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Am 08.07.2001, einem Sonntag, haben wir um kurz nach 8:00 Uhr unsere
Wohnungstür verschlossen und Alois hat den Schlüssel im Brustbeutel
versenkt. Ganz komfortabel gestaltete sich unsere Reise. Der Bus
nach Bonn war fast leer, und im Zug nach Frankfurt saßen wir in
einem luxuriösen Großraumabteil. Die Lufthansa hat ein Abkommen mit
der Deutschen Bundesbahn. Flugreisende können 1. Klasse fahren
und bekommen noch einen Verzehrbon in Höhe von 20,00 DM den sie im
Speisewagen, falls vorhanden, einlösen können. Klar, dass wir zum
zweiten Frühstück in den Speisewagen gegangen sind. Das hätten wir
auch ohne Verzehrbon getan. Im Zugrestaurant zu sitzen und der
Tageszeit entsprechend zu speisen, während der Zug durch das
Rheintal in Richtung Frankfurt (oder umgekehrt in Richtung Bonn)
braust ist fürstlich und sehr empfehlenswert.
Der Flug nach
Mailand dauerte etwas mehr als eine Stunde und um 16:00 Uhr waren wir schon
am Mailänder Dom. Vorher mussten wir noch einen italienische
Fahrkartenautomaten „bezwingen“. Da wir uns in Mailand noch vom vergangenen
Jahr her ein wenig auskannten war das ein geringes Problem, denn wir wussten
genau, wohin wir fahren wollten.
Das Dach des Mailänder Doms übt eine besonders große Anziehungskraft auf
uns aus. Im letzten Jahr haben wir es von unten „angehimmelt“ und in diesem
Jahr sind wir auf dem Marmordach des Doms spazieren gegangen. Die gotischen
Türmchen, Bögen, Figuren und filigrane Steinmetzarbeiten von Nahem zu sehen
macht fast sprachlos vor Staunen. Besser als Worte ist hier (wie so oft) ein
Bild.
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Am folgenden Tag sind wir von Mailand mit dem Zug nach Florenz
weitergefahren. Zwei Tage sind wir in Florenz geblieben. Über
Florenz ließe sich viel erzählen. Anfangen könnten wir bei der
Piazza del Duomo und der prächtigen
Fassade der Kathedrale. Wir könnten aber auch zuerst vom Baptisterium
berichten oder von den unzähligen Palazzos. Überall wohin wir blickten und
überall wo wir einen evtl. Besuch geplant hatten, überall waren Touristen
aus allen Erdteilen und entsprechende Warteschlangen. Besonders lang war die
Warteschlange vor den Uffizien, eine der berühmtesten Gemäldegalerien
Italiens. Einmal hatten wir Glück. Ohne vorherige Warterei konnten wir den
Palazzo Vecchio betreten. Das war an einem Montagabend. Ein wunderschönes
Erlebnis. Diese Möglichkeit, Abends in einem Museum zu weilen, sollte den
Menschen des Öfteren geboten werden.
Hoch
über der Stadt liegt die Piazzale Michelangelo. Die Mühe des Aufstiegs wird
mit einem prächtigen Blick auf Florenz belohnt. Der Treppenaufgang (viele
Stufen) „gehörte“ uns allein weil man nämlich auch mit dem Auto oder mit dem
Reisebus auf den Berg fahren kann. Zur auf der Kuppe dieses Berges gelegenen
Kirche San Miniato al Monte jedoch muss jeder aus eigener Kraft ansteigen
und weil die Kirche ein Meisterwerk romanischer Baukunst ist empfehlen wir,
diese Kraft aufzuwenden.
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Die nächsten zwei Tage haben wir in Siena verlebt. Mit Orten und
Plätzen, uns aus dem vergangenen Jahr vertraut, haben wir
Wiedersehen gefeiert. Bei diesem Wiedersehenfeiern ist es nicht
geblieben. Dank eines ausgeklügelten
Routenplanes haben wir Gassen und Gässchen des Ortes beschritten, die wir im
vergangenen Jahr nicht erkundet hatten. Ähnlich erging es uns mit den
Kirchen der Stadt. Wir konnten viele kleinere und größere Stadtteilkirchen
betreten, deren Portale wir im vergangenen Jahr verschlossen vorfanden.
Jedes der alten Stadtviertel, „contrada“ genannt, hat nämlich eine eigene
Pfarrkirche, eine spezielle Fahne, Fahnenschwenker und Trommler und ein
Versammlungshaus. Manche Contrada hat inzwischen auch einen
Stadtviertelbrunnen.
Unterschiedlichste Menschen halten in Italiens Kirchen Wache. Dieses
Wächteramt wurde in Sienas Universitätskapelle von einer 73jährige
Ordensfrau ausgeübt. Sie begrüßte uns, erfragte unsere Namen und erzählte
dann mit vielen Gesten und italienischen Worten die Lebensgeschichte des
Heiligen Aloisius von Gonzaga. Danach erzählte sie uns ihre eigene
Lebensgeschichte und irgendwie verstanden wir beide Geschichten (ohne
Sprachkenntnisse). Erstere Geschichte verstanden wir, weil wir sie
schon vorher kannten und letztere, weil die Erzählung mit so viel
Leuchten in den Augen vorgetragen wurde. Die alte Ordensfrau war in
einer Geschwisterreihe von sieben Kindern die Jüngste und ihre Mama
konnte deutsch sprechen. In Erinnerung an ihre Mama kramte die
Erzählerin in ihrem Gedächtnis nach deutschen Wörtern und das
einzige, was ihr einfiel war: Brot. Nicht nur diese Begegnung hat
dazu beigetragen, dass wir uns in Siena rundum wohlgefühlt haben.
Siena ist ein (mehrere) Besuch wert, zudem noch
eine Fußgängerfreundliche Stadt und auf der Piazza del Campo zu sitzen, ist
ein unvergessliches Erlebnis.
- Ja und
dann am 6. Tag (Freitag, 13. Juli 2001) machen wir uns endlich auf den Weg
und gleich die ersten Schritte sind rundum gut. Mitten auf den Straßen
Sienas gehen wir, erst vom Stadttor an müssen wir die Straßen mit anderen
Verkehrsteilnehmern teilen. Hier können wir gleich die Wirkung unserer
Pilgerstäbe testen. (Im vergangenen Jahr haben wir dummerweise moderne
Teleskopstäbe mitgetragen, ja mitgetragen, denn genutzt haben wir sie auf
Italiens Straßen nicht.) Alois mit seinem langen Stab imponiert den
Autofahrern dermaßen, dass sie einen weiten Bogen um uns machen und auch
mein etwas kleinerer Holzstab zeigt Wirkung. Von hinten kommend sind nämlich
Raser und Überholer besonders unangenehm und ich bin im vergangenen Jahr
häufig vor Schreck fast im Straßengraben gelandet. Unsere Pilgerstäbe sind
Schutzstäbe geworden. Entgegenkommende Fahrzeuge weichen uns aus und mit uns
in die gleiche Richtung fahrende überholen erst, wenn sie uns passiert
haben. Mit so imposantem Pilgerschritt brauchen wir nicht ständig zu gehen.
An vielen Tagen können wir die Stäbe einfach nur locker und waagerecht in
der Hand durch das Land tragen. Insgesamt haben wir in diesem Jahr an
Italiens Straßen kaum gefährliche Situationen durchgehen, durchstehen
müssen. Ganz im Gegenteil, es gab etliche Tage an denen wir durch fast
unbesiedeltes Land gegangen sind mit entsprechend wenigem Individualverkehr.

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Gleich der erste Tag war solch ein Tag. Bei Tageskilometer 10 haben
wir die erste und letzte BAR unterwegs vorgefunden. (Die drei
Buchstaben BAR lesen wir in Italien besonders gern, verheißen sie
doch leckeren Cappuccino.) Der Ausgleich für die cappuccinoarme
Tagesetappe war: unbeschwertes Gehen durch Hügelland. Das Land ist
so schön, dass selbst Autofahrer aus ihren Autos klettern um den
Blick ins Land zu genießen. Wir beobachten einen jungen Mann, der
alle paar Meter seinen Wagen anhält, ins Land schaut und Foto um
Foto knipst. Er macht Bilder von goldenen, sich bis zum Horizont
erstreckenden Hügeln. Golden schimmert das Land, weil die Sonne die
Korn- und Stoppelfelder zum leuchten bringt.
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Am
zweiten Pilgertag gehen wir durch große Waldgebiete (überwiegend
Steineichen). Im Tagebuch habe ich an diesem Tag geschrieben: „Heute haben
wir Italien zum ersten Mal gehört und gerochen. Würzig riecht es, wenn keine
Abgase die Luft verpesten und zu den uns bekannten Geräuschen wie
Vogelzwitschern gesellt sich das Zirpen der Zikaden.“
Uns
gereichte es insgesamt zum Segen, dass wir uns bei der Planung der
Rompilgerung für zwei Jahresetappen und den „Umweg“ über Assisi entschieden
haben. Vom ersten bis zum letzten Tag konnten wir viel, viel unbeschwerter
als im vergangenen Jahr gehen. Stinkende Autokolonnen und vorbeidonnernde
Lastwagen waren passé. Wir pilgerten auf Nebenstraßen, am Lago Trasimeno
sogar auf Wanderwegen und die Via Flaminia, wir nutzten sie ab Foligno,
führt durch einsames Hügelland. In diesem Jahr kamen wir uns wieder wie
Pilger und nicht wie Roadrunner vor.
Pilger, die jeden Tag unter blauem Himmel durch Wälder und Felder gehen, an
Olivenhainen vorbeikommen und an Weinbergen stehen bleiben um zu schauen,
wie weit die Trauben schon gereift sind. Nur an einem einzigen Tag haben graue, ziemlich dunkelgraue
Regenwolken die Sonne verdeckt. Die Sonne hatte das Land ausgedörrt und
damit das Gleiche nicht mit uns geschehen konnte, haben wir unsere
Rucksäcke im Morgengrauen (ca. 6:00 Uhr) geschultert. An einzelnen Tagen,
wenn eine besonders lange Etappe anstand, sind wir sogar schon vor der
Morgendämmerung aufgebrochen. So waren wir fast jeden Tag um die Mittagszeit
am Zielort und konnten die heißesten Stunden des Tages in kühlen Räumen
verbringen. An Spätnachmittagen und Abenden wurden die Etappenorte erkundet.

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In Santa Maria degli Angeli und Assisi haben wir uns mit einem Erkundungsgang
am Abend nicht zufrieden gegeben. Wir haben drei Nächte im „Le Stuoie“
geschlafen, was übersetzt „Strohmatten“ heißt. Franziskanischer Geist weht
durch das Haus und wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Franziskanischer
Geist heißt im Zusammenhang mit „Le Stuoie“, dass die überwiegend sehr
jungen Franziskaner jederzeit gesprächsbereit sind, dass Gäste vor und nach
dem Essen gemeinsam ein Tischgebet sprechen, dass Gäste an Gottesdiensten
teilnehmen können und für Gruppen auch Glaubensseminare und Exerzitien
angeboten werden. Franziskanischer Geist heißt in „Le Stuoie“ jedoch nicht,
dass die Gäste auf Strohmatten schlafen müssen. Ganz im Gegenteil, die
Gästezimmer sind sehr geräumig, alle haben ein eigenes Bad und bei Tisch
braucht der Gast auch nicht darben. Touristen und Bildungsreisende sind in
diesem Haus nicht willkommen. Einzelreisende wie wir werden nur auf
besondere Empfehlung hin aufgenommen. Unser Zimmer im „Le Stuoie“ in Santa
Maria degli Angeli, wie auch das Zimmer in der „Casa Bonus Pastor“ in Rom
hat ein weitgereister Franziskanerpater für uns gebucht. Per eMail hatten
wir Kontakt mit dem Franziskanerpater in Rom aufgenommen und der hat ohne
langes Zögern für uns Quartier gemacht und das danken wir ihm sehr. (Diese
beiden Reservierungen waren die einzigen, die wir hatten.)
Santa Maria degli Angeli,
diesen Ort liebte der heilige Franziskus sehr. Hier begann er nämlich in
aller Demut sein Werk und hier starb er auch. Dort, wo einstmals die ersten
Franziskanerbrüder ihre Hütten um eine kleine Kapelle (Portiunkula) herum
aufgebaut hatten, dort steht heute eine der gewaltigsten Kirchen der
Christenheit, die Basilika von Santa Maria degli Angeli. Unter der Kuppel
der riesigen Kirche geborgen steht ein winzigkleines Kirchlein, Portiunkula
genannt.
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Santa
Maria degli Angeli, zwei Tage und drei Nächte lang haben wir dort als
halbsesshafte Pilger gelebt und von dort aus Assisi sowie die Eremo delle
Carceri erkundet. Bevor wir das erste Mal den Berg, auf dem Assisi liegt
erklommen haben, kauften wir uns das Heftchen ASSISI – FRANZISKANISCHER
WEGWEISER. Hier einige kurze Textabschnitte aus dem bebilderten Heft.
(Textauslassungen sind durch drei Punkte kenntlich gemacht.):
„Bruder,
staune nicht, dass ich Dich so anrede. Für den hl. Franziskus waren alle
Brüder, Auch Du!
Du
kommst vielleicht zum ersten Mal nach Assisi und heute erfüllt sich Dir ein
lange gehegter Traum. ... Reichtum an Kunstwerken ... Schönheit der Natur
... Farbenpracht ... vor einer Gefahr möchte ich warnen, damit nicht nach
Deinem Besuch eine Enttäuschung zurückbleibe. ...
Mancher kommt nach Assisi mit dem Kopf voller Künstlernamen und Stylarten
und schreitet durch diese dem Geist geweihten Heiligtümer, als wäre er in
einer Kunstgalerie. Der Vergnügungsreisende kann sich die Seele Assisis
nicht erschließen. ... Assisi bietet sich dem Besucher in einem
wunderschönen Gewande aber die prunkvolle Kunst eines Cimabue, eines Giotto
oder Simone Martini darf nur als Mittel betrachtet werden, um der Seele des
hl. Franziskus näher zu kommen. ... Was dir das Leben auch bescheren mag,
der Gruß des Bruders Franziskus begleite Dich: FRIEDE UND HEIL !“
Dieser
Gruß hat uns auf den Wegen in und außerhalb von Assisi begleitet. „Fast
jeder Stein“, so wird im franziskanischen Wegweiser beschrieben,
„und jedes
Kunstwerk erinnert an den Heiligen, der vor 700 Jahren hier lebensfroh und
singend seine Jugendjahre verbracht hat und weltlichen Idealen nachträumte,
der dann plötzlich seine Schritte in die entgegengesetzte Richtung lenkte,
ohne dass dieser Wandel auch nur einen Augenblick lang den Gesang auf seinen
Lippen und die Freude in seinem Herzen hätte verstummen lassen. ...
Durch
eine einzigartige Fügung ist uns von dieser Begebenheit nicht nur die
Erinnerung überliefert worden, sondern auch das gesamte Milieu ist erhalten
geblieben, wodurch eben Assisi eine in der Welt einmalige Stadt wurde.
Assisi ist die Hüterin des Geheimnisses des hl. Franziskus und hier ist sein
Geist noch heute deutlich spürbar.“
Diese
Sätze aus dem Heft FRANZISKANISCHER WEGWEISER möchten wir so stehen lassen.
Eine ausführliche Beschreibung all der vielen großen und kleinen Kirchen in
Assisi würde den Rahmen dieses Kurzberichtes sprengen. Genauso wenig
können/wollen wir all die Kunstschätze, die Gemälde, Fresken und Statuen
beschreiben, die wir im Verlauf der Pilgerung nach Rom gesehen haben und all
die ruhmvollen Künstlernamen wollen wir auch nicht aufzählen, wohl aber
unsere diesjährigen Etappenorte: Mailand – Firenze – Siena – Asciano –
Sinalunga – Montepulciano - Castiglione del Lago - San Feliciano - Ellera (Corciano)
– Perugia - Santa Maria degli Angeli – Assisi – Foligno – Trevi – Spoleto –
Terni - Hotel „Ala d´Oro“; Via Flaminia, Kilometer 74,3 - Hotel „Sassacci“;
Via Flaminia, Kilometer 56,0 - Hotel „Gran Sasso“; Via Flaminia, Kilometer
29,7 - Hotel „Flaminius“; Via Flaminia, Kilometer 12,6. Übrigens, die
meisten Ortschaften an dieser Route liegen auf Bergspitzen. Die Anstiege
sind kräftezehrend, aber lohnend.
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Ab Assisi sind wir auf der Via Flaminia gegangen. Die Via Flaminia
wurde im Jahre 22 vor Christus vom Zensor Gaius Flaminius erbaut um Rom mit dem
östlichen Ende der Via Emilia in Ariminum (Rimini) zu verbinden. Sie wurde
im Mittelalter als direkte Verbindungslinie beibehalten. Vom 13. Jahrhundert
an gewann die Via Flaminia durch das Entstehen des Franziskanertums ganz
besondere Bedeutung, denn für Gläubige auf dem Weg nach Rom wurde Assisi
selbst zu einem wichtigen Pilgerziel.
Die
Via Flaminia hat uns sicher bis in das Herz von Rom geführt, abgesehen von
einem kleinen Abenteuer am Stadtrand von Rom. Dort, in Prima Porta, schien
anfänglich kein Durchkommen mehr für Fußpilger zu sein. „Die Via Flaminia
führt durch die Prima Porta und über die Milvische Brücke in die Stadt
hinein“. Mit diesem Satz endet das Buch ALTE WEGE NACH ROM von Francesco
Dufour und wir waren zufrieden mit dieser Beschreibung. Wie sollten wir, das
Ziel vor Augen, noch den Weg verlieren. Wir waren ganz sicher in der
Annahme, problemlos in Rom einzuziehen zu können. Vor Ort jedoch sah es
plötzlich so aus als sei der Fußpilgerweg an der Milvischen Brücke zu Ende.
Die „Milvische
Brücke“ ist der Geschichtsschreibung und Legende nach ein entscheidender Ort
für die Christenheit. Die Legende berichtet: Kaiser Konstantin sei vor der
entscheidenden Schlacht im Norden Roms eine Erscheinung zuteil geworden, die
ihm versprach, dass er im Zeichen des Kreuzes den Kampf gegen seinen Rivalen
Maxentius gewinnen würde. Er siegte, entmachtete danach einen weiteren
Mitregenten und war ab 325 Alleinherrscher im Römischen Reich. Kaiser
Konstantin hat der Unterdrückung der christlichen Minderheit ein Ende
gesetzt und dem Christentum als Staatsreligion den Weg geebnet.
Wir
fanden an der Milvischen Brücke keinen geebneten Weg vor sondern schlichtweg
größtes Chaos. Auf einem recht kleinen Platz kurvten Fahrzeuge aller Art
kreuz und quer in der Runde, mittendrin gab es einen Obststand, am Rande
versteckt eine Kirche, etwas deutlich sichtbarer einen Bus- und U-Bahnhof
und zu den kreuz und quer im Kreis fahrenden Vierrädern gesellten sich noch
Unmassen von motorgetriebenen Zweirädern und ganz verwegene Fußgänger, so
wie wir. Aus dem Chaos schien kein Entkommen möglich. „Die Via Flaminia
führt im Norden Roms über eine Brücke...“, aber nicht mehr über die alte „Milvische
Brücke“, sondern über eine moderne Brücke. Wir haben den kühnen Schwung der
Schnellstraßenbrücke gesehen, konnten sie aber nicht nutzen, da wir kurz vor
Erreichen des „Chaosplatzes“ von der Via Flaminia abbiegen mussten. Sie
verschwand einfach in einem Tunnel und wir wollten unsere Fußpilgerung
Richtung Rom ungern unterirdisch fortsetzen. Nach langem Ausspähen
entdecken wir eine Fußgängerbrücke über einen Seitenarm des Tibers, der uns
von der Flaminiabrücke trennt und wir entrinnen dem Chaos. Am Abend trauen
wir uns noch einmal auf den „Chaosplatz“ zurück um in der erwähnten Kirche
eine Abendmesse mitzufeiern.
Am
nächsten Morgen schien uns das Chaos wieder einzuholen. Die Via Flaminia ist
ab Kilometer 18,5 bis zum Autobahnring Roms eine vierspurige Schnellstraße
mit begrüntem Mittelstreifen und breiten Standstreifen. Da wir nirgends ein
Verbotsschild entdeckten gingen wir mit dem Mut Verzweifelter weiter. In
Gedanken schüttelten wir über uns selbst den Kopf. Wir waren plötzlich
„Autobahnpilger“. Mulmig war uns zumute. Unsere Unsicherheit ließ erst nach,
als uns ein Radfahrer entgegen kam. Richtig aufgeatmet haben wir, als wir
den Autobahnring gekreuzt hatten und „unsere“ Via Flaminia wieder einfaches
Format annahm.
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Von
einer Besonderheit der Via Flaminia möchten wir noch berichten. Auf den
letzten einhundert Kilometern unserer Pilgerung waren wir immer genauestens
darüber informiert, wie weit von Rom entfernt wir uns durch das Land
bewegten. An den Hausnummern konnten wir die Entfernung ablesen. Das Hotel
an der Via Flaminia bei Kilometer 74,3 ist uns in besonders guter Erinnerung.
Die Straße verläuft in diesem Abschnitt auf einem Bergkamm und entsprechend
weit war der Blick in alle Himmelsrichtungen. In Rom selbst sind dann die
Hausnummern an der Via Flaminia erst vierstellig und zum Schluss
einstellig.
Rom
haben wir am 31. Juli erreicht. Unseren ersten Abend dort haben wir mit
einer vielköpfigen Schar von Messdienerinnen und Messdienern bei Gesang und
Gebet auf dem Petersplatz verbracht. Am nächsten Tag hat uns der Petersplatz
erneut angezogen, weil dort um 11:00 Uhr eine Papstaudienz stattfinden
sollte. Zutritt zu Papstaudienzen wird nur Besitzern einer Eintrittskarte
gewährt. Diese Eintrittskarten sind kostenlos, sollten aber mindestens zwei,
drei Tage vor der stattfindenden Audienz besorgt werden. Zu diesem Zeitpunkt
waren wir aber noch vor den Toren Roms. So brachen wir am Morgen mit dem
Gedanken auf, die Papstaudienz aus der Ferne mitzuerleben.
Ganz
anders ist alles gekommen. Alois hat mich überredet, mit ihm zusammen
unverzagt in das deutsche Pilgerbüro (in der nähe des Petersplatzes) zu
gehen und um zwei Eintrittskarten zu bitten. Die junge Dame hinter dem
Empfangstresen des Pilgerbüros hat ohne langes Zögern auf unsere Anfrage hin
einen großen Briefumschlag geöffnet und zwei rote Eintrittskarten daraus
hervorgezaubert. Mit diesen Karten in der Hand eilten wir zum Petersplatz.
Einweiser sorgten mit Nachdruck dafür, dass sich die Stuhlreihen Segment für
Segment füllten. Wir wurden in das vorderste Segment eingewiesen und haben
uns dort in der hintersten Stuhlreihe niedergelassen. Wir wählten einen
außergewöhnlich guten Platz aus. Die Absperrbande im Rücken bot uns nicht
nur ein wenig Schatten, sie trennte uns auch nur wenige Zentimeter von dem
zu Beginn der Audienz durch die Reihen fahrenden Papst.
Einen vollen Petersplatz
hat der Papst vorgefunden, den er aus Castel Gandolfo kommend mit dem
Hubschrauber vor der Audienz überflogen hat. Durch Fernsehübertragungen sind
uns Bilder vom Petersplatz während einer Papstmesse oder Papstaudienz
vertraut. Diese Bilder sind beeindruckend. Beeindruckender aber ist es,
mittendrin zu sein. Noch beeindruckender ist es, dieses Erlebnis mit 22.000
jungen Menschen zu teilen.
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Insgesamt 10
Tage haben wir in Rom an der Via Aurelia 208 im vierten Stockwerk
gewohnt. Das Haus „Casa Bonus Pastor“ steht auf einem Hügel in
direkter Nachbarschaft zum Vatikan. Fast hätten wir in die
vatikanischen Gärten schauen können. Aus etlichen Fenstern des
Hauses wird dies auch möglich sein. Wir selbst hatten aus „unserem“
Zimmerfenster einen Blick auf die Dächer Roms und auf einen Teil der
Kuppel des Petersdomes.
Zehn Tage in Rom, eine
gute Zeit, trotz der Hitzewelle. Laut Pressemitteilung war es während der
Papstaudienz auf dem Petersplatz 42° heiß. Warm und sonnig war es überall in
Rom, selbst Kirchen und Museen hatten in ihren Räumen ausreichend Wärme
gespeichert. Wir waren durch unsere Fußpilgerung schon ein wenig (ganz viel)
ans Schwitzen gewöhnt und so konnte wir uns am blauen Himmel über Rom
erfreuen.
Dies ist der Kurzbericht
der heimgekehrten Rompilger Namens Thekla und Alois, die sich unterwegs
gelegentlich wie Jakobspilger gefühlt haben. Dieses Gefühl war besonders
stark am 25. Juli, dem Festtag des heiligen Jakobus. An diesem Tag haben wir
um 9:00 Uhr eine dem heiligen Jakobus geweihte Kirche mit Beginn der
Festmesse betreten. Klar, dass wir Rucksack und Pilgerstab absetzten und
ablegten um das Festhochamt mitzufeiern. Die Festgemeinde hat sich sichtlich
über unsere Anwesenheit gefreut. Der Ort, in dem dies alles am 25 Juli
geschah: San Giacomo, Via Flaminia, Kilometer 135 Unwahrscheinlich mag die
Geschichte klingen, sie ist aber wahr.
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Thekla & Aloys
Für alle die sich auch nach
Rom aufmachen wollen!
Hier die Adresse um den
Pilgerpass "Charta Peregrini" für
die Via Francigena zu bestellen:
Confraternitas Sancti Jacobi
Compostellae
Via Francolina 7
06123 Perugia
Tel. 075.5736381 (0039 für Italien und die 0(Null) von der Vorwahl
muss gewählt werden)
Fax.: 075.5854607 (hier gilt natürlich das gleiche)
.... natürlich auf den
Jakobusweg

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