Industrieländer! Zum Teil mag das heutige Unbehagen am Christentum auch aus dieser »Schlechtes-Gewissen-Ecke« kommen. Und ich weiß, einfach ist es nicht, mit all den Bildern zu leben, die tagtäglich in eure Wohnzimmer flimmern. Da sollte man nicht vergessen, daß die Liebe zu Hause beginnt, beim Nächsten. Das können Kinder oder Eltern sein, Kollegen, Nachbarn undloder der Mensch, der mir gerade über den Weg läuft und Hilfe braucht.

 

Ein lohnender Weg

Du hast schon Moralpredigten genug in deinem Leben gehört? So habe ich das doch gar nicht gemeint! Ich wollte dir nur sagen: Dein Aufbegehren ist gut. Unterdrücke nicht die Sehnsucht nach der Wahrheit und dem Wesentlichen in deinem Herzen. Du meinst, mit der Wahrheit, das wäre ein schwieriges Kapitel? Da kannst du recht haben! Aber wenn Jesus, wie er selbst sagte, der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, lohnt es die Mühe, zu ihm eine Beziehung aufzubauen, um der Sache näherzukommen. Für uns war das natürlich im unmittelbaren Zusammensein leichter. Wenn du ihn doch einmal so erleben konntest! Weißt du, was er vor allem ausgestrahlt hat? Wärme, Lebendigkeit, Offenheit, Aufmerksamkeit, Interesse. Ich glaube, jeder, der ihm aufgeschlossen begegnete, mußte das spüren. Sein Prinzip war Freundschaft. Freundschaft zwischen den Menschen, Freundschaft mit Gott. Leidenschaftlich trat erfürdie Gleichwertigkeit der Menschen ein, lebte sie uns selbst vor. »Nennt mich nicht Lehrer und Meister - nur einer ist euer Meister - Gott!« Und immer dann, wenn zwischen den Jüngern später Konflikte darüber auftraten, wer das Sagen haben sollte, riefen wir uns eine Schlüsselszene vorAugen: die Fußwaschung beim Paschamahl. Demütige Bruderliebe, das war es, was Jesus uns vorgelebt hatte und was er uns abverlangte. Du meinst, es sei hart, das ein ganzes Leben lang durchzuhalten? Mein lieber Pilger! Probier es einfach mal aus. Du wirst sehen: Es ist der einzige Weg, den Geist Jesu wirklich zu erfahren, das Reich Gottes hier und heute zu erleben. Und das ist die Wahrheit. Immer wieder haben Menschen in den fast 2000 Jahren seit derAuferstehung und Pfingsten diese Erfahrung gemacht. Friede zwischen Gott und den Menschen und unter den Menschen ist möglich, wenn sie den Mut haben, Gott und einander zu vertrauen. Glauben, nennt man das. Und Jesus war überzeugt davon, daß nur einzig und allein in diesem »Glauben« die Rettung zufinden sei.

Drei Jahre lang war ich mit Jesus und den Aposteln unterwegs. Ich folgte dem Menschensohn über alle Straßen, hörte seine Predigt auf dem Berg und am See. Ich sah die von Jesus geheilten Kranken und die erweckten Toten; ich erlebte die Brotvermehrung mit. Du weißtja, ich gehörte noch nicht zu den »Zwölfen«, aber ich war dabei, als er uns »wie Schafe unter die Wölfe« sandte. Damals machte ich bereits die Erfahrung, welche Kraft in seiner Botschaft liegt, und daß ich den Menschen Befreiung von Leiden, Angst und Krankheit bringen konnte.

Als es dann in Jerusalem zur Verurteilung und Kreuzigung von Jesus kam, brachfür mich eine Welt zusammen. Wie konnte Gott seinen Sohn, den Gesalbten, den »Christus« so im Stich lassen? Ich glaubte, daß ich Gott das nie verzeihen könnte. Diese Ungerechtigkeit zuzulassen!

Und dann: die Begegnung mit dem Auferstandenen! Er lebt! Ich kann es dir bezeugen bei allem, was mir heilig ist - er lebt. Solange die Welt besteht, wird man seine Worte nicht mehr verlieren, wird sein Geist bei uns sein und sein Vermächtnis lebendig halten: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

 

Judas

Dufragst mich nach Judas Iskariot. Ja, Matthias, das war ein trauriges Kapitel. Hast du schon einmal erlebt, daß ein Mensch dich im Stich gelassen hat, den du lieb hast, dem du vertraut hast? Das ist eine der bittersten Erfahrungen, die man überhaupt machen kann. Jesus hatte ein großes Vertrauen zu Judas. Er machte ihn zum »Finanzminister« der Bewegung. Und das war keine einfache Aufgabe in unserer Truppe, weil wir die Armut auf unsere Fahne geschrieben hatten und nach dem Motto lebten »Geben ist seliger als Nehmen«.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie Judas sich aufgeregt hat, als eine Frau Jesus mit dem wertvollen 01 salbte. Tagtäglich plagte er sich ab, uns das Notwendigste zum Leben zu besorgen, und nun das! Kein Brot, aber Luxusöl - dafür hatte Judas kein Verständnis. Er war ehrgeizig, ein »Kind dieser Welt«. Zu Anfang hatten wir alle wie er die Hoffnung, daß Jesus das Königreich Davids in Israel wieder aufrichten würde. Elf der Apostel aber hatten mit der Zeit verstanden, daß das »Himmelreich« Jesu eine viel tiefere Dimension hatte, die den Menschen in seiner ganzen Existenz zur Fülle des Lebens führen würde.In Judas hingegen staute sich immer mehr Frust und Enttäuschung an. »Tut Gutes denen, die euch hassen!« Hah! Das war auf die Römer gemünzt. Ausgerechnet die! Und dann stellte sich Jesus auch noch gegen die führenden Autoritäten Israels - daraus konnte ja nichts werden. Wenn das so weiterging, würden noch alle auf der Galeere oder am Kreuz enden. Ach, Matthias, wie oft in der Geschichte haben solche Kleingeister wie Judas einem Großen das Genick gebrochen.

Nur mit dem Unterschied, daß Jesus wiedergekommen ist aus dem Totenreich. Aber wie geheimnisvoll war das Zusammensein mit dem Auferstandenen für uns. Als uns Maria von Magdala von ihrer Begegnung mit Jesus berichtete, wollten wir ihr nicht glauben. Aber dann erschien er uns immer wieder, aß mit uns, zeigte uns seine Wunden. Schließlich war sogar Thomas, der Skeptiker, überzeugt davon, daß Jesus lebt und daß seine Sache weitergehen mußte.

 

Der 13. Apostel

Aber da war die schmerzhafte Lücke, die der Verrat des Judas unter den Zwölfen gerissen hatte. >>Sein Amt soll ein anderer erhaltend, so zitierte eines Tages Petrus den 109. Psalm. Damit die Schrift erfüllt werde und die symbolträchtige Zahl der Zwölf wieder vollständig sei, mußte ein anderer Jünger zusammen mit den elf Aposteln Zeugnis für die Botschaft Jesu und seine Auferstehung ablegen. Es kam zur Wahl. Ehrlich, Matthias, ich wußte nicht, wie mir geschah. Neben mir stand Joseph, den wir wegen seiner Heiligkeit Justus, den Gerechten, oder auch Barsabbas nannten. Er war ein Bruder des Jacobus Alpheus und wie ich die ganze Zeit mit Jesus zusammengewesen. Und ich? Ich selbst hatte nie damit gerechnet, ein besonderes Amt in der Jüngergemeinschaft einzunehmen. Ich war noch so jung, und nichts anderes zeichnete mich aus als meine Zuneigung und Treue zu Jehoschna, den ihr Jesus nennt. Dann beteten alle gemeinsam: - Du, o Herr, kennst die Herzen aller. Zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelumt zu übernehmen. - Und das Los fiel auf mich!

Zuerst konnte ich es nichtfassen. Es war also wirklich Gottes Wille, daß ich die Verantwortung für die Bewegung Jesu mit übernehmen sollte. Und daß ich, wie er kurz vor seiner Verhaftung den Aposteln verheißen hatte, in seinem Reich mit ihm an einem Tisch essen und trinken sollte und wie die anderen auf einem Thron sitzen und die zwölf Stämme Israels richten? Aber im gleichen Atemzug hatte er noch etwas gesagt, das die Kirche in den folgenden Jahrhunderten leider allzuoft vergaß: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein! Sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende. Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.

Verstehst du jetzt, warum ich Jesus so lieb habe? Darum! Es ist wohl schwer, diese Erkenntnis ein Leben lang zu beherzigen, denn sie liegt quer zu den Mechanismen des Patriarchats. Diesen Geist in derAuseinandersetzung und im Konflikt aufrechtzuhalten ist nur möglich, wenn alle Beteiligten sich dem Willen Gottes unterwerfen und im Gebet und offenen Austausch nach einer Losung suchen, in Heiligkeit und Brüderlichkeit und ohne die Liebe zu verraten. Immer wiederfreuen wir uns in der Gemeinschaft der Heiligen darüber, wenn Menschen auf Erden entdecken, daß dies wider Erwarten ein gangbarer Weg ist, der einzige Weg, der weiterführt.

 

Pfingsten

Aber zurück nach Jerusalem. Kaum hatte ich mich an den Gedanken gewöhnt, Apostel zu sein, da trat schon ein weiteres »welt-bewegendes« Ereignis in mein Leben. Die Erfahrung von Pfingsten. Echt dankbar war ich für die Tage zuvor. Wie wir da zusammen im Obergemach mit Aposteln, Jüngern und Frauen gebetet und gelebt haben - einmütig, wie es in der Apostelgeschichte heißt -, das war eine Zeit voller Erwartung, voll knisternder Spannung. Auch Angst steckte uns in den Knochen, denn in diesen Tagen hing unser Leben am seidenen Faden. Irgend etwas mußte geschehen - ER hatte es versprochen. Der Pfingsttag war ursprünglich bei uns ein Erntefest. Mit mehr als 120 Jüngern waren wir im Obergemach zusammen. Du kennst die Geschichte. Plötzlich war alle Angst verflogen. Wir verstanden, daß das Leiden und der Tod Christi zum Heilsplan der Erlösung notwendig waren, wie schon Jesaja im 53. Kapitel seines Buches sagt: »Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.« Daraus erwuchs uns der Mut, Zeugnis abzulegen für die Wahrheit: Jesus ist der erwartete, von der Schrift angekündigte Messias; ihn hat Gott zu seiner Rechten erhöht; die Endzeit ist angebrochen. Du weißt ja, wie es weiterging. Die UrKirche wurde nach und nach aufgebaut. Das ging aber nicht von selbst. Es gab auch unter uns anstrengende Konflikte. Wir mußten damit fertig werden, daß unser eigenes jüdisches Volk den christlichen Glauben ablehnte: eine bittere Pille! Nach einem langen Prozeß der Entscheidungsfindung, nach Gebet und Visionen und vielen Zeichen vom Himmel kamen wir zu der Entscheidung, uns auch für die nichtjüdischen Mitbürger zu öffnen, ohne daß sie die Beschneidung und das jüdische Gesetz übernehmen mußten. Damit stand die Kirche für alle offen, die Jesus als den alleinigen Herrn, den »Kyrios«, anerkennen - und so ist es bis heute geblieben.

 

Petrus

Du fragst nach der Führungsrolle des Petrus. Dazu ist ein wichtiger Gedanke ~ grundlegend: Unsere junge Kirche orientierte sich an dem uns geläufigen jüdischen Modell religiösen Zusammenlebens. Für uns kam damals nur eine Gemeinschaft mit »Altesten« und »Vorstehern« in Frage. Es war auch selbstverständlich, daß die von Jesus persönlich berufenen und ausgesandten Apostel eine besondere Stellung und Weisungsbefugnis besaßen. Ich gebe zu, im Anfang fühlte ich mich ein bißchen als Lückenbüßer. Konnte ich mich wirklich zu den »Auserwählten« zählen, die direkt von Jesus berufen waren? Eines Tages setzte sich Petrus zu mir. Er hatte gespürt, was mir zu schaffen machte. Damals machte er mir Mut: Weißt du eigentlich, was der Name Matthias bedeutet?, Er heißt - Geschenk Gottest - und das bist du auch für uns. Der erhöhte Christus hat dich uns geschenkt, und wir alle können aufatmen, weil der Verrat des Judas durch dich und deine Treue gutgemacht worden ist.« Für uns war von Anfang an das Bewußtsein ausschlaggebend, eine Gemeinschaft zu sein und die Einheit wahren zu müssen. Aber Petrus hatte doch eine besondere Stellung. »Weide meine Schafe«, hatte Jesus zu ihm gesagt, nachdem er seine Liebe dreifach hinterfragt hatte, und bezeichnete ihn als den Felsen, auf den er seine Kirche bauen wollte. Für mich war Petrus immer der Bürge für das Vermächtnis Jesu: Bleibt in meiner Liebe.

Im übrigen habe ich durch die Zeiten beobachtet, daß große Glaubensfragen nie von einem Papst alleine, entschieden wurden, sondern mit ihm zusammen von der Gemeinschaft der Bischöfe, also durch Konzilien. In unserer Ur-Kirche allerdings ging es nur sporadisch um die Abgrenzung von Kompetenzen. Wir rechneten täglich mit der Wiederkunft Jesu Christi und hatten anderes zu tun, als zu streiten. Wir versuchten, seine Botschaft zu verbreiten und seine Kirche zu bauen. Und was Jesus uns vorausgesagt hatte, trat ein. Wir wurden verfolgt. Zuerst von den Juden, später auch von den Römern.

 

Und wie kam ich nach Trier?

Wie die Legende erzählt, übte ich 33 Jahre lang mein apostolisches Amt in Galilaa und Judaa aus. Ich kam sogar bis Mesopotamien und Äthiopien. Im Jahr 63 erlitt ich dann gemäß der Überlieferung den Märtyrertod durch Enthauptung mit dem Beil. Weiß der Himmel, wie die heilige Helena, Mutter des Kaisers Konstantin, im 4. Jahrhundert in Jerusalem meine Gebeine ausfindig gemacht hat. Damals war Trier, Augusta Treverorum, die Hauptstadt des West, römischen Reiches, Residenz des Kaisers und Lieblingsstadt Helenas. Sie brachte meine Reliquien in die Kaiserstadt und dazu den Heiligen Rock, das Obergewand Jesu. Es war zur Zeit des Papstes Silvester 1. Der heilige Maternus war damals noch Bischof in Trier. In der Nähe des römischen Gräberfeldes hinter der Porta Media im Suden der Stadt hatten die ersten Christen Triers einen geheimen Treffpunkt eingerichtet, die sogenannte Albana-Gruft. Hier waren die Bischüfe Eucharius und Paleries bestattet, die ältesten Bischöfe Deutschlands. Und vermutlich erhielt auch ich dort eine Grabstätte. Noch heute kannst du die spätantike Grabkammer unter St. Matthias besichtigen. Jedenfalls wurden durch die Völkerwanderung im 4. und 5. Jahrhundert und den Normannensturm 882 fast alle Dokumente in Trier vernichtet. Auch mein Grab war in der Versenkung der Geschichte verschwunden und wäre es bis heute, wenn nicht, ja wenn nicht am 1. September 1127 im Zuge der Bauarbeiten zur Abteikirche wunderbarerweise mein Grab wieder gefunden worden wäre. Ganz bewiesen ist die Echtheit zwar nicht, aber du weißt ja: Der Glaube kann Berge versetzen. Warum dann nicht auch Gräber?

Voller Gottvertrauen und Glauben waren die Menschen, die seit dem 12. Jh. aus 125 Städten und Dörfern zwischen Bodensee und Nordsee, aus Brabant und Flandern, aus Elsaß und aus Lothringen, aus Schwaben und dem Bayernland, aus Niedersachsen und Mitteldeutschland zu meinem Grab gepilgert kamen. Bis zum heutigen Tag gibt es Fußwallfahrten, die in dem Gebiet zwischen Niederrhein und Trier lebendig geblieben sind. So pilgert beispielsweise die Bruderschaft von Mönchengladbach - Start ist am Gladbacher Münster seit acht Jahrhunderten (Belegt ist die Jahreszahl 1142.) ununterbrochen zu meinem Grab - zu Fuß, wohlgemerkt. Natürlich nicht täglich, unterwegs sind die Pilger immer von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten.

 

Und sonst?

So, und du willst also Zimmermann werden wie weiland Sankt Josef? Da wird sich die Handwerkskammer freuen. Gute Zimmerleute sind Mangelware. Du weißt sicher, daß mich im Mittelalter die Zimmerleute zu ihrem Patron erkoren haben - übrigens auch die Metzger, beide wegen meines Hackebeiles, unter dem ich den Kopf gelassen habe und das mich seither auf allen Darstellungen begleitet.

Ich bin auch der Apostel der Schaltjahre. Erst spät in die Reihe der Apostel »eingeschaltet«, wurde mein Fest auf den 24. Februar gelegt. In einem Schaltjahr allerdings rückt es auf den 25. dieses Monats. Gleichzeitig ist das der erste Aposteltag des Jahres, weshalb ich auch als Vorbote des Frühlings gelte. So hat man für meinen Festtag die goldene Wetterregel erfunden: »Taut es vor und auf Mattheis, dann sieht's schlecht aus mit dem Eis.« Auch heidnische Bräuche haben sich an meinem Fest angehängt. So gehört die Matthiasnacht zu den sogenannten »Los-Nächten«, in denen man die Zukunft erforschen wollte. Meist handelte es sich dabei um Liebesorakel. Um die Wahrheit zu sagen, ich persönlich habe mich da rausgehalten. Wenn allerdings landauf landab an der Mosel und Saar, in Eifel und Hunsrück am Sonntag nach dem 24. Februar im Trierer Bistum mein Fest gefeiert wird, dann fühle ich mich euch allen zugehörig, wenn ihr singt:

 

                                                    Zu der Apostel Zahl

                                                    gesellt durch heil'ge Wahl:

                                                    Matthias, Gottes Zeuge.

                                                    Jetzt an des Höchsten Thron

                                                    hilfreicher Schatzpatron,

                                                    zu uns dich niederbeuge.

                                                    Das ganze Land

                                                    hebt Herz und Hand

                                                    empor zu dir vertrauend.

 

Lieber Pilger, du weißt, ich bin noch ganz schön lebendig. Besuch mich doch wieder mal, wenn du Zeit hast, und erzähl mir dann deine Geschichte.

Herzlichst, apostolisch

Dein Matthias

 

 

Matthias

Fest

24. Februar (im Schaltjahr am 25.).

Daten/Legenden

Nach Apg I, 15-26 als Nachfolger des Judas durch Los ins Apostelkollegium bestimmt, historisch wenig bekannt. Er soll in Betlehem geboren sein, in Judäa und Äthiopien gepredigt haben, im Jahr 63 Martyrium (Beil oder Kreuzigung). Nach den apokryphen Actae Andreae wunderbare Befreiung aus der Hand von »Menschenfressern« durch Andreas.

Name

Hebr. Mattitjahu: »Geschenk Jahwes«; Schreibweise auch Mattias. Die meisten Namensvarianten und Kurzformen von Matthias und Matthäus sind identisch: engl. Matthew, franz. Matthieu, ital. Mattia, Matteo, weibl. Matthäa, Manea Koseformen: Mattes, Mades, Thiess, Hias(l), Matze.

Brauchtum/Verehrung

Reliquien im 4. Jh. zusammen mit dem »Hl. Rock« und einem Kreuznagel durch Bischof Agritius nach Trier gebracht; dort in der Basilika der Benediktinerabtei St. Matthias verehrt (einziges Apostelgrab in Deutschland). M.tag ist Lostag für das Wetter (Bauernregel »Mattheis bricht's Eis; hat er keins, macht er eins«); Bräuche in der M.nacht: Todes- und Liebesorakel, Krankheitsorakel mittels Efeublättern. M.-Bruderschaften im Rheinland.

Darstellungen

Als Apostel im langen, gegürteten Gewand; mit Buch oder Schriftrolle, Beil, Hellebarde, Steinen oder Schwert.

Wallfahrtsorte/Reiseziele

Grabeskirche in Trier; Apsismosaik und Kopfreliquiar (Rom, S. Maria Maggiore); Insel Murano; Domstift Goslar/Harz; Matthiasbilder (oft zusammen mit anderen Aposteln): Fresko in Rom, S.Crisogono (10. Jh.); Aachener Marienschrein (1237); Heisterbacher Altar (15. Jh., München, Alte Pinakothek) und in Wien im Kunsthistorischen Museum: Thomasund-Matthias-Altar der Zimmerleute (Patronat!) von Barend van Orley, 1515; Matthiaskapelle am Jakobusweg (Köln / Trier in der Eifel;

Patron

Bistum und Stadt Trier, Städte Goslar, Hildesheim und Hannover; M.bruderschaften; Bauhandwerker, Bautischler, Metzger, Schmiede, Schneider, Tischler, Zimmerleute, Zuckerbäcker, zum Schulbeginn von Jungen; gegen Keuchhusten, Schutz vor Lawinen, Blattern und eheliche Unfruchtbarkeit.
Matthiasbildstock im Reuss-Tal im Anstieg zum St. Gotthard:
Diesen Bildstock haben wir selber erleben dürfen, als wir uns im Jahr 2000 zu Fuß auf den Weg nach Rom machten. Auf der Tagesetappe zwischen Flüenen und Gurtnellen im Reuss-Tal, also im Anstieg zum St. Gotthard, stießen wir kurz vor Gurtnellen, direkt am Pilgerweg auf den Bildstock. Wir mußten mindestens zweimal hinschauen, aber es blieb dabei, es war der Hl. Matthias, hier im Reuss-Tal in einem Bildstock. Wir rätselten noch, was macht der "Matthias" denn hier im Reuss-Tal. Aber die Auflösung kam schon einige Minuten später, als wir eine Familie bei der Heuernte auf dem Felde trafen. Wir fragten Sie nach dem Grund, und bekamen prompt zur Antwort - das ist unser "Lawinenheilige". Da oberhalb des Bildstocks vor etlichen Jahrzehnten im Winter sehr häufig an dieser Stellen die Lawinen zu Tal gingen, hatte man sich 1950 entschlossen hier einen Bildstock mit einem "Lawinenheiligen" zu errichten. Warum denn der Hl. Matthias, fragten wir, aber da konnte uns die Bauernfamilie auch keine genauere Auskunft geben. (Bild: Matthiasbildstock kurz vor Gurtnellen - leider etwas unglücklich aufgenommen!)

 

 


Verwandtschaft

Stimmgewaltig: Mattia Battistini, Matthias Hölle, frech: Matthias Beltz; sportlich: Matt Biondi; cineastisch: Matti Pellonpää, Matthew Chapman, Matthias Zschocke; kunstvoll: Matthias Claudius, Matthias Grünewald und der Eifeldichter Matthias Zender; kirchlich: Bischof Matthias Wehr (Trier) und Matthias Erzberger; clever: Matthias Hohner, Matthias Wissmann. Sowie Matze Käfer, Matthias Krings (»Metty«).

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Mattheis, wie es nicht jeder kennt

Das "Altmattheiser Wunderbuch" eine 1948 erschienene, 374 Seiten umfassende Veröffentlichung, herausgegeben von Pater Johannes Hau von der Benediktinerabtei St. Eucharius/St Matthias, übermittelt uns aus der Zeit des glaubensstarken Mittelalters Begebenheiten, Geschehnisse, Vorfälle und Ereignisse "inniger und kerniger Frömmigkeit"" aus dem Kreis der Pilger, die seit Jahrhunderten nach St. Mattheis kamen. Danach pilgerten alt und jung in frommer Begeisterung zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen sowohl aus den rheinischen Ländern, aus Flandern, Belgien und Holland, auch aus Lothringen, aus dem Elsaß und der Schweiz, aus Württemberg, Bayern und Kärnten, aus Ungarn, sie kamen von Mitteldeutschland und aus den östlichen Gebieten von Polen und Litauen nach St. Mattheis.

Das "Altmattheiser Wunderbuch" beschreibt in über 350 Einzelberichten den Verlauf der Wunderheilungen bei Krankheiten, unter denen die "Geißeln des Mittelalters" die großen Seuchen, vornehmlich die Pest, eine Rolle spielten. So heißt es z.B. an einer Stelle, daß im Jahre 1636 Dietrich Megell aus Gelsdorf, Kreis Ahrweiler, sowie seine Frau Agnes und seine Töchter Helena und Katharina auch von dieser Krankheit erfaßt wurden, so daß sie befürchteten, in kurzem wie etliche Nachbarn zu enden. Die Krankheit wirkte sich so aus, daß sich die Menschen in ihrer Verzweiflung das Leben nahmen, ins Wasser liefen oder ins Feuer, andere legten Hand an sich. Darum gelobte Herr Dietrich im Namen aller dem heiligen Matthias, wenn er sie vor solchem Elend behüte und zur früheren Gesundheit zurückführe, so wolle jeder von ihnen ein halbes Pfund Wachs vor seinem Reliquienschrein persönlich aufopfern. Sobald er dieses Gelübde getan hatte, wurden alle vier so frisch und gesund, daß sie vom Krankenlager aufstehen konnten.."In Dankbarkeit traten sie kurz darauf die Wallfahrt nach Trier an." Die Pest, eine Infektionskrankheit die in verschiedenen Formen nicht nur im Mittelalter auftrat, bewirkte ein Massensterben in Deutschland und einen Bevölkerungszusamrnenbruch. Seinerzeit hatte Triers Bevölkerung so abgenommen, daß mehr Soldaten als Einwohner hier lebten. Der Rat erließ strenge Verordnungen und Verhaltensmaßnahmen zur Abwehr und Bekämpfung der Seuche. Danach wurde auch zur Absonderung von Kranken verschiedene Häuser zur Aufnahme und Pflege eingerichtet. "Estrich" ist z.B. eine Gründung der Abtei. Hier fanden die unheilbar Kranken eine Aufnahme. Hier wurden sie auch von den Mönchen der Abtei gepflegt und unterhalten, die damit ihrer Regelverpflichtung zur Armenpflege nachkamen. Nach der Oberlieferung bestand das Leprosenheim Estrich seit dem 13. Jahrhundert für vom Aussatz befallene Männer und Frauen. Mit dem Versiegen des Aussatzes im frühen 13. Jahrh. wurde das Leprosenheim zu Estrich leer. Zuletzt hatte der "Hofmann" von Estrich bzw. dessen Frau für die Kranken gekocht. Mit Klingel und Korb sammelten sie in der Stadt Almosen. Hierfür hatte der "Klingelmann" freie Wohnung in Estrich und neben einem Anteil an dem eingesammelten Gut auch noch die Grundstücksnutzung. Heute berichten nur noch vergilbte Blätter von jener Zeit. Die letzten baugeschichtlichen Zeugnisse in Estrich sind einer modernen Hotelanlage gewichen.

Seuchen haben in der Menschheitsgeschichte ihren Platz und schweben immer als Schicksal über den Menschen. Wenngleich wir nur in den letzten Jahrzehnten in Europa relativ sicher vor großen Seuchen wähnten, erinnern die Aussagen über die Cholera in Südamerika oder die epidemische Ausmaße annehmende Verbreitung von Aids-Erkrankungen daran, "daß unser Sicherheitsgefühl heilsam erschüttert wird".

Günther Molz

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Erzbruderschaft des Heiligen Matthias

Pilgerbrief   Nr. 2  -  Herbst  2017

Jahreswort 2018

kommt und seht

(Leitwort 2018)

Pilgerbrief Nr. 2 -  Herbst 2017 


Erzbruderschaft des Heiligen Matthias

Br. Athanasius Polag
Matthiasstraße 85
54290 Trier
Tel: 0651-1709-209
Fax: 0651-1709-243
(Pilgerbüro)
E-Mail:
SMB@abteistmatthias.de
Internet:  http://matthiasbruderschaften.kibac.de/

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Unsere Matthias-Wallfahrt 2018 - findet vom 6.5. bis 13.5.2018 statt.


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Das Matthias Lied

  1. 1.) Zu der Apostel Zahl gesellt durch heilge Wahl Matthias, Gotteszeuge. Jetzt an des Höchsten Thron hilfreicher Schutzpatron, zu uns dich niederbeuget Das ganze Land hebt Herz und Hand empor zu dir vertrauend.

  2. 2.) Der Herr, zu dessen Ruhm du littet das Martertum, versagt dir keine Bitte; dein heilger Leib nun ruht als unschätzbares Gut verehrt in unsrer Mitte. Dies teure Pfand Schutz Leut und Land, den Hirten und die Herde!

  3. 3.) O Stern, der neuen Glanz gießt auf der Jünger Kranz, die treu zu Jesus stehen. O Kirchensäule hehr, fest wie der Fels im Meer, wie auch die Stürme wehenl Die Kirche stütz, den Glauben schütz, gib Trost und Mut den Schwachen!

  4. 4.) Erfleh' von Jesus Christ, was uns zum Heile ist im Leben und im Sterben, daß unsere Gott allein, wir Leib und Seele weihn, den Himmel uns erwerben! O bleib uns hold! Des Dankes Sold dir zollen alle Herzen.

  5. 5.) Der Herr, dem du gedient, der unsre Schuld gesühnt, für uns sich hingegeben, er hat dich ausgesandt, zu künden allem Land: "Ihr seid befreit zum Leben!" Trag Gottes Wort an jeden Ort, daß Frieden werd auf Erden.

  6. 6.) Gott schuf durch seine Wahl nach der zwölf Stämme Zahl den Kreis der Zwölf aufs Neue. Was Menschenschuld zerbrach, er trägt es uns nicht nach, bewahrt uns stets die Treue. Wir sind in Schuld; bitt Gott um Huld, daß eins sei Christi Herde!

  7. 7.) Nun bist du, Christi Freund, auf ewig ihm vereint, dem du gefolgt im Leide. Wenn er am Ziel der Zeit erscheint in Herrlichkeit und alles ruft zur Freude: dann tritt hervor, Nach weit das Tor, daß Gottes Reich wir erben.

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Wohin 2017 .... natürlich auf den Jakobusweg                                                    Hier können Sie uns eine eMail schreiben

 

Updated: 27. Oktober 2017  -  9:15 Uhr

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